Archiv der Kategorie: Referendariat

1.11.20011-30.04.2013
18 Monate in NRW
Ziel war das 2. Staatsexamen

Ich möchte mit dem Geschriebenen nicht demotivieren, man kann wirklich alles schaffen.
Verbieg dich nie zu sehr!
Jammere, wo du jammern kannst. Aber nie im LeZi.
Richtig heftig wird es sowieso erst mit der richtigen Vollzeitstelle nach dem Ref.
Genieße deine Zeit also auch ein bisschen. ;)

Variabilitäten

Sauerklee

Sauerklee

Seit 13:30 Uhr von der Schule daheim, seit 14:30 Uhr Vorbereitungen für den Megatag. Dienstags habe ich 4 Klassen/Kurse. Biologie in der 7, 8, 9 und der E. Danach platzt mir der Schädel – aber solange der Geduldsfaden hält. Die nachmittägliche Runde Volleyball ist perfekt zum Ausgleich.

Was ich aber überhaupt schreiben wollte ist, dass ich nun dann doch noch die Schwierigkeit meines Refs durchschaut habe 😏, obwohl sich dieser Fakt im Ref zunächst als streßfreier herausgestellt hatte: Ich hatte zu wenig Möglichkeiten in den selbsttätig unterrichteten Kursen. Mit meinen beiden – erst 7er-, dann 8er-Klassen parallel in Bio und Geschichte, ging die kreative Befruchtung und Ideenfindung leider den Bach lang runter bzw. den Berg nicht hinauf. Unterschiedliche Klassenstufen wären aus heutiger Sicht gewinnbringender gewesen. Der (anstrengende) Ausbildungsunterricht war methodisch-biologisch wenig förderlich, da die Lehrer einem meist kaum Zeit, Raum und Anregung zum Ausprobieren gaben. Und man sich selbst vom Stoff und der inneren Einstellung her ja auch nur auf die ollen UBs getrimmt hatte… Effektivität war das Ziel.

So ist es jetzt anders und gut. Die 7er befördern die Eler beim Thema Mikoskopieren, die 8er die 5er beim Thema Lebensraum Wald und Säugetiere in unserer Umwelt. Viel zu tun, aber viele neue Ideen.

Mit meiner eigenen Acht werde ich nach Friedrichsruh fahren, liegt ganz in der Nähe, thematisch sind wir kurz vor Bismarck. Im November tourt eine Wanderausstellung zum Thema „Denkmäler und heutige Wahrnehmung/Notwendigkeit“ durch die Gegend, werde das Angebot zum Projekttag gern annehmen. Klassenfahrt ist in Planung, zeitlich wird es wohl im März nach Köln Potsdam und Berlin gehen.

Nebenbei bin ich für ein weiteres übergreifendes Geschichts- und Biologieprojekt zusammen mit dem Goethe Institut angesprochen worden. Ein ehemaliger Kollege der Schule verbringt seinen Lebensabend auf Kreta. Dort ist in Erinnerung an die Verbrechen der Wehrmacht ein Wald angelegt worden, dieser ist jedoch mittlerweile sehr stark verwildert, auch sind die Terrassenanlagen in einem schlechten baulichen Zustand… Ihr könnt euch denken, was zu tun wäre. Hört sich nach einer Lebensaufgabe an. Aber spannend.

Auch wenn die Zeit für Twitter gerade arg knapp wird, ich lese noch. ;-)

Enttäuschung, Trauer, Wehmut

Heute:
Um mit einem reinen Herzen und einem befreiten Kopf hier in Sch-H meinen Weg zu gehen, mag ich noch kurz meine, dann doch etwas nagende, Enttäuschung über mein Heimatbundesland in die Tastatur hauen.

Damals:
Studiert habe ich an der Universität Potsdam, das war nach dem Abitur irgendwie keine große Frage, wo ich wohl fürs Lehramtsstudium hingehen würde. Einige meiner eigenen Lehrer hatten dort zu DDR-Zeiten an der Pädagogischen Hochschule studiert und es schien mir als Brandenburger Mädchen auch ganz logisch (und es gab auch keine andere Möglichkeit in Brb).

Jahre später:
Bereits für mein Referendariat hatte ich mich u.a. in Berlin beworben, da klar war, dass die Chancen für einen Platz in Brb relativ gering wären. Ohne Kind, ohne Ehemann, ohne Pflegefall in der Familie – keine Sozialpunkte. Nach drei Ablehnungen in Brb und zwei in B, habe ich eine Wutbewerbung nach NRW geschickt. Die Zusage kam nach 2 Monaten. Wegzugehen war kein Ding, es war ja zunächst zeitlich begrenzt. Flexibilität ist dann für den inneren Schweinehund überhaupt kein Problem.

Vor 3-5 Monaten:
Nach dem Ref der Bewerbungsmarathon in achteinhalb Bundesländern, vor allem weil ich mir der Situation in NRW bewusst war. Ein Abschied von NRW stand ja bereits mit dem Beginn dort als Möglichkeit im Raum, mit den tatsächlichen Nullchancen für uns Refis am Niederrhein habe ich mich nach kurzem Schluckreflex ganz gut abfinden können. Und angeblich sucht(e) ja Brandenburg nach Lehrern, vor allem der ländliche Raum im Süden Brandenburgs. Gute Hoffnungen, doch zufrieden daheim im Spreewald anzukommen? Die familiär-sozialen Anbindungen sind dort, ich kenne alle Möglichkeiten für außerschulische Lernorte – einfach, weil ich mit ihnen groß geworden bin.

Wahrscheinlich sucht/will Brandenburg aber doch nicht. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, wie die tatsächlichen Zustände mit den Angaben des Ministeriums oder in der Presse übereinstimmen. Es ist für mich nicht verständlich, warum sich von allen Bundesländern ausgerechnet Brandenburg in keinster Weise zu meiner pünktlich und vollständig eingereichten Bewerbung geäußert hat. Nicht einmal eine Empfangsbestätigung, keine Absage oder sonst was. Angebote und Nachfragen zwecks Vertretungsstelle waren zwecklos. Da bezahlt ein Bundesland meine Ausbildung zu neun Zehntel und angeblich werden qualifizierte + motivierte + U40-Menschen händeringend gesucht… Was solls? Hätte, hätte, Fahrradkette.

Wieder heute:
Nun bin ich hier angekommen, nun werde ich hier meine Ideen einbringen, meine Leistungen erbringen, mein Leben vollbringen. Alles wird so gut, wie man es eben selbst will zulässt.

 
Zwischen den Zeilen:
Es gibt mehr im Leben, als darüber zufrieden zu sein, dass man eine Stelle hat. Und mir zerrinnt ob der ständigen Neuanfänge für private Projekte einfach die Zeit zwischen den Fingern.

Acht wie Ach-du-Schreck

Nachdem ich meine Schlüssel nun schon vor vier Monaten am JSG abgegeben habe, seit etwas mehr als einen Monat weiß, wo es hingeht, kam gestern die Stundenverteilung für mein Leben als Junglehrerin. Wie gewünscht, „noch“ kein Abitur, „noch“ keine LK-Verantwortung – weil neues Bundesland usw. Dafür aber: KLASSENLEITUNG! Ach du …

Ich bekomme meine eigene 8. :-) Beim Lesen der Mail von der neuen, liebsten Schulsekretärin der Welt, war es zunächst eher ein kleiner Schock, ich hatte nicht gleich mit einer vollen Verantwortung gerechnet. Klar, Co-Klassenlehrerin, aber Klassenleitung?! Aber ich bin ja nicht umsonst seit März eine echte Lehrerin und da gehört diese Anforderung zum Jobprofil nunmal dazu. Vom Referendariat in die Vollen…

Logischerweise freue ich mich mittlerweilen sehr, zumal ich mir in meiner Examens-Acht bis zum letzten Tag nichts Schöneres hätte vorstellen können, als diese eventuell als meine Klasse zu bekommen. Nun wird es zwar eine andere – aber ausgerechnet – eine 8. Meine Wünsche beim Universum, sie gehen zur Zeit alle in Erfüllung. Unheimlich.

Noch 14 Tage Zeit, entsprechende Lektüren zu genießen und mir Gedanken zum ein oder anderen praktikablen Ansatz zu machen. Das Thema Klassenrat werde ich mir auf jeden Fall auf die To-Do-Fahne schreiben. Habt ihr Ideen für mich?

Sonst werde ich 20 zu 5 unterrichten, leider also seeehr wenig Geschichte. In meiner 8 zwei Stunden (plus zwei Stunden Biologie) und in einem E-Kurs drei Stunden. Die erste 10 an der neuen Schule als sogenannte Einführungsphase des G8 in Sch-H, zum Glück kann ich hier meine Erfahrungen aus NRW ganz gut einbringen. Dann ran an die Vorbereitungen.

Suchbegriffe zum Referendariat – zusammengefasst und kommentiert

Diese Suchfunktion im Netz ist schon beeindruckend. Zudem, wenn sich auswertbare Ergebnisse direkt auf dein Blog beziehen. ♥ An dieser Stelle zu einigen Schlagwörterkombinationen beim (Auf-)Treffen auf mein Blog – und im Zusammenhang mit dem Referendariat – ein kurzer laaanger Kommentar.

referendariat lustig – Es ist lustig. Mal für dich, mal für die SchülerInnen, mal für die KollegInnen. Auch mit den Fachleitern wirst du lachen können. Dein Kontostand ist eher nie lustig. Ich rate trotzdem dazu, nicht unbedingt fürs Ref aus der gesetzlichen Krankenversicherung herauszugehen, weil du nicht weißt, wie es in den Monaten nach dem Examen beruflich mit dir weitergeht. Es gab RefkollegInnen, welche jetzt Ärger hatten, weil sie nach dem Examen direkt in ALGII gerutscht sind. Und du rennst im Fall der Fälle deinem an anderer Stelle ausgegebenen Geld schon während des Refs hinterher, schön bei jedem Arzttermin die Rechnungen vorstrecken, später wieder einfordern. Spar dir Zeit und Nerven, auch wenn du es dir günstiger ausgrechnet hast. Denn Zeit und Nerven benötigst du dringender für deine Unterrichtsplanungen, eher zweitrangig für die Anträge zur Rückerstattung. (Ans Geld für die GKV kommst du später auch über die Steuer wieder heran.)

eindruck im seminar referendariat – Konkret wird damit wohl der Eindruck beim Fachleiter gemeint sein? Dazu hatte ich mir vorab natürlich auch so meine Gedanken gemacht… Ich glaube heute eher, dass a) die Zeit zu kurz, b) der gemeinsamen Unternehmungen zu wenig, c) die UBs zu entscheidend für diesen Eindruck sind. Quatsch dich um dein Leben, im Seminar und bei jeder Gelegenheit, komm ins Gespräch, stelle Fragen, biete dich fachlich/didaktisch/referatetechnisch an. ;-) Aber alles bitte im ausgewogenen und menschlichen Bereich.

langzeitgutachten fachleiter – Schlußendlich haben deine Fachleiter nicht viel Zeit ihre Gutachten zu schreiben. Bei meinem 18 Monate dauernden Ref musste das Gutachten im November fertig sein, knapp ein Jahr nach Beginn der Ausbildung. Abzüglich der Ferien ist es ein Witz an Beobachtungszeit, welche den FLs dafür zur Verfügung stand. Zuzüglich der Belastung, wenn man berücksichtigt, dass einige Fachleiter bis zu 25 Referendare betreuten – plus Zeitaufwendung im eventuell eigenen Kernseminar. Geschrieben sind diese Gutachten wirklich gut und m.E. tatsächlich notwendig, vergleichbar mit einem Arbeitszeugnis auf dem freien Arbeitsmarkt. Meine beiden Gutachten unterscheiden sich klar voneinander, können im Kern aber meine Lehrerperson ziemlich treffend wiedergeben. Für deinen zukünftige/n Direktor/in sind sie sehr entscheidend, weil zwischen den Zeilen recht viel transportiert werden kann. Bei mir wurde u.a. ein Teilsatz zum Türöffner „dass sie für viele Kollegien eine Bereicherung darstellen wird.“ (An dieser Stelle einen herzlichen Dank an meinen Fachleiter in Geschichte.)

ausbildungslehrer ist ein arsch – Nun, falls du nicht eine wirklich sehr seltene und total ausgefallene Fächerkombination hast, kannst du dir an der Schule deine Ausbildungslehrer doch eigentlich nach Sympathie aussuchen, oder nicht? Entscheidend sind die Klassen und Kurse, mit den SchülerInnen muss es stimmen.

perlen im examen – Liegt im Auge des Betrachters oder des Faches. (Arbeitet man in Kunst eventuell mit Perlen im Examen?)

einstiegsvortrag kolloquium offener unterricht – DAS Thema schlechthin. Vergisst man gern mal bei der Vorbereitung der Examensstunden. Protipp: Sobald der Examenstermin anvisiert/festgezurrt wird, den Vortrag vorbereiten. Keine große Themensuche, ganz simpel halten. Auf beide Fächer ausrichten. Vielleicht hast du noch was Tolles vom Studium in Griff- und Erinnerungsweite? Hast du im Kernseminar referiert? Nehmen, ausbauen, dankbar ablegen. Denn in den heißen Wochen direkt vor dem Examen kümmert man sich in der Regel nur noch um die UPPs, der Vortrag geht dabei echt unter. [Zum Thema Offener Unterricht selbst, müsst ihr anderweitig googeln.]

durchs examen gefallen und bekomme noch mails vom fachleiter – Das ist doch sehr gut! In Biologie sind bei mir zwei von fünfzehn KollegInnen durchgefallen. Die Seminare waren noch nicht durch, natürlich hält der Fachleiter Kontakt zu allen Schützlingen. Gespräche sollten geführt, Ursachen gesucht werden. Es liegt dann am Refi selbst, mögliche Konsequenzen zu ziehen.

lehrerüberschuss nrw 2013 – Warum ich nach Schleswig Holstein gehen werde? Im Februar 2013 hat der letzte Jahrgang mit 24 Monaten Referendarsausbildung abgeschlossen. Ich gehörte der ersten Runde Refis mit 18 Monaten an, wir waren zum 30. April 2013 raus. Mitten im Schuljahr. (btw: Schlau gemacht vom Land.) Zum Schuljahr 2012/13 ist in NRW der Doppeljahrgang durchs Abitur geführt worden. Niemand braucht derzeit fertige Referendare in NRW. An einigen Schulen gibt es zwar Mangel in bestimmten Fächern, aber genügend Lehrer, um das Stunden- und Lehrerdeputat der Schule abzudecken. Selbst das Budget für Vertretungsbedarfe wurde sehr hart deutlich eingeschmolzen. (Obwohl VERENA dann doch einige Angebote hergibt…) Schreckliche Situation, aber wer flexibel ist, kommt weiter.

annehmen wie es kommt – Nun, bessere Worte könnte ich zum Referendariat nicht finden. Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Jede Schule bildet anders aus, es kommt viel auf die Stimmung im Kollegium an. Dort verbringst du die meiste Zeit. Wie sich die jeweilige Schule zu ihren ReferendaInnen verhält ist ein Faktor, der gern unterschätzt wird. Hier spielt deine Alltagsmusik. Natürlich sind die Konstellationen am Seminarort und in den Fachseminaren nicht unerheblich, aber nicht nur entscheidend. Also: Einfach machen, weniger „mit sich machen lassen“.

Nach dem Referendariat ist vor der Arbeit

Kurz nach 8 Uhr bekam ich den Anruf der einen Ex-Kollegin, ob ich mich erinnern würde, ob tatsächlich zu 9 Uhr die Wohnungsübergabe Deffkestraße 11 sein sollte. Ähm ja, sollte sie, aber eigentlich wollte sich die neue Mieterin selbst melden und den Termin bestätigen. Gegen 11 Uhr der Anruf der Kollegin, die mich ersetzen soll, wie das noch einmal mit der Küche (für eine andere Wohnung) gewesen wäre. Nein, wir vermieten nicht mit einer EBK, ich stellte nur den Kontakt zwischen Vormieter und neuer Wohnungsinteressentin her, man sollte sich selbst einigen, wir haben nur rudimentär etwas damit zu tun.

Der Abgang war schwer, obwohl mir doch innerlich beim Bewerbungsgespräch schon klar war, dass der Job nur eine Zwischenlösung sein sollte. Das es schlussendlich nur eine Minizwischenlösung von 2 Monaten nach dem Ref bedarf, hatte ich nicht zu denken geglaubt.

Andererseits hätte ich diesen Job nun gut und gern noch ein Weilchen machen können. Der Vertrieb und die Hausverwaltung hätten es nötig gehabt… Da ist viel liegen geblieben oder bisher nicht bedacht worden. Die Arbeit hat mir mehr als Freude gemacht, die Freiheit zu entscheiden, die Möglichkeiten zu kombinieren, es war tatsächlich kein Problem für mich 10 Stunden dort zu sein. Bezeichnend für meinen Einsatz und die empfundene Qualität ist, welch Angebot mir mein Chef Ex-Chef unterbreitet hat, nur damit ich bleibe. Das Niveau vom Lehrergehalt hätte ich wohl bezogen. Aber es ist ja nicht nur das Geld. Und du kannst wahrlich keine „zwei Leben leben“.

Meinen freitäglichen Urlaubstag hatte ich bereits für ein paar zusätzliche Stunden in der Firma geopfert, damit der Kunde aus Troisdorf, der seinen Lebensmittelpunkt samt Job und Wohnung wieder nach Cottbus verlagern will, auch wirklich mit mir zusammen am Tisch sitzt und nicht aus Verwirrung den möglichen Erwerb der Eigentumswohnung absagt. Nun, er wird kaufen. Mein Ex-Chef kann beginnen, die ehemalige Melde-Brennerei zu Wohnungen umzubauen.

In 4 Wochen beginnt mein neuer Lebensabschnitt in Geesthacht, ich verlasse Brandenburg also wieder. Am Freitag werde ich mir 2 oder 3 Wohnungen in Lüneburg anschauen. Ich werde mir damit meinen Traum von dieser Stadt erfüllen, mal schauen, ob ich dann dort auch meine Folgewohnung suche – oder wo es mich hinzieht.

So sah heute also mein letzter Arbeitstag aus, der eigentlich ein Urlaubstag war. Mein letzter Tag in der freien und sozialen Marktwirtschaft, bevor es mich nun in die Untiefen des Beamtentum zieht. Morgen ist der Termin beim Amtsarzt …

PS: