Netzperle (V) // Fokus Lehrerbildung

Wir haben in zahlreichen Fächern das Problem einer doppelten Diskontinuität des fachlichen Wissens. Dies bedeutet, dass Studierende erfahren, dass sich das an der Universität vermittelte Wissen qualitativ teils stark von ihren schulischen Vorkenntnissen unterscheidet. Nachdem sie sich das universitäre Wissen erfolgreich angeeignet haben, gehen sie in die Schulpraxis. Dabei erleben sie nochmals einen Bruch, da zahlreiche Wissensinhalte des Universitätsstudiums für den Fachunterricht nur geringe Relevanz haben. Umgekehrt müssen sie diverse Fachinhalte unterrichten, die in der wissenschaftlichen Fachausbildung an der Universität keinen oder nur einen geringen Stellenwert hatten, weil sie für die wissenschaftliche Disziplin nicht mehr zeitgemäß waren. aus: Christian D. Magnus im Interview mit Prof. Dr. Jürgen Mayer in: „Ein Plädoyer für die Neujustierung der Wissensverhältnisse: Das Lehramtsstudium aus Sicht der Fachdidaktik“ (veröffentlicht 28.02.2017)

Was genauso anfänglich ein großes Problem für mich war. Humanbiologie und Botanik in der 5./6. Klassen auf ein solch reduzierten Niveau herunter zu brechen, kam nahezu einem neuen und eigenem Studium gleich. Jetzt im vierten unterrichtlichen Durchlauf gelingt es mir deutlich besser. Aber ein Lehrer lernt stet und ständig selbst… Geschichte fordert in der schulischen Umsetzung noch viel, viel mehr eine hohe intellektuelle Leistung ab. Von beiden Fächern fiel mir Biologie im Studium schwerer als Geschichte, fällt mir nunmehr unterrichtlich Geschichte fast schwerer als Biologie in der Umsetzung. Einfach mal Zack eine Quelle und die Französische Revolution mit den Aufklärern vorneweg? In den 7. Klassen geht das mal gar nicht.

Nicht nur beim schulischen Lernen sondern auch im Studium zeigt sich ja vielfach das Phänomen des ‚trägen Wissens‘. Das bedeutet, dass Lernende zwar über ein Wissen zu einem Thema verfügen und dieses auch im Kontext der Universität abrufen können, es jedoch abgekapselt von der professionsbezogenen Anwendungssituation existiert. Die Studierenden können das in der Universität erworbene Wissen also nicht auf Kontexte des Unterrichts übertragen. aus: ebenda

Hingegen machen diese Disparitäten die Lust und Liebe an diesem Beruf aus. Immer wieder neu, immer wieder anders. Aber immer im Sinne der Schüler, die bei mir im Unterricht sitzen und denen ich etwas „beibringen“ möchte.

Zweite Meinung:

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