Friedrichsruh – Nachbetrachtung

Ich allein auf der Historikerebene: großartigstschöne Ausstellung in der Stiftung, überraschendes Museum mit vielen einzigartigen Exponaten und das Mausoleum als beachtenswerter Ort oder zur unterrichtlichen Ergänzung/Schwerpunktbildung für den Bismarck-Mythos.
Aus der Perspektive meiner Schüler: Trotz unterhaltsamer Führung durch einen sympathischen Pädagogen vor Ort – „erschlagend“ und „was soll ich nun damit anfangen?“.

Die Entscheidung, doch mit dem Bus dorthin zu fahren, war gut. Kurzer 30-Minuten-Lauf von der Bushaltestelle zur Stiftung. ;-) Aber so kam ich endlich mal etwas privater mit einigen meiner Schülerinnen ins Gespräch. An der Stiftung wurden wir wieder in unsere Ursprungsklassen eingeteilt, Kollege H. blieb bei seiner Klasse, ich bei meiner. Ein Trupp zuerst ins Museum, der andere ins Stiftungsgebäude (= das ehemalige Bahnhofsgebäude von Friedrichsruh), später allesamt ins Mausoleum.

Die Ausstellung in der Stiftung ist vom Stoffumfang leider viel zu heftig für eine 8. Klasse – jedoch sehr gut komprimiert und strukturiert aufgebaut. Es beginnt mit Bismarcks Geburt und der zeitlichen Zuordnung von Restauration und Vormärz, es endet mit dem Mythos um Bismarck (Bismarck-Türme, Alltagsgegenstände mit seinem Konterfei) und dem 1. Weltkrieg. Beim nächsten Mal sollte ich diesen Besuch/diesen Teil der Führung wohl eher ans Ende der Einheit setzen, eventuell auch erst in der SekII nutzen. Statt einer Überblicksführung sollte ich beim nächsten Mal eventuell eine Themenführung mit anschließendem Gespräch bzw. punktueller Bearbeitung eines Themas ins Auge fassen, zumal auch das Archiv genutzt werden kann…

Das Museum ist toll, allein die sogenannte Friedrichsruher Fassung der Kaiserproklamation lohnte sich m.E. für diesen Ausflug. Die Schüler standen staunend davor, kein Vergleich zum kleinen Bild im Lehrbuch. Auch die Gesamtheit der ausgestellten Orden und Möbel Bismarcks fanden ihre Begeisterung. Seltsam anrührend, wie imposant so ein 150 Jahre alter Schreibtisch auf das Geschichtsbewusstsein von Jugendlichen wirken kann.

Zum Abschluss unter den Bahnschienen hindurch, vorbei an der überlebensgroßen Hirschplastik (ganz wunderbar: die Schüler haben die Bezüge Hirsch – Hunde selbst herstellen können) zum Mausoleum auf der anderen Seite. Das Verständnis, wie dieser Ort z.B. für nationalsozialistische Zwecke missbraucht werden konnte, wird sich mit der Zeit und der Auseinandersetzung mit Geschichte finden, für mich bleibt zum Glück immer die unterrichtliche Möglichkeit, an diesen Tag zu erinnern. Grusselig war es dann doch ein wenig, weil dort ja wirklich Otto von Bismarck beerdigt liegt. Wird Zeit, dass wir in Biologie über Destruenten und ihre Funktion sprechen. :-)

Wir haben viel gehört über „Kann ein einzelner Mann die Geschichte so beeinflussen?“ und warum eventuell heute noch die Position des Kanzlers – im Vergleich zum eigentlichen Staatsoberhaupt – eine so tragende nationale Rolle spielt. Auch wenn Flöhe hüten umgangssprachlich manchmal einfacher ist, aber ich denke, es gab genügend Ansatzpunkte, um langfristig ein Netz aus Wissen über die Bedeutung des 19. Jahrhunderts für die heutige Zeit zu bilden. Für die Lehrerin hat sich der Ausflug allein schon aufgrund der neuen Anregungen gelohnt.

Nachbetrachtung einer meiner Schülerinnen nach Ankunft an der Schule: „Irgendwie kann man ja jetzt sagen, dass dieser Bismarck an Hitler Mitschuld hat, oder?“

Ein Gedanke zu „Friedrichsruh – Nachbetrachtung

  1. Pingback: Rückblick: Schuljahr 2013/14 | perlen und geperle

Zweite Meinung:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.