Liebesleben [out of context]

tl;dr: Man kann eine Beziehung nicht suchen, aber eine Begegnung zulassen.

In den Feuilletons der Zeitungen und in diversen Blogs ist es derzeit recht angesagt, über die Liebe bzw. über die Liebesfähigkeit der Generation Golf bzw. X – oder gar schon Y – zu fabulieren. Wobei ich selbst im soziologischen Sinne wohl bereits der Generation Y angehöre. Traummann? Feste Bindung? Zufriedenheit als Single? Projekt Kinder? Mal schauen, ob ich nach der kommentiert gearteten Linksammlung reflektierter auf mein Liebesleben schaue.

Eins vorneweg: Ich will ziemlich viel. Genau genommen alles und immer sofort. Geduld ist nicht meine Stärke – ich bin Widder. Und um es klar zustellen: Es muss mir nicht alles auf dem Silbertablett serviert werden. Ich bin durchaus gewillt zu kämpfen. Und wenn ich etwas nicht haben kann, dann will ich es erst recht.

So zu lesen von Themagnoliablossom bei Im Gegenteil. Neben der Veröffentlichung von schönen Texten, werden dort nett fotografierte Menschen aus Berlin, Hamburg und sonst wo präsentiert. Diese könnte ich dann sogar anschreiben, wenn ich mögen würden wollte. Aber ehrlich gesagt, interessieren mich die Texte mehr.

Mit wie vielen eurer Internetbekanntschaften oder Dates hattet ihr eigentlich eine echte Beziehung? Mehr als einen ONS? Vielleicht nehme ich die mir sich bietenden Möglichkeiten nur nicht ernst genug?

Vielleicht gibt es diese Beziehungssehnsucht mittlerweile aber gar nicht mehr bei uns allen? Dass wir Single-Menschen uns also wieder „verbinden“? Verbinden müssen. Pekuniär schon gar nicht mehr. Mein mir autarkes Leben habe ich hinlänglich bewiesen. Gemeinsam ist mehr als alleinsam. Alleinsam, nicht einsam. Weil ich es tatsächlich nicht bin. Wohl denn, ich würde mich trotzdem dann doch gern wieder mit jemandem binden. Aus Gründen. Was T. so sagt, trifft aber leider ganz gut auch meinen Kern.

Ich will einen Mann, der mich noch vor dem ersten Gespräch so umhaut, dass ich mich kaum mehr auf meinen Beinen halten kann. Dessen Charme mich wie eine flauschig weiche Wolke umhüllt bis mir schwindelig wird. Ich will, dass er mich auch an den tristesten Regentagen zum Lachen bringt und zwar so, dass ich Schmerzen im Bauch habe – vor lachen und vor lauter Schmetterlingen. Ich will, dass er klug ist und zu allen Themen, die mich interessieren, etwas zu sagen hat. Und auch eine Meinung hat zu Dingen, die mich nicht interessieren. Ich will, dass er stark ist. Ich will, dass er weich ist. Ich will, dass er laut ist und leise. Ich will, dass er all meine Launen (wie bereits erwähnt, ich bin Widder …) zu handeln weiß. Mich von Höhenflügen zurück auf den Boden (der Tatsachen) bringt. Meine Inspirationsquelle ist und Nächte lang mit mir reden kann, aber auch mit mir schweigen.

Ich möchte so viel. Kann ich den aber ähnliches bieten? Spiele ich altersmäßig, optisch oder intellektuell eigentlich in der selben Liga, in der ich „meine Fans“ erwarte? Aber vielleicht muss ich nur einmal gemütlich ausrechnen, welche Altersspanne denn so zu mir passen könnte? Vielleicht wird es dann klarer?

Aha. Zwischen 25 und 58 sollte er sein, der Zukünftige. Mir fällt gerade höchstens mein Vermieter ein, der damit nicht zur Zielgruppe zählt. Älter werden sie tatsächlich immer – so wie ich. Jüngere Herren habe ich noch nicht…, ähm…, probiert. ;)

Und was sagt der Fachmann? Der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer beantwortet wöchentlich im Zeit-Magazin „Die Großen Fragen der Liebe“. Nachdenkenswert war seine Kolumne Warum kann [man] sich nicht mehr verlieben?

Der einsame Segler findet eine Insel, sie ist schön, aber nicht schön genug. Er segelt weiter. Die nächste Insel ist längst nicht so schön wie die erste – er ankert nicht, das wäre ja ein Rückschritt. Es ist schmerzlich, Verzicht zu lernen. Um in der Realität weiterzukommen und Entwicklungschancen wahrzunehmen, müssen wir die Illusion aufgeben, hinter dem Horizont werde es besser.

In ähnlichem Fahrwasser wird drüben im Elbsalon gefahren.

Auch bei der Liebesbereitschaft gibt es eine Komfortzone, so wie beim Joggen, man scheut die Anstrengung, bleibt lieber auf dem Sofa liegen und weist bedauernd auf die  Regentropfen draußen: Tja, man würde ja gern, aber. Genauso mit dem Verlieben: Ich will ja, aber da ist  keiner. Keiner, der mich will. Keiner, den ich will.  Keine Zeit, neue Leute kennenzulernen, zu erschöpft, rauszugehen, die Antennen hochzufahren. Zu nervig das Ganze.

Und zu guter Letzt noch die FAZ, die mir die Liebe als moderne Ersatzreligion nahe bringt.

Jene Art von Liebe, ohne die kein Popsong und kein Film auskommt, diese eine große, wahnsinnig romantische Liebe, bei der zwei Menschen sich unsterblich ineinander verlieben, vor Lust und Freude fast den Verstand verlieren, wie im Rausch übereinander herfallen und ab dann einfach nur noch glücklich, glücklich, glücklich sind. Yeah!!!

Und weiter. Bemerkenswert analytisch:

Eine Frage ist […] offen: Ist der Mythos Liebe nicht wenigstens dafür gut, den Menschen aus seinem Egoismus herauszuführen? Ist die Sehnsucht nach Partnerschaft nicht immer noch besser als die Selbstsucht? Die Antwort lautet: Diese Art der Liebe ist nur scheinbar eine Überwindung der eigenen Grenzen. In Wahrheit handelt es sich um eine Fortsetzung der Ich-Bezogenheit mit anderen Mitteln, denn die Triebkraft, die wirkt, ist ja, wenn man ehrlich ist, gar nicht der Wunsch zu lieben, sondern der, geliebt zu werden.

Um schlussendlich argumentativ gar Erich Fromm aus dem Buchregal zu ziehen.

„Die erotische Liebe ist die trügerischste Form der Liebe“, schrieb Erich Fromm, „diese Art der Liebe ist in Wirklichkeit ein Egoismus zu zweit.“ Die wichtigste Voraussetzung, einen anderen Menschen lieben zu können, meint Fromm, wird so gerade nicht geschaffen: die Überwindung des eigenen Narzissmus.

Aber vielleicht liegt der Grund genau hier… Bin ich zu sehr mit mir beschäftigt? Feste Bindung kenne ich nur aus den von und mit mir geführten Frauenfreundschaften. Affären als Kurzzeittherapie. Nicht den wollen, der einen will. Chancen gibt es immer wieder. Vielleicht lebt der Richtige auch zu weit weg und man hat keinen Mut, es darauf ankommen zu lassen. Wer weiß. Dabei liegt die Lösung so nah. Ich muss es einfach nur mal wieder probieren. Es bringt ja nix, irgendeiner verlorenen Liebe aus den Zwanzigern nachzutrauern. Die gefühlt romantische Liebe von damals war nicht mehr als das, was es war: eine Jugendliebe der Hormone. Und egal wie viele Ideen und Vorstellungen ich von einem Partner habe, man entwickelt sich immer zu zweit. Wer weiß, was mir entgeht oder bisher entgangen ist. Also, kommen Sie rum und heiraten Sie mich vom Fleck weg. Die Liebe mag keine Zweifler. Vergessen Sie aber nicht dieses Lied hier am Ende zu summen.

https://www.youtube-nocookie.com/embed/2jYFnNMXiPs

Zweite Meinung:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.