Schlagwort-Archive: geschichte

KW 33 (2020) // #eduSH: Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen

Die erste Woche im Schuljahr 2020/21 ist geschafft. WorkingHours sagt 53 Stunden und 56 Minuten Arbeitszeit. Wer weiß, wie viel Zeit für Pausen im pädagogischen Job bleibt, kann sich ihren bzw. seinen Teil denken. (Meine Arbeitswoche beginnt Sonntag und endet mit einem so gut wie immer schreibtischfreien Samstag.)

Meine Stunden- und Klassenverteilung ist teilweise ätzend, außer dem Medien-Kurs habe ich keine Klasse bekommen, die ich mir vorab gewünscht habe. Trotzdem werde ich nicht beim StevDirex darüber meckern, wir geben alle unser Bestes. Unsere Schule hat genug Baustellen in anderen Fächern. Ist halt so.

  • Biologie 1x in 6 und 2x in 7; 1x in 9 verkurst über den ganzen Jahrgang, zudem 1x in einer E
  • WaPf Medien und Öffentlichkeit verkurst über die gesamte 8
  • 1x Geschichte und zugleich Klassenlehrerin im Geschichtsprofil der E

Durch die bescheuerte notwendige Verkursung sitze ich am Ende im kompletten 8. und 9. Jahrgang in allen Zeugnis-/Klassenkonferenzen. Ein echter freier Tag ist trotz Reduzierung und Ermäßigungsstunden nicht drin, ich bin durch meine Tätigkeiten im PR, als Verbindungslehrer im SV-Team, als Koordinatorin für unsere Prävention und (neu!) in der Begabtenförderung auf zu viele feste Besprechungen angewiesen. Dem Schulweg von 10 Minuten sei Dank. Mir fehlt natürlich die Selbstbestimmtheit des Sabbats, aber ich werde mich schon einzurichten wissen. Was für die Diss übrig bleibt, liegt in meinem Ermessen und meinem Willen.

Unsere Ministerin gab eine dringende Empfehlung zum Tragen von Masken aus, unsere Schule hat sich daher auf eine Maskenpflicht geeinigt, zumindest bis die Kohorten Ende nächster Woche stehen. Außer den SuS der 5. und 6. Klassen müssen alle Personen auf dem Gelände also eine entsprechende Bedeckung tragen. Hausmeister und Reinigungskräfte zeigen sich am renitentesten, da musste die Chefin schon arg ermahnen. Leider greift zudem bei den Kolleginnen immer mehr das Visier um sich, auf einer der drei Dienstversammlungen habe ich dann was dazu gesagt. Wie können informierte Menschen glauben, dass ein mittelmäßiger Spuckschutz vor einem unsichtbaren Virus schützt? Ja, die Hitze war die Hölle in dieser Woche. Nicht einmal hitzefrei wegen Fokus auf Präsenzunterricht. Verständlich. Aber in drei Wochen werden wir jammern, weil es kalt ist und durchs geöffnete Fenster reinwindet und -regnet. Ich befürchte, dass sich die Gesamtsituation so entwickeln wird, dass wir sogar nach diesen zwei Wochen alle freiwillig weiterhin eine Maske tragen werden.

Wir haben unsere Zeitstruktur leicht umgestellt. Einerseits kommen und gehen SuS so versetzt in die Schule bzw. nach Hause, andererseits bleibt nur eine größere Pause, was die Kontakte außerhalb der Wechselzeiten vermeidet weiter minimiert. Fachräume und Kabinette sind geblieben, einerseits um nicht alle pädagogischen Werte über Board zu werfen, andererseits, weil es baulich bei uns eh nicht funktioniert, Jahrgänge dauerhaft zu trennen oder nur ansatzweise separat auf das Schulgelände zu lotsen. Die Aufsichten sind massiv erhöht worden. Noch weniger Zeit für einen Moment der Erholung für uns Kolleg:innen, denn die Tische sollen ja möglichst zwischen neuen Klassengruppen desinfiziert werden. Alles mit Augenmaß natürlich. Das Desinfektionsmaterial des Schulträgers reicht noch maximal die nächste Woche… Ohne Worte.

Unsere Schule hat sich zu IServ durchgerungen, die Eltern bezahlen das zunächst, weil sich der Schulträger vom Land auf Itslearning hat vertrösten lassen. Am Dienstag habe ich mir eine Online-FoBi dazu gegönnt, um Himmels Willen, ein abgespeckte Version ohne Videofunktion und Office in SH, die nichts anderes ist, als eine bessere Dateiablage für Kollegien. So ist Itslearnig definitiv kein LMS, was in unser Hybridkonzept passt.

Was im Titel dieses Beitrages steht: Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen. Wir müssen uns alle von vielen Ansprüchen des für uns normalen Unterrichts lösen. Ich muss mehr lüften, ich muss mit meiner Kraft unter der Maske haushalten. Ich muss meinen Unterricht umstellen, verkürzen, methodisch neu ausrichten, diese Fixierung auf Fachanforderungen/Lehrpläne muss dringend aufhören. Wir werden schon genug die dauerhafte Waage einhalten müssen zwischen Belehrungen/Ermahnungen der SuS und lustigen/beziehungsförderlichen Momenten. Wir werden ihnen und ihren Eltern die Situation immer wieder neu erklären müssen! Ja, müssen. Was sind Tröpfchen, was sind Aerosole? Häufig wird es auf dem Schulgelände strenger zugehen, als im Sportverein oder beim Warten auf die nächste S-Bahn. Schulen und alle Beteiligten haben nun mal den Schwarzen Peter der Verantwortung. Am Beispiel von Berlin und der Reaktion der Bildungssenatorin dort, habe ich nämlich sehr stark die Befürchtung, dass sich Kinder natürlich nur in der Schule angesteckt haben werden können – wo auch sonst!111!!! Die Schuldzuweisung erfolgt reflexartig im Bildungskontext. Zudem werden viele schulinterne und externe Projekte, Vorträge, Klassenfahrten, Wandertage, Olympiaden oder Wettbewerbe kaum bis gar nicht stattfinden, da vieles nicht den Hygienekonzepten/-regeln entspricht. Sind dann wieder wir faulen Lehrer:innen als kollektiver Pungingball dran, weil wir es einfach nicht drauf haben und auch mal an unsere Gesundheit denken? Es wird so viel kaputt gehen, wir werden eine Frühpensionierung wie nie sehen, da sind mir tatsächlich Arbeitslaptops für jeden, gerade echt s*** egal.

Freitagabend hatte ich Halsweh, erst sehr spät am Abend. Okay. Trotzdem hatte ich einen leichten Anfall von Sorge. Es kann und es wird vielleicht passieren. Eine Ansteckung. Auch diese Befürchtung muss ich demnächst psychisch verarbeiten. Fucking Berufsrisiko. Vor allem in den Klassen, die recht unruhig sind (Zusammensetzung, Stundenlage, Interesse am Thema, fehlende Methodenvielfalt…), muss ich häufiger sehr tief Luft holen, um meine Ermahnungen durch die Maske zu pressen. Meine Mimik fehlt, Körpersprache allein reicht nicht immer. Es werden sich Wege finden lassen.

Aber: Ich freue mich auf mein Profil. Sehr, sehr, sehr. Wir sind jetzt schon ein gutes Team, sie haben verstanden, welchen Weg wir in den nächsten 2,5 Jahren gemeinsam gehen werden. Willkommen zurück an der Schule, @lehrerperle.

Bilder aus dem Coronaarchiv

Was zum Schuljahr 2018/19 festgehalten werden sollte

Diesmal ein relativ ausgeglichenes Schuljahr in der Verteilung der Unterrichtswochen im 1. und 2. Halbjahr: jeweils 19 Wochen. Ersichtlich ergaben sich Schwerpunkte in der Elternarbeit (viel mehr an Telefonaten und persönlichen Treffen), in der eigenen digitalen Professionalisierung (Arbeit mit ToDo, TeacherStudio und WeekView) bzw. Organisation von Projekten an der Schule. Immer wieder – wenn ich mit der Sammlung der harten Fakten subjektiven Mitschriften für diesen Eintrag hier beginne – bin ich überrascht, was sich so an Terminvielfalt und -dichte in einem Schuljahr wiederfinden lässt.

Zahlen, Daten, Fakten:

  • 3 Oberstufenkurse: 2 in Biologie, 1 in Geschichte (brachte 102 Klausuren, zum Teil Klausurersatzleistungen)
  • 8 Klassen in der Orientierungs- und Mittelstufe: 4 in Biologie, 3 in Geschichte, 1 in Medien und Öffentlichkeit (WaPf) bzw. im 2. Halbjahr durch Unterrichtsneuverteilung: 6 in Biologie, 1 in Geschichte, 1 in MedÖ (ablesbar wird: Biologie ist ein Mangelfach an unserer Schule…)
  • außer in Klasse 8 in jedem Jahrgang mindestens eine Klasse  bzw. einen Kurs unterrichtet
  • im 1. Halbjahr Notenverantwortung für 196 Schüler*innen, denen ich 257 Zeugnisnoten gab; im 2. Halbjahr dann für 211 Schüler*innen, denen ich 245 Zeugnisnoten gab
  • Klassenleitung (-sbeschäftigungstherapie in) einer 9. Klasse (Hauptthemen: „Erreiche ich die E-Phase?“ „Möchte ich in die E-Phase unserer Schulart?“ „Welches Profil nehme ich nur?“; quasi nebenbei lief das Betriebspraktikum und waren drei Austauschschüler*innen für mehrere Tage bzw. Monate zu integrieren; allein die herzlich-emotionale Sammlung an persönlichen Briefen und Erinnerungen für mich zum Ende des Schuljahres verdeutlichte mir erneut die Bedeutung einer Mittelstufen-Klassenlehrerin in dieser entscheidenden Phase der Schullaufbahn; richtig tolle Elternsprecher gehabt, die mir ein Mega-Feedback gegeben haben)
  • eine Klassenfahrt begleitet (Sylt mit zwei Fünften)
  • fünf Wandertagen beigewohnt (zwei davon selbst organisiert)
  • 15 Präventionsveranstaltungen/-teilnahmen für unsere Schulgemeinschaft organisiert/mitgemacht
  • 2 Schulkonferenzen, 2 Dienstbesprechungen, 2 Lehrerkonferenzen, 4 Fachschaftssitzungen, 20 Notenkonferenzen, 8 pädagogische Teambesprechungen, 1 Klassenkonferenz, (nur) 4 Elternabende, 2 Elternsprechtage, 2 Schulentwicklungstage (SE-Tage), 6 Termine des AK Projektwoche, 1 Einladung zum SEB, seit November 2018 1x wöchentlich SV-Sitzung sowie mindestens zwei Hände voll an weiteren terminierten Gesprächsanlässen mit Kolleg*innen und/oder Eltern und/oder Schüler*innen
  • 12 Prüflinge in Biologie als Vorsitzende oder via Protokoll durchs mündlichen Abitur begleitet
  • zwei Tage für ganztägige Fortbildungen frei bekommen, an sieben Terminen sechs weitere FoBis besucht
  • eine Projektwoche zusammen mit einem Schüler und einem weiteren Kollegen nahezu im Alleingang organisiert (administriert? delegiert?)
  • zehn Tage im 1. Halbjahr (u.a. der OP-Termin), zwei Tage im 2. Halbjahr (totale Erschöpfung) krank gemeldet

Bild von Sasin Tipchai auf Pixabay

Als hätte ich es bereits im Sommer erahnt und die FoBi zur  Gremienarbeit besucht, so sollte dieses Schuljahr ernsthaft umfänglich in der Arbeit im System werden. Bedingt durch eine Elternzeit war ich dieses Jahr Vorsitzende der Bio-Fachschaft, absehbar war, dass ich mich als Vertrauenslehrerin aufstellen lassen – allein der Zuspruch überraschte mich. Dritter Neubau: Personalrat. Im November wurde ich eher nebenbei Wahlvorstand, da ich bereits vor 4 Jahren die letzte Wahl begleitete, mir eh Verordnungen und Auswertungen liegen, da sich jedoch nur 5 mögliche Kandidaten für einen 5er-PR fanden, wollte ich natürlich auch eine ernsthafte Wahl ermöglichen, zack, ergänzten 2 weitere Kandidat*innen – inkl. meiner Person – den Wahlschein. Was soll ich viel schreiben? Seit Mai bin ich nun auch im Personalrat.

Mit Beginn des Schuljahres hatte ich angefangen die Vertretungsstunden akribischer aufzuschreiben, aber was bringt die Aufrechnung, wenn ich nicht weiß, wie viel mir durch schulorganisatorischer und nicht nur krankheitsbedingter Überschneidungen entfallen ist? Ersichtlich ist, dass ich mir wohl selbst in meiner Funktion als Stundenplanerassistenz sinnvollerweise häufig eine meiner drei Lieblingsklassen verpasst habe, damit sie nicht bei klassenfremden Kolleg*innen unnötige Vertretungen haben.

Untis und ich haben nach Ostern Abschied voneinander genommen. Nach vier Jahren Assistenz – und mit Aussicht meiner Abwesenheit im nächsten Schuljahr – war eine Nachfolge unabdingbar. Ja, im 1. Halbjahr gab es noch die ein oder andere Möglichkeit ganztägig den StevDirex zu vertreten, aber nun macht es halt jemand anderes. Vor allem jetzt in den ersten Sommerwochen hat mir die Stundenplanung für das neue Schuljahr aber bereits mächtig gefehlt. Ach, ach…

Hallo, Moin. Moin, Hallo. – Moin, Moin.

Worüber ich hier fast nie schreibe, ist mein Unterricht. Er ist und bleibt mein Dreh- und Angelpunkt. Mit gut geplanten Unterricht und einer ordentlichen Portion Humor möchte ich meine Schülerschaft von meinen Fächern, meiner Lebenseinstellung überzeugen können. Schüler*innen erwarten keine Mrs. Perfect, wenn sie mit mir zusammen neue Themenfelder erforschen, die ich z.T. ausdrücklich aussuche, sie aber dabei merken, dass sie sich einbringen müssen, dann wird es ein bleibendes Ergebnis geben.

Nunmehr also Ferien-Bergfest in SH und damit einhergehend die ewig ähnlichen Frames und Diskurse im Internet: 6 Wochen Ferien für Lehrer – warum; unterschiedliche Ferientermine in den Bundesländern – warum; Kündigung von in Zeitverträgen festhängenden Kolleg*innen – warum etc. pp. Die einen suchen noch nach Alternativen in ihren Feedback-Formaten, die anderen überlegen derweil, wie sie ihre neuen Sextaner begrüßen können. Danke, dass ihr mit mir auf mein Schuljahr zurückgeblickt habt. Für das nächste Schuljahr habe ich mir ein Stück Freizeit und Freiheit erarbeitet, ich werde ein Sabbatjahr einlegen. Vielleicht ergibt sich wieder mehr Zeit, dieses Blog zu befüllen. Schreiben werden ich auf jeden Fall viel, wenn nicht unmittelbar hier.

[2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 | Dies war mein 6. Schuljahr in Vollzeit nach dem Referendariat, womit ich mir meine 6 Wochen Ferien wohl in doppelter Hinsicht verdient habe.]

KW 14 (2019) // Zwei Halbe

Wenn ich rückblickend hier ins Blog schaue und feststelle, dass ich seit 7 Wochen nicht mehr geschrieben reflektiert habe, dann war wohl viel los. Puh. Selbst Feedly platzte aus allen Nähten.

Ein gutes Schulsystem müsste laut Schubert die Lehrer*innen schützen und fördern, die besonders innovationsfreudig und leistungsfähig sind. Das Gegenteil ist aber auch meiner Erfahrung nach der Fall: Lehrkräfte müssen erleben, dass ihr Engagement ihnen hohe Belastung beschert. Weil neue Ideen oft belächelt werden. Weil denjenigen, die ihren Job gut machen, von der Schulleitung gerne weitere Aufgaben übertragen werden. Weil diejenigen, denen die Kinder besonders am Herzen liegen, die Probleme der Schüler*innen wahrnehmen und sich zu eigen machen. Weil diejenigen, die nur Dienst nach Vorschrift machen, mehr Zeit haben sich um ihre Beförderung zu kümmern. // komplett auf: Bildungslücken.net

Montag

Zur 1. Stunde da, 1x 45 Minuten Medien. Nachlese und schriftliches Feedback zum Medien-Elternabend. Danach 1×45 Minuten ohne Einsatz – also Zeit für Orga (Müllsammelaktion) und Kaffee. Im Anschluss 2x 90 Minuten Unterricht. Einstieg kulturelle Evolution in der Neun und Legebild/Blütendiagramm einer Tulpe in der Fünf. Im Anschluss ein etwas komplexeres und sehr ernstes (Erst-)Gespräch mit einer Schülerin. Ich muss dranbleiben. 30 Minuten Pause und 5 halbstündige pädagogische Klassenkonferenzen in Folge. #offtopic: Arbeitsergebnis in Vorbereitung dieser Termine: 217 mündliche Noten in 11 Klassen/Kursen. Um 18 Uhr daheim.

Dienstag

Wer rastet, der rostet. Zur 1. Stunde in der Schule, nur Orgazeugs: Besprechung PR-Wahl im Mai, Anmeldung meiner Klasse zur IdeenExpo in Hannover im Juni, Nachbesprechung einer internen Veranstaltung zur Berufswahl. 2. Stunde Aufsicht im Profil-Abi der Physiker. 2x 90 Minuten Unterricht: Katalase-Experimente mit der E in der Chemie oben, im selben Raum später mit den Sechsern Wiederholung von Kennzeichen der Wirbeltiergruppen. Ich übernahm die Klasse zum Halbjahr und muss nun stofflich einige Themen bündeln… Ab 13:15 Uhr dann unsere Müllsammelaktion mit 7 teilnehmenden Klassen bei schönstem Frühlingswetter. Die Siebener, die ich dazu animierte, war mit fast 20 Müllsäcken ziemlich erfolgreich. Zum Glück fand sich ein während der Sammelaktion tief im Gebüsch verlorenes „Kulturzugangsgerät“ wieder an. Kurzes Lehrerkoma auf der heimischen Couch, bevor ich auf der SEB-Sitzung zur Projektwoche einen Überblick gab. Wir nutzen Eventbrite, um die SuS die Projekte aus-/anwählen zu lassen. Die Elternschaft favorisiert ängstlich aushängende Listen und Wahlzettel mit Favorit 1, 2 und 3.

Mittwoch

Vorverlegte Doppelstunde in der 1./2. Stunde. Kurz vor Ostern war mit der Sieben nicht mehr viel anzustellen. Bisschen was zur Zelle und ab nach draußen auf den Schulhof: das Toasterspiel und andere Spiele aus der Klassenrat-FoBi ausprobieren. 1x 90 Minuten in der Q1e, viel über die DDR und meine biographischen Erlebnisse ausgefragt worden. Zu guter Letzt noch eine Vertretungsstunde in Geschichte. Hier wieder eine der arg erschöpften Klassen erwischt, die ich zwar zum Teil aus dem Medienunterricht kenne, aber was soll man da schon groß „unterrichten“? Kurze Abfrage, wo sie im Unterricht stehen und zack in den Modus „Der Geschichtslehrer erzählt …“ fallen. Am Ende kam ich auf knapp 40 Minuten zur Nachkriegsgeschichte Deutschlands, grob strukturiert durch meine Unterrichtsfolien der Parallelklasse, was mir mit Beifall honoriert wurde. Viel wichtiger war aber sicher mein Appell, dass sie nun die Ferien so richtig auskosten sollen. Gerade die Neuner machen sich aktuell ziemlich fertig auf ihrem Weg in die Oberstufe. Und ich weiß nicht, wie man ihnen den Leistungs-/Erfolgs-/Notendruck nehmen kann. Vorbild, Vorbild, Vorbild.

Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag (sozusagen die zweite halbe Woche, wenn ihr auf den Titel des Beitrags schaut…)

Der Rest der Woche war dann sehr, sehr erfüllt mit privaten Erlebnissen. Ferien! Frisör! Schlaf! Liebe! Sonne! Zunächst Geburtstag mit/bei U., beginnend mit Billard und Dart, dann Gin-Verkostung bis in die Nacht hinein. Am Donnerstag Geburtstag bei J., am Freitag spontan zur Komödie „Die Nervensäge“ an den Hamburger Kammerspielen losgezogen und die Nacht im Cocktailgewussel ausklingen lassen. Samstag Schlaf nachgeholt, am Sonntag die Elbe bei Ebbe und Flut inspiziert.

Ja, es geht mir sehr gut. Der Körper funktioniert nicht mehr nur bedingtermaßen („in a qualified sense“). Seelisch haben drei/vier Tage ohne Schule einfach nur mega gut getan. Aber: Ich habe eine Menge Respekt vor der Zeit nach Ostern, da kommt noch richtig viel Arbeit auf mich zu.

Was zum Schuljahr 2017/18 festgehalten werden sollte

Wieder so ein Schuljahr mit einer gewissen Unwucht in der Halbjahres-Zuteilung: 17 KWs im 1. Halbjahr (14,5 bis Notenschluss) vs. 20 KWs im 2. Halbjahr. Auf Twitter habe ich bei einigen Kolleg*innen gelesen, dass es für sie gefühlt ein anstrengenderes Schuljahr als sonst war. Ich kann dem nur zustimmen. Vielleicht sind wir gemeinsam gealtert? Aber ich habe ein Gefühl, woran es wohl lag, denn rein zahlenmäßig hatte ich dieses Schuljahr weniger Schüler*innen in der Notenverantwortung, da ich zwei Klassen in Bio und Geschi parallel hatte. Bis auf drei Klassen/Kurse waren das für mich aber alles neue Schüler*innen und neue Klassen. Und diese Klassen sind dann selbst noch neu zusammengestellt worden, was wieder heißt, dass da ganz viel Dynamik und Zwischenmenschliches eine Rolle spielte.

Für mich erfreulich war, dass ich endlich im 5. Jahrgang für Geschichte eingesetzt wurde. In zwei der beiden Oberstufenkurse brachten die neuen Fachanforderungen wieder deutlich Mehrarbeit mit sich. In diesem Schuljahr war ich daher häufiger als sonst froh, wenn ich mich in den anderen Klassen auf halbwegs bekanntem Terrain bewegen konnte. Trotzdem noch viel, viel Zeit und Kraft mit Unterrichtsplanung verbracht. Nein, ich unterrichte nie zu 100% mit dem Material aus den letzten Jahren. ;)

Zahlen, Daten, Fakten:

  • 3 Oberstufenkurse: zwei in Geschichte, einen in Biologie (brachte 116 Klausuren)
  • 7 Klassen in der Orientierungs- und Mittelstufe: drei in Biologie, drei in Geschichte, eine in Medien und Öffentlichkeit (WaPf)
  • außer in Klasse 7 in jedem Jahrgang mindestens eine Klasse unterrichtet, so kenne ich tatsächlich bald alle Schüler*innen
  • Notenverantwortung für (im Mittelwert) 188 Schüler*innen
  • Klassenleitung einer 8. Klasse (ein schönes Sozialexperiment zu sehen, wie diese aus fünf 7. Klassen zusammen ein „neues Team“ bildeten; wie erst die SuS warm wurden, denen es faktisch egal ist, wer sie unterrichtet und mit wem sie in einer Klasse sind; dann langsam schoßen die SuS ins Kraut, die mit uns unterrichtenden Kolleg*innen warm wurden und ab Ostern dann auch die SuS, die sich ihrer Rolle in der Klasse und bei uns Kollegen sicher sein müssen; fast schon schade, dass wir uns nach der Neun schon wieder trennen müssen: längeres gemeinsames Lernen hat schon was – für beide Seiten)
  • eine Klassenfahrt selbst organisiert (Potsdam/Berlin mit meiner Achten)
  • acht Wandertagen beigewohnt (vier davon selbst organisiert)
  • 17 Präventionsveranstaltungen/-teilnahmen für unsere Schulgemeinschaft organisiert
  • 2 Schulkonferenzen, 2 Dienstbesprechungen, 3 Lehrerkonferenzen, 4 Fachschaftssitzungen, 1 Personalversammlung, 22 Notenkonferenzen, 9 pädagogische Konferenzen, 5 Elternabende, 2 Elternsprechtage, 2 Schulentwicklungstage (SE-Tage), 1 Termin des AK Mediencurriculum sowie mindestens zwei Hände voll an weiteren terminierten Gesprächsanlässen mit Kollegen und/oder Eltern und/oder Schülern
  • Verantwortung für 9 Prüflinge im mündlichen Abitur in Geschichte, davon eine umfänglichere Präsentationsprüfung
  • einen Tag im 2. Halbjahr krank gemeldet, zwei Tage für ganztägige Forbildungen frei bekommen, an sieben Terminen drei weitere halbtägige FoBis (TVaS!) besucht

Gemeinsam mit J. das Präventionskonzept durch die Schulkonferenz geboxt. Als nächstes Projekt wollen wir uns KoSiMa vornehmen, das bringt unsere Schule im Sinne einer schülerorientierten Suchtprävention sicher wieder neue Impulse.

Überhaupt Schulkonferenz: mit deutlichem Abstand nach unten auf Platz 3 der 11 Kolleg*innen gewählt worden, die für zwei Jahre die Lehrer*innen in der Schulkonferenz vertreten. Doch, doch, über das Vertrauen habe ich mich sehr gefreut. Natürlich kostet dieses Ehrenamt wieder Zeit und bringt eventuell den ein oder anderen Arbeitskreis (Orga der Projektwoche!) mit sich, aber das ist mir die systemische Erfahrung wert.

Zusammen mit meinem Medienkurs hatte ich die wunderbare Idee, einen Medienelternabend („Schüler unterrichten ihre Eltern“) auszuprobieren. Der kam dann gleich so gut an, dass ich daraus mit meinen zukünftigen Medienkursen aus dem WaPf-Bereich eine Dauerveranstaltung implementieren werde. Selbst die Elternvertreterin einer der Grundschule in der Stadt möchte gern auch ihre Elternschaft zum Zuhören und Mitmachen vorbeibringen.

Nebenbei die Rangeleien um die A14-Stellen beobachtet. Junge, Junge… Dabei war das nicht einmal die harte Konkurrenz, die in den nächsten 2-3 Jahren an unserer Schule aus dem Kreis der Junglehrer*innen aufrückt und sich scharf beäugen wird. Da wird jetzt bereits jedes Pfründlein vorsortiert.

Und dann war da noch die Großaufgabe Stundenplanerassistenz. Zu Beginn des Schuljahres fand sich niemand, der die Assistenz für die Stundenplanschieberei übernehmen wollte. Ist halt doch mehr Arbeit als „nur mal reingucken“. Mittlerweile sitze ich mit dem StevDirex am vierten Durchgang für die Planung eines neuen Schuljahres. So war es dann keine echte Herausforderung den Vertretungsplan im letzten Monat des Schuljahres mal eben so für 2 Wochen zu übernehmen. Womit niemand rechnete, weil der StevDirex und ich ja nie nicht krank werden, ist dann doch passiert. Krass, was man kann, wenn man muss. Denn mein Stundendeputat ist ja nicht weniger geworden. (Wobei ich aber denke, dass es trotzdem irgendwie gegangen wäre. Was aber sicher die Schulleitung ein wenig ins rotieren und rollieren gebracht hätte…) Meinem Selbstbild hat es ganz sicher nicht geschadet. Denn Untis und ich, wir sind jetzt echte Freunde geworden. :)

[2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 | Das war mein 5. Schuljahr in Vollzeit nach meinem Referendariat.]