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2019 – Ein Rückblick

An den Weihnachtstagen familiär festgestellt, dass ich mittlerweile so alt bin, wie meine Mutter war, als ich zum Studium nach Potsdam ging. Verrückt, wie die Zeit vergeht.

Mit der (Wieder-)Vereinigung, der Wende und der Mentalität bzw. den zugeschriebenen Stereotypen der (ehemaligen) DDR-Bürger habe ich mich in diesem Jahr ziemlich intensiv auseinandersetzen wollen und können. Dankbar, ob all der Podcasts (vor allem diese beiden hier), den Zeitungsberichten und Sendungen im linearen TV. Dem Aufstieg der AfD nach drei Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern schaue ich mit Grauen und innerer Abwehr zu. Kommunikation in der Heimat darüber scheitert an ablehnenden Allgemeinplätzen – die Menschen sehen sich zu sehr als Opfer, nicht als Teilnehmer dieser Demokratie. Zu einfach ist es, sich auf den armen Ossi zu berufen, den die Treuhand bestohlen hat. Freunde, lesen bildet.

Auch wenn ich mich mit meinem Lebensstandard als eine der „Wendegewinnerin“ bezeichnen mag, glaube ich, dass viele Entscheidungen in meinem Leben natürlich stark von der Unsicherheit und den Umbrüchen nach 1989/90 geprägt sind: das Gefühl immer aktiv und beruflich mobil bleiben zu müssen, mich nicht ausruhen zu dürfen, weil nichts sicher und stabil schien und sich eher in Auflösung denn Neuordnung befand. Ich habe 2019 begriffen, dass ich mich selbst „erschaffen“ kann. Die Dinge sind doch immer so gekommen, wie ich sie beeinflusst habe oder angegangen bin. Es gab immer andere Optionen, die ich bewusst nicht gewählt habe.

Symbolbild 2019

Hüh! / Skulptur: Rolling Horse 

 

Zugenommen oder abgenommen?
Erst minus 10 kg, nun wieder das postoperatives Gewicht von 2018. Erneute TSH-Schwankungen inklusive. Aber die nächste Antwort bringt die Lösung.

Mehr bewegt oder weniger?
Weniger gelaufen, zu wenig geschwommen.

Haare länger oder kürzer?
Gleich lang. Aber am Budget für den Friseur merke ich schon die Inflation der letzten Jahre. Alter Falter sind das hohe Preise geworden.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Da ich nicht wie geplant beim Optiker war, keine Ahnung. Die zwei Gläser machen ihren Job, 2020 muss definitiv eine neue Brille her.

Mehr Kohle oder weniger?
Etwas mehr, weil die Umschuldung für das vermietete Häuschen griff. Eher aber +/- Null. Ich musste niemanden anpumpen, keine Sparpläne kürzen und keinen Konsumentenkredit aufnehmen, also (noch) alles gut.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Deutlich zuviel. ;)

Die teuerste Anschaffung(-en)?
Lenovo ThinkPad X1 Yoga, nur 3rd Generation – meine neue Arbeitsmaschine. Warum kein Surface? Auf Dauer braucht es eine vernünftige Tastatur für die Arbeit an der Diss.
Die Reise nach Israel, auch wenn das Ministerium knapp 30% bezuschusste.

Der hirnrissigste Plan?
Die Koordination der Organisation der Projektwoche ziemlich im Alleingang zu übernehmen und alles über meinen Tisch gehen zu lassen.
Die Wahl des neuen PR als Wahlleiterin zu initiieren und mich dann doch noch mit aufstellen zu lassen, damit tatsächlich eine Auswahl stattfinden kann.

Die „gefährlichste“ Unternehmung?
HSV vs. Dynamo Dresden
Bei Fridays for Future im September teilnehmen und mich von Eltern anpiepsen lassen, ob ich als Lehrerin das denn darf? Ja darf ich, ich bin im Sabbatical.

Das leckerste Essen 2019?
Ganz sicher dieses geile libanesische Menu in Israel.

Richtig teuer (und lecker!) war es bei Franceso und in der Vecchia Stazione.
Beim Sushi mal Mochis probiert… Hmmm.

Getränk des Jahres?
Wie bereits 2018: Mineralwasser aus Glasflaschen.

Das beeindruckendste Buch?
Jason Fung: Diabetes rückgängig machen
Ines Geipel: Umkämpfte Zone
Hans-Jörg Rheinberger: Historische Epistemologie zur Einführung
Hans Rosling: Factfulness
Erwin Schrödinger: Was ist Leben? Die lebende Zelle mit den Augen des Physikers betrachtet.
Weinstein/Sumeracki/Caviglioli: Understanding How We Learn: A Visual Guide
Anette Weiß: Rente ohne Roulette (Großer, großer Lesetipp für uns Frauen.)
– Man merkt mir die Jahresthemen in der Lektüreauswahl für den Rückblick an.

Der ergreifendste Film?
Anfang des Jahres „Tidying Up with Marie Kondo“ und „Star Trek Discovery“ auf Netflix weggesuchtet. Allein die Kombination bringt mich gerade sehr zum Schmunzeln…
Im Herbst bei „The Spy“ mitgefiebert. Im Israel-Rausch halt.
Im linearen Fernsehen war „Der kleine Nick“ eine Überraschung für mich. Dieser Mini-Hauptdarsteller! Wie konnte ich den bisher übersehen?!
Im Kino war ich, aber irgendwie sind nicht einmal die Titel hängen geblieben. Tja. Sonst halt Podcasts, Podcasts, Podcasts.

Die beste Musik?
Dido mit Take You Home – Ganz wie zu Studentenzeiten. Hallo G.!
Zalagasper mit Sebi – Der slovenische Beitrag zum ESC.
Sommerzeugs: Zero 7 mit Swimmers und Villagers mit Summer´s Song
Vielleicht deutsche Texte? Trettmann & KitschKrieg mit Stolpersteine oder doch Bonaparte mit Weinbar?

Das schönste Konzert? Der schönste (Comedy-)Auftritt?
Dr. Mark Benecke in Ludwigslust im Januar („Denken = schlecht, Messen = gut.“)
Verständliche Wissenschaft der HZG in Geesthacht im Februar
Die Nervensäge in Hamburg im April
Furor in Hamburg im Mai
Herbert Grönemeyer in Hannover im September
Methodisch inkorrekt in Hamburg im September

Die tollste Ausstellung?
„Wilhelm und Alexander Humboldt“ in Berlin im Deutsch Historischen Museum.

Die meiste Zeit verbracht mit …?
Vielleicht J.?

Die schönste Zeit verbracht mit …?
J. und meiner kleinen Schwester – wer soll sich da schon entscheiden müssen?

Der beste Sex?
Mutiert zur Teenager-Frage, ist doch jeder selbst für verantwortlich.

2019 nach langer Zeit wieder getan?
Sieben Tage Badeurlaub in einem ****Hotel.
Bei Herberts „Flugzeuge in meinem Bauch“ mitgesungen.
Ganze Tage am Stück verplempern und es „Konzentration auf das Wesentliche“ nennen.

2019 zum ersten Mal getan?
Ins Sabbatjahr gehen und die Auszeit wie einen langen Urlaub so richtig zu genießen.
Eine Promotion anmelden.
Jerusalem! Yad Vashem! Givat Haviva! Tel Aviv!

Drei (!?) Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Willys Tod.
Die ganzen nervigen Fragen, wie weit ich mit der Diss gekommen bin. (Als ob ich die mal eben runter schreibe.)
Schon wieder Fehlermeldungen von einer der Lambdasonden im Corsa. Ignorieren. Ignorieren. Ignorieren. Demnächst ist TÜV.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Die Vergangenheit hinter sich zu lassen. (Nur, das geht bekanntlich nicht.)

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Eine Ikone für meine Sis aus Jerusalem mitzubringen. Ein Eckschneider/Eckenabrunder für einen laminierfreudigen Kollegen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Immer und bedingungslos hinter mir zu stehen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Mach das. Du kannst das.“
„Schön, dass du da bist.“
„Mit mein bestes Pferd im Stall.“

Vorherrschendes Gefühl 2019?
Endlich kann ich jeden Tag ausschlafen.

2019 war in einem Wort / in einem Satz …?
Alles ist jetzt.

Mit den Worten Goethes springen wir nun hinüber nach 2020 und sammeln Inspiration für den nächsten Rückblick: „Das neue Jahr sieht mich freundlich an, und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir.“

[2018, 2017, 2016, 2015.]

2018 – Ein Rückblick

Der letzte Jahresrückblick kam etwas traurig um die Ecke. Ein „genug und ausreichend“ war gefühlt „zu wenig“. In 2018 habe ich mich diesem inneren Konflikt etwas bewusster gestellt. Ungefüllte und ungeplante (Aus-)Zeiten zu genießen, war ein Lehrstück. Klar, war ab und an wieder Kopf über Herz über Seele dabei, da kann ich nicht aus meiner Haut, die alten Reflexe eben. In allem Empfinden war 2018 irgendwie gedrosselter und langsamer. Um mich herum haben die Leute geheiratet, Häuser gekauft, größere Wohnungen angemietet, Kinder bekommen, Krankheiten kuriert, sind in Pension gegangen oder neu an der Schule aufgetaucht, haben sich für oder gegen Jobs entschieden, nebenbei Abschlüsse eingefahren oder Prüfungen abgelegt, Glück und Unglück gehabt, wild mit ihren Fäusten und Krückstöcken gefuchtelt, rumgejammert, Ansprüche geäußert, unerfüllbare Bedingungen ausgesprochen, Scheidungen vollbracht…

Symbolbild 2018

Mein Thema 2018 war: Mich anerkennen, wie ich bin. Den 40. Geburtstag inhaltlich ignorieren, weil ich bereits so viel gemacht und erarbeitet habe. Einfach den Status Quo und das Leben genießen, für andere bei Bedarf und für mich immer da sein. Privat einige Dinge geregelt und abgeschlossen zu haben, hat einen großen Beitrag geleistet. Stetiges Kämpfen lohnt nur bei echten Perspektiven.

Zugenommen oder abgenommen?
Es ist kompliziert. Wie stark ich als Kohlenhydrat-Junkie gegensteuern muss, ist eh nur ein Indikator dafür, wie es mir innerlich geht.

Mehr bewegt oder weniger?
Mehr erlaufen, weniger geschwommen.

Haare länger oder kürzer?
Die Grundlänge hat sich mittlerweile auf etwas über schulterlang eingependelt, kürzer sollte es „der Weiblichkeit wegen“ nicht mehr werden. An der Farbe haben R. und ich etwas gespielt – weniger blond.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Da ich nicht wie geplant beim Optiker war, keine Ahnung. Die zwei Gläser machen ihren Job.

Mehr Kohle oder weniger?
+/- Null. Das vermietete Häuschen wirft mehr ab, die Stufenerhöhung in der Besoldungsgruppe war okay, 18€ im Lotto gewonnen. Fast genauso gut vom Gefühl, aber effektiver im Ergebnis: die erhöhte Rückzahlung des Finanzamtes.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger für Bahnfahrten (!), mehr für Freizeit und Kurztrips. Mehr auch auf dem samstäglichen Wochenmarkt. Durch das geplante Sabbatjahr jedoch insgesamt weniger Geldfluss auf der Haben-Seite. Aber darauf kann man sich ja einstellen. Verhungert bin ich ganz sicher nicht.

Die teuerste Anschaffung?
Gleich im Januar das iPhone 8. Nach 4,5 Jahren Nutzungszeit hatte das iPhone 5 seine Schuldigkeit getan.

Der hirnrissigste Plan?
Den Corsa aus sentimentalen Gründen zu halten. Theoretisch könnte ich dessen laufende Reparaturkosten jedes Jahr erneut eine Antwort höher eintragen. Praktisch steht er nahezu ungenutzt rum (< 8.000km/Jahr). Mein blaues Wunder.

Die gefährlichste Unternehmung?
Zählen Klassenfahrten und Wandertage mit in diese Kategorie?

Das leckerste Essen 2018?
Immer im Xeom in HH.
Das verdiente Sushi mit C. nach der Klassenfahrt.
Paderborn, Wolke 7. Mit A. an einem heißen Sommerabend und Segelflugzeuge beobachtend, dabei ihren neuen Job feiernd.
Mit N.+B., A.+M., P.+R. und A. im Gockelwirt am Vorabend der Hochzeit von N.+B. in Hopferau.
Postoperativ: Hühner-Frikasssee und Kaninchenbraten von Mom zu Weihnachten. Muttiküche ist eh die beste Küche.

Getränk des Jahres?
Mineralwasser aus Glasflaschen

Das beeindruckendste Buch?
Liv Strömquist, Der Ursprung der Welt
Wolfgang Herrndorf, Bilder deiner großen Liebe
Paul Feyerabend, Wider den Methodenzwang – Was M. Demantowsky dazu sagt.
Holger Kuntze, Lieben heißt wollen

Wer kann lieben? Jeder. Aber nicht jeder will lieben. Wir müssen auch akzeptieren, auf Menschen zu treffen, die nicht lieben wollen. Und wir tun gut daran, uns dann von diesen Menschen fernzuhalten, wenn wir selbst in und mit Liebe leben wollen. [1]

Der ergreifendste Film?
lineares Fernsehen: 2x Tatort / 1x Polizeiruf („Borowski und das Land zwischen den Meeren“ mit Axel Milberg, „Der Mann, der lügt“ mit Richy Müller / „Der Fall Sikorski“)
Netflix: „Kein Mann für leichte Stunden“ – Dieses Paralleluniversum mit vertauschten Geschlechterrollen würde mich doch sehr interessieren… :)
Kino: „Ballon“ und „Das schweigende Klassenzimmer“ – Beides Filme mit DDR-Content.

Die beste Musik?
Wieder vermehrt Musik heruntergeladen. Die Single Voyage Libre im März und das dazugehörige Album Treasures from the Temple von Thievery Corporation waren sehr, sehr überzeugend. Promises von Calvin Harris (w/ Sam Smith) den Sommer über in Dauerschleife gehört. Morcheeba! Laura Pergolizzi! Herbert hat endlich ein neues Album veröffentlicht und wird mir nächstes dieses Jahr den Besuch ein schönes Konzert ermöglichen.

Das schönste Konzert?
Das Musical des DSp-Kurses der Q1 im 2. Halbjahr 2017/18.

Die tollste Ausstellung?
„Europa und das Meer“ im Deutsch Historischen Museum.
„Wanderlust“ in der Alten Nationalgalerie.
Vom Paris-Trip im Juli ist das Panthéon in Erinnerung geblieben, dort vor allem das foucaultsche Pendel im und die Plakate um das Panthéon zu Lebensstationen von Simone Veil, die kurz zuvor dort mit ihrem Mann ein Ehrengrab erhalten hat. Tolle, beeindruckende Frau.

Die meiste Zeit verbracht mit …?
… und in der Schule.
Mit diesem wunderbar langen und intensiven Sommer. Ab 20°C schnurrt mein Motor, höhere Temperaturen sind noch besser.

Die schönste Zeit verbracht mit …?
T.

Der beste Sex?
Natürlich! ;)

Vorherrschendes Gefühl 2018?
Vertrauen. Ich bin sehr gut organisiert. Ich bin (hier) richtig.

2018 nach langer Zeit wieder getan?
Eine Gartenparty organisiert.
Paris besucht, weil ich unbedingt nach Versailles wollte. Kack Idee, der Park und alles drumrum ist ein schlechter Witz. Umso mehr schätze ich wieder einmal die Schlösserlandschaft von Potsdam. Sonst war Paris natürlich eine sehr gute Idee. :)
Die Finanzierung des Häuschens im Spreewald erneuert.
Jemanden nach sehr langer Zeit erneut begegnet, um dem Universum einen Sinn zuzusprechen.

2018 zum ersten Mal getan?
Kontenklärung bei der deutschen Rentenversicherung.
Den Blutmond beobachtet.
Mehrfach und mehrere Tage am Stück allein die Vertretungsplanung übernommen.
Die Ärztin bitten, mich krank zu schreiben, weil ich wirklich nicht mehr krauchen konnte.
Eine Operation unter Vollnarkose, einhergehend mit dem Hinterlegen einer Patientenverfügung und von Vollmachten für meine Lieben.

Drei (!?) Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Gesundheitlich die Pendelei meines TSH-Wertes im 2./3. Quartal und die Koliken rund um die Gallenblasenentzündung im 4. Quartal.
Familiäre Egomanie und Erwartungshaltung.
Die sich stets verhunzt anfühlenden Elternabendtermine. Ich will mich und meinen Unterricht vorstellen, keinen Rapport abliefern müssen.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Mich selbst. Von der überfälligen Ausformulierung des Dissertations-Themas. Work in progress.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Für G. die Organisation der Bootstour mit der Piep zum Abschied aus dem OHG-Dienst.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Alle Gäste sind zur verregnetsten Gartenparty ever gekommen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Du hast mit deiner Art als Lehrerin und als Persönlichkeit erstmals T. genau da abgeholt und ‚befeuert‘, wo und wie er es sich immer bewusst und unbewusst ersehnt hat. […] … und ganz nebenbei liebt P. dich auch ganz heiß und strahlenförmig.“ (K. als Mutter von T. und P. <3)

2018 war in einem Wort / in einem Satz …?
Wachsen und Gedeihen. Sicherheit und Geduld.

[20172016, 2015.]

KW 46 (2018) // Spahn. S-Bahn. Corsa.

Unser aktueller Gesundheitsminister (Anm. d. R.: Jens Spahn) fordert unterschiedlich hohe Beiträge für Pflege und Rente in der Kategorie Kinderlose oder Kinderhabende. Aktuell stehe ich nicht auf seiner Seite, aber das ist natürlich alles eine Frage des Diskurses. In dieser Sache einfach etwas von oben zu bestimmen, trennt die Gesellschaft für mich in „unproduktiv/produktiv“. Nicht wirklich gut. Denn keine Kinder zu haben, macht man ja nicht, weil man den Nachbarn mit Kindern auf der Tasche liegen möchte.

„Kinderlosigkeit kann mit verschiedensten Gründen verknüpft sein, biologisch, altersbedingt oder auch damit, nicht den richtigen Partner zum richtigen Zeitpunkt zu finden. Für die ungewollt Kinderlosen ist die gesellschaftliche Konzeption vom Nutznießer ein Schlag ins Gesicht“, meint Soziologin Julia Hahmann. [1]

Mal wieder aktiv die Zeit genommen und Leute beobachtet. Mein Lieblingsort: S-Bahn, Viererabteil. Mr. Cool, in Fahrtrichtung am Fenster sitzend, bekommt die Beine einfach nicht zusammen, während er hyperaktiv netflixt und sehr, sehr häufig skipt. Tolle Serie/Film. Neben ihm sitzt eine etwa 60-jährige Dame, die vor jeder Haltestelle erneut ihr Smartphone aus der Handtasche zieht, demonstrativ aufklappt, um immer wieder Nachrichten in Whats App zu lesen, jedoch selbst nie etwas tippt, dann das Case mit einem demonstrativen Klick schließt – nur um in 30 Sekunden den Vorgang zu wiederholen. Mr. Cool luschert mittlerweile auch schon interessiert zu ihr hinüber. Neben mir sitzt ein jüngerer Asiat, der auf seinem Samsung Tablet einen wissenschaftlichen (?) Text über Herzkatheteruntersuchungen liest. – Jetzt könnte ich ganze Geschichten rund um diese drei Menschen spinnen. Aber mehr als eine Begegnung in diesem Viererabteil wird es wohl nicht geben.

Den Corsa in die Werkstatt gebracht. Schlussendlich will ich ihn noch 2-3 Jahre fahren, da war das Geld für eine neue Steuerkette doch nur ein kurzer Schmerz. Obwohl ich mehr als ein halbes Jahr über die Ausgabe nachgedacht habe. Und wer hätte es gedacht? Zudem Fehlermeldung der Lambdasonde. Das wäre dann Nr. 4 seit ich den Corsa im Dezember 2011 erworben habe. Vielleicht sollte ich mir einen kleinen Vorrat an den Dingern zulegen? Die gehen hier weg, wie M&Ms. Papa meint: „Ein Auto kann sich auch kaputt stehen“. Jaja. Väterlicher Humor. Aber gerade, weil mein blaues Wunder (mittlerweile…) so wenig Laufleistung im Jahr hat, halte ich an ihm fest.

2016 – Ein Rückblick

Mit der neuen (blauen) Kuscheldecke auf der Couch sitzen und über 2016 nachdenken. Das neue Jahr ist bereits 4 Tage alt, wird also Zeit, dass ich das alte Jahr festhalte, bevor zu viele neue Impressionen wesentliche Details überblenden.

Zugenommen oder abgenommen?
Zunächst gut, sogar sehr gut (!), abgenommen. Nach der amtsärztlichen Untersuchung den Ansporn aufgegeben und damit den Überblick auf die zugeführten Kalorien verloren. Der nachweibersommerlich fehlende Schwimmsport gab dem Bauchspeck den Rest. Besonders in den letzten zwei Monaten zu sehr gesündigt… Gute Nachricht: Ich kann mich mäßigen und ich bin wieder motiviert. Schlechte Nachricht: minus dauert länger als plus – obwohl es der gleiche Weg ist.

Haare länger oder kürzer?
Im länger versucht, jedoch zu feines Haar, welches auf den Schultern aufliegend zu schnell splisst. Also wieder kürzer.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Noch so ein Ergebnis vom Amtsarzt-Besuch im April. Das rechte Auge ist definitiv kurzsichtig. Das Bewusstsein, dass ich nun „Ersatzteile“ benötige, hat mich ganz schön getroffen. Ich eitles Huhn. Der Augenarzt bestätigte die Kurzsichtigkeit, attestierte dem linken Auge zugleich eine Weitsichtigkeit. Aha. Okay. Und die SuS mögen mich mit Brille. Ich mich selbst auch.

Mehr Kohle oder weniger?
Da der Corsa Anfang des Jahres abgezahlt war, ich das Fitnessstudio zum Frühjahr gekündigt hatte, eindeutig mehr.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger für Basics, mehr für das „gute Leben“.

Mehr bewegt oder weniger?
Im letzten Rückblick hatte ich diese Frage auf mich und meine wortwörtliche Bewegung ausgelegt, aber wahrscheinlich ist eher gemeint, ob ich Dinge bewirkt habe. Dann auf jeden Fall. Allein die festen und freiwilligen Projekte rund um die Schule. Nebenbei kleinere und mittelgroße Bausteine für ein privates Projekt herangebracht und behauen.  

Der hirnrissigste Plan?
Am Grundstück im Spreewald den Zaun neu machen zu wollen. Allein, dass ich nicht vor Ort war und bin, hat mich viel Zeit, Geld und Nerven gekostet. (Steuerlich vernünftig war es, das Geld zu investieren.)

Die gefährlichste Unternehmung?
Das heißt doch, es muss an meine gesundheitliche Konsistenz gegangen sein, oder? Dann war das eindeutig die Verantwortung für 3 Kurse im Doppeljahrgang des SH-Abiturs. 21 SuS schriftlich in Bio, 21 SuS mündlich in Bio und 5 SuS mündlich in Geschichte. Ich bin gefühlt 5 Jahre älter.

Der beste Sex?
Je oller, je doller?

Die teuerste Anschaffung?
Endlich Stiefel gefunden, die gefallen und passen. Und dieses geile Kleid von René Lezard.

Das leckerste Essen?
Eigentlich alles mit R. in Mailand, u.a. das Eis hier. Kalter Hund mit Lexi in L’au. Burger im HiG in DD mit Lexi und L. Die Schweinelenden auf Camembert an Preiselbeersoße mit N. im „Drei Königinnen“ in Augsburg.

Das beeindruckendste Buch?
Eins? Geht bei einem Viel- und Alles-Leser wie mir gar nicht.
*C.P. Snow, Zwei Kulturen
*M. Sommer und G. Krüger (Hg.), Biohistorische Anthropologie. Knochen, Körper und DNA in Erinnerungskulturen
*P. Sarasin, Darwin und Foucault. Genealogie und Geschichte im Zeitalter der Biologie

Der ergreifendste Film?
Toni Erdmann, natürlich.

https://www.youtube-nocookie.com/embed/bVKGWFpRpqU

Die beste Musik?
Robin Schulz begleitete mich vor allem als Beifahrerin bei zwei Nachtfahrten mit meiner Schwester.

https://www.youtube-nocookie.com/embed/trJnFGVdaR8

Wenn es nur um Herzensmusik geht, dann Bosse mit seinem Engtanz-Album.

https://www.youtube-nocookie.com/embed/-4UNCk3Ooeo

Leonard Cohen. https://www.youtube-nocookie.com/embed/YD6fvzGIBfQ

Michael Kiwanuka. https://www.youtube-nocookie.com/embed/aMZ4QL0orw0

Endlich wieder neue Musik bei Groenlanrecords. Nein, nicht von Herbert Grönemeyer. „Nur“ von Philipp Poisel! https://www.youtube-nocookie.com/embed/PFsfBpT-qDw

[Eine passende und schöne Auflistung gibt es von Thomas Stadler.]

Das schönste Konzert?
Ich lasse diese Frage mal drin. Vielleicht ist ja in einem anderen Jahr etwas dabei.

Die tollste Ausstellung?

Naturkundemuseum Berlin

Tristan himself

Mit J*. in Berlin. Als sie mir von ihrer Idee erzählte, für 3 Monate nach Südamerika zu gehen.

Die meiste* Zeit verbracht mit …?
Mit J. und Untis. ;) [*monothematisch]

Die schönste Zeit verbracht mit …?
Mit meiner Schwester.

Vorherrschendes Gefühl 2016?
Wann bitte kann ich mal wieder so richtig ausschlafen?

2016 zum ersten Mal getan?
Segway fahren in Dresden.

2016 nach langer Zeit wieder getan?
An einem Abiball teilgenommen. Diesmal von der „anderen“ Seite.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
J.s Sternenkind im März.
Sich des Alterns als biologischen Prozess so sehr auch körperlich bewusst zu werden.
Das Ergebnis einer mündlichen Prüfung und die nachfolgenden „Verlegenheiten“.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Das Loslassen von Menschen, die einen nicht gut tun. Kluge Frauen warten nicht. Sie gehen.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Gemeinsame Zeit. 

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Gemeinsame Zeit.
[Paps, der auf seine Leihgabe aus 2013 verzichtet hat. Das Gutachten vom Direx zur Entfristung.] 

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Ich werde ab Oktober Biologie und Geschichte auf Lehramt studieren. Sie haben mir im Unterricht gezeigt, dass diese Fächerkombination echt toll ist.“

2016 war mit einem Wort …?
Arbeit.

Mit dem Corsa unterwegs

Manchmal denke ich über *unnütze* Dinge nach, die ich dann auch noch unbedingt mitteilen möchte. Zumal es für meine Beifahrer gern verwirrend ist.

Heute: Die Radiosender-Platzbelegung im Corsa.

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Wo ich überall unterwegs bin.