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KW 6 (2020) // Was ich so mache im Sabbatjahr

Wie vielleicht schon an der ein oder anderen Stelle kommuniziert, bin ich in diesem Schuljahr im Sabbatjahr. Gewählt hatte ich die Version 3. Genauer heißt dies, zwei Jahre ansparen – in Vollzeit unterrichten und 66,67% der Bezüge erhalten, im dritten Jahr gar nicht unterrichten und die angesparten Bezüge ausgezahlt bekommen. Wer mag, kann sich hier die Regelungen zu den anderen Varianten (2-7 Jahre sind möglich) für SH durchlesen, wobei ich nicht glaube, dass es einen allzu großen Unterschied in den anderen Bundesländern gibt.

Ich bin dankbar über diese Möglichkeit der Burn-out-Prävention. Anders kann ich es nach nun einem halben Jahr Auszeit für mich nicht bezeichnen. Endlich komme ich mal wieder dazu, über mich und meinen weiteren Weg nachzudenken. Schlaf, Ruhe, keine Korrekturen, keine nervenden Kollegen, die immer wieder fragen, wie man sich im Landesnetz einwählt oder wie nochmal das mir den Fehlzeiten für die Zeugnisse war. Nein, nein, mir erging es wirklich nicht schlecht in den letzten Schuljahren. Ich habe viel ausprobieren können und viel erreicht; man hat mir viel zugetraut, ich habe mich nie um eine Arbeit gedrückt, mich vielleicht manchmal unabsichtlich überfordert, aber doch am Ende alles geschafft. Aber wo blieb ich? Meine Gesundheit? Meine Selbstentwicklung? Meine Berufsperspektive?

Viele denken, man muss im Sabbat unbedingt lange Reisen ins Ausland planen, ein Haus bauen, Kinder zeugen, vielleicht für eine Hilfsorganisation in Afrika arbeiten. Nein, niemand muss irgendetwas davon machen, man kann sich bewusst nur um sich selbst kümmern. Ich habe gedacht, ich mache nur Pläne mit mir. Auch wenn sich der ein oder andere darunter etwas anderes vorstellt. Endlich war (und ist) Zeit für die Fortbildungen, die für die nächsten Berufsjahre mein Rollenbild prägen werden:

  • mein Dissertationsprojekt
  • Begabten- und Begabungsförderung an unserer Schule implementieren (der SET dazu war letzte Woche)
  • eine Lerncoaching-Ausbildung beginnen (im April geht es los)
  • mich in meinen Schwerpunkten in der Präventionsarbeit vertiefen (z. B. die Net-Piloten-Ausbildung)
  • die noch fehlenden Module zur Übernahme von Schulleitungsaufgaben vervollständigen.

Und es geht mir so, so, so gut damit. Es fiel mir schwer, ins Sabbat hineinzufinden. Die Zeit nach den Sommerferien war ein wenig wie auf Entzug (allein, mir fehlt zum Glück eine Referenz). Keiner von der Schule meldete sich, nur privat der ein oder andere. Niemand brauchte mich. (Was nicht stimmt…) Wahrscheinlich war der Urlaub mit meiner Sis in Kroatien ganz hilfreich, um abschalten zu können. Im September hatte ich mich dann ans Ausschlafen gewöhnt. Die Israelreise Ende Oktober war keine Anstrengung, sondern eine willkommene Abwechslung vom Alltag am Rechner und in der Bibliothek. Die Einträge von Anke Gröner motivieren mich jedes Mal mega, selbst weiter an meiner Promotion zu werkeln, auch wenn immer mal wieder das Hochstaplersyndrom aufblitzt. Allein das Jahr wird nicht reichen, um fertig zu werden, obwohl sie den Ausschlag gab, ein Sabbat einzulegen.

Wie geht es nach dem Sabbat weiter? Mit einer Reduzierung. Ich kann gut mit weniger Geld leben, habe aber dafür mehr freie Zeit für mich. Und erst einmal in absehbarer Zeit keine Funktionsstelle.

Heute ist der 10. Februar 2020, am 10. August 2020 ist mein erster „neuer“ Schultag. Bis dahin gibt es noch so viel Zeit für Selbstliebe.

2019 – Ein Rückblick

An den Weihnachtstagen familiär festgestellt, dass ich mittlerweile so alt bin, wie meine Mutter war, als ich zum Studium nach Potsdam ging. Verrückt, wie die Zeit vergeht.

Mit der (Wieder-)Vereinigung, der Wende und der Mentalität bzw. den zugeschriebenen Stereotypen der (ehemaligen) DDR-Bürger habe ich mich in diesem Jahr ziemlich intensiv auseinandersetzen wollen und können. Dankbar, ob all der Podcasts (vor allem diese beiden hier), den Zeitungsberichten und Sendungen im linearen TV. Dem Aufstieg der AfD nach drei Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern schaue ich mit Grauen und innerer Abwehr zu. Kommunikation in der Heimat darüber scheitert an ablehnenden Allgemeinplätzen – die Menschen sehen sich zu sehr als Opfer, nicht als Teilnehmer dieser Demokratie. Zu einfach ist es, sich auf den armen Ossi zu berufen, den die Treuhand bestohlen hat. Freunde, lesen bildet.

Auch wenn ich mich mit meinem Lebensstandard als eine der „Wendegewinnerin“ bezeichnen mag, glaube ich, dass viele Entscheidungen in meinem Leben natürlich stark von der Unsicherheit und den Umbrüchen nach 1989/90 geprägt sind: das Gefühl immer aktiv und beruflich mobil bleiben zu müssen, mich nicht ausruhen zu dürfen, weil nichts sicher und stabil schien und sich eher in Auflösung denn Neuordnung befand. Ich habe 2019 begriffen, dass ich mich selbst „erschaffen“ kann. Die Dinge sind doch immer so gekommen, wie ich sie beeinflusst habe oder angegangen bin. Es gab immer andere Optionen, die ich bewusst nicht gewählt habe.

Symbolbild 2019

Hüh! / Skulptur: Rolling Horse 

 

Zugenommen oder abgenommen?
Erst minus 10 kg, nun wieder das postoperatives Gewicht von 2018. Erneute TSH-Schwankungen inklusive. Aber die nächste Antwort bringt die Lösung.

Mehr bewegt oder weniger?
Weniger gelaufen, zu wenig geschwommen.

Haare länger oder kürzer?
Gleich lang. Aber am Budget für den Friseur merke ich schon die Inflation der letzten Jahre. Alter Falter sind das hohe Preise geworden.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Da ich nicht wie geplant beim Optiker war, keine Ahnung. Die zwei Gläser machen ihren Job, 2020 muss definitiv eine neue Brille her.

Mehr Kohle oder weniger?
Etwas mehr, weil die Umschuldung für das vermietete Häuschen griff. Eher aber +/- Null. Ich musste niemanden anpumpen, keine Sparpläne kürzen und keinen Konsumentenkredit aufnehmen, also (noch) alles gut.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Deutlich zuviel. ;)

Die teuerste Anschaffung(-en)?
Lenovo ThinkPad X1 Yoga, nur 3rd Generation – meine neue Arbeitsmaschine. Warum kein Surface? Auf Dauer braucht es eine vernünftige Tastatur für die Arbeit an der Diss.
Die Reise nach Israel, auch wenn das Ministerium knapp 30% bezuschusste.

Der hirnrissigste Plan?
Die Koordination der Organisation der Projektwoche ziemlich im Alleingang zu übernehmen und alles über meinen Tisch gehen zu lassen.
Die Wahl des neuen PR als Wahlleiterin zu initiieren und mich dann doch noch mit aufstellen zu lassen, damit tatsächlich eine Auswahl stattfinden kann.

Die „gefährlichste“ Unternehmung?
HSV vs. Dynamo Dresden
Bei Fridays for Future im September teilnehmen und mich von Eltern anpiepsen lassen, ob ich als Lehrerin das denn darf? Ja darf ich, ich bin im Sabbatical.

Das leckerste Essen 2019?
Ganz sicher dieses geile libanesische Menu in Israel.

Richtig teuer (und lecker!) war es bei Franceso und in der Vecchia Stazione.
Beim Sushi mal Mochis probiert… Hmmm.

Getränk des Jahres?
Wie bereits 2018: Mineralwasser aus Glasflaschen.

Das beeindruckendste Buch?
Jason Fung: Diabetes rückgängig machen
Ines Geipel: Umkämpfte Zone
Hans-Jörg Rheinberger: Historische Epistemologie zur Einführung
Hans Rosling: Factfulness
Erwin Schrödinger: Was ist Leben? Die lebende Zelle mit den Augen des Physikers betrachtet.
Weinstein/Sumeracki/Caviglioli: Understanding How We Learn: A Visual Guide
Anette Weiß: Rente ohne Roulette (Großer, großer Lesetipp für uns Frauen.)
– Man merkt mir die Jahresthemen in der Lektüreauswahl für den Rückblick an.

Der ergreifendste Film?
Anfang des Jahres „Tidying Up with Marie Kondo“ und „Star Trek Discovery“ auf Netflix weggesuchtet. Allein die Kombination bringt mich gerade sehr zum Schmunzeln…
Im Herbst bei „The Spy“ mitgefiebert. Im Israel-Rausch halt.
Im linearen Fernsehen war „Der kleine Nick“ eine Überraschung für mich. Dieser Mini-Hauptdarsteller! Wie konnte ich den bisher übersehen?!
Im Kino war ich, aber irgendwie sind nicht einmal die Titel hängen geblieben. Tja. Sonst halt Podcasts, Podcasts, Podcasts.

Die beste Musik?
Dido mit Take You Home – Ganz wie zu Studentenzeiten. Hallo G.!
Zalagasper mit Sebi – Der slovenische Beitrag zum ESC.
Sommerzeugs: Zero 7 mit Swimmers und Villagers mit Summer´s Song
Vielleicht deutsche Texte? Trettmann & KitschKrieg mit Stolpersteine oder doch Bonaparte mit Weinbar?

Das schönste Konzert? Der schönste (Comedy-)Auftritt?
Dr. Mark Benecke in Ludwigslust im Januar („Denken = schlecht, Messen = gut.“)
Verständliche Wissenschaft der HZG in Geesthacht im Februar
Die Nervensäge in Hamburg im April
Furor in Hamburg im Mai
Herbert Grönemeyer in Hannover im September
Methodisch inkorrekt in Hamburg im September

Die tollste Ausstellung?
„Wilhelm und Alexander Humboldt“ in Berlin im Deutsch Historischen Museum.

Die meiste Zeit verbracht mit …?
Vielleicht J.?

Die schönste Zeit verbracht mit …?
J. und meiner kleinen Schwester – wer soll sich da schon entscheiden müssen?

Der beste Sex?
Mutiert zur Teenager-Frage, ist doch jeder selbst für verantwortlich.

2019 nach langer Zeit wieder getan?
Sieben Tage Badeurlaub in einem ****Hotel.
Bei Herberts „Flugzeuge in meinem Bauch“ mitgesungen.
Ganze Tage am Stück verplempern und es „Konzentration auf das Wesentliche“ nennen.

2019 zum ersten Mal getan?
Ins Sabbatjahr gehen und die Auszeit wie einen langen Urlaub so richtig zu genießen.
Eine Promotion anmelden.
Jerusalem! Yad Vashem! Givat Haviva! Tel Aviv!

Drei (!?) Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Willys Tod.
Die ganzen nervigen Fragen, wie weit ich mit der Diss gekommen bin. (Als ob ich die mal eben runter schreibe.)
Schon wieder Fehlermeldungen von einer der Lambdasonden im Corsa. Ignorieren. Ignorieren. Ignorieren. Demnächst ist TÜV.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Die Vergangenheit hinter sich zu lassen. (Nur, das geht bekanntlich nicht.)

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Eine Ikone für meine Sis aus Jerusalem mitzubringen. Ein Eckschneider/Eckenabrunder für einen laminierfreudigen Kollegen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Immer und bedingungslos hinter mir zu stehen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Mach das. Du kannst das.“
„Schön, dass du da bist.“
„Mit mein bestes Pferd im Stall.“

Vorherrschendes Gefühl 2019?
Endlich kann ich jeden Tag ausschlafen.

2019 war in einem Wort / in einem Satz …?
Alles ist jetzt.

Mit den Worten Goethes springen wir nun hinüber nach 2020 und sammeln Inspiration für den nächsten Rückblick: „Das neue Jahr sieht mich freundlich an, und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir.“

[2018, 2017, 2016, 2015.]

KW 50 (2019) // SETs und Grünkohl II

Hallo 2019, da bist du ja schon fast wieder um! Wie gern wäre ich noch einmal Kind, wo die Jahre nicht so schnell vergingen, wie ich es mir als Erwachsene nun einbilde. Ich bin froh, dass Weihnachten wieder halbwegs in der Kernfamilie organisiert ist, was Silvester wird? Tja. Bis dahin ist noch Zeit.

An zwei verschiedenen Tagen wieder in der Schule rumgelungert, jeweils um Schulentwicklungstage mitzuorganisieren. Einmal im Hinblick auf die Begabungsförderung (im Februar) und zur Präventionsarbeit (im August), zufällig stecke ich in beiden Ideen mittendrin. Eine A14 will sich verdienen. Ich glaube, jetzt nach einem halben Jahr, können die Kollegen und die SL meine Doch-Nicht-Abwesenheit im Sabbatjahr ganz gut nachvollziehen und lassen mich einfach machen. Ich wohne halt nur 800m entfernt… Ich bin ausgeruht und brauche Abwechslung vom Schreibtisch und den Diss-Büchern.

Mittwoch mit J. auf dem B*dorfer Weihnachtsmarkt gewesen, das Examens-Geschenk (Lamy-Set inklusive Gravur) für die Referendarin kaufen, Glühwein(-e) mit K. trinken, sich für die Feuerzangenbowle verabreden. In Gee noch einen drauf, besofski nach Hause.

Den Donnerstag in NMS mit einer sehr guten Fortbildung verbracht. „Jugendliche Mediennutzung: Chancen und Risiken – Unterrichtsmaterial für einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien in der Sekundarstufe“ – sehr sinnvolle Ergänzung zu meiner Umstellung des WaPf-Angebotes in Medien und Öffentlichkeit. Schöne Ideen für das Präventionskonzept allgemein und die Referentin für den SET im August gewonnen. So muss das sein.

Am Freitag war gemütliches internes Grünkohlessen im Lehrerzimmer. Eine kleine Runde nur, es ist als Außenstehende eindeutig, wie sehr Lehrer:innen in der Vorweihnachtszeit auf dem letzten Kesselloch pfeiffen. Man muss sie schon arg zu Gesprächen auffordern, bei denen sie dann leider schnell agro werden. ;) A. schlägt vor, dass ich nächstes Jahr doch wieder die Fachschaft Biologie übernehme, mal schauen.

Ein Jahr mehr oder weniger Kontakt mit T. gehabt, intensive Gefühle zu- und miteinander, die wir weder wirklich genutzt/gezeigt/gelebt haben, die aber nicht nur oberflächlich waren. Mein 1. Quartal war sehr tränenvoll. Leider haben wir beide zu viel allein davon mit uns ausgemacht und aus verschiedenen Gründen den Kontakt fast auslaufen lassen. Zu wenig Engagement im kommunikativen Bereich, ja. Zu wenige Chancen auf zufällige Treffen, ja. Die Entfernung zu groß, ja. Die Machbarkeit aussichtslos, vielleicht. Und manchmal bin ich einfach nur eine Zicke, die man an den Hörnern fassen muss. Gerade wenn ich gestresst durch andere Ereignisse bin, haue ich privat einfach vieles nieder. Das muss man Mann leider wissen – und mich dingfest machen.

KW 49 (2019) // SPD, Twitter, Grünkohl

Die SPD versucht sich mit einer Doppelspitze. Durch die Filterblase ist mir Saskia Esken bereits bekannt. Ich wünsche ihr natürlich alles Gute, sie wird sich ganz wunderbar profilieren. Norbert Walter-Borjans: in meiner Referendariatszeit 2011-2013 war er als Finanzminister in NRW indirekt für meine Besoldung und Steuererklärung zuständig, diesen Bezug konnte ich aber erst nach einer kleinen Recherche herstellen. / Ich überlege gerade ganz anders, ob sich das „Modell SPD“ nicht überlebt haben könnte? Im Geschichts-Kolloquium haben wir u.a. von Byung-Chul Han „Psychopolitik“ (2014) gelesen. Nach der Disziplinargesellschaft macht Han nun die Kontrollgesellschaft aus, in der „das Ich zum eigenen Projekt“ wird. Wenn nun aber die Apps des Social-Media-Webs und Big Data mit seinem immerwährendem (unemotionalen) Gedächtnis, über uns Macht ausüben, der Feind sozusagen in uns selbst steckt, benötigt es dann noch Sozialpolitik für die die SPD einst stand? Vielleicht muss sich die SPD neue Themen suchen, was ja nicht schlecht sein kann. Neue Zeiten, neue Themen. Aber erst einmal bitte nicht die GroKo verlassen. Wer dann alles in der Partei verbleiben mag, soll das für sich entscheiden und nicht rumbellen.

Mich bei Twitter abgemeldet und beide Accounts deaktiviert. Es geht mir auf die Nerven, wie dort miteinander umgegangen wird. Ein Teil der Lehrerschaft versucht sich mit Innvationen und neuen digitalen Ansätzen, dem anderen Teil verlässt die Möglichkeit ordentlich zu kommunizieren und darauf zu reagieren. Ewige Diskurse darüber, wer was fordern darf, wer was wie geschrieben und gemeint hat. Wenn Digitalien so aussieht, dass man aneinander vorbeidiskutiert – und sich immer wieder neue Leser aus der Filterblase fragend und wertend einmischen, wozu sie alles Recht der Welt haben – so dass gar keine Beruhigung mehr eintritt, dann ist das nicht mehr „mein Twitter“. [Ein Nachklapp ist bei Bob zu lesen.] Wenn dann schon wieder über das #twitterlehrerzimmer feministisch fabuliert wird, reicht es. Jede/r soll Twitter nutzen, wie sie/er es mag. Nehmt doch #twlz oder #twitterlehrer:innenzimmer, macht was ihr wollt, aber hört auf, andere damit zu bedrängen. Cool down und erst einmal alles ruhen lassen. Im neuen Jahr gestalte ich mir die Timeline neu oder bleibe ganz fern.

Die Grünkohl-Saison ist eröffnet. Am Mittwoch war Pensionärstreffen bei uns. Konkret lädt die Schulleitung zur Zusammenkunft ein, ein Teil der SL-Runde und wir vom Personalrat administrieren den Abend. Kochen, Umräumen des Lehrerzimmers, Eindecken und Service. Ich hatte viel Freude.

The Idea von Blue Zone auf Vimeo

R.I.P. Willy

Kater Willy (11.04.2003-27.11.2019)

Sir William natürlich, der Kater, der mit einem Pfiff durch die Nacht angerannt kam. Auch wenn in der letzten Zeit nicht mehr viel mit rennen war. Selbst die Treppen nach oben in die 1. oder 2. Etage mussten wir dich im Karton tragen. Im Oktober war klar, dass du nicht mehr lange sein wirst. Das gute Wetter schenkte uns noch ein wenig Zeit und du warst voller Adrenalin, weil du A. und mich gesehen hast. Voll der Macker mit dem eingerissenem Ohr, wie eh und je. Seit wann lässt du dir von uns eigentlich die Krallen verschneiden? Hast du, aber… Genau.

Bei Linchen bis du geboren, der einzige schwarze Kater in einem Wurf mit vier weiteren gelben Katzen. Man wollte dich nicht, wir dich um so mehr. Im Alter kam dann vor allem an den Keulen der Vorder- und Hinterbeine dein gelbes Fell hervor. Der zugelaufene und teilverwilderte „Rewe-Willy“ war dein Vater, daher auch dein Name. Oder seiner? Ich weiß es nicht mehr.

Die Narbe in meinem Dekolleté wird immer an dich erinnern. Du auf meinem Arm und plötzlich steht der Schornsteinfeger mit der dröhnenden Stimme vor uns. Deine Teufelskralle tief in meinem Fleisch versenkt und ab über meine Schulter. Aua!

„Das letzte Kind trägt Fell.“ So geht dieses eine Sprichwort, dem ich zu gern zustimme. Zuletzt hast du Mutti und Paps den Alltag strukturiert. Fleisch einkaufen, den Kater rauslassen, den Kater reinlassen, Fressen geben, Leckerli geben. Mit rohem Rinderhack ging die nervigste Tablette glatt durch. Am Telefon kurz schnurren lassen. Dann vielleicht wieder raus durch den Laden – wo es nur Herbert geschafft hat, dich je anzufassen, wieder hoch ins Wohnzimmer oder nach ganz oben in unsere Wohnung, wo du in den letzten Jahren über Nacht meistens drinnen bliebst. Immer jaulend und quietschend im Kommandoton. Ich sagte immer, dass das wie bei einem Kleinkind wäre; ein leises Wimmern gegen 5 Uhr, war gern mal mein Wecker.

Weißt du noch, wie du fast die eine Klausur meines ersten schriftlichen (Vor-)Abiturs in Biologie zerrissen hast, weil ich übermütig mit dem Lineal darunter wackelte? Oder wie wir Apps auf dem iPad ausprobiert haben, damit du Schmetterlinge oder Mäuse jagen konntest? Verrückt… Aber selbst darauf hattest du zuletzt keine Lust mehr. Ach, ach.

Ob man wegen einer Katze so trauern kann? Natürlich. Es werden doofe Weihnachten, weil du nicht die Geflügelknochen knacken wirst. Mach es gut, du Haudegen. Wir haben dich sehr geliebt.

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