KW 13 (2017) // Leben und Tod

Wärmende Frühlingssonne. Wie schön! Alle Vögel sind schon da… Die Marienkäfer haben sich längst aus ihrem Winterlager, den Fensterritzen meiner Dachfenster, freigekämpft. Die Forsythie vor dem Haus steht in goldenem Glanz. Die Narzissen im Beet wippen mit ihren gelben Köpfen. Die Magnolien links und rechts bei den Nachbarn strahlen in reinweiß und rosaweiß. Die Zapfen der Kiefern auf dem Schulweg knistern. Die Zierkirsche gegenüber der Kirche zeigt ihre rosafarbene Blütenpracht. Mittlerweile habe ich den vierten Tulpenstrauß vom Markt auf meine Vasen im Haus verteilt. Mein Herz galoppiert, die Hormone strudeln merklich durch das Blutsystem. Der Frühling bricht sich mit voller Kraft durch alles Getier und Gezier.

Aber auch: M. ist letzten Samstag gestorben. Die letzten drei bis vier Wochen kamen überraschend für uns. Zu I.s Geburtstag Mitte Februar war die Angst vorm Ende bereits greifbar, auch wenn wir nur Blicke gewechselt haben. Wer wollte, konnte den unumgänglichen Fakt noch ignorieren. Wie schnell es am Ende ging. Dabei war M. so mutig. Bewundernswert ihr Umgang mit der Nachricht, mit der Aussicht auf das, was nun gekommen ist. Auch wenn wir fast auf den Tag genau ein Jahr und vier Monate „Vorbereitungszeit“ hatten. Nein. So ganz mag es noch niemand von uns wahrhaben. Kaum ein Wort, was die Situation beschreiben mag. Wie dankbar bin ich, in den letzten dreieinhalb Jahren Teil dieser Familie geworden zu sein; dich M., kennengelernt zu haben. Gleichzeitig die Nachricht aus dem Ruhrgebiet, dass J. ein kleines Mädchen bekommen hat. Ich freue mich sehr, wahrscheinlich um so mehr. Mit unserer ersten Zellteilung ist zweifelsfrei klar, dass wir unweigerlich irgendwann sterben werden. Leben und Tod – mehr als untrennbar. Dabei die Fragen: Wie viel Zeit bleibt mir? Was wird noch kommen? Ist das hier mein liebstes Leben? Oder nur ein Leben?

Mein Alltag ist vollgestopft mit schulischen Belangen. Das Bioprofil hat die Abiklausur hinter sich gebracht. Das Prävikonzept ist auf der Lehrerkonferenz vorgestellt worden. Die Orga für den Girls-and-Boys-Day läuft. Sieben schriftliche Überprüfungen geschrieben und korrigiert. Die Quartalsnoten für alle Klassen und Kurse sind fertig. Meine Ideen für die letzten 14 Wochen des Schuljahres sind grob strukturiert. Zwei der Ehemaligen (T. und N.) wollten ein Gutachten von mir haben – gab es schon immer so viele Stiftungen und Stipendien? Mein Beitrag für die Abizeitung ist geschrieben. Das Podcast-Projekt des Medienkurses beendet. Die Praktikumsbesuche geplant. Kollegiumsausflug/-essen überstanden. Fröhliche Miene bei allem. Alles nur Belanglosigkeiten. Blabla. Natürlich nicht für die andere Seite. Eigentlich funktioniere ich gerade nur unheimlich gut. Noch vier Tage bis zu den Osterferien.

Ein Gedanke zu „KW 13 (2017) // Leben und Tod

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