Archiv der Kategorie: Referendariat

1.11.20011-30.04.2013
18 Monate in NRW
Ziel war das 2. Staatsexamen

Ich möchte mit dem Geschriebenen nicht demotivieren, man kann wirklich alles schaffen.
Verbieg dich nie zu sehr!
Jammere, wo du jammern kannst. Aber nie im LeZi.
Richtig heftig wird es sowieso erst mit der richtigen Vollzeitstelle nach dem Ref.
Genieße deine Zeit also auch ein bisschen. ;)

Umzug in Echt

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So schnell geht es. Achtzehn Monate Referendariat. Siebzehn Monate davon in der bisher liebsten „Alleinewohnung“. Dachgeschoss. Badewanne. Morgens das Licht im Schlafzimmer. Abends den Sonnenuntergang durch das große Balkonfenster quer über den Schreibtisch im Wohnzimmer und in der offenen Küchenzeile genießend. Nette Nachbarschaft. Entspannter Weg zur Schule. Perfekte Anbindung an die ruhrpöttischen Großsstädte. Ich habe es geliebt. <3

Morgen kommen die Profijungs und packen alles zusammen. Ab geht der ganze Kram zur Schwester nach Paderborn. Mich selbst zieht es zu den Eltern in den Spreewald.

Vorab geht es weiter mit der Zeugnisvergabe am Dienstag. Danach ist Cottbus angesagt.

btw: Das ist mein 6. Umzug in 8 Jahren.

Abschluss 2011-13

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Nun, das Ende des Referendariats naht. Feier in 10 Tagen. Dresscode: Abendgaderobe.

Bis dahin noch Treffen mit J. und J., also Abschiedsessen mit meiner liebsten Ausbildungslehrerin. Ausstandsrunde fürs Kollegium am JSG. Die Lieblingsklasse noch einmal mit Eis versorgen. Enderarbeitung und Präsentation unserer Ergebnisse von Auschwitz. Abschiedsessen mit den Akos. Der Mehrarbeitsabrechnung hinterherlaufen. Schulschlüssel abgeben. Ausmisten und Packen meiner Umzugskartons. Klärung einer eventueller Sonderkündigung bei der Telekom. Beim Corsa Sommerreifen aufziehen. Sperrmüll abholen lassen. Vielleicht noch zum Frisör…

Und immer mit der Hoffnung, nicht in Tränen des Abschieds auszubrechen.

Kurz vor…

  • dem Geburtstag
  • der Abschlussparty
  • der Präsentation zur Seminarfahrt nach Auschwitz
  • dem Umzug
  • dem Ende des Referendariats
  • Beginn des neuen Jobs.

Nächste Woche ist die 35 dran. Wie immer werde ich mich nicht richtig feiern lassen (können). Werde mit meinen Mädels zumindest eine Hafenrundfahrt in Duisburg machen. Und danach zum Sushi-Essen gehen. Geburtstage sind einfach völlig überbewertet.

Am Freitag ist die selbst organisierte Abschlussparty für uns Referendare in Kleve. Wird sicher lustig, ganz gewiss… Wäre froh, wenn sich die Situation mit N. davor klären ließe. Nach drei Abenden Knutscherei und fast einem Jahr der offensichtlich gegenseitigen Anhimmelei mit einem Haufen zufälligen Telefonaten und gemeinsam an bestimmten Orga-/“Aufregungs“strängen ziehen, kann mittlerweile niemand mehr sagen, wo wir stehen. Er nicht, ich nicht. Keiner kann die Sache ganz erfassen. Die über kurz oder lang negativ werdende Entfernungsperspektive bringt den Rest mit sich. Krakau hat das Fass (vielleicht?) nur zum Überlaufen gebracht. Der Historiker würde sagen, Containment-Politik ist angebracht.

Im Lauf der Woche sollen wir in den vordefinierten Kleingruppen die Ergebnisse zu unseren Gedanken der Auschwitz-Fahrt sammeln, festhalten und für den 25. April präsentabel vorbereiten. Das Konzept ist mau, aber wir 5 haben einen Plan. :-) Zur Fahrt selbst im Verlauf der Woche mehr.

Der Umzug meiner Möbel vom Niederrhein nach Paderborn steht am 29. April an. In der großen Hoffnung, dass mein erneuter elterlicher Aufenthalt im Spreewald nur bedingt lange dauert, da sich dann eine Stellenoption als Lehrer zum August oder September hin ergibt.

Mein Referendariat endet am 30. April mit der Zeugnisausgabe. 18 Monate sind um, kann es bis heute noch nicht so richtig begreifen, dass ich mein 2. Examen bestanden habe. Vor allem nicht mit diesen Ansprüchen und Nachweisen, die vor allem die UBs in 2012 mit sich brachten. Scheint doch noch alles gut geworden zu sein, was ich mir einmal mit knapp über 19 überlegt habe. Ach, Lehrer!

Der neue Job wäre in diesem Zusammenhang dann die Profilausschärfung im Immobilienbereich, passend zu den beiden anderen Jobs in den letzten Jahren. So wie es derzeit aussieht beginne ich zum Mai im direkten Anschluss in Cottbus bei einer Hausverwaltung.

Im Grunde habe ich aber eigentlich nur noch genug davon, immer irgendwie über die Runden kommen zu wollen und zu müssen. Und im Grunde habe ich längst genug davon, jedweder Beziehungsperspektive von vornherein den Garaus zu machen.

Nachtrag: Ich war nicht auf der Party, da ich es die Tage zuvor etwas übertrieben habe. Und die Sache mit N. ist geklärt. Schlussendlich. Wie man so schön sagt.

Es annehmen, wie es kommt. [römisch zwei]

Ich hatte bereits begonnen vom Examenstag zu berichten, also sollte ich den Tag nun auch erzählerisch zum Abschluss bringen. Inklusive des nach vier Wochen sehr subjektivierten Blickes auf die Dinge. :-)

Ausgangslage: Der Fremdprüfer erscheint nicht zum Termin und ist auch telefonisch unter Vermittlungshilfe des Prüfungsamtes nicht zu erreichen. Die Idee der Prüfungsvorsitzenden, den Prüfungstag von Freitag auf den Montag zu verlegen, damit mir eine neue Ausarbeitung erspart werden könnte, ließ sich schon in der Theorie nicht durchspielen, da meine 8er dann eine Woche im Sozialpraktikum wäre. Doch Erlösung naht, ein anderer Prüfer für Biologie konnte erreicht werden und wird sich auf den Weg machen… Genug Zeit, um den Papierkram zu erledigen, dass ich meine Prüfung nicht anzweifeln werde, da Änderungen in der Kommission und im Ablauf durch mich selbst erwünscht sind.

Zugute/zweckdienlich kommt mir heute unser schulinternes 70-Minuten-Modell – ich zeige auch im Examen je 60 Minuten in meiner Qualität als Lernbegleiter. Meine Geschichtsstunde kann ich bequem mit einer einstündiger Verspätung zeigen, dafür muss auch nichts an der Reihenfolge meiner UPPs verändert werden, die meinem eigenen selbstgewählten Fachleiter so wichtig ist. Lediglich eines der beiden Treppenhäuser muss von vier (sic!) Mitreferendaren abgeriegelt werden, weil ich über die große Hofpause hinweg unterrichte – und noch darüber hinaus. Meine 10er SuS sind dadurch sehr entspannt, weil ich ihnen somit die reguläre 3. Stunde „entschuldige“. Wer hat schon Bock auf Latein, wenn er bei Frau L. Geschichte haben kann? Mit Rousseaus Émile flutscht es. Einstieg toll, Erarbeitung toll, Vertiefung toll. Ergebnisse wie von mir antizipiert. In der Reflexion lobe ich mich selbst. Selbstbewusst? Kann ich! Die kleine Nachfrage vom Bioprüfer „was mein Stundenthema denn mit Geschichte zu tun hätte“, kann ich ebenso gut parlieren.

Pause. Nächste Stunde.

Und nun Biologie, Immunbiologie. Die Stunde, für die ich eine extreme Materialschlacht betrieben habe, damit die SuS, die an der Immunabwehr beteiligten Zellen und Zusammenhänge modellhaft in Gruppenarbeit von einem Text in ein Schema übertragen können. Natürlich inklusive eines vorbereitenden Laminiermarathons, damit ich alle Bestandteile als Magnetmodelle für die Präsentation an der Tafel habe. Vor der Examens-Acht steht die bis dato parallel unterrichtete andere Acht, die mir auch noch alles Gute wünschen wollen: „Frau L., Sie sind doch toll, Sie schaffen das!“ Die Stunde läuft locker und motiviert an. Die Entwicklung, der sich aus dem Einstieg und den vielen Ideen und Problemfragen konkret einzugrenzenden Arbeitshypothese habe ich etwas verhauen, naja. Doch meine Lieblingsklasse arbeitet sichtlich begeistert am obersten Level mit, Präsentation und Klärung der noch offenen Fragen laufen super. Vertiefung sitzt. Im Grunde bin ich sehr froh über den Verlauf der Stunde. Nur komme ich in der Reflexion – und natürlich wurde es dem Bio-FL bereits durch meinen Entwurf deutlich – an die Grenzen meines fachlichen Wollens, didaktischen Tuns, gesamtpädagogischen Verstehens des Wollen und Tuns. Seinen Nachfragen kann ich nicht logisch Stand halten. Ich hätte in der Stunde ein Modell erarbeitet, daher könnte ich in der Konsequenz in der nächsten Stunde keine Überprüfung auf der fachlichen Ebene vornehmen, also, welcher Bestandteil für welche Funktion zuständig ist. Hmmm, ich sehe das anders. In 60 Minuten Unterricht kann man schon methodisches und fachliches Lernen miteinander verbinden, was meine Vertiefungsfragen am Ende der Stunde auch gezeigt haben, dass da das Wissen vorhanden war. Die Stunde wird – schlussendlich gerechtfertigt? – schlechter als Geschichte bewertet. Meine Ausbildungslehrerin versteht es nicht, weil sie die Stunde und mich kongenial fand.

Mehr als eine Stunde Pause. Zum Kolloq geht es um 15:30 Uhr weiter.

Normalerweise liege ich um diese Zeit auf meinem Klippan-Sofa, ratze ein wenig und sammle Kraft für die abendliche Vorbereitung der nächsten Stunden. Hochdeutsch: Wir befinden uns im Tiefpunkt meines Biorhythmuses. Mein vorbereitetes Einstiegsreferat? Meine Konzentration? Meine spontane Reaktion auf Fragen der Prüfungskommission? Ich bin am Arsch. Normalerweise bin ich echt nicht auf den Mund gefallen, aber mir fällt nicht mal mehr Xanten als naheliegendes Ausflugsziel für eine historische Themenstellung ein – dafür aber das Museum in Vluyn, aber auch nur, weil ich jeden Tag daran vorbeifahre.

Alles egal. Ich bin durch, Examen bestanden. Insgesamt mit der gleichen Note wie im 1. Examen, muss ich zukünftig nicht viel nachdenken und rechnen.

Achtzehn Monate Referendariat überlebt.

Nachtrag: Mein Fremdprüfer hat den Termin einfach verbaselt. Passiert Menschen. Ergo sind auch Fachleiter nur Menschen. :-)

Es annehmen, wie es kommt. [römisch eins]

Letzten Freitag war also der große Tag. Examenstag.

Auf ihn hinarbeitend ein Gewaltakt, als würde man immer mehr Sand/Schnee/Gedanken/Material vor sich herschieben. Alles türmt sich immer unkontrollierbarer auf. Die letzten UBs? Mach ich doch mit links. Wie sind wohl die Vornoten der Langzeitgutachten? Weihnachten? Silvester? Nehme ich mit und tue mal 14 Tage nix. Welchen Fachleiter meines Vertrauens nehme ich mit in die Prüfung? Ach, das Halbjahr muss auch noch ordentlich zu Ende gebracht werden. Welche Klassen bzw. Kursen gehen mit mir zusammen über die Ziellinie? In welchem Fach zeige ich SekI, in welchem SekII? Welche Reihe/Stunde will ich überhaupt zeigen? Welches Thema nehme ich für meinen Einstiegsvortrag im Kolloquium? Hast du schon eine Idee, was danach aus dir wird?

Dabei die Angst, es nicht zu schaffen, weil links und rechts bereits KollegInnen während der Ausbildungszeit weggebrochen sind bzw. wegen zu schlechter Vornoten nicht zum Examen zugelassen werden. Weil zu Beginn des Schuljahres einen OBASler an unsere Schule versetzt wurde, der seinen eigenen 1. Versuch vergeigt hat und ich jetzt die Direktorin seiner Ex-Schule als Prüfungsvorsitzende habe, über die er nix Gutes zu berichten vermag. (Natürlich erkennt man in der Einbahnstraße der Gedanken nicht, dass man sich einfach nicht wild machen lassen sollte.) Der Zeitdruck in den letzten beiden Woche, in denen man Tag und Nacht nur noch an den Entwürfen bastelt, Orga für Räume und Kursverschiebungen betreibt, gemeinsam an einem D-Day-Plan mit den RefikollegInnnen schnitzt, die einem an diesem Tag mental unterstützen. Und natürlich hat jeder der „fertigen“ Lehrer, der über deine Ideen schaut, einen anderen Kommentar. Links, rechts, Hottehü. Hilfe! Von der Materialschlacht für Biologie nicht zu sprechen. Mein Zeitmanagement! Oh Gott!

Der ganze Druck kann sich dann schon mal in einem Sturzbach an Tränen mitten im Lehrerzimmer entladen. Ich kann das. Ganz ohne Scheu. Zum Glück gibt es zur Psychohygiene aber immer noch eine Runde Volleyball mit u.a. altgedienten Damen und Herren. Ich liebe Lehrerpensionäre. Tiefenentspanntere Menschen habe ich bisher nicht kennen gelernt.

Aber alles vorgenannte ist vergessen und kein Ding mehr, wenn denn der Tag da ist. Und dann? Dann kommt dein Fremdprüfer nicht. Um einen herum werden alle immer aufgeregter: Die Sekretärin telefoniert mit dem Prüfungsamt hin und her. Die eigene Direktorin überlegt sich personelle Alternative. Der selbst mitgenommen Fachleiter hofft, dass die Reihenfolge der zu zeigenden Stunden nicht verschoben werden muss. Die Prüfungsvorsitzende (genau, DIE oben erwähnte Direktorin), die sich als großartige zwischenmenschliche Person herausstellt, stimmt mit einem verschiedene Ausweichmöglichkeiten ab. Vielleicht sogar ein anderer Prüfungstag? Nein! Bitte nicht. Nur die Ruhe bewahren. Besorgt wird man in einen separaten Raum abgeschoben, um vom weiteren Informationsfluß abgeschottet zu werden, aber ich lasse einfach die Tür offen und höre trotzdem alles mit. Aaaargh! Ein Tag ohne Probleme, wäre kein guter Tag.

Ich muss fast schon lachen.

[Römisch zwei folgt]