Archiv des Autors: lehrerperle

Fotorückblick 2020

Im regelmäßig und gern von mir konsumierten Blog der Kaltmamsell gesehen, die auch auf die unkomplizierten Spielregeln zur Idee zum #fotorückblick2020 von Joël verlinkt.

Silvester: eine Person ist 2020 Mutter geworden, zwei weitere inzwischen verheiratet und mit einer Person bin ich verwandt.
Auch im Januar: Kolloquium in Potsdam – die alte FH im Zentrum Potsdams ist abgerissen. Von links: Nikolaikirche, Potsdam Museum, Obelisk, Stadtverwaltung, Museum Barberini, Fortunaportal, Mini-Stück vom Landtag (alles Alter Markt).
Beweglicher Ferientag im Februar: NaWi-Trakt aufgehübscht.
Happy Valentine.
März: Zunächst Jagd auf Marder und anderes Getier.
Ab Mitte März dann „Jagd“ auf einen Virus, nicht zufällig ein Freitag, der 13.03.
Sind das die ersten Querdenker? Oder einfach nur Spinner?
Frühling, April – einfach nur schön. Auch wenn kein Tropfen Regen fällt.
Betrunken unterm Kirschbaum. Auf Heimatbesuch im Mai. (Leider mit schlechten Nachrichten.)
13. Januar-27. Mai 2020 ohne Friseurbesuch… Grau bin ich noch nicht.
Gemütlich geht immer: Weinverkostung via Zoom. Wer alle vier Flaschen findet, kann sich freuen.
I’m walking.
Juli: Bei Tomaten habe ich den grünen Daumen.
Alte Bilder von Oma gefunden. Rechts ihre zweite Enkeltochter, die im Juli Geburtstag hat.
Corona-August: Wir wollen einen Puma an der Schule haben. Alles andere wäre ja Quatsch.
Heißer August. Sehr heiß.
Die Ausbildung zum Lerncoach geht erst im September weiter. So sieht eine Lernkurve aus, wenn man sie für sich selbst erstellt hat (Kontext: Lehrerberuf und Motivation).
Schule oder Unterricht ohne Maske? Nicht mehr vorstellbar. Leider geht damit eine gewisse Schlampigkeit in MakeUp und Frisur einher. Mit freundlichen Grüßen Lüftungsperle.
Der Herbst ist da.
Im Oktober die erste Klausur seit 2019 korrigiert. Man sieht bereits, wer richtig im Profil ist. ;)
Schöne Idee vom NABU: Kleinelektro sammeln. Im November drei Kisten für die Schule bestellt.
Kopieren, Scannen usw. Sonntags in der Schule.
Weihnachtsdeko fürs Kabinett besorgt. Bin gefühlt eh nur noch in der Schule.
Weihnachtsbeschäftigung: Kochen für die Kernfamilie. Wie schnell man neue funktionelle Rollen übernimmt und ausfüllt, wenn es die Gesamtsituation verlangt.

KW 33 (2020) // #eduSH: Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen

Die erste Woche im Schuljahr 2020/21 ist geschafft. WorkingHours sagt 53 Stunden und 56 Minuten Arbeitszeit. Wer weiß, wie viel Zeit für Pausen im pädagogischen Job bleibt, kann sich ihren bzw. seinen Teil denken. (Meine Arbeitswoche beginnt Sonntag und endet mit einem so gut wie immer schreibtischfreien Samstag.)

Meine Stunden- und Klassenverteilung ist teilweise ätzend, außer dem Medien-Kurs habe ich keine Klasse bekommen, die ich mir vorab gewünscht habe. Trotzdem werde ich nicht beim StevDirex darüber meckern, wir geben alle unser Bestes. Unsere Schule hat genug Baustellen in anderen Fächern. Ist halt so.

  • Biologie 1x in 6 und 2x in 7; 1x in 9 verkurst über den ganzen Jahrgang, zudem 1x in einer E
  • WaPf Medien und Öffentlichkeit verkurst über die gesamte 8
  • 1x Geschichte und zugleich Klassenlehrerin im Geschichtsprofil der E

Durch die bescheuerte notwendige Verkursung sitze ich am Ende im kompletten 8. und 9. Jahrgang in allen Zeugnis-/Klassenkonferenzen. Ein echter freier Tag ist trotz Reduzierung und Ermäßigungsstunden nicht drin, ich bin durch meine Tätigkeiten im PR, als Verbindungslehrer im SV-Team, als Koordinatorin für unsere Prävention und (neu!) in der Begabtenförderung auf zu viele feste Besprechungen angewiesen. Dem Schulweg von 10 Minuten sei Dank. Mir fehlt natürlich die Selbstbestimmtheit des Sabbats, aber ich werde mich schon einzurichten wissen. Was für die Diss übrig bleibt, liegt in meinem Ermessen und meinem Willen.

Unsere Ministerin gab eine dringende Empfehlung zum Tragen von Masken aus, unsere Schule hat sich daher auf eine Maskenpflicht geeinigt, zumindest bis die Kohorten Ende nächster Woche stehen. Außer den SuS der 5. und 6. Klassen müssen alle Personen auf dem Gelände also eine entsprechende Bedeckung tragen. Hausmeister und Reinigungskräfte zeigen sich am renitentesten, da musste die Chefin schon arg ermahnen. Leider greift zudem bei den Kolleginnen immer mehr das Visier um sich, auf einer der drei Dienstversammlungen habe ich dann was dazu gesagt. Wie können informierte Menschen glauben, dass ein mittelmäßiger Spuckschutz vor einem unsichtbaren Virus schützt? Ja, die Hitze war die Hölle in dieser Woche. Nicht einmal hitzefrei wegen Fokus auf Präsenzunterricht. Verständlich. Aber in drei Wochen werden wir jammern, weil es kalt ist und durchs geöffnete Fenster reinwindet und -regnet. Ich befürchte, dass sich die Gesamtsituation so entwickeln wird, dass wir sogar nach diesen zwei Wochen alle freiwillig weiterhin eine Maske tragen werden.

Wir haben unsere Zeitstruktur leicht umgestellt. Einerseits kommen und gehen SuS so versetzt in die Schule bzw. nach Hause, andererseits bleibt nur eine größere Pause, was die Kontakte außerhalb der Wechselzeiten vermeidet weiter minimiert. Fachräume und Kabinette sind geblieben, einerseits um nicht alle pädagogischen Werte über Board zu werfen, andererseits, weil es baulich bei uns eh nicht funktioniert, Jahrgänge dauerhaft zu trennen oder nur ansatzweise separat auf das Schulgelände zu lotsen. Die Aufsichten sind massiv erhöht worden. Noch weniger Zeit für einen Moment der Erholung für uns Kolleg:innen, denn die Tische sollen ja möglichst zwischen neuen Klassengruppen desinfiziert werden. Alles mit Augenmaß natürlich. Das Desinfektionsmaterial des Schulträgers reicht noch maximal die nächste Woche… Ohne Worte.

Unsere Schule hat sich zu IServ durchgerungen, die Eltern bezahlen das zunächst, weil sich der Schulträger vom Land auf Itslearning hat vertrösten lassen. Am Dienstag habe ich mir eine Online-FoBi dazu gegönnt, um Himmels Willen, ein abgespeckte Version ohne Videofunktion und Office in SH, die nichts anderes ist, als eine bessere Dateiablage für Kollegien. So ist Itslearnig definitiv kein LMS, was in unser Hybridkonzept passt.

Was im Titel dieses Beitrages steht: Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen. Wir müssen uns alle von vielen Ansprüchen des für uns normalen Unterrichts lösen. Ich muss mehr lüften, ich muss mit meiner Kraft unter der Maske haushalten. Ich muss meinen Unterricht umstellen, verkürzen, methodisch neu ausrichten, diese Fixierung auf Fachanforderungen/Lehrpläne muss dringend aufhören. Wir werden schon genug die dauerhafte Waage einhalten müssen zwischen Belehrungen/Ermahnungen der SuS und lustigen/beziehungsförderlichen Momenten. Wir werden ihnen und ihren Eltern die Situation immer wieder neu erklären müssen! Ja, müssen. Was sind Tröpfchen, was sind Aerosole? Häufig wird es auf dem Schulgelände strenger zugehen, als im Sportverein oder beim Warten auf die nächste S-Bahn. Schulen und alle Beteiligten haben nun mal den Schwarzen Peter der Verantwortung. Am Beispiel von Berlin und der Reaktion der Bildungssenatorin dort, habe ich nämlich sehr stark die Befürchtung, dass sich Kinder natürlich nur in der Schule angesteckt haben werden können – wo auch sonst!111!!! Die Schuldzuweisung erfolgt reflexartig im Bildungskontext. Zudem werden viele schulinterne und externe Projekte, Vorträge, Klassenfahrten, Wandertage, Olympiaden oder Wettbewerbe kaum bis gar nicht stattfinden, da vieles nicht den Hygienekonzepten/-regeln entspricht. Sind dann wieder wir faulen Lehrer:innen als kollektiver Pungingball dran, weil wir es einfach nicht drauf haben und auch mal an unsere Gesundheit denken? Es wird so viel kaputt gehen, wir werden eine Frühpensionierung wie nie sehen, da sind mir tatsächlich Arbeitslaptops für jeden, gerade echt s*** egal.

Freitagabend hatte ich Halsweh, erst sehr spät am Abend. Okay. Trotzdem hatte ich einen leichten Anfall von Sorge. Es kann und es wird vielleicht passieren. Eine Ansteckung. Auch diese Befürchtung muss ich demnächst psychisch verarbeiten. Fucking Berufsrisiko. Vor allem in den Klassen, die recht unruhig sind (Zusammensetzung, Stundenlage, Interesse am Thema, fehlende Methodenvielfalt…), muss ich häufiger sehr tief Luft holen, um meine Ermahnungen durch die Maske zu pressen. Meine Mimik fehlt, Körpersprache allein reicht nicht immer. Es werden sich Wege finden lassen.

Aber: Ich freue mich auf mein Profil. Sehr, sehr, sehr. Wir sind jetzt schon ein gutes Team, sie haben verstanden, welchen Weg wir in den nächsten 2,5 Jahren gemeinsam gehen werden. Willkommen zurück an der Schule, @lehrerperle.

Bilder aus dem Coronaarchiv

Was zum Schuljahr 2019/20 festgehalten werden sollte

„Die meisten Menschen überschätzen, was sie in einem Jahr erreichen und unterschätzen, was sie in 10 Jahren erreichen können.“

Samstag Abend, die Nachbarn auf dem Grundstück rechts vom Wohnzimmerfenster sind mal wieder in großer Runde am Grillen: dabei für mich zu leise, um Themen komplett nachzuvollziehen; zu laut, um die voneinander genervten Tonfälle nicht ignorieren zu können. Dazwischen plärren die Kleinkinder. Also doch ran an den Rechner, für normales Lesen fehlt mir die Konzentration, der TV interessiert mich nicht, meine Lieblingsmenschen sind gerade woanders gefordert. Nehme ich mir also die Zeit für meinen Schuljahresrückblick – auch weil in SH bereits Bergfest der Sommerferien ist.

Im November 2016 hatte ich das Sabbatjahr beantragt, zwei Schuljahre angespart, um nun ein Schuljahr den mentalen Reset genießen zu können. Und natürlich, um an meiner Dissertation zu arbeiten. Irgendwie endet es hier bei externen Nachfragen immer in einer Erklärung Rechtfertigung meinerseits, warum ich die nun nicht in diesem Jahr abgeschlossen habe. Ich habe echt ein paar Wochen Monate gebraucht, bis ich mich nicht mehr von der Nachfrage: „Na, was macht die Doktorarbeit?“ provoziert gefühlt habe. Keine Ahnung, was sich da mein Unterbewusstsein vorgenommen hatte, was auf keinen Fall zu schaffen oder überhaupt im Plan war. Aber das kommt davon, weil ich ewig immer begründet habe, ich würde ins Sabbat gehen, um die Doktorarbeit zu schreiben. (Nur um meine Ruhe vor weiteren Nachfragen zu haben.) Die Arbeit ist nun keine ideelle Spielerei mehr, hat einen echten Arbeitstitel (was mit C. P. Snow, Niklas Luhmann, Kultur und Natur) und ist offiziell an der Uni angemeldet; Citavi hat 293 Titel im Projekt „Diskurs Biologie Geschichte“ intus, mit denen ich mich selten weniger, meist intensiver auseinandergesetzt habe. Also alles gut.

Aber von vorn:

Es hat ein wenig gedauert, bis ich im Juli/August 2019 in die freie Zeit gefunden habe, auch weil ich mich im Schuljahr davor völlig verausgabt habe. Innerlich wohl wissend, ich habe dann länger frei. Das ist mir aber erst im Laufe des Sabbatjahres aufgefallen, auch muss ich langfristig daran etwas ändern. Dafür hat sich die Corona-Zeit sehr gut eingepasst, die mich noch einmal mehr geerdet, weil ausgebremst hat. Schaut man nämlich in meinen Kalender in die Monat zuvor, habe ich immer 2-3 Termine in der Woche:

  • Qualifizierung zur Mentorin in der Springerbegleitung/Begabtenförderung,
  • Module der TVaS,
  • Präventionsarbeit, -fortbildungen und -orga,
  • bisschen Personalratsarbeit,
  • Konzeptarbeit (Begabtenförderung- und Hybridkonzept),
  • Orga von zwei SE-Tagen,
  • schulinterne Curricula schreiben,
  • Kolloquia an der Uni,
  • Fachfortbildungen in Ge und Bio,
  • Ausbildung zum Lerncoach.

Meine Schwester hat mir mit dieser Aufzählung erst kürzlich mein Köpfchen zum Rumgejammere im Absatz zuvor gewaschen. Ich habe echt viel für mich und meine weitere berufliche Entwicklung getan. Denn private Termine, der Urlaub in Kroatien, der längere Aufenthalt in Israel, Willys Tod und das Gesundheitsthema meiner Mutter sehe ich in der großen Aufrechnung gerade gar nicht. Huch…

Mein Büro und mein Kleiderschrank sind ausgemistet und aufgeräumt, meine digitalen Speichermedien gesichtet und reduziert. Ich habe einen neuen Rechner, einen vernünftigen Bildschirm, mein Workflow ist im Idealfall neu gestaltet. Mittlerweile esse ich 2x am Tag, 14-16 Stunden wird gefastet. Ich trinke keine Milch mehr im Kaffee, die Antwort ist immer 42. In der Küche ist ein neuer Herd, ein neuer Kühl-/Gefrierschrank soll folgen. Von einigen alten Freundschaften musste ich Abstand nehmen, Distanz ist für einige Menschen nicht machbar. Aber vielleicht hat jeder nur so und so viel Platz im Leben.

Um meine Finanzen und mein vermietetes Häuschen habe ich mich so richtig, richtig gekümmert. Ins (eigentlich leichte) Thema ETFs und REITs habe ich mich neu eingelesen: buy and hold, keine Aktiensperenzien, Immobilien kann ich. Die Übersicht aller Ein- und Ausgaben, aller Vermögenswerte, dazu Abgleich meiner Freistellungsaufträge und ein (theoretischer) Rentenrechner war überfällig – das dauert, aber macht Spaß und ich habe nun Klarheit und Planungsfreiheit. Der Riestervertrag ist auf ein Minimum gesenkt, der 13 Jahre alte Corsa bleibt, die reine Sparquote jedoch ist durch Streichung unnötiger Ausgaben auf 20% angehoben. Portfolio Performance begleitet mich als krasses Tool in der Übersicht meiner ETFs, Fonds, Crowdinvests und Immobilieneinnahmen. Was ich ja schon immer wusste: Ein Mann ist kein solider Finanzplan, um die Rentenlücke zu schließen. ;)

Im nächsten Schuljahr kehre ich daher beruhigt mit nur 21 von 25,5h zurück. Es geht mir um Zufriedenheit (oder Sicherheit?) und nicht um ein ständiges mehr auf dem Konto. Das haben die letzten drei Jahre mit 66,66% gezeigt. Wenn der Stundenplaner nett zu mir ist, bekomme ich damit einen freien Tag (für die Diss!), zumal ja noch Ermäßigungsstunden für einige Tätigkeiten abgezogen werden. Bisher weiß ich nicht, was mich erwartet, die Unterrichtsverteilung gestaltet sich diesmal wohl ziemlich problematisch… Aber ich muss auch schauen, dass ich mich nicht wieder übernehme. Nicht, dass die Ergebnisse mangelhaft sind, ich merke zu spät, dass ich selbst leide. Meine Psoriasis und mein Hashimoto sind nicht umsonst meine engsten Begleiter.

[2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 2018/19 | Dies war mein 7. Schuljahr nach dem Referendariat.]

KW 19 (2020) // Acht Wochen mit Dingens

Dieser Tage im Radio gehört: Sex und Essen – diese zwei Dinge bleiben einem in der Corona-Zeit. Nun ja, ich habe sicherlich auch noch andere Dinge getan. Aber das Gefühl, dass außer regelmäßigen und langen Spaziergängen, Internet leer lesen oder Telefonaten nicht mehr stattgefunden hat oder ich mich zu Arbeiten an der Diss nicht wirklich habe aufraffen können, ist vorherrschend. Ich vermisse das Freibad, ich vermisse meinen Flat White im Café, das Handwerker-Frühstück beim Bäcker. ich vermisse meinen Arbeitsplatz in der StaBi, die ein oder andere Pho im Nachgang. Selbst, die Berichte über anstehende Filme oder vergangene Kulturveranstaltungen vermisse ich. Stattdessen: überall nur dieses Virus und Warnungen rund um die Krankheit, Verhaltensregeln und irgendwas mit Wirtschaft, Schule, kein Urlaub oder Fußball im TV, im Radio, in den Zeitungen auf meinem Küchentisch. Alles Hashtag Dingens.

***

Wie man so ganz persönlich tickt, kann man aber zumindest ziemlich gut abschätzen lernen. Mich treibt sinnvolle Arbeit an. Habe ich ganz gut zu tun, kann ich noch mehr leisten. Und mich mit der einen Arbeit von der anderen ablenken. Sobald ich in einen Ferienmodus eintauche, den #Corona ja unweigerlich ausstrahlt, schaffe ich es nicht mal mehr, mich zum Staubsaugen zu motivieren. Aber im Garten stehen nun vier neue Tomatenpflanzen und ein großer Topf mit selbst gezogenen Sonnenblumensorten, die Blumen-Rabatte ist gereinigt. Ich war Ende April ein verlängertes WE in Bielefeld bei meiner Sis (Auweia! Tatsächlich hatten wir uns eine kleine Story ausgedacht, warum ich hin muss…). Mich weniger um Mom gesorgt. Meine Steuererklärung ist seit Anfang April raus. Meine Finanzen und Sparpläne sind so eingerichtet, dass ich jetzt einfach mal die Finger davon nehmen kann. Ab August (nach der schmerzhaften Sabbat-Finanzierung) gibt es eh wieder mehr Geld, dann kann ich die Sparquote auch erhöhen. Zwischendurch bin ich 42 geworden. Endlich musste ich mal keine Ausrede bemühen, warum ich nicht feiere. ;) Den Prof bei einer Vorlesung im Netz zugehört. P. von K. bei eigenen Dissplänen zugeraten und Tipps gegeben. Reichlich für Zwei gebacken und gekocht. Das geregelte Leben in der Seniorenresidenz geübt. Akustisches Löschblatt gespielt. Für nächstes Schuljahr das Mediencurriculum (Wahlpflichtfach) neu zusammengestellt und für den Oktober die Veranstaltung „Medien machen Schule“ zusammen mit dem Verbraucherschutz, dem Landesdatenschutz und der Polizei angegangen. Die Planung ist doch etwas aufwendiger. Und vielleicht sinnlos, weil was plant man zur Zeit auch überhaupt so einen Quatsch.

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Das Einsehen gehabt bequatscht bekommen, dass ich wohl selbst zur Risikogruppe (Einnahme von MTX) gehöre. Hier braucht es nun das Attest meiner Ärztin, damit ich nächstes Schuljahr meine Gesundheit nicht überschätze und als Rampensau ungebremst vor mein Publikum trete. Eigentlich mache ich mir keine allzu großen Sorgen, da ich auch bei den üblichen Grippe- und Erkältungswellen ohne Ausfälle über die Runden komme, nie geraucht habe, grundsätzlich fit bin. Aber ich kann das Virus eben nicht abschätzen, kenne bisher niemanden persönlich… Risiko gehört zum Leben. Sehr mühselig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

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Um der Hilflosigkeit (ctrl+verlust?) entgegenzuwirken, wie ich denn trotz Attest „nützlich“ für unsere Schule sein könnte, zusammen mit J. das Konzept für einen Hybridunterricht an unserer Schule ausgearbeitet, S. hat alles in eine schöne Grafik gegossen und bekommt nun zur Belobigung sein IServ als LMS genehmigt. Zusammen haben wir es Dienstag unserer Direktorin und dem StevDirex in einem 1,5h Pitch vorgestellt – IServ am Freitag war praktisch die erste Konsequenz aus diesem Gespräch. SchulCommSy ist halt kein Lernmanagementsystem, nur eine schlechte Dateiablage.

Niemals vorher war ich Twitter als Inspirationsquelle so dankbar. Lest euch gern selbst ein und denkt an eure Schulen:

Marko Demantowsky / Gerhard Lauer: Präsenz der Lehre zwischen Prä- und Postcoronazän. Ein Essay (Teil 1) (01.05.2020) URL: https://www.phft.de/praesenz-der-lehre-zwischen-prae-und-postcoronazaen-ein-essay-1/ (Stand: 05.05.2020).

Charles Fadel / Maya Bialik / Bernie Trilling: Die vier Dimensionen der Bildung. Was Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert lernen müssen (2017)

[KMK] Hubig: KMK übermittelt Rahmenkonzept an Regierungschefs / Gesundheitsschutz der Schulgemeinschaft steht an erster Stelle (28.04.2020) URL: https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/hubig-kmk-uebermittelt-rahmenkonzept-an-regierungschefs-gesundheitsschutz-der-schulgemeinschaft-st.html (Stand: 05.05.2020).

Björn Nölte: Formative Assessment: Bewerten um des Lernens Willen (17.10.2017) URL: https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/255718/formative-assessment-bewerten-um-des-lernens-willen (Stand: 05.05.2020).

Klaus Peren: Schule für Alle in Zeiten von Corona, so kann es gehen! (28.04.2020) URL: https://www.linkedin.com/pulse/schule-f%25C3%25BCr-alle-zeiten-von-corona-so-kann-es-gehen-klaus-peren (Stand: 05.05.2020).

Jan Vedder: Digitalien sucht das Supermodell (13.01.2019) URL: https://www.vedducation.de/modell/ (Stand: 05.05.2020)

Kristina Wahl: Skizze des Hybridunterrichts (26.04.2020) URL: https://diefraumitdemdromedar.de/hybriddidaktik (Stand: 05.05.2020).

Denn nach den Sommerferien geht es nicht normal mit einem Regelbetrieb an den Schulen weiter. Doch so wie jetzt, kann es weder weiterhin eine kommunizierte Lern(plan)freiheit noch eine Leistungsfreiheit für die Schülerinnen und Schüler geben. Besser JETZT solch ein Konzept, mit dem wir schnell an unsere Schulaufsicht herantreten, welches wir in nächster Zeit sogar frei ausprobieren könnten, als bis Mitte August auf eine Idee aus dem Ministerium zu warten. Jede Schule hat begrenzte Ressourcen an Kolleg:innen und deren Fächerspektrum, an Räumen, an Risikogruppen unter SuS und KuK, jede Schule weiß für sich am besten, was rollierend unter Hygienestandards geht. Alle Teilnehmer:innen und Teilgeber:innen unserer Schule sollten zusammen eine Struktur verfolgen können, die zudem die Arbeitsbelastung der Teil- und Vollzeitkräfte berücksichtigen kann. Der aktuelle Zustand ist doch keine Dauerlösung, quasi jeder arbeitet entweder deutlich zu viel (Feedback-, Korrektur-Anspruch, Lernvideos erstellen) oder unter seinen Möglichkeiten (Qualität der Inhalte, Zielsetzung für SuS). Es gibt keinen festen Stundenplan, der eigentlich eine Arbeitshilfe für alle im System Schule ist. Auch für Eltern, die drumherum planen und fest wissen, dass ihre Kinder versorgt sind. Dieser Rahmen fehlt, also muss man sich als Schule einen neuen aufbauen, der am Ende Sicherheit für alle bietet. Nichts ist von Beginn an perfekt, auch solch ein Konzept von Hybridunterricht mit einem Tag Präsenzzeit vs. vier Tagen digitalen Unterricht wird von vielen Bedenken getragen sein. Aber wenn man nichts ausprobiert, kann nichts besser werden. Und die Präsenzzeit kann ja flexibel hochgesetzt werden.

Rotbuche vor der Schule

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btw: Wir bekommen keine Zwischenreinigung, Masken bringen wir selbst mit, Desinfektionsmittel zum Abitur haben wir aus privaten Mitteln erworben, der Schulträger meint, Händewaschen und Abstand reicht doch. Die überhebliche Debatte im Netz nervt mich da, bei Schulen wird nämlich einen Scheiß auf Arbeitsschutz wie in Firmen geachtet. Pläne wie bei meiner Sis (Autobranche…) wären ein Traum. Die Stadt guckt halt auf ihren Haushaltsplan – leider zu verständlich, wenn man hier wohnt.