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2019 – Ein Rückblick

An den Weihnachtstagen familiär festgestellt, dass ich mittlerweile so alt bin, wie meine Mutter war, als ich zum Studium nach Potsdam ging. Verrückt, wie die Zeit vergeht.

Mit der (Wieder-)Vereinigung, der Wende und der Mentalität bzw. den zugeschriebenen Stereotypen der (ehemaligen) DDR-Bürger habe ich mich in diesem Jahr ziemlich intensiv auseinandersetzen wollen und können. Dankbar, ob all der Podcasts (vor allem diese beiden hier), den Zeitungsberichten und Sendungen im linearen TV. Dem Aufstieg der AfD nach drei Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern schaue ich mit Grauen und innerer Abwehr zu. Kommunikation in der Heimat darüber scheitert an ablehnenden Allgemeinplätzen – die Menschen sehen sich zu sehr als Opfer, nicht als Teilnehmer dieser Demokratie. Zu einfach ist es, sich auf den armen Ossi zu berufen, den die Treuhand bestohlen hat. Freunde, lesen bildet.

Auch wenn ich mich mit meinem Lebensstandard als eine der „Wendegewinnerin“ bezeichnen mag, glaube ich, dass viele Entscheidungen in meinem Leben natürlich stark von der Unsicherheit und den Umbrüchen nach 1989/90 geprägt sind: das Gefühl immer aktiv und beruflich mobil bleiben zu müssen, mich nicht ausruhen zu dürfen, weil nichts sicher und stabil schien und sich eher in Auflösung denn Neuordnung befand. Ich habe 2019 begriffen, dass ich mich selbst „erschaffen“ kann. Die Dinge sind doch immer so gekommen, wie ich sie beeinflusst habe oder angegangen bin. Es gab immer andere Optionen, die ich bewusst nicht gewählt habe.

Symbolbild 2019

Hüh! / Skulptur: Rolling Horse 

 

Zugenommen oder abgenommen?
Erst minus 10 kg, nun wieder das postoperatives Gewicht von 2018. Erneute TSH-Schwankungen inklusive. Aber die nächste Antwort bringt die Lösung.

Mehr bewegt oder weniger?
Weniger gelaufen, zu wenig geschwommen.

Haare länger oder kürzer?
Gleich lang. Aber am Budget für den Friseur merke ich schon die Inflation der letzten Jahre. Alter Falter sind das hohe Preise geworden.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Da ich nicht wie geplant beim Optiker war, keine Ahnung. Die zwei Gläser machen ihren Job, 2020 muss definitiv eine neue Brille her.

Mehr Kohle oder weniger?
Etwas mehr, weil die Umschuldung für das vermietete Häuschen griff. Eher aber +/- Null. Ich musste niemanden anpumpen, keine Sparpläne kürzen und keinen Konsumentenkredit aufnehmen, also (noch) alles gut.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Deutlich zuviel. ;)

Die teuerste Anschaffung(-en)?
Lenovo ThinkPad X1 Yoga, nur 3rd Generation – meine neue Arbeitsmaschine. Warum kein Surface? Auf Dauer braucht es eine vernünftige Tastatur für die Arbeit an der Diss.
Die Reise nach Israel, auch wenn das Ministerium knapp 30% bezuschusste.

Der hirnrissigste Plan?
Die Koordination der Organisation der Projektwoche ziemlich im Alleingang zu übernehmen und alles über meinen Tisch gehen zu lassen.
Die Wahl des neuen PR als Wahlleiterin zu initiieren und mich dann doch noch mit aufstellen zu lassen, damit tatsächlich eine Auswahl stattfinden kann.

Die „gefährlichste“ Unternehmung?
HSV vs. Dynamo Dresden
Bei Fridays for Future im September teilnehmen und mich von Eltern anpiepsen lassen, ob ich als Lehrerin das denn darf? Ja darf ich, ich bin im Sabbatical.

Das leckerste Essen 2019?
Ganz sicher dieses geile libanesische Menu in Israel.

Richtig teuer (und lecker!) war es bei Franceso und in der Vecchia Stazione.
Beim Sushi mal Mochis probiert… Hmmm.

Getränk des Jahres?
Wie bereits 2018: Mineralwasser aus Glasflaschen.

Das beeindruckendste Buch?
Jason Fung: Diabetes rückgängig machen
Ines Geipel: Umkämpfte Zone
Hans-Jörg Rheinberger: Historische Epistemologie zur Einführung
Hans Rosling: Factfulness
Erwin Schrödinger: Was ist Leben? Die lebende Zelle mit den Augen des Physikers betrachtet.
Weinstein/Sumeracki/Caviglioli: Understanding How We Learn: A Visual Guide
Anette Weiß: Rente ohne Roulette (Großer, großer Lesetipp für uns Frauen.)
– Man merkt mir die Jahresthemen in der Lektüreauswahl für den Rückblick an.

Der ergreifendste Film?
Anfang des Jahres „Tidying Up with Marie Kondo“ und „Star Trek Discovery“ auf Netflix weggesuchtet. Allein die Kombination bringt mich gerade sehr zum Schmunzeln…
Im Herbst bei „The Spy“ mitgefiebert. Im Israel-Rausch halt.
Im linearen Fernsehen war „Der kleine Nick“ eine Überraschung für mich. Dieser Mini-Hauptdarsteller! Wie konnte ich den bisher übersehen?!
Im Kino war ich, aber irgendwie sind nicht einmal die Titel hängen geblieben. Tja. Sonst halt Podcasts, Podcasts, Podcasts.

Die beste Musik?
Dido mit Take You Home – Ganz wie zu Studentenzeiten. Hallo G.!
Zalagasper mit Sebi – Der slovenische Beitrag zum ESC.
Sommerzeugs: Zero 7 mit Swimmers und Villagers mit Summer´s Song
Vielleicht deutsche Texte? Trettmann & KitschKrieg mit Stolpersteine oder doch Bonaparte mit Weinbar?

Das schönste Konzert? Der schönste (Comedy-)Auftritt?
Dr. Mark Benecke in Ludwigslust im Januar („Denken = schlecht, Messen = gut.“)
Verständliche Wissenschaft der HZG in Geesthacht im Februar
Die Nervensäge in Hamburg im April
Furor in Hamburg im Mai
Herbert Grönemeyer in Hannover im September
Methodisch inkorrekt in Hamburg im September

Die tollste Ausstellung?
„Wilhelm und Alexander Humboldt“ in Berlin im Deutsch Historischen Museum.

Die meiste Zeit verbracht mit …?
Vielleicht J.?

Die schönste Zeit verbracht mit …?
J. und meiner kleinen Schwester – wer soll sich da schon entscheiden müssen?

Der beste Sex?
Mutiert zur Teenager-Frage, ist doch jeder selbst für verantwortlich.

2019 nach langer Zeit wieder getan?
Sieben Tage Badeurlaub in einem ****Hotel.
Bei Herberts „Flugzeuge in meinem Bauch“ mitgesungen.
Ganze Tage am Stück verplempern und es „Konzentration auf das Wesentliche“ nennen.

2019 zum ersten Mal getan?
Ins Sabbatjahr gehen und die Auszeit wie einen langen Urlaub so richtig zu genießen.
Eine Promotion anmelden.
Jerusalem! Yad Vashem! Givat Haviva! Tel Aviv!

Drei (!?) Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Willys Tod.
Die ganzen nervigen Fragen, wie weit ich mit der Diss gekommen bin. (Als ob ich die mal eben runter schreibe.)
Schon wieder Fehlermeldungen von einer der Lambdasonden im Corsa. Ignorieren. Ignorieren. Ignorieren. Demnächst ist TÜV.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Die Vergangenheit hinter sich zu lassen. (Nur, das geht bekanntlich nicht.)

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Eine Ikone für meine Sis aus Jerusalem mitzubringen. Ein Eckschneider/Eckenabrunder für einen laminierfreudigen Kollegen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Immer und bedingungslos hinter mir zu stehen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Mach das. Du kannst das.“
„Schön, dass du da bist.“
„Mit mein bestes Pferd im Stall.“

Vorherrschendes Gefühl 2019?
Endlich kann ich jeden Tag ausschlafen.

2019 war in einem Wort / in einem Satz …?
Alles ist jetzt.

Mit den Worten Goethes springen wir nun hinüber nach 2020 und sammeln Inspiration für den nächsten Rückblick: „Das neue Jahr sieht mich freundlich an, und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir.“

[2018, 2017, 2016, 2015.]

[Rezension] Klassenfahrten – Exkursionen – Wandertage

Bist du ein Viel-, Gelegenheits- oder Nichtfahrer? Das kannst du im neuen Buch von Heiko Reichelt und Gerald Wenge erfahren. Diesmal haben sich die beiden dem Thema Klassenfahrten angenommen [1, 2]. Da sich unterrichtliche Exkursionen und pädagogische Wandertage im ähnlich organisatorischen und rechtlichen Rahmen bewegen, sind diese mit je einem eigenen Kapitel vertreten. Hauptaugenmerk der übersichtlich strukturierten Lektüre liegt jedoch auf den Klassenfahrten.

Vielleicht wart ihr in diesem Schuljahr bereits unterwegs oder es steht demnächst eine externe (mehrtägige) Tour mit eurer Klasse oder mit euch als begleitende Lehrkraft an? Niemand von uns wird in seiner pädagogischen Laufbahn davon „verschont“ bleiben.

Für mich waren diese Fahrten eigentlich immer ein Gewinn. Auch wenn ich mir auf meiner ersten Klassenfahrt als begleitende Lehrerin nach Amsterdam vor Sorge wegen nächtlich abwesender Schüler 1x Streß-Lippenherpes zuzog. Hätte ich mal damals schon Heikos und Geralds Büchlein [Kapitel 5: Aufsichtspflicht S. 96ff.] zur Hand gehabt; mehrere Doppelseiten, die man gern vorab an die Kolleg/innen geben oder selbst noch auf der Hinfahrt mit Gewinn lesen kann.

Bild von Esther Merbt auf Pixabay

Das Büchlein (170 Seiten) ist gut lesbar geschrieben, wenn man möchte, kann man nur bestimmte Kapitel lesen. Die Autoren machen durchgehend bewusst, dass man quasi „Einkäufer, Verkäufer, Buchhalter, Kassenwart, Reiseleiter, Elternersatz und Controller“ zugleich ist, wenn wir Kolleg/innen uns in die Planung und Buchung von Fahrten begeben.

Was noch als Mehrwert bei mir hängen blieb? Bisher scheine ich in der Reihenfolge der Planung zu zielsicher („Passiert schon nichts während der Planung…“) und oberflächlich gearbeitet zu haben, da kann ich etwas genauer werden. Beginnend mit den Textbausteinen für die Elternbriefe, im Buch werden praktikable Formulierungshilfen gegeben. Zudem plant man gern mal die Klassenfahrt und holt sich erst im Nachgang die Legitimation durch die Schulleitung. Kennt ihr, oder? Wo ich großes Potential für mich sehe, ist bei der Partizipation der Schüler/innen im Vorfeld [Kapitel 2: Eine Klassenfahrt mit den Schülern gemeinsam planen] und im Nachlauf einer Fahrt [Kapitel 6: Eine Klassenfahrt dokumentieren und auswerten], vielleicht verschenke ich doch unnötig Chancen für mein – natürlich eh schon erfolgreiches – Classroom Management? In Kapitel 9 wird konkret die schulinterne und steuerliche Abrechnung angesprochen. Ja, Fahrten kosten nicht nur unsere Zeit, sondern z. T. private Vor-/Auslagen, diese sollte man sich unbedingt erstatten lassen.

Nach der Kategorisierung von Gerald und Heiko bin ich übrigens eine Vielfahrerin [Kapitel 1: Die Initiative ergreifen: freiwillig oder angeordnet, S. 21]. Viel Spaß Euch bei der nächsten Fahrt.

[1] Dem #Twitterlehrerzimmer (oder besser #twlz?) sind die beiden Autoren bereits von ihrer gemeinsamen Lektüre Unterrichtsbesuche, Hospitationen und Lehrproben bekannt, die eine oder der andere hat sicher auch das Blog Unterrichtsbesuche im Feedreader.

[2] Das neue Buch kann man hier oder hier käuflich erwerben. Gerald hat mir auf meine Initiative via Twitter im Juli 2019 ein Exemplar kostenfrei zukommen lassen. Vielen Dank dafür. Es steht nun in der Didaktisch-pädagogischen Bibliothek meiner Schule.

KW 6 (2019) // Stillstand ist der Tod

Montag

Mit den Neunern den Medienelternabend angekurbelt. Der WaPf-Kurs heißt ja nicht umsonst „Medien und Öffentlichkeit“, demnach müssen wir uns „präsentieren“. Schöne Ideen haben sie. | Die Chefin hatte ihre Antrittsfeierlichkeit. Die lokale Presse berichtet etwas seltsam vom Ende der „Männerherrschaft“, mich törnt der Begriff der Herrschaft in diesem Kontext stark ab, denn auch die mir bekannten Vorgänger waren keine direktoralen Grundherren. Sollte wohl witzig sein. Vom übrig geblieben Kuchen nährte sich das Kollegium mindestens zwei weitere Tage.

Dienstag

Die Quinta neu übernommen, es wird werden. Immerhin löse ich ihre vertraute Klassenlehrerin ab und ich muss noch ein paar unzusammenhängende Inhaltsfelder fachlich in eine Reihe bekommen. | Eine seltsame hektische Art der Assistenz beim StevDirex. Ich schiebe das mal auf alles andere, was das System der SL gerade belastet. | Elternbrief für den Gedenkstätten-Besuch formuliert. Per Mail mit dem neuen Stundenplan und lieben Worte zur Weiterleitung an die Elternvertreterin geschickt. | Werder gegen Borussia Dortmund geschaut. Ich weiß, wer sich besonders darüber gefreut hat.

Mittwoch

Mal keine Schul-Routine, sondern zur Fortbildung für Wahlvorstände unterwegs gewesen. Im Mai stehen die (H)PR-Wahlen an. In der FoBi einen Kollegen der Nachbargrundschule kennengelernt. Kollege! Grundschule! Was für ein geiles gewinnbringendes Gespräch. Ihn auch noch für unseren GaBD gewinnen können. | Am frühen Nachmittag meine Freundin und (anfängliche) Coach K. getroffen. Viel über Glück und innere Ruhe gesprochen. Unsere Erfahrungen mit dem Zuercher-Ressourcen-Modell ausgetauscht. Ja, ich erlaube mir, glücklich zu sein. Ja, dafür kann ich mich auf meinen festen Stand verlassen. Ja, ich kann sagen, was ich erwarte und wo ich Hilfe benötige. (Es ist ein langer Weg, innen zu fühlen, was außen gesehen wird.) Gegen Elf daheim und komplett gestärkt ins Bett gegangen.

Donnerstag

Über Wahlberechtigte (Wer darf wählen?) und zur Wahl Berechtigte (Wer darf gewählt werden?) diskutiert. | Ein schönes Referat zur Potsdamer Konferenz gehört. | Vier Schülerinnen meiner Neun wollen zur Gemeinschaftsschule wechseln. Vorahnung: Das System Gym ist nicht mehr für immer Teil meiner Schulkarriere. | Spontane Vertretungsstunde in einer mir seit letzter Woche neu bekannten Klasse. Mich nervt es ohne echte Planung in Klassen zu müssen und das Zeugs, womit ich eigentlich weitermachen könnte, liegt bereits daheim. Vielleicht bin ich trotzdem zufrieden. | Unerwartet von J. in die Stadt zum Orchideen-Kauf und wieder nach Hause begleitet worden. Obwohl er damit einen riesen Umweg in Kauf nahm. Nachtigall… | I. zum Geburtstagskaffee die Orchideen überlassen, bei mir wären die Schönheiten nach 3 Monaten übergossen und tod. Ein bisschen „Familie” war anwesend. Nett gequatscht. | Den Bio-Test der Neun zu Ende korrigiert. | Telefonat mit dem anderen J., weil ihn die Kolleginnen mit ihren Raumwünschen in der Bio nerven. Beamer, Laptop, Smartboard, Tafel, Kursgröße etc. – jeder hat andere Bedürfnisse, aber nicht alle können erfüllt werden. Klar, muss halt die Fachschaftsleitung auf den Tisch hauen: Und das sind wir. ;)

Freitag

Nachmittagsunterricht mit der Q1. Eine fantastische Diskussion zu Nation, Nationalismus und zeitgenössischer/nachweltlicher Konstruktion der Begriffe geführt. Genau diese Art des gedanklichen Austauschs beglückt mein Lehrerinnenherz und lässt mich hoffen, dass sie die AfD und allen anderen Mist durchschauen. | Die A14- Bewerbungen mental begleitet. Die Jungs schaffen das schon. In zwei Jahren bin ich dran und sie können mich währenddessen mental pimpen. | Kollegial im Smalltalk die Raumwünsche der Biologinnen entspannt.

hier: Michael Heffernan, The space of science and sciences of space, S. 125-150.

Samstag

Ausgeschlafen. | Ab nach HH. Stabi- und Kunsthallen-Besuch. In Ersterer für vier Stunden komplett in der Lektürewelt versunken, obwohl ich nur den Ausweis verlängern wollte. Ich habe es so vermisst. Meine Güte empowert mich die Idee der Diss. | Die Kunsthalle eigentlich nur wegen der tollen Zeichenkünste (die Skizzen!) von Heinrich Reinhold aufgesucht, aber mich neu an Edvard Munch (er kann mehr als schreien!) und gänzlich neu an Franz Radziwill begeistert. | Auf dem Rückweg von HH einem kleinen Jungen tröstend die Hand gehalten. Ob er wohl ahnte, dass er mich damit viel mehr tröstete?

Sonntag

Ausgeschlafen. | Das erste Wochenende im März überplant. Frei halten lohnte sich nicht mehr, mein Leben geht auch so weiter. Obwohl ich das schweigende Verhalten der beteiligten Person nicht nachvollziehen kann, aber ich respektiere es. Alles wahrscheinlich reiner (Selbst-)Schutz. | Den Sextaner-Test und eine Klassenarbeit vorbereitet. | Mit J. überraschend doch Eis essen gewesen. Natürlich treffen wir SuS… Diese Stadt! Ausgerechnet aber diese Quintanern-Bengels, die wir beide unterrichten. :) Was uns natürlich daran hinderte, mal echt darüber zu sprechen, was gerade passiert. Sich einfach das Glück selbst erlauben.

2018 – Ein Rückblick

Der letzte Jahresrückblick kam etwas traurig um die Ecke. Ein „genug und ausreichend“ war gefühlt „zu wenig“. In 2018 habe ich mich diesem inneren Konflikt etwas bewusster gestellt. Ungefüllte und ungeplante (Aus-)Zeiten zu genießen, war ein Lehrstück. Klar, war ab und an wieder Kopf über Herz über Seele dabei, da kann ich nicht aus meiner Haut, die alten Reflexe eben. In allem Empfinden war 2018 irgendwie gedrosselter und langsamer. Um mich herum haben die Leute geheiratet, Häuser gekauft, größere Wohnungen angemietet, Kinder bekommen, Krankheiten kuriert, sind in Pension gegangen oder neu an der Schule aufgetaucht, haben sich für oder gegen Jobs entschieden, nebenbei Abschlüsse eingefahren oder Prüfungen abgelegt, Glück und Unglück gehabt, wild mit ihren Fäusten und Krückstöcken gefuchtelt, rumgejammert, Ansprüche geäußert, unerfüllbare Bedingungen ausgesprochen, Scheidungen vollbracht…

Symbolbild 2018

Mein Thema 2018 war: Mich anerkennen, wie ich bin. Den 40. Geburtstag inhaltlich ignorieren, weil ich bereits so viel gemacht und erarbeitet habe. Einfach den Status Quo und das Leben genießen, für andere bei Bedarf und für mich immer da sein. Privat einige Dinge geregelt und abgeschlossen zu haben, hat einen großen Beitrag geleistet. Stetiges Kämpfen lohnt nur bei echten Perspektiven.

Zugenommen oder abgenommen?
Es ist kompliziert. Wie stark ich als Kohlenhydrat-Junkie gegensteuern muss, ist eh nur ein Indikator dafür, wie es mir innerlich geht.

Mehr bewegt oder weniger?
Mehr erlaufen, weniger geschwommen.

Haare länger oder kürzer?
Die Grundlänge hat sich mittlerweile auf etwas über schulterlang eingependelt, kürzer sollte es „der Weiblichkeit wegen“ nicht mehr werden. An der Farbe haben R. und ich etwas gespielt – weniger blond.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Da ich nicht wie geplant beim Optiker war, keine Ahnung. Die zwei Gläser machen ihren Job.

Mehr Kohle oder weniger?
+/- Null. Das vermietete Häuschen wirft mehr ab, die Stufenerhöhung in der Besoldungsgruppe war okay, 18€ im Lotto gewonnen. Fast genauso gut vom Gefühl, aber effektiver im Ergebnis: die erhöhte Rückzahlung des Finanzamtes.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger für Bahnfahrten (!), mehr für Freizeit und Kurztrips. Mehr auch auf dem samstäglichen Wochenmarkt. Durch das geplante Sabbatjahr jedoch insgesamt weniger Geldfluss auf der Haben-Seite. Aber darauf kann man sich ja einstellen. Verhungert bin ich ganz sicher nicht.

Die teuerste Anschaffung?
Gleich im Januar das iPhone 8. Nach 4,5 Jahren Nutzungszeit hatte das iPhone 5 seine Schuldigkeit getan.

Der hirnrissigste Plan?
Den Corsa aus sentimentalen Gründen zu halten. Theoretisch könnte ich dessen laufende Reparaturkosten jedes Jahr erneut eine Antwort höher eintragen. Praktisch steht er nahezu ungenutzt rum (< 8.000km/Jahr). Mein blaues Wunder.

Die gefährlichste Unternehmung?
Zählen Klassenfahrten und Wandertage mit in diese Kategorie?

Das leckerste Essen 2018?
Immer im Xeom in HH.
Das verdiente Sushi mit C. nach der Klassenfahrt.
Paderborn, Wolke 7. Mit A. an einem heißen Sommerabend und Segelflugzeuge beobachtend, dabei ihren neuen Job feiernd.
Mit N.+B., A.+M., P.+R. und A. im Gockelwirt am Vorabend der Hochzeit von N.+B. in Hopferau.
Postoperativ: Hühner-Frikasssee und Kaninchenbraten von Mom zu Weihnachten. Muttiküche ist eh die beste Küche.

Getränk des Jahres?
Mineralwasser aus Glasflaschen

Das beeindruckendste Buch?
Liv Strömquist, Der Ursprung der Welt
Wolfgang Herrndorf, Bilder deiner großen Liebe
Paul Feyerabend, Wider den Methodenzwang – Was M. Demantowsky dazu sagt.
Holger Kuntze, Lieben heißt wollen

Wer kann lieben? Jeder. Aber nicht jeder will lieben. Wir müssen auch akzeptieren, auf Menschen zu treffen, die nicht lieben wollen. Und wir tun gut daran, uns dann von diesen Menschen fernzuhalten, wenn wir selbst in und mit Liebe leben wollen. [1]

Der ergreifendste Film?
lineares Fernsehen: 2x Tatort / 1x Polizeiruf („Borowski und das Land zwischen den Meeren“ mit Axel Milberg, „Der Mann, der lügt“ mit Richy Müller / „Der Fall Sikorski“)
Netflix: „Kein Mann für leichte Stunden“ – Dieses Paralleluniversum mit vertauschten Geschlechterrollen würde mich doch sehr interessieren… :)
Kino: „Ballon“ und „Das schweigende Klassenzimmer“ – Beides Filme mit DDR-Content.

Die beste Musik?
Wieder vermehrt Musik heruntergeladen. Die Single Voyage Libre im März und das dazugehörige Album Treasures from the Temple von Thievery Corporation waren sehr, sehr überzeugend. Promises von Calvin Harris (w/ Sam Smith) den Sommer über in Dauerschleife gehört. Morcheeba! Laura Pergolizzi! Herbert hat endlich ein neues Album veröffentlicht und wird mir nächstes dieses Jahr den Besuch ein schönes Konzert ermöglichen.

Das schönste Konzert?
Das Musical des DSp-Kurses der Q1 im 2. Halbjahr 2017/18.

Die tollste Ausstellung?
„Europa und das Meer“ im Deutsch Historischen Museum.
„Wanderlust“ in der Alten Nationalgalerie.
Vom Paris-Trip im Juli ist das Panthéon in Erinnerung geblieben, dort vor allem das foucaultsche Pendel im und die Plakate um das Panthéon zu Lebensstationen von Simone Veil, die kurz zuvor dort mit ihrem Mann ein Ehrengrab erhalten hat. Tolle, beeindruckende Frau.

Die meiste Zeit verbracht mit …?
… und in der Schule.
Mit diesem wunderbar langen und intensiven Sommer. Ab 20°C schnurrt mein Motor, höhere Temperaturen sind noch besser.

Die schönste Zeit verbracht mit …?
T.

Der beste Sex?
Natürlich! ;)

Vorherrschendes Gefühl 2018?
Vertrauen. Ich bin sehr gut organisiert. Ich bin (hier) richtig.

2018 nach langer Zeit wieder getan?
Eine Gartenparty organisiert.
Paris besucht, weil ich unbedingt nach Versailles wollte. Kack Idee, der Park und alles drumrum ist ein schlechter Witz. Umso mehr schätze ich wieder einmal die Schlösserlandschaft von Potsdam. Sonst war Paris natürlich eine sehr gute Idee. :)
Die Finanzierung des Häuschens im Spreewald erneuert.
Jemanden nach sehr langer Zeit erneut begegnet, um dem Universum einen Sinn zuzusprechen.

2018 zum ersten Mal getan?
Kontenklärung bei der deutschen Rentenversicherung.
Den Blutmond beobachtet.
Mehrfach und mehrere Tage am Stück allein die Vertretungsplanung übernommen.
Die Ärztin bitten, mich krank zu schreiben, weil ich wirklich nicht mehr krauchen konnte.
Eine Operation unter Vollnarkose, einhergehend mit dem Hinterlegen einer Patientenverfügung und von Vollmachten für meine Lieben.

Drei (!?) Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Gesundheitlich die Pendelei meines TSH-Wertes im 2./3. Quartal und die Koliken rund um die Gallenblasenentzündung im 4. Quartal.
Familiäre Egomanie und Erwartungshaltung.
Die sich stets verhunzt anfühlenden Elternabendtermine. Ich will mich und meinen Unterricht vorstellen, keinen Rapport abliefern müssen.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Mich selbst. Von der überfälligen Ausformulierung des Dissertations-Themas. Work in progress.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Für G. die Organisation der Bootstour mit der Piep zum Abschied aus dem OHG-Dienst.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Alle Gäste sind zur verregnetsten Gartenparty ever gekommen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Du hast mit deiner Art als Lehrerin und als Persönlichkeit erstmals T. genau da abgeholt und ‚befeuert‘, wo und wie er es sich immer bewusst und unbewusst ersehnt hat. […] … und ganz nebenbei liebt P. dich auch ganz heiß und strahlenförmig.“ (K. als Mutter von T. und P. <3)

2018 war in einem Wort / in einem Satz …?
Wachsen und Gedeihen. Sicherheit und Geduld.

[20172016, 2015.]

2017 – Ein Rückblick

Innerlich: warten und hoffen auf die Zukunft, auf morgen, auf irgendwen. Nahezu meine Grundeinstellung 2017. Äußerlich: am Zappeln, Laufen, Machen. Bewegung aller Orten und nicht nur auf dem Papier. Das Niveau gehalten, trotzdem Stillstand. Das Gefälle kostete viel Kraft. Nein, ich bin nicht zufrieden mit dem Jahr.

Immerzu die Bestätigung, dass ich toll bin. Komplimente ob meiner Freundschaft, des Tochter- oder Schwester-Daseins, der phantastischen Arbeit an der Schule etc. pp. nehme ich dankbar an. Die Absender meinen es ja allesamt von Herzen ernst und echt. Aber ich fühle mich weiterhin unvollständig. Vielleicht ist es die nahende 4. Null in 2018. Midlife irgendwas. In mir wirklich wichtigen Dingen bin ich nämlich 0,0 mm vorangekommen. Alles nur belanglos verwaltet.

Zugenommen oder abgenommen?
Shame on me. Zugenommen. Wieder Referendarskampf- und -kummergewicht erreicht. [Was in der Konsequenz heißt: achte mehr auf dich, Andrea.]

Haare länger oder kürzer?
Die Ideallänge, der Idealschnitt, die Idealfarben sowie die ideale Friseurin sind gefunden – und werden 2018 konsequent beibehalten.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Ist u.a. manchmal von der Tagesform abhängig. Gern bin ich am WE ohne Brille unterwegs, aber ich habe mich sehr daran gewöhnt mein „Fahrrad“ als Schuloutfit zu tragen. Für den kommenden Sommer ist dann eingeplant, dass ich mir ein neues Gestell organisiere.

Mehr Kohle oder weniger?
Durch die Sabbatical-Pläne kommt seit August doch deutlich weniger in die Haushaltskasse hinein. Mein Konto murrt, die Zukunftsperspektive für 2019/20 gleicht den Unmut aber aus.

Mehr ausgegeben oder weniger?
In den Basics saniert, in den Ausgaben für das „gute Leben“ suche ich noch nach einem (Aus-)Weg. Aber bisher geht alles gut.

Mehr bewegt oder weniger?
Konsequent die beruflichen Bälle und Feuerfackeln beim Jonglieren oben belassen. Alle Projekte am Laufen zu halten, ist bei meinem Pensum schon ein dolles Ding, an dem andere verzweifeln würden. ;-) uiui, hier müffelt es aber nach Eigenlob

Der hirnrissigste Plan?
Bei Sixt ein Auto mit Selbstbehalt zu mieten.

Die gefährlichste Unternehmung?
Anfang August in ein Hagel-Unwetter im Italien-Urlaub zu geraten. Hagelkörner, größer als Golfbälle. [Jetzt schauen Sie bitte auf die vorangegangene Frage…]

Der beste Sex?
„Eigentlich findest du dich gut. Und das erste Wort könnte man auch weglassen, wenn es dann nicht so eingebildet klingen würde. […]

Trotz alledem fehlt etwas, fehlt jemand. Die Person, die dir das Gefühl gibt, dass all das für sie stimmt. Die dir bestätigt, was du eigentlich weißt. Und es müsste ein Er sein. Einer, den du liebst und der dich liebt. Auf Dauer wirst du so alleine unter Freunden nicht glücklich sein.“

[Herzlichen Dank für die passenden Worte, Gescheuchte Igel.]

Die teuerste Anschaffung?
Teil II meines Zaunprojektes. Abriss, halbherziges Mauern, Baustopp und Handwerkerwechsel, Geduuuuhuld, Management… Aber jetzt steht er in kompletter, neuer Schönheit für die nächste Generation. Und die finanzielle Belastung verteilte sich einfach über mehrere Jahre.

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vorher

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Desaster mittendrin

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Wunderschön – nach großem Kraft- und Finanzaufwand.

Das leckerste Essen?
Siehe ganz oben. Jaja. Grundsätzlich überzeugten mich in diesem Jahr Süßkartoffeln – rundum in allen Zubereitungsarten.

Das beeindruckendste Buch?
Wenig Belletristik, dafür viele unendliche (Blog-)Artikel gelesen (und rezipiert). So wird es 2018 absehbar weitergehen. Am meisten hat mich in den Sommerferien „Stasi-Kinder“ von Ruth Hoffmann gefesselt. Bitte lest das! Mein Geschenk vom #Histowichteln (2016) erfreute mein Biologenherz und animierte mich dazu, es gleich nochmal als Abschiedsgeschenk – und somit zugleich Pensionärslektüre – für den Kollegen C. zu besorgen.

Der ergreifendste Film?
Im Kino nur Action-Trash gesehen. War irgendwie ein schlechtes Independent-/Kino-Jahr. Ergriffen war ich vielleicht von einigen Tatort-Folgen im TV. Hmmm… Der Spreewald-Krimi nimmt mich eh immer mit. Heimatgefühle [Seit wann bin ich Krimi-Fan?] In den Guck-Sog hat mich z.B. der französische Mehrteiler „In fremden Körpern“ gezogen. Was für ein sexy Hauptdarsteller. Netflix is comming.

Die beste Musik?
London Grammar und Minni. Beide sehr geliebt und in Dauerschleife gehört.

https://www.youtube-nocookie.com/embed/oVQqmH4ufCQ

https://www.youtube-nocookie.com/embed/2uYXeziOyXg

Kettcar lieferte Geschichte gebündelt in Songform.

https://www.youtube-nocookie.com/embed/UIE8uHNUeRA

2Raumwohnung ging so oder so.

Das schönste Konzert?
Die Frage kann dann wohl bald/im nächsten Jahr weg. Oder?

Die tollste Ausstellung?
Bill Viola in den Deichtorhallen. Kunst trifft Reformation. Großartig!

Die meiste* Zeit verbracht mit …?
Mit dem Kollegen J.: Sitznachbar im LeZi, Biokollege, unser gemeinsames Kabinett, unsere Arbeit am Präventionskonzept, die gemeinsame Abirede und überhaupt. Herkunft verbindet.

Die schönste Zeit verbracht mit …?

Lieblingsmenschen A. und N.

Vorherrschendes Gefühl 2017?
Mein Samstag gefällt mir so richtig gut. Wann ist wieder Samstag?

2017 zum ersten Mal getan?
Prüfungsvorsitzende im mündlichen Abitur. Gutachten schreiben.

2017 nach langer Zeit wieder getan?
Ein SPIEGEL-Abo eingehen. Ganz analog. Freundschaften reaktivieren. Ganz unkompliziert und sehr wohltuend.

Drei (!?) Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Tod im engen Umfeld. Trump als Präsident und der Ewig-Diskurs darüber in den Netzwerken. Never-Ending-Stories bei sexueller Gewalt/Kommunikation die eigene Erinnerungen wecken. [#MeToo war, ist und bleibt notwendig.] Insektensterben. Akkuwechsel beim iPhone. Selbstbehalte jeder Art.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden* überzeugen wollte?
Das ich kein kleines Mädchen mehr bin und meine Karriereabsichten okay sind.

*mich selbst

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Gemeinsame Heimlichkeiten.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Echte und totale Freude über ein Stipendium, zu dem ich das Gutachten geschrieben habe.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Du brauchst DAS nicht zu verstecken. Ich sehe es eh in deinen Augen…“

„Mit dir fahre ich überall hin…“

2017 war mit einem Wort / in einem Satz …?
Verplemperte Zeit. Belanglosigkeit. Trotzdem sinnvoll.

[2016, 2015.]