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Was zum Schuljahr 2019/20 festgehalten werden sollte

„Die meisten Menschen überschätzen, was sie in einem Jahr erreichen und unterschätzen, was sie in 10 Jahren erreichen können.“

Samstag Abend, die Nachbarn auf dem Grundstück rechts vom Wohnzimmerfenster sind mal wieder in großer Runde am Grillen: dabei für mich zu leise, um Themen komplett nachzuvollziehen; zu laut, um die voneinander genervten Tonfälle nicht ignorieren zu können. Dazwischen plärren die Kleinkinder. Also doch ran an den Rechner, für normales Lesen fehlt mir die Konzentration, der TV interessiert mich nicht, meine Lieblingsmenschen sind gerade woanders gefordert. Nehme ich mir also die Zeit für meinen Schuljahresrückblick – auch weil in SH bereits Bergfest der Sommerferien ist.

Im November 2016 hatte ich das Sabbatjahr beantragt, zwei Schuljahre angespart, um nun ein Schuljahr den mentalen Reset genießen zu können. Und natürlich, um an meiner Dissertation zu arbeiten. Irgendwie endet es hier bei externen Nachfragen immer in einer Erklärung Rechtfertigung meinerseits, warum ich die nun nicht in diesem Jahr abgeschlossen habe. Ich habe echt ein paar Wochen Monate gebraucht, bis ich mich nicht mehr von der Nachfrage: „Na, was macht die Doktorarbeit?“ provoziert gefühlt habe. Keine Ahnung, was sich da mein Unterbewusstsein vorgenommen hatte, was auf keinen Fall zu schaffen oder überhaupt im Plan war. Aber das kommt davon, weil ich ewig immer begründet habe, ich würde ins Sabbat gehen, um die Doktorarbeit zu schreiben. (Nur um meine Ruhe vor weiteren Nachfragen zu haben.) Die Arbeit ist nun keine ideelle Spielerei mehr, hat einen echten Arbeitstitel (was mit C. P. Snow, Niklas Luhmann, Kultur und Natur) und ist offiziell an der Uni angemeldet; Citavi hat 293 Titel im Projekt „Diskurs Biologie Geschichte“ intus, mit denen ich mich selten weniger, meist intensiver auseinandergesetzt habe. Also alles gut.

Aber von vorn:

Es hat ein wenig gedauert, bis ich im Juli/August 2019 in die freie Zeit gefunden habe, auch weil ich mich im Schuljahr davor völlig verausgabt habe. Innerlich wohl wissend, ich habe dann länger frei. Das ist mir aber erst im Laufe des Sabbatjahres aufgefallen, auch muss ich langfristig daran etwas ändern. Dafür hat sich die Corona-Zeit sehr gut eingepasst, die mich noch einmal mehr geerdet, weil ausgebremst hat. Schaut man nämlich in meinen Kalender in die Monat zuvor, habe ich immer 2-3 Termine in der Woche:

  • Qualifizierung zur Mentorin in der Springerbegleitung/Begabtenförderung,
  • Module der TVaS,
  • Präventionsarbeit, -fortbildungen und -orga,
  • bisschen Personalratsarbeit,
  • Konzeptarbeit (Begabtenförderung- und Hybridkonzept),
  • Orga von zwei SE-Tagen,
  • schulinterne Curricula schreiben,
  • Kolloquia an der Uni,
  • Fachfortbildungen in Ge und Bio,
  • Ausbildung zum Lerncoach.

Meine Schwester hat mir mit dieser Aufzählung erst kürzlich mein Köpfchen zum Rumgejammere im Absatz zuvor gewaschen. Ich habe echt viel für mich und meine weitere berufliche Entwicklung getan. Denn private Termine, der Urlaub in Kroatien, der längere Aufenthalt in Israel, Willys Tod und das Gesundheitsthema meiner Mutter sehe ich in der großen Aufrechnung gerade gar nicht. Huch…

Mein Büro und mein Kleiderschrank sind ausgemistet und aufgeräumt, meine digitalen Speichermedien gesichtet und reduziert. Ich habe einen neuen Rechner, einen vernünftigen Bildschirm, mein Workflow ist im Idealfall neu gestaltet. Mittlerweile esse ich 2x am Tag, 14-16 Stunden wird gefastet. Ich trinke keine Milch mehr im Kaffee, die Antwort ist immer 42. In der Küche ist ein neuer Herd, ein neuer Kühl-/Gefrierschrank soll folgen. Von einigen alten Freundschaften musste ich Abstand nehmen, Distanz ist für einige Menschen nicht machbar. Aber vielleicht hat jeder nur so und so viel Platz im Leben.

Um meine Finanzen und mein vermietetes Häuschen habe ich mich so richtig, richtig gekümmert. Ins (eigentlich leichte) Thema ETFs und REITs habe ich mich neu eingelesen: buy and hold, keine Aktiensperenzien, Immobilien kann ich. Die Übersicht aller Ein- und Ausgaben, aller Vermögenswerte, dazu Abgleich meiner Freistellungsaufträge und ein (theoretischer) Rentenrechner war überfällig – das dauert, aber macht Spaß und ich habe nun Klarheit und Planungsfreiheit. Der Riestervertrag ist auf ein Minimum gesenkt, der 13 Jahre alte Corsa bleibt, die reine Sparquote jedoch ist durch Streichung unnötiger Ausgaben auf 20% angehoben. Portfolio Performance begleitet mich als krasses Tool in der Übersicht meiner ETFs, Fonds, Crowdinvests und Immobilieneinnahmen. Was ich ja schon immer wusste: Ein Mann ist kein solider Finanzplan, um die Rentenlücke zu schließen. ;)

Im nächsten Schuljahr kehre ich daher beruhigt mit nur 21 von 25,5h zurück. Es geht mir um Zufriedenheit (oder Sicherheit?) und nicht um ein ständiges mehr auf dem Konto. Das haben die letzten drei Jahre mit 66,66% gezeigt. Wenn der Stundenplaner nett zu mir ist, bekomme ich damit einen freien Tag (für die Diss!), zumal ja noch Ermäßigungsstunden für einige Tätigkeiten abgezogen werden. Bisher weiß ich nicht, was mich erwartet, die Unterrichtsverteilung gestaltet sich diesmal wohl ziemlich problematisch… Aber ich muss auch schauen, dass ich mich nicht wieder übernehme. Nicht, dass die Ergebnisse mangelhaft sind, ich merke zu spät, dass ich selbst leide. Meine Psoriasis und mein Hashimoto sind nicht umsonst meine engsten Begleiter.

[2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 2018/19 | Dies war mein 7. Schuljahr nach dem Referendariat.]

KW 19 (2020) // Acht Wochen mit Dingens

Dieser Tage im Radio gehört: Sex und Essen – diese zwei Dinge bleiben einem in der Corona-Zeit. Nun ja, ich habe sicherlich auch noch andere Dinge getan. Aber das Gefühl, dass außer regelmäßigen und langen Spaziergängen, Internet leer lesen oder Telefonaten nicht mehr stattgefunden hat oder ich mich zu Arbeiten an der Diss nicht wirklich habe aufraffen können, ist vorherrschend. Ich vermisse das Freibad, ich vermisse meinen Flat White im Café, das Handwerker-Frühstück beim Bäcker. ich vermisse meinen Arbeitsplatz in der StaBi, die ein oder andere Pho im Nachgang. Selbst, die Berichte über anstehende Filme oder vergangene Kulturveranstaltungen vermisse ich. Stattdessen: überall nur dieses Virus und Warnungen rund um die Krankheit, Verhaltensregeln und irgendwas mit Wirtschaft, Schule, kein Urlaub oder Fußball im TV, im Radio, in den Zeitungen auf meinem Küchentisch. Alles Hashtag Dingens.

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Wie man so ganz persönlich tickt, kann man aber zumindest ziemlich gut abschätzen lernen. Mich treibt sinnvolle Arbeit an. Habe ich ganz gut zu tun, kann ich noch mehr leisten. Und mich mit der einen Arbeit von der anderen ablenken. Sobald ich in einen Ferienmodus eintauche, den #Corona ja unweigerlich ausstrahlt, schaffe ich es nicht mal mehr, mich zum Staubsaugen zu motivieren. Aber im Garten stehen nun vier neue Tomatenpflanzen und ein großer Topf mit selbst gezogenen Sonnenblumensorten, die Blumen-Rabatte ist gereinigt. Ich war Ende April ein verlängertes WE in Bielefeld bei meiner Sis (Auweia! Tatsächlich hatten wir uns eine kleine Story ausgedacht, warum ich hin muss…). Mich weniger um Mom gesorgt. Meine Steuererklärung ist seit Anfang April raus. Meine Finanzen und Sparpläne sind so eingerichtet, dass ich jetzt einfach mal die Finger davon nehmen kann. Ab August (nach der schmerzhaften Sabbat-Finanzierung) gibt es eh wieder mehr Geld, dann kann ich die Sparquote auch erhöhen. Zwischendurch bin ich 42 geworden. Endlich musste ich mal keine Ausrede bemühen, warum ich nicht feiere. ;) Den Prof bei einer Vorlesung im Netz zugehört. P. von K. bei eigenen Dissplänen zugeraten und Tipps gegeben. Reichlich für Zwei gebacken und gekocht. Das geregelte Leben in der Seniorenresidenz geübt. Akustisches Löschblatt gespielt. Für nächstes Schuljahr das Mediencurriculum (Wahlpflichtfach) neu zusammengestellt und für den Oktober die Veranstaltung „Medien machen Schule“ zusammen mit dem Verbraucherschutz, dem Landesdatenschutz und der Polizei angegangen. Die Planung ist doch etwas aufwendiger. Und vielleicht sinnlos, weil was plant man zur Zeit auch überhaupt so einen Quatsch.

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Das Einsehen gehabt bequatscht bekommen, dass ich wohl selbst zur Risikogruppe (Einnahme von MTX) gehöre. Hier braucht es nun das Attest meiner Ärztin, damit ich nächstes Schuljahr meine Gesundheit nicht überschätze und als Rampensau ungebremst vor mein Publikum trete. Eigentlich mache ich mir keine allzu großen Sorgen, da ich auch bei den üblichen Grippe- und Erkältungswellen ohne Ausfälle über die Runden komme, nie geraucht habe, grundsätzlich fit bin. Aber ich kann das Virus eben nicht abschätzen, kenne bisher niemanden persönlich… Risiko gehört zum Leben. Sehr mühselig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

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Um der Hilflosigkeit (ctrl+verlust?) entgegenzuwirken, wie ich denn trotz Attest „nützlich“ für unsere Schule sein könnte, zusammen mit J. das Konzept für einen Hybridunterricht an unserer Schule ausgearbeitet, S. hat alles in eine schöne Grafik gegossen und bekommt nun zur Belobigung sein IServ als LMS genehmigt. Zusammen haben wir es Dienstag unserer Direktorin und dem StevDirex in einem 1,5h Pitch vorgestellt – IServ am Freitag war praktisch die erste Konsequenz aus diesem Gespräch. SchulCommSy ist halt kein Lernmanagementsystem, nur eine schlechte Dateiablage.

Niemals vorher war ich Twitter als Inspirationsquelle so dankbar. Lest euch gern selbst ein und denkt an eure Schulen:

Marko Demantowsky / Gerhard Lauer: Präsenz der Lehre zwischen Prä- und Postcoronazän. Ein Essay (Teil 1) (01.05.2020) URL: https://www.phft.de/praesenz-der-lehre-zwischen-prae-und-postcoronazaen-ein-essay-1/ (Stand: 05.05.2020).

Charles Fadel / Maya Bialik / Bernie Trilling: Die vier Dimensionen der Bildung. Was Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert lernen müssen (2017)

[KMK] Hubig: KMK übermittelt Rahmenkonzept an Regierungschefs / Gesundheitsschutz der Schulgemeinschaft steht an erster Stelle (28.04.2020) URL: https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/hubig-kmk-uebermittelt-rahmenkonzept-an-regierungschefs-gesundheitsschutz-der-schulgemeinschaft-st.html (Stand: 05.05.2020).

Björn Nölte: Formative Assessment: Bewerten um des Lernens Willen (17.10.2017) URL: https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/255718/formative-assessment-bewerten-um-des-lernens-willen (Stand: 05.05.2020).

Klaus Peren: Schule für Alle in Zeiten von Corona, so kann es gehen! (28.04.2020) URL: https://www.linkedin.com/pulse/schule-f%25C3%25BCr-alle-zeiten-von-corona-so-kann-es-gehen-klaus-peren (Stand: 05.05.2020).

Jan Vedder: Digitalien sucht das Supermodell (13.01.2019) URL: https://www.vedducation.de/modell/ (Stand: 05.05.2020)

Kristina Wahl: Skizze des Hybridunterrichts (26.04.2020) URL: https://diefraumitdemdromedar.de/hybriddidaktik (Stand: 05.05.2020).

Denn nach den Sommerferien geht es nicht normal mit einem Regelbetrieb an den Schulen weiter. Doch so wie jetzt, kann es weder weiterhin eine kommunizierte Lern(plan)freiheit noch eine Leistungsfreiheit für die Schülerinnen und Schüler geben. Besser JETZT solch ein Konzept, mit dem wir schnell an unsere Schulaufsicht herantreten, welches wir in nächster Zeit sogar frei ausprobieren könnten, als bis Mitte August auf eine Idee aus dem Ministerium zu warten. Jede Schule hat begrenzte Ressourcen an Kolleg:innen und deren Fächerspektrum, an Räumen, an Risikogruppen unter SuS und KuK, jede Schule weiß für sich am besten, was rollierend unter Hygienestandards geht. Alle Teilnehmer:innen und Teilgeber:innen unserer Schule sollten zusammen eine Struktur verfolgen können, die zudem die Arbeitsbelastung der Teil- und Vollzeitkräfte berücksichtigen kann. Der aktuelle Zustand ist doch keine Dauerlösung, quasi jeder arbeitet entweder deutlich zu viel (Feedback-, Korrektur-Anspruch, Lernvideos erstellen) oder unter seinen Möglichkeiten (Qualität der Inhalte, Zielsetzung für SuS). Es gibt keinen festen Stundenplan, der eigentlich eine Arbeitshilfe für alle im System Schule ist. Auch für Eltern, die drumherum planen und fest wissen, dass ihre Kinder versorgt sind. Dieser Rahmen fehlt, also muss man sich als Schule einen neuen aufbauen, der am Ende Sicherheit für alle bietet. Nichts ist von Beginn an perfekt, auch solch ein Konzept von Hybridunterricht mit einem Tag Präsenzzeit vs. vier Tagen digitalen Unterricht wird von vielen Bedenken getragen sein. Aber wenn man nichts ausprobiert, kann nichts besser werden. Und die Präsenzzeit kann ja flexibel hochgesetzt werden.

Rotbuche vor der Schule

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btw: Wir bekommen keine Zwischenreinigung, Masken bringen wir selbst mit, Desinfektionsmittel zum Abitur haben wir aus privaten Mitteln erworben, der Schulträger meint, Händewaschen und Abstand reicht doch. Die überhebliche Debatte im Netz nervt mich da, bei Schulen wird nämlich einen Scheiß auf Arbeitsschutz wie in Firmen geachtet. Pläne wie bei meiner Sis (Autobranche…) wären ein Traum. Die Stadt guckt halt auf ihren Haushaltsplan – leider zu verständlich, wenn man hier wohnt.

KW 13-15 (2020) // Coronafestwochen vor Ostern

Den Begriff Coronafestwochen gleich von Herrn Buddenbohm adaptiert („adoptiert“). Mal alles als ein Fest zu betrachten, auf welchem wir uns nicht umständlich in Konversationen vertiefen müssen. Diese ganzen Sozialkontakte liegen uns eh nicht. Dieser feierliche Blick ist für die uns sonst so getriebenen Introvertierten eigentlich eine sehr schöne alternative Umschreibung.

In Zeiten, wie diesen, wo alles abstrakt weit weg („Es betrifft häufiger Menschen über 70, aber vermehrt männlichen Geschlechts.“) und doch so nah scheint („Risikogruppe mit 5% Sterbewahrscheinlichkeit“) hilft manchmal auch nur der kritisch-ironische Blick von Gunter Dueck. Oder dieser Thread von Markus Barth.

Dieser ganze gequirlte Berichterstattung rund um eine falsch verstandene Systemrelevanz (Vorschlag: „systemkritische Berufe“ oder „Personal kritischer Infrastrukturen“, denn systemrelevant sind wir alle) und Impfstoffen bitte nächste Woche und Herdenimmunität sowieso als phänomenale Hauruck-Idee. Dazu der Wissenschafts(anti-)diskurs, wo Wissenschaftlern unterstellt wird, sie würden weitreichende Entscheidungen treffen (und damit wäre jetzt mal wieder Schluss!1!!11) oder gar die Arbeit/Forschung von anderen zerreißen. Nein, Entscheidungen treffen immer noch Politiker und Wissenschaft kommuniziert anders als Blöd und Tatzi es sich in ihrer journalistischen Kleinstwelt vorstellen können. (Notiz: In die Einleitung der Diss aufnehmen!)

Abiturklausuren: Große Aufregung in der digitalen Kollegiumsgruppe. Erst sagt Frau Prien, Abitur findet in SH nicht statt, dafür bekommt sie wohl in der Gruppe der Bildungsminister:innen mächtig verbale Schelte. Na gut, also kommt ein Plan heraus, wann welches Abitur geschrieben wird (weiterhin wird das mündliche Abitur nie erwähnt, höchstens die Sprechprüfungen für das Englisch-Abitur sind berücksichtigt), die Profil-Lehrer sollen genügend Ersatzklausuren einplanen… Nun tritt Frau Gebauer für NRW auf den Plan, die eventuell in Erwägung zieht, kein Abitur zu schreiben. Offene Briefe aus den öPRs der umliegende Schulen und einiger Schülervertretungen folgen. Ich bin gespannt, worauf man sich nach Ostern einigen wird. Wen hätte es den Zacken aus der Krone gebrochen, alle Abschlussprüfungen in diesem Jahr abzusagen? Alles ist außer Rand und Band, aber Prüfungen sind relevant. Systemrelevant. (Die Schultern zuckender Abgang. Ich bin ja im Sabbat!)

Lieferengpässe bei Medikamenten: Seit 2008 bzw. 2013 bin ich wegen zweier Autoimmunkrankheiten in Behandlung. In der Konsequenz brauche ich regelmäßig Medikamente. In dem einen Fall L-Thyroxin, im anderen Metex und dessen Antagonist Folsäure. Noch in KW 12 habe ich von meinen Ärzten die Rezepte angefordert, was mittlerweile per Mail und Post unproblematisch aus der Entfernung geht. Doch die Bestellung in der Apotheke war das Problem. Das Metex konnte über drei Ecken gut besorgt werden, Folsäure als eigentliches Nahrungsergänzungsmittel (wie mir die Beihilfe immer klar machen will…) gab es unproblematisch, beim Schilddrüsenmedikament muss ich nun etwas kreativ in der Einnahme/Zusammenstellung sein. Eigentlich brauche ich 137,5 Mikrogramm, verfügbar war 100 Mikrogramm.

Familiy: Mom war nun 5 Wochen in der neurologischen Abteilung der heimatnächsten Klinik. Sie hatte in den letzten Jahren schleichend mehr und mehr neurologische Aussetzter, dazu noch einen unterschiedlich starken Tremor (Zittern) in den Händen. Corona hat es in der Art schwieriger gemacht, dass meine Sis und ich nicht in den Spreewald fahren (wollten). Aber sie eh nicht im Krankenhaus hätten besuchen können. Nicht mal meinen Vater haben sie nach dem 20.3. noch zu ihr durchgelassen. Zumindest haben wir als Familie nun eine Diagnose, mit der wir etwas Klarheit haben, aber die Auseinandersetzung damit braucht noch etwas. Und wir sind noch ganz am Anfang der Krankheit. Für das Thema an sich gab es kürzlich den Goldenen Blogger, ich ahnte schon länger, dass es eventuell in diese Richtung geht. Ich lese bei Peggy seit einem Jahr mit und fand ihre Links auf der Das-bin-ich-Seite nun erst recht nützlich.

Steuererklärung und Aufräumen der Finanzen: Ich musste ja eh viel mit Papa telefonieren. Was ich mega gern getan habe, weil mit ihm – ohne Mama im Nacken – telefonieren richtig Spaß macht. Die kleine Plaudertasche. Also hat er mir alle Briefe für die BK-Abrechnung für meine Mieter nach Gee geschickt. Nach meiner Belegsortiererei Anfang März habe ich noch zweieinhalb Tage Heimarbeit gebraucht, um den ganzen Kram zu erledigen. Die avisierte Summe macht prächtigst Laune und ist bitter nötig für den aktuellen Kontostand im Dispobereich. Endlich die Zeit genommen alle Sparpläne, Anschriften, Zuteilungen und Raten zu überprüfen. Einige Anpassungen vorgenommen. Im Vorsorgerechner von SH geschaut, welche (theoretischen) Bezüge ich zum August 2045 erwarten kann, dazu noch die Ansprüche der gesetzlichen RV theoretisch durchgepimpt und in der Konsequenz meinen eigenen Rentenlücke ausgerechnet. Womit man sich so beruhigt während C. Das war einer meiner Ansätze.

Einkaufen und Kochen: Welche Hobbys einem noch bleiben? Nun ja. Backen kann ich auch super. :)

Käsekuchen

Vielleicht noch etwas rumprimen oder netflixen? Star Trek: Picard und die 3. Staffel von The Crown beendet. Nach Paella und reichlich Weißwein auf The Big Lebowski eingelassen, 22 Jahre nur theoretisch über einen Film bescheid zu wissen, war keine Lösung mehr. Ich müsste mal wieder Kahlúa kaufen. White Russian war im B-West der Standard-Drink in meiner Kellnerzeit. Mich mit J. zusammen an den Film Systemsprenger getraut, kollegiale Fortbildung sozusagen. Boah, nicht einmal ein Horrorfilm hätte mir die Nacht danach so zerhauen können. Wie viele Folgen von Rote Rosen sind noch auf Lager?

30. März vs. 10. April 2020

Blick aus dem Küchenfenster

Schöne Ostern!

KW 11 (2020) // COVID-19, Hamsterkäufe, Shutdown

Im Sabbatjahr und die Schule wird dicht gemacht. Alles irgendwie nicht greifbar und verrückt zur Zeit. Als Biologin versuche ich natürlich alles zu lesen und nachzuvollziehen, bin aber trotzdem baff, wie das nun auf uns einprasselt. Von Populationsdynamik und Wachstumskurven höre ich ja nicht zum 1. Mal. (Auch wenn die Nachrichten von Infizierten bzw. Fallzahlen sprechen, stellt das ja nur die Wachstumskurve, also den Erfolg des Corona-Virus dar.)

Als Historikerin bin ich vom Ausmaß der restriktiven Maßnahmen im Grenzverkehr und bei der Reiseregelungen (Israel, Dänemark, Polen, Tschechien etc.) und in der lokalen Bewegungsfreiheit (Kultureinrichtungen, Schulen etc.) von uns allen überrascht. Was in Demokratien möglich ist! An welchen Lebensstandard und an welche Freiheiten wir uns gewöhnt haben? Wie es da Menschen in Kriegs- und Krisensituationen ergeht? Wir haben weiterhin Internet, Wasser, Strom, Heizung… Die nächsten Zeilen dienen der eigenen Erinnerungskultur.

Drüben beim Finanzwesir kann man lesen, was 1983 so los war, nicht nur das meine Lieblingsschwester geboren ist, nein, es war alles viel schlimmer. Und ist es im Rückblick dann doch nicht. Corona – Der Endboss. Nun könnte mich das beruhigen, tut es finanziell auch wunderbar. Eigentlich müsste ich finanziell sogar noch mehr investieren, wenn nicht gerade die Corsa-Reparatur mit TÜV/AU von Anfang März wieder den Höchstbetrag für den Jahresrückblick 2020 einnehmen würde.

Was mir bitter aufschlägt sin die Einschränkungen in den schönen, geplanten Dingen. Absage von K. am Donnerstag, die mit ihrer Klasse in Kiel weilte, jedoch von Oslo noch am selben Tag wieder zurückbeordert wurde und direkt in 14-tägige Quarantäne geht. Die Equal-Pay-Day-Tagung in Hamburg ist auf nächstes Jahr verschoben. Das IQSH hat alle Fortbildungen bis Ende der Osterferien ausgesetzt, worunter natürlich die Fortbildung zur Unterrichtsentwicklung fällt, auf die ich seit Sommer 2019 gewartet habe; ein Nachholtermin ist nicht in Sicht. S. musste sein lang geplante Tagung zu Emotionen in P. absagen, in den Sammelband werde ich es wohl trotzdem schaffen. Was mit meiner Lerncoach-Ausbildung nach Ostern wird, steht noch nicht fest. Richtig bedrängt in meiner kleinen Welt fühlte ich mich dann am Freitag – an meinem derzeitigen Lieblingsarbeitsort – in der StaBi in HH.

Schnell nochmal als Abschluss bei Yumi in der Grindelallee eine Feel-Good-Pho geschmaust. Wer weiß, wann bei uns noch mehr geschlossen wird – mein Kontakt mit R. an der Deutschen Schule in Mailand verspricht keine gute Aussichten. Parallel purzelte dann Nachricht über Nachricht zu den Schulschließungen rein. A. schreibt, dass ihre Firma ab Montag Homeoffice einführt und zwar im „Schichtsystem“, die einen Mo/Di, die anderen Mi-Fr – in der anderen Woche andersherum. Jeder Standort muss genau über Besucher- und LKW-Fahrer-Kontakte Buch führen, was täglich in die Zentrale gemeldet wird. Was die Server hergeben, ist unsicher, da bereits die Standorte in China seit einem Monat im Homeoffice worken, für CAD-Dateien ganz schwierige Zeiten. Mit den Eltern telefoniert, Grippeimpfungen sind up to date, Papa hat eine Pneumokokken-Impfung, Muddern guckt, dass sie die nachholt. Oma ist eh renitent, was solche Tipps angeht.

A. schickte gestern witzige Bilder aus dem real in B.: Dosen, Nudeln, Klopapier – leere Regallandschaften. Kollegin S. spammte die WA mit den Fake News aus der Wiener Uni durch die Gegend, mal auf die Finger geklopft. Als Antwort kam eine Web.de-Nachricht, dass irgendwer in Frankreich das auch so sieht. Ja, ist klar, das andere bleibt trotzdem Spam! Corona-Bier ist in L. aus, meint C. Und im Fernsehen kommt nur Mist. Das #Twitterlehrerzimmer schäumt derweil nur so über an hilfreichen Informationen, Tipps und Tutorials, wie wir nun digital unterrichten könn(t)en. Wie schon bei der medial z. T. überspitzt ausformulierten LaiW-Studie hacken wieder alle aufeinander ein. über den lange vernachlässigten Arbeits- und Gesundheitsschutz an allen Schulformen spricht keiner. Hauptsache gymnasiales Bashing. Wer kann digital, wer will digital, wer sieht es nicht ein; wer glaubt, es würde ihr/ihm verboten (Leute, lest Anordnungen richtig!); wer meint, es wäre systematisch ungerecht, da digitale Wege nicht von allen Elternhäusern unterstützt werden können… Geht zum sabbaticalen Glück irgendwie an mir vorbei. Scroll, scroll… Vielleicht ist die Filterblase mittlerweile eh zu divers und nur binär schwarz/weiß eingestellt, Grauzonen werden schon lange nicht mehr akzeptiert.

Mehr fällt mir gerade nicht ein. Hasch mich, ich bin der Frühling.

KW 6 (2020) // Was ich so mache im Sabbatjahr

Wie vielleicht schon an der ein oder anderen Stelle kommuniziert, bin ich in diesem Schuljahr im Sabbatjahr. Gewählt hatte ich die Version 3. Genauer heißt dies, zwei Jahre ansparen – in Vollzeit unterrichten und 66,67% der Bezüge erhalten, im dritten Jahr gar nicht unterrichten und die angesparten Bezüge ausgezahlt bekommen. Wer mag, kann sich hier die Regelungen zu den anderen Varianten (2-7 Jahre sind möglich) für SH durchlesen, wobei ich nicht glaube, dass es einen allzu großen Unterschied in den anderen Bundesländern gibt.

Ich bin dankbar über diese Möglichkeit der Burn-out-Prävention. Anders kann ich es nach nun einem halben Jahr Auszeit für mich nicht bezeichnen. Endlich komme ich mal wieder dazu, über mich und meinen weiteren Weg nachzudenken. Schlaf, Ruhe, keine Korrekturen, keine nervenden Kollegen, die immer wieder fragen, wie man sich im Landesnetz einwählt oder wie nochmal das mit den Fehlzeiten für die Zeugnisse war. Nein, nein, mir erging es wirklich nicht schlecht in den letzten Schuljahren. Ich habe viel ausprobieren können und viel erreicht; man hat mir viel zugetraut, ich habe mich nie um eine Arbeit gedrückt, mich vielleicht manchmal unabsichtlich überfordert, aber doch am Ende alles geschafft. Aber wo blieb ich? Meine Gesundheit? Meine Selbstentwicklung? Meine Berufsperspektive?

Viele denken, man muss im Sabbat unbedingt lange Reisen ins Ausland planen, ein Haus bauen, Kinder zeugen, vielleicht für eine Hilfsorganisation in Afrika arbeiten. Nein, niemand muss irgendetwas davon machen, man kann sich bewusst nur um sich selbst kümmern. Ich habe also gedacht, ich mache nur Pläne mit mir. Auch wenn sich der ein oder andere darunter etwas anderes vorstellt. Endlich war (und ist) Zeit für die Fortbildungen, die für die nächsten Berufsjahre mein Rollenbild prägen werden:

  • mein Dissertationsprojekt
  • Begabten- und Begabungsförderung an unserer Schule implementieren (der SET dazu war letzte Woche)
  • eine Lerncoaching-Ausbildung beginnen (im April geht es los)
  • mich in meinen Schwerpunkten in der Präventionsarbeit vertiefen (z. B. die Net-Piloten-Ausbildung)
  • die noch fehlenden Module zur Übernahme von Schulleitungsaufgaben vervollständigen.

Und es geht mir so, so, so gut damit. Es fiel mir schwer, ins Sabbat hineinzufinden. Die Zeit nach den Sommerferien war ein wenig wie auf Entzug (allein, mir fehlt zum Glück eine Referenz). Keiner von der Schule meldete sich, nur privat der ein oder andere. Niemand brauchte mich. (Was nicht stimmt…) Wahrscheinlich war der Urlaub mit meiner Sis in Kroatien ganz hilfreich, um abschalten zu können. Im September hatte ich mich dann ans Ausschlafen gewöhnt. Die Israelreise Ende Oktober war keine Anstrengung, sondern eine willkommene Abwechslung vom Alltag am Rechner und in der Bibliothek. Die Einträge von Anke Gröner motivieren mich jedes Mal mega, selbst weiter an meiner Promotion zu werkeln, auch wenn immer mal wieder das Hochstaplersyndrom aufblitzt. Allein das Jahr wird nicht reichen, um fertig zu werden, obwohl die Diss den Ausschlag gab, ein Sabbat einzulegen.

Wie geht es nach dem Sabbat weiter? Mit einer Reduzierung. Ich kann gut mit weniger Geld leben, habe aber dafür mehr freie Zeit für mich. Und erst einmal in absehbarer Zeit keine Rangelei um eine weitere Assistenz oder gar Funktionsstelle.

Heute ist der 10. Februar 2020, am 10. August 2020 ist mein erster „neuer“ Schultag. Bis dahin gibt es noch so viel Zeit für Selbstliebe.