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KW 13-15 (2020) // Coronafestwochen vor Ostern

Den Begriff Coronafestwochen gleich von Herrn Buddenbohm adaptiert („adoptiert“). Mal alles als ein Fest zu betrachten, auf welchem wir uns nicht umständlich in Konversationen vertiefen müssen. Diese ganzen Sozialkontakte liegen uns eh nicht. Dieser feierliche Blick ist für die uns sonst so getriebenen Introvertierten eigentlich eine sehr schöne alternative Umschreibung.

In Zeiten, wie diesen, wo alles abstrakt weit weg („Es betrifft häufiger Menschen über 70, aber vermehrt männlichen Geschlechts.“) und doch so nah scheint („Risikogruppe mit 5% Sterbewahrscheinlichkeit“) hilft manchmal auch nur der kritisch-ironische Blick von Gunter Dueck. Oder dieser Thread von Markus Barth.

Dieser ganze gequirlte Berichterstattung rund um eine falsch verstandene Systemrelevanz (Vorschlag: „systemkritische Berufe“ oder „Personal kritischer Infrastrukturen“, denn systemrelevant sind wir alle) und Impfstoffen bitte nächste Woche und Herdenimmunität sowieso als phänomenale Hauruck-Idee. Dazu der Wissenschafts(anti-)diskurs, wo Wissenschaftlern unterstellt wird, sie würden weitreichende Entscheidungen treffen (und damit wäre jetzt mal wieder Schluss!1!!11) oder gar die Arbeit/Forschung von anderen zerreißen. Nein, Entscheidungen treffen immer noch Politiker und Wissenschaft kommuniziert anders als Blöd und Tatzi es sich in ihrer journalistischen Kleinstwelt vorstellen können. (Notiz: In die Einleitung der Diss aufnehmen!)

Abiturklausuren: Große Aufregung in der digitalen Kollegiumsgruppe. Erst sagt Frau Prien, Abitur findet in SH nicht statt, dafür bekommt sie wohl in der Gruppe der Bildungsminister:innen mächtig verbale Schelte. Na gut, also kommt ein Plan heraus, wann welches Abitur geschrieben wird (weiterhin wird das mündliche Abitur nie erwähnt, höchstens die Sprechprüfungen für das Englisch-Abitur sind berücksichtigt), die Profil-Lehrer sollen genügend Ersatzklausuren einplanen… Nun tritt Frau Gebauer für NRW auf den Plan, die eventuell in Erwägung zieht, kein Abitur zu schreiben. Offene Briefe aus den öPRs der umliegende Schulen und einiger Schülervertretungen folgen. Ich bin gespannt, worauf man sich nach Ostern einigen wird. Wen hätte es den Zacken aus der Krone gebrochen, alle Abschlussprüfungen in diesem Jahr abzusagen? Alles ist außer Rand und Band, aber Prüfungen sind relevant. Systemrelevant. (Die Schultern zuckender Abgang. Ich bin ja im Sabbat!)

Lieferengpässe bei Medikamenten: Seit 2008 bzw. 2013 bin ich wegen zweier Autoimmunkrankheiten in Behandlung. In der Konsequenz brauche ich regelmäßig Medikamente. In dem einen Fall L-Thyroxin, im anderen Metex und dessen Antagonist Folsäure. Noch in KW 12 habe ich von meinen Ärzten die Rezepte angefordert, was mittlerweile per Mail und Post unproblematisch aus der Entfernung geht. Doch die Bestellung in der Apotheke war das Problem. Das Metex konnte über drei Ecken gut besorgt werden, Folsäure als eigentliches Nahrungsergänzungsmittel (wie mir die Beihilfe immer klar machen will…) gab es unproblematisch, beim Schilddrüsenmedikament muss ich nun etwas kreativ in der Einnahme/Zusammenstellung sein. Eigentlich brauche ich 137,5 Mikrogramm, verfügbar war 100 Mikrogramm.

Familiy: Mom war nun 5 Wochen in der neurologischen Abteilung der heimatnächsten Klinik. Sie hatte in den letzten Jahren schleichend mehr und mehr neurologische Aussetzter, dazu noch einen unterschiedlich starken Tremor (Zittern) in den Händen. Corona hat es in der Art schwieriger gemacht, dass meine Sis und ich nicht in den Spreewald fahren (wollten). Aber sie eh nicht im Krankenhaus hätten besuchen können. Nicht mal meinen Vater haben sie nach dem 20.3. noch zu ihr durchgelassen. Zumindest haben wir als Familie nun eine Diagnose, mit der wir etwas Klarheit haben, aber die Auseinandersetzung damit braucht noch etwas. Und wir sind noch ganz am Anfang der Krankheit. Für das Thema an sich gab es kürzlich den Goldenen Blogger, ich ahnte schon länger, dass es eventuell in diese Richtung geht. Ich lese bei Peggy seit einem Jahr mit und fand ihre Links auf der Das-bin-ich-Seite nun erst recht nützlich.

Steuererklärung und Aufräumen der Finanzen: Ich musste ja eh viel mit Papa telefonieren. Was ich mega gern getan habe, weil mit ihm – ohne Mama im Nacken – telefonieren richtig Spaß macht. Die kleine Plaudertasche. Also hat er mir alle Briefe für die BK-Abrechnung für meine Mieter nach Gee geschickt. Nach meiner Belegsortiererei Anfang März habe ich noch zweieinhalb Tage Heimarbeit gebraucht, um den ganzen Kram zu erledigen. Die avisierte Summe macht prächtigst Laune und ist bitter nötig für den aktuellen Kontostand im Dispobereich. Endlich die Zeit genommen alle Sparpläne, Anschriften, Zuteilungen und Raten zu überprüfen. Einige Anpassungen vorgenommen. Im Vorsorgerechner von SH geschaut, welche (theoretischen) Bezüge ich zum August 2045 erwarten kann, dazu noch die Ansprüche der gesetzlichen RV theoretisch durchgepimpt und in der Konsequenz meinen eigenen Rentenlücke ausgerechnet. Womit man sich so beruhigt während C. Das war einer meiner Ansätze.

Einkaufen und Kochen: Welche Hobbys einem noch bleiben? Nun ja. Backen kann ich auch super. :)

Käsekuchen

Vielleicht noch etwas rumprimen oder netflixen? Star Trek: Picard und die 3. Staffel von The Crown beendet. Nach Paella und reichlich Weißwein auf The Big Lebowski eingelassen, 22 Jahre nur theoretisch über einen Film bescheid zu wissen, war keine Lösung mehr. Ich müsste mal wieder Kahlúa kaufen. White Russian war im B-West der Standard-Drink in meiner Kellnerzeit. Mich mit J. zusammen an den Film Systemsprenger getraut, kollegiale Fortbildung sozusagen. Boah, nicht einmal ein Horrorfilm hätte mir die Nacht danach so zerhauen können. Wie viele Folgen von Rote Rosen sind noch auf Lager?

30. März vs. 10. April 2020

Blick aus dem Küchenfenster

Schöne Ostern!

KW 11 (2020) // COVID-19, Hamsterkäufe, Shutdown

Im Sabbatjahr und die Schule wird dicht gemacht. Alles irgendwie nicht greifbar und verrückt zur Zeit. Als Biologin versuche ich natürlich alles zu lesen und nachzuvollziehen, bin aber trotzdem baff, wie das nun auf uns einprasselt. Von Populationsdynamik und Wachstumskurven höre ich ja nicht zum 1. Mal. (Auch wenn die Nachrichten von Infizierten bzw. Fallzahlen sprechen, stellt das ja nur die Wachstumskurve, also den Erfolg des Corona-Virus dar.)

Als Historikerin bin ich vom Ausmaß der restriktiven Maßnahmen im Grenzverkehr und bei der Reiseregelungen (Israel, Dänemark, Polen, Tschechien etc.) und in der lokalen Bewegungsfreiheit (Kultureinrichtungen, Schulen etc.) von uns allen überrascht. Was in Demokratien möglich ist! An welchen Lebensstandard und an welche Freiheiten wir uns gewöhnt haben? Wie es da Menschen in Kriegs- und Krisensituationen ergeht? Wir haben weiterhin Internet, Wasser, Strom, Heizung… Die nächsten Zeilen dienen der eigenen Erinnerungskultur.

Drüben beim Finanzwesir kann man lesen, was 1983 so los war, nicht nur das meine Lieblingsschwester geboren ist, nein, es war alles viel schlimmer. Und ist es im Rückblick dann doch nicht. Corona – Der Endboss. Nun könnte mich das beruhigen, tut es finanziell auch wunderbar. Eigentlich müsste ich finanziell sogar noch mehr investieren, wenn nicht gerade die Corsa-Reparatur mit TÜV/AU von Anfang März wieder den Höchstbetrag für den Jahresrückblick 2020 einnehmen würde.

Was mir bitter aufschlägt sin die Einschränkungen in den schönen, geplanten Dingen. Absage von K. am Donnerstag, die mit ihrer Klasse in Kiel weilte, jedoch von Oslo noch am selben Tag wieder zurückbeordert wurde und direkt in 14-tägige Quarantäne geht. Die Equal-Pay-Day-Tagung in Hamburg ist auf nächstes Jahr verschoben. Das IQSH hat alle Fortbildungen bis Ende der Osterferien ausgesetzt, worunter natürlich die Fortbildung zur Unterrichtsentwicklung fällt, auf die ich seit Sommer 2019 gewartet habe; ein Nachholtermin ist nicht in Sicht. S. musste sein lang geplante Tagung zu Emotionen in P. absagen, in den Sammelband werde ich es wohl trotzdem schaffen. Was mit meiner Lerncoach-Ausbildung nach Ostern wird, steht noch nicht fest. Richtig bedrängt in meiner kleinen Welt fühlte ich mich dann am Freitag – an meinem derzeitigen Lieblingsarbeitsort – in der StaBi in HH.

Schnell nochmal als Abschluss bei Yumi in der Grindelallee eine Feel-Good-Pho geschmaust. Wer weiß, wann bei uns noch mehr geschlossen wird – mein Kontakt mit R. an der Deutschen Schule in Mailand verspricht keine gute Aussichten. Parallel purzelte dann Nachricht über Nachricht zu den Schulschließungen rein. A. schreibt, dass ihre Firma ab Montag Homeoffice einführt und zwar im „Schichtsystem“, die einen Mo/Di, die anderen Mi-Fr – in der anderen Woche andersherum. Jeder Standort muss genau über Besucher- und LKW-Fahrer-Kontakte Buch führen, was täglich in die Zentrale gemeldet wird. Was die Server hergeben, ist unsicher, da bereits die Standorte in China seit einem Monat im Homeoffice worken, für CAD-Dateien ganz schwierige Zeiten. Mit den Eltern telefoniert, Grippeimpfungen sind up to date, Papa hat eine Pneumokokken-Impfung, Muddern guckt, dass sie die nachholt. Oma ist eh renitent, was solche Tipps angeht.

A. schickte gestern witzige Bilder aus dem real in B.: Dosen, Nudeln, Klopapier – leere Regallandschaften. Kollegin S. spammte die WA mit den Fake News aus der Wiener Uni durch die Gegend, mal auf die Finger geklopft. Als Antwort kam eine Web.de-Nachricht, dass irgendwer in Frankreich das auch so sieht. Ja, ist klar, das andere bleibt trotzdem Spam! Corona-Bier ist in L. aus, meint C. Und im Fernsehen kommt nur Mist. Das #Twitterlehrerzimmer schäumt derweil nur so über an hilfreichen Informationen, Tipps und Tutorials, wie wir nun digital unterrichten könn(t)en. Wie schon bei der medial z. T. überspitzt ausformulierten LaiW-Studie hacken wieder alle aufeinander ein. über den lange vernachlässigten Arbeits- und Gesundheitsschutz an allen Schulformen spricht keiner. Hauptsache gymnasiales Bashing. Wer kann digital, wer will digital, wer sieht es nicht ein; wer glaubt, es würde ihr/ihm verboten (Leute, lest Anordnungen richtig!); wer meint, es wäre systematisch ungerecht, da digitale Wege nicht von allen Elternhäusern unterstützt werden können… Geht zum sabbaticalen Glück irgendwie an mir vorbei. Scroll, scroll… Vielleicht ist die Filterblase mittlerweile eh zu divers und nur binär schwarz/weiß eingestellt, Grauzonen werden schon lange nicht mehr akzeptiert.

Mehr fällt mir gerade nicht ein. Hasch mich, ich bin der Frühling.

Was zum Schuljahr 2018/19 festgehalten werden sollte

Diesmal ein relativ ausgeglichenes Schuljahr in der Verteilung der Unterrichtswochen im 1. und 2. Halbjahr: jeweils 19 Wochen. Ersichtlich ergaben sich Schwerpunkte in der Elternarbeit (viel mehr an Telefonaten und persönlichen Treffen), in der eigenen digitalen Professionalisierung (Arbeit mit ToDo, TeacherStudio und WeekView) bzw. Organisation von Projekten an der Schule. Immer wieder – wenn ich mit der Sammlung der harten Fakten subjektiven Mitschriften für diesen Eintrag hier beginne – bin ich überrascht, was sich so an Terminvielfalt und -dichte in einem Schuljahr wiederfinden lässt.

Zahlen, Daten, Fakten:

  • 3 Oberstufenkurse: 2 in Biologie, 1 in Geschichte (brachte 102 Klausuren, zum Teil Klausurersatzleistungen)
  • 8 Klassen in der Orientierungs- und Mittelstufe: 4 in Biologie, 3 in Geschichte, 1 in Medien und Öffentlichkeit (WaPf) bzw. im 2. Halbjahr durch Unterrichtsneuverteilung: 6 in Biologie, 1 in Geschichte, 1 in MedÖ (ablesbar wird: Biologie ist ein Mangelfach an unserer Schule…)
  • außer in Klasse 8 in jedem Jahrgang mindestens eine Klasse  bzw. einen Kurs unterrichtet
  • im 1. Halbjahr Notenverantwortung für 196 Schüler*innen, denen ich 257 Zeugnisnoten gab; im 2. Halbjahr dann für 211 Schüler*innen, denen ich 245 Zeugnisnoten gab
  • Klassenleitung (-sbeschäftigungstherapie in) einer 9. Klasse (Hauptthemen: „Erreiche ich die E-Phase?“ „Möchte ich in die E-Phase unserer Schulart?“ „Welches Profil nehme ich nur?“; quasi nebenbei lief das Betriebspraktikum und waren drei Austauschschüler*innen für mehrere Tage bzw. Monate zu integrieren; allein die herzlich-emotionale Sammlung an persönlichen Briefen und Erinnerungen für mich zum Ende des Schuljahres verdeutlichte mir erneut die Bedeutung einer Mittelstufen-Klassenlehrerin in dieser entscheidenden Phase der Schullaufbahn; richtig tolle Elternsprecher gehabt, die mir ein Mega-Feedback gegeben haben)
  • eine Klassenfahrt begleitet (Sylt mit zwei Fünften)
  • fünf Wandertagen beigewohnt (zwei davon selbst organisiert)
  • 15 Präventionsveranstaltungen/-teilnahmen für unsere Schulgemeinschaft organisiert/mitgemacht
  • 2 Schulkonferenzen, 2 Dienstbesprechungen, 2 Lehrerkonferenzen, 4 Fachschaftssitzungen, 20 Notenkonferenzen, 8 pädagogische Teambesprechungen, 1 Klassenkonferenz, (nur) 4 Elternabende, 2 Elternsprechtage, 2 Schulentwicklungstage (SE-Tage), 6 Termine des AK Projektwoche, 1 Einladung zum SEB, seit November 2018 1x wöchentlich SV-Sitzung sowie mindestens zwei Hände voll an weiteren terminierten Gesprächsanlässen mit Kolleg*innen und/oder Eltern und/oder Schüler*innen
  • 12 Prüflinge in Biologie als Vorsitzende oder via Protokoll durchs mündlichen Abitur begleitet
  • zwei Tage für ganztägige Fortbildungen frei bekommen, an sieben Terminen sechs weitere FoBis besucht
  • eine Projektwoche zusammen mit einem Schüler und einem weiteren Kollegen nahezu im Alleingang organisiert (administriert? delegiert?)
  • zehn Tage im 1. Halbjahr (u.a. der OP-Termin), zwei Tage im 2. Halbjahr (totale Erschöpfung) krank gemeldet

Bild von Sasin Tipchai auf Pixabay

Als hätte ich es bereits im Sommer erahnt und die FoBi zur  Gremienarbeit besucht, so sollte dieses Schuljahr ernsthaft umfänglich in der Arbeit im System werden. Bedingt durch eine Elternzeit war ich dieses Jahr Vorsitzende der Bio-Fachschaft, absehbar war, dass ich mich als Vertrauenslehrerin aufstellen lassen – allein der Zuspruch überraschte mich. Dritter Neubau: Personalrat. Im November wurde ich eher nebenbei Wahlvorstand, da ich bereits vor 4 Jahren die letzte Wahl begleitete, mir eh Verordnungen und Auswertungen liegen, da sich jedoch nur 5 mögliche Kandidaten für einen 5er-PR fanden, wollte ich natürlich auch eine ernsthafte Wahl ermöglichen, zack, ergänzten 2 weitere Kandidat*innen – inkl. meiner Person – den Wahlschein. Was soll ich viel schreiben? Seit Mai bin ich nun auch im Personalrat.

Mit Beginn des Schuljahres hatte ich angefangen die Vertretungsstunden akribischer aufzuschreiben, aber was bringt die Aufrechnung, wenn ich nicht weiß, wie viel mir durch schulorganisatorischer und nicht nur krankheitsbedingter Überschneidungen entfallen ist? Ersichtlich ist, dass ich mir wohl selbst in meiner Funktion als Stundenplanerassistenz sinnvollerweise häufig eine meiner drei Lieblingsklassen verpasst habe, damit sie nicht bei klassenfremden Kolleg*innen unnötige Vertretungen haben.

Untis und ich haben nach Ostern Abschied voneinander genommen. Nach vier Jahren Assistenz – und mit Aussicht meiner Abwesenheit im nächsten Schuljahr – war eine Nachfolge unabdingbar. Ja, im 1. Halbjahr gab es noch die ein oder andere Möglichkeit ganztägig den StevDirex zu vertreten, aber nun macht es halt jemand anderes. Vor allem jetzt in den ersten Sommerwochen hat mir die Stundenplanung für das neue Schuljahr aber bereits mächtig gefehlt. Ach, ach…

Hallo, Moin. Moin, Hallo. – Moin, Moin.

Worüber ich hier fast nie schreibe, ist mein Unterricht. Er ist und bleibt mein Dreh- und Angelpunkt. Mit gut geplanten Unterricht und einer ordentlichen Portion Humor möchte ich meine Schülerschaft von meinen Fächern, meiner Lebenseinstellung überzeugen können. Schüler*innen erwarten keine Mrs. Perfect, wenn sie mit mir zusammen neue Themenfelder erforschen, die ich z.T. ausdrücklich aussuche, sie aber dabei merken, dass sie sich einbringen müssen, dann wird es ein bleibendes Ergebnis geben.

Nunmehr also Ferien-Bergfest in SH und damit einhergehend die ewig ähnlichen Frames und Diskurse im Internet: 6 Wochen Ferien für Lehrer – warum; unterschiedliche Ferientermine in den Bundesländern – warum; Kündigung von in Zeitverträgen festhängenden Kolleg*innen – warum etc. pp. Die einen suchen noch nach Alternativen in ihren Feedback-Formaten, die anderen überlegen derweil, wie sie ihre neuen Sextaner begrüßen können. Danke, dass ihr mit mir auf mein Schuljahr zurückgeblickt habt. Für das nächste Schuljahr habe ich mir ein Stück Freizeit und Freiheit erarbeitet, ich werde ein Sabbatjahr einlegen. Vielleicht ergibt sich wieder mehr Zeit, dieses Blog zu befüllen. Schreiben werden ich auf jeden Fall viel, wenn nicht unmittelbar hier.

[2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 | Dies war mein 6. Schuljahr in Vollzeit nach dem Referendariat, womit ich mir meine 6 Wochen Ferien wohl in doppelter Hinsicht verdient habe.]

KW 5 (2019) // SET, Elternsprechtage, Wechsel in der Chefetage

Was alles hängen blieb. Da brauche ich mich über meinen schlechten Schlaf ab Mitte der Woche nicht wundern.

Montag
Beginn des 2. Halbjahres. Für das Kollegium zugleich SE-Tag (Schulentwicklungstag, einige Bundesländer sagen SchiLf dazu), unterrichtsfrei für unsere Schüler/innen. Langfristig wollen wir unser schulischen Leitbild verbessert nach außen präsentieren. G8/G9 hat so viel Ur-Vertrauen der Eltern in das Bildungssystem kaputt gemacht und verunsichert diese weiterhin derart, dass der Besuch eines Gymnasiums gerade von leistungsstarken Schüler/innen nicht mehr der Normalfall ist. Dabei vergessen die Eltern gern, dass nur am Gymnasium durchweg alle Natur- und Geisteswissenschaften bereits in der Orientierungs-/Mittelstufe als Einzelfächer unterrichtet werden. Im ersten Zeitfenster des SETs an der Darstellung unserer Berufs- und Studienvorbereitung gearbeitet. | Im zweiten Zeitfenster dann Fachschaftsarbeit – als Fachschaftsleitung habe ich unsere Biologen zur Grundreinigung unserer Sammlung motiviert bekommen. Yeah. | Zwei Kolleg/innen zu unterschiedlichen Themen angepfiffen, die sich mir gegenüber doch arg in der Wortwahl vergriffen. | Ab 14 Uhr Abschied des alten Chefs. Anderthalb doofe Reden, fünfeinhalb gute Reden gehört. | Die Rechauds zurückgebracht und das Kollegiums-Grünkohl bezahlt. | Zeit für Twinkle gefunden. | Ramen und delikate Sommerrollen genossen, einen Helium-Luftballon für H. gekauft. | Das Baby von N. ist da. OMG! Wie niedlich. Leider gleich mal Neugeborenengelbsucht erwischt. Aber alles wird gut.

Dienstag
Den neuen Perso abgeholt. Damit ist die letzte haptische Erinnerung an die Berliner Zeit ausgetauscht/verschwunden. Ich glaube, ich bin traurig. | Frau R. vom GA als Referentin für den GaBD gewonnen. | Sky heißt jetzt REWE. | Meine Neuner beim Beachhandball angefeuert. Den anderen Klassen mit schweren Tests gedroht, wenn nicht dann so und überhaupt… ;) Trotzdem nur 2x den 2. Platz belegt. Meine beste Handballerin war ja auch krank. Was solls. | Mail an den SEB-Vorsitz aufgrund seiner Rede vom Vortag. Jetzt haben wir Lehrer Redebedarf. | Geburtstags-Käffchen ohne Kuchen bei H.  | Viel Unterricht vorbereitet. | Anruf von Dr. H. zum Medienelternabend und zwecks Termin beim SEB. | Mit Wanderlust bei Netflix begonnen. Ein Wiedersehen mit Toni Collette. Wobei mir der Nebenstrang mit dem Sohn des Hauses besonders gut gefällt. | Sehr schlecht ein- und kaum durchgeschlafen.

Mittwoch
Mit dem Stundenplanwechsel habe ich nun mittwochs eine Doppelstunde Zeit für meine Vertretungsplanerassistenz, nächste Woche fehlen z.T. 5 KuKs. Clickbaiting in Untis. | Mich bei der Gelegenheit nochmal persönlich und gänzlich subjektiv vom Chef verabschiedet. Feuchte Augen hatte ich bisher nie bei ihm gesehen. Ich habe seiner undogmatischen Art, jedem seinen Freiraum zu belassen, sehr viel zu verdanken. Wer weiß, ob ich mich unter einem anderen Chef so hätte entwickeln können. Meine Ideen waren immer willkommen, ich konnte mich stets ausprobieren. | Die 7er neu in Bio übernommen. Systemebenen besprochen. | Mich mit der Praktikantin über Vorbilder im Lehrerberuf ausgetauscht. | Von 15 -18 Uhr acht Elterngespräche geführt. Eins halbstündig im Kontext der schriftlichen Missbilligung. Zwischendurch Zeit gefunden, Mails zur Projektwoche zu beantworten. | Noch anderthalb Stunden privat telefoniert.

Donnerstag
Den schlechten Schlaf der Nacht zuvor nachgeholt. Unterricht von 8 bis 16 Uhr. | Mein E-Kurs hat sich von 23 auf 15 SuS reduziert. Intensivst über die Motivation des Schulwechsels diskutiert. Was wir auch schon gemacht haben, als die Abgänger noch im Kurs saßen. Es hatte sich ja angedeutet. Meine Meinung: Das Gymnasium führt in erster Linie zum Abitur und bereitet auf ein Studium vor. Einige sind definitiv mit falschen Erwartungen in unsere Oberstufe gegangen, enttäuscht von der Zuteilung der Kolleg/innen in den Kursen, von den Leistungserwartungen an eine Oberstufenklasse. (Am Ende sind natürlich wir Lehrer/innen Schuld. Siehe SE-Tag, da ist viel zu tun…) Dankbar bin ich, dass diese Schüler/innen mir so vertrauen und offen kommunizieren.  | Eine eher entäuschende Klausurersatzleistung in Bio gehört. Was halb erwartbar war, da ich nicht wie vorgegeben, zwei Tage vorab Dokumentation, Handout und Präsentation zugeschickt bekam. | SV-Sitzung in der Mittagspause. Im neuen Raum. Ein neuer ambitionierte Plan der SuS ist, eventuell Fridays for Future in G-Town zu organisieren. Ich supporte, wo ich kann. | Ein richtig, richtig gutes Referat zur Revolution und Verfassung von 1848/49 ausgearbeitet bekommen. Spontanes Klatschen der Q1 nach dem Vortrag. So muss das sein. | Planung des Sextaner-Infotages. | Kurz mit R. und N. getextet.| Viel Unterricht vorbereitet. | Lange mit J. getextet. Gefühlsebenen auf beiden Seiten sortiert. | Später beim Bergdoktor erschöpft auf der Couch eingepennt.

Freitag
Dienstversammlung in der 1. Stunde, die neue Chefin hat sich vorgestellt. Sehr offene Vorstellung. Ich bin gespannt. | Alle Zeugnisse meiner Neuner ausgetauscht. Natürlich fanden die Zeugniskonferenzen erst 2019 statt, nicht schon 2018. | Zeit gefunden, mit dem Schulsozialarbeiter einige Brandherde zu besprechen. | Mit den Quintanern neu in die Wirbeltier-Systematik eingestiegen. Inklusive neuem Sitzplans, der für lange Gesichter sorgte. |  Von 14:30-18:30 vierzehn Elterngespräche geführt, davon zwei ca. halbstündig. Drei Elternteile für den GaBD gewonnen. | Abendessen beim Griechen in kollegialer Runde. Anti-Stress-Therapie von der besten Sorte. | Mit G. nach Hause gegangen und die Woche nachbesprochen. | Einsicht: Man hätte mir das Smartphone wegnehmen sollen. Unnötigerweise aus dem Erschöpfungsimpuls heraus getextet.

Samstag/Sonntag
Um 5 Uhr wach gewesen. Den Feedreader leer gelesen. | Gegen 10 Uhr wirklich aufgestanden. | Kein Frühstück, da Geburtstagsmittag bei H. und I. anstand. C. hatte ihre Hündin dabei, nettes Ding – Katzen finde ich trotzdem sinnvoller. ;) Die Enkelkinder mussten leider für die Prüfungen lernen. Über mein Sabbatjahr und die OP gesprochen. | Bundesligakonferenz gehört, nebenbei Hausputz und Wäsche. | Mit den Eltern, Frau P. und mit A. telefoniert. | Ich bin nicht das, aber mein eigenes Problem. | Mit R., F., J., F. und A. getextet. | Drei Folgen Discovery geschaut. | Wieder eine miese Nacht verbracht. | Lange gefrühstückt. Ein wenig Meal Prep für Montag/Dienstag vorgenommen. | Die Sonne trieb mich doch noch raus. Anderthalb Stunden spazieren gewesen, die Pferdemädchen besucht und Eis gegessen. Eine sehr gute Idee. | Mit I. die vortägliche Familienrunde bequatscht. | Wenig Unterricht vorbereiten müssen. | Viel gelesen. | Viel geplant. Dabei die To-Do-Listen bereinigt. | Gebloggt. | Nun einen Gang runterschalten und den Abend genießen aushalten.

KW 1-2 (2019) // Wochenmotto: #konmari

Das Arbeitszeitkonto habe ich mit meiner 9-Tage Woche wohl mehr als gut ausgereizt. Die offiziell erste Woche war jeden Tag von kurz nach 7 bis 17 Uhr mit Arbeit an der Schule vollgestopft. Am Mittwoch sogar bis 19 Uhr. Manchmal ist es halt Wahnsinn. Zum Teil selbstgemachter Wahnsinn. Der anstehende Notensch(l)uss und ein minimaler (trotzdem nervender) Korrektur-Rückstau durch zu viel Erholung nach der OP, die vorweihnachtlich organisierten eigenverantwortlichen Arbeiten in drei Klassen rauschten per Mail rein, der ganz normale Orgakram (Projektwoche, schulinterne Girls‘ und Boys‘ Day, Medienelternabend, unterrichtliches Alltagsgeschäft) gab den Rest dazu. Selbst für Untis blieb keine wirkliche Zeit. Am Freitag war ich so platt, dass ich förmlich ins Bett kroch – #IBES war eh keine echte Alternative – um dort nahezu den ganzen Samstag mit Fieber/Schüttelfrost zu verbleiben. Zumindest mein Körper ist ehrlich zu mir. Heute Morgen war alles wieder gut.

Für die Statistik: 256 Halbjahresnoten für 195 SuS in 11 Kursen/Klassen. Zwei Klassen habe ich in Bio und Geschichte. Acht SuS neben Bio und Geschichte zudem im Wahlpflichtbereich. Natürlich kenne ich alle SuS mit Namen, aber kenne ich alle? Unterrichtlich ja, sonst eher etwas mehr als die Hälfte. Aber Begründungen dazu würden gerade meinen zeitlichen Rahmen sprengen.

In KW 1 war nebenbei Zeit für diese Aufräumsendung acht Folgen Hauswirtschaft auf Netflix übrig. Mein Leben ist Konmari!!11! Seit Jahren! Auch wenn ich meine Wäsche nicht so falte, sorry. Offensichtlich habe ich nur „kleinere Schwächen“ im Bereich „Wie sieht dein idealer Lebensstil aus?“ (Hmmm, was will ich? Muss das sein? Ist es nicht eh so ideal, wie ich lebe?) und im Themenfeld Kleinkram/Erinnerungsstücke. Meine Sammelwut im Büro ist grenzenlos. Aber 3x umgezogen ist wie 1x abgebrannt, da bleibt keine Zeit für Zeugs. Was mir gefällt ist diese „Does it spark joy?“-Frage. Sollte man sich wohl grundsätzlich häufiger stellen – nicht nur bei beweglichen Dingen.

Die Rechnung für die Gallen-OP ist eingetrudelt. Ordentliche 3.800€ für zwei Nächte mit Vollpension im Krankenhaus. Ja, die PKV und die Beihilfe werden mich unterstützen, trotzdem rauscht mir nebenbei der Widerspruch aus dem Handgelenk. Mal schön ein Einzelzimmer abgerechnet bekommen, obwohl ich die Zeit im Doppelzimmer verbrachte. *krückstockfuchtel* Vielleicht wurde mir N. einfach als Unterhaltungsprogramm angerechnet? Der Genesung hat es auf jeden Fall nicht geschadet, dass wir unseren Spaß hatten.