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KW 6 (2020) // Was ich so mache im Sabbatjahr

Wie vielleicht schon an der ein oder anderen Stelle kommuniziert, bin ich in diesem Schuljahr im Sabbatjahr. Gewählt hatte ich die Version 3. Genauer heißt dies, zwei Jahre ansparen – in Vollzeit unterrichten und 66,67% der Bezüge erhalten, im dritten Jahr gar nicht unterrichten und die angesparten Bezüge ausgezahlt bekommen. Wer mag, kann sich hier die Regelungen zu den anderen Varianten (2-7 Jahre sind möglich) für SH durchlesen, wobei ich nicht glaube, dass es einen allzu großen Unterschied in den anderen Bundesländern gibt.

Ich bin dankbar über diese Möglichkeit der Burn-out-Prävention. Anders kann ich es nach nun einem halben Jahr Auszeit für mich nicht bezeichnen. Endlich komme ich mal wieder dazu, über mich und meinen weiteren Weg nachzudenken. Schlaf, Ruhe, keine Korrekturen, keine nervenden Kollegen, die immer wieder fragen, wie man sich im Landesnetz einwählt oder wie nochmal das mit den Fehlzeiten für die Zeugnisse war. Nein, nein, mir erging es wirklich nicht schlecht in den letzten Schuljahren. Ich habe viel ausprobieren können und viel erreicht; man hat mir viel zugetraut, ich habe mich nie um eine Arbeit gedrückt, mich vielleicht manchmal unabsichtlich überfordert, aber doch am Ende alles geschafft. Aber wo blieb ich? Meine Gesundheit? Meine Selbstentwicklung? Meine Berufsperspektive?

Viele denken, man muss im Sabbat unbedingt lange Reisen ins Ausland planen, ein Haus bauen, Kinder zeugen, vielleicht für eine Hilfsorganisation in Afrika arbeiten. Nein, niemand muss irgendetwas davon machen, man kann sich bewusst nur um sich selbst kümmern. Ich habe also gedacht, ich mache nur Pläne mit mir. Auch wenn sich der ein oder andere darunter etwas anderes vorstellt. Endlich war (und ist) Zeit für die Fortbildungen, die für die nächsten Berufsjahre mein Rollenbild prägen werden:

  • mein Dissertationsprojekt
  • Begabten- und Begabungsförderung an unserer Schule implementieren (der SET dazu war letzte Woche)
  • eine Lerncoaching-Ausbildung beginnen (im April geht es los)
  • mich in meinen Schwerpunkten in der Präventionsarbeit vertiefen (z. B. die Net-Piloten-Ausbildung)
  • die noch fehlenden Module zur Übernahme von Schulleitungsaufgaben vervollständigen.

Und es geht mir so, so, so gut damit. Es fiel mir schwer, ins Sabbat hineinzufinden. Die Zeit nach den Sommerferien war ein wenig wie auf Entzug (allein, mir fehlt zum Glück eine Referenz). Keiner von der Schule meldete sich, nur privat der ein oder andere. Niemand brauchte mich. (Was nicht stimmt…) Wahrscheinlich war der Urlaub mit meiner Sis in Kroatien ganz hilfreich, um abschalten zu können. Im September hatte ich mich dann ans Ausschlafen gewöhnt. Die Israelreise Ende Oktober war keine Anstrengung, sondern eine willkommene Abwechslung vom Alltag am Rechner und in der Bibliothek. Die Einträge von Anke Gröner motivieren mich jedes Mal mega, selbst weiter an meiner Promotion zu werkeln, auch wenn immer mal wieder das Hochstaplersyndrom aufblitzt. Allein das Jahr wird nicht reichen, um fertig zu werden, obwohl die Diss den Ausschlag gab, ein Sabbat einzulegen.

Wie geht es nach dem Sabbat weiter? Mit einer Reduzierung. Ich kann gut mit weniger Geld leben, habe aber dafür mehr freie Zeit für mich. Und erst einmal in absehbarer Zeit keine Rangelei um eine weitere Assistenz oder gar Funktionsstelle.

Heute ist der 10. Februar 2020, am 10. August 2020 ist mein erster „neuer“ Schultag. Bis dahin gibt es noch so viel Zeit für Selbstliebe.

2019 – Ein Rückblick

An den Weihnachtstagen familiär festgestellt, dass ich mittlerweile so alt bin, wie meine Mutter war, als ich zum Studium nach Potsdam ging. Verrückt, wie die Zeit vergeht.

Mit der (Wieder-)Vereinigung, der Wende und der Mentalität bzw. den zugeschriebenen Stereotypen der (ehemaligen) DDR-Bürger habe ich mich in diesem Jahr ziemlich intensiv auseinandersetzen wollen und können. Dankbar, ob all der Podcasts (vor allem diese beiden hier), den Zeitungsberichten und Sendungen im linearen TV. Dem Aufstieg der AfD nach drei Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern schaue ich mit Grauen und innerer Abwehr zu. Kommunikation in der Heimat darüber scheitert an ablehnenden Allgemeinplätzen – die Menschen sehen sich zu sehr als Opfer, nicht als Teilnehmer dieser Demokratie. Zu einfach ist es, sich auf den armen Ossi zu berufen, den die Treuhand bestohlen hat. Freunde, lesen bildet.

Auch wenn ich mich mit meinem Lebensstandard als eine der „Wendegewinnerin“ bezeichnen mag, glaube ich, dass viele Entscheidungen in meinem Leben natürlich stark von der Unsicherheit und den Umbrüchen nach 1989/90 geprägt sind: das Gefühl immer aktiv und beruflich mobil bleiben zu müssen, mich nicht ausruhen zu dürfen, weil nichts sicher und stabil schien und sich eher in Auflösung denn Neuordnung befand. Ich habe 2019 begriffen, dass ich mich selbst „erschaffen“ kann. Die Dinge sind doch immer so gekommen, wie ich sie beeinflusst habe oder angegangen bin. Es gab immer andere Optionen, die ich bewusst nicht gewählt habe.

Symbolbild 2019

Hüh! / Skulptur: Rolling Horse 

 

Zugenommen oder abgenommen?
Erst minus 10 kg, nun wieder das postoperatives Gewicht von 2018. Erneute TSH-Schwankungen inklusive. Aber die nächste Antwort bringt die Lösung.

Mehr bewegt oder weniger?
Weniger gelaufen, zu wenig geschwommen.

Haare länger oder kürzer?
Gleich lang. Aber am Budget für den Friseur merke ich schon die Inflation der letzten Jahre. Alter Falter sind das hohe Preise geworden.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Da ich nicht wie geplant beim Optiker war, keine Ahnung. Die zwei Gläser machen ihren Job, 2020 muss definitiv eine neue Brille her.

Mehr Kohle oder weniger?
Etwas mehr, weil die Umschuldung für das vermietete Häuschen griff. Eher aber +/- Null. Ich musste niemanden anpumpen, keine Sparpläne kürzen und keinen Konsumentenkredit aufnehmen, also (noch) alles gut.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Deutlich zuviel. ;)

Die teuerste Anschaffung(-en)?
Lenovo ThinkPad X1 Yoga, nur 3rd Generation – meine neue Arbeitsmaschine. Warum kein Surface? Auf Dauer braucht es eine vernünftige Tastatur für die Arbeit an der Diss.
Die Reise nach Israel, auch wenn das Ministerium knapp 30% bezuschusste.

Der hirnrissigste Plan?
Die Koordination der Organisation der Projektwoche ziemlich im Alleingang zu übernehmen und alles über meinen Tisch gehen zu lassen.
Die Wahl des neuen PR als Wahlleiterin zu initiieren und mich dann doch noch mit aufstellen zu lassen, damit tatsächlich eine Auswahl stattfinden kann.

Die „gefährlichste“ Unternehmung?
HSV vs. Dynamo Dresden
Bei Fridays for Future im September teilnehmen und mich von Eltern anpiepsen lassen, ob ich als Lehrerin das denn darf? Ja darf ich, ich bin im Sabbatical.

Das leckerste Essen 2019?
Ganz sicher dieses geile libanesische Menu in Israel.

Richtig teuer (und lecker!) war es bei Franceso und in der Vecchia Stazione.
Beim Sushi mal Mochis probiert… Hmmm.

Getränk des Jahres?
Wie bereits 2018: Mineralwasser aus Glasflaschen.

Das beeindruckendste Buch?
Jason Fung: Diabetes rückgängig machen
Ines Geipel: Umkämpfte Zone
Hans-Jörg Rheinberger: Historische Epistemologie zur Einführung
Hans Rosling: Factfulness
Erwin Schrödinger: Was ist Leben? Die lebende Zelle mit den Augen des Physikers betrachtet.
Weinstein/Sumeracki/Caviglioli: Understanding How We Learn: A Visual Guide
Anette Weiß: Rente ohne Roulette (Großer, großer Lesetipp für uns Frauen.)
– Man merkt mir die Jahresthemen in der Lektüreauswahl für den Rückblick an.

Der ergreifendste Film?
Anfang des Jahres „Tidying Up with Marie Kondo“ und „Star Trek Discovery“ auf Netflix weggesuchtet. Allein die Kombination bringt mich gerade sehr zum Schmunzeln…
Im Herbst bei „The Spy“ mitgefiebert. Im Israel-Rausch halt.
Im linearen Fernsehen war „Der kleine Nick“ eine Überraschung für mich. Dieser Mini-Hauptdarsteller! Wie konnte ich den bisher übersehen?!
Im Kino war ich, aber irgendwie sind nicht einmal die Titel hängen geblieben. Tja. Sonst halt Podcasts, Podcasts, Podcasts.

Die beste Musik?
Dido mit Take You Home – Ganz wie zu Studentenzeiten. Hallo G.!
Zalagasper mit Sebi – Der slovenische Beitrag zum ESC.
Sommerzeugs: Zero 7 mit Swimmers und Villagers mit Summer´s Song
Vielleicht deutsche Texte? Trettmann & KitschKrieg mit Stolpersteine oder doch Bonaparte mit Weinbar?

Das schönste Konzert? Der schönste (Comedy-)Auftritt?
Dr. Mark Benecke in Ludwigslust im Januar („Denken = schlecht, Messen = gut.“)
Verständliche Wissenschaft der HZG in Geesthacht im Februar
Die Nervensäge in Hamburg im April
Furor in Hamburg im Mai
Herbert Grönemeyer in Hannover im September
Methodisch inkorrekt in Hamburg im September

Die tollste Ausstellung?
„Wilhelm und Alexander Humboldt“ in Berlin im Deutsch Historischen Museum.

Die meiste Zeit verbracht mit …?
Vielleicht J.?

Die schönste Zeit verbracht mit …?
J. und meiner kleinen Schwester – wer soll sich da schon entscheiden müssen?

Der beste Sex?
Mutiert zur Teenager-Frage, ist doch jeder selbst für verantwortlich.

2019 nach langer Zeit wieder getan?
Sieben Tage Badeurlaub in einem ****Hotel.
Bei Herberts „Flugzeuge in meinem Bauch“ mitgesungen.
Ganze Tage am Stück verplempern und es „Konzentration auf das Wesentliche“ nennen.

2019 zum ersten Mal getan?
Ins Sabbatjahr gehen und die Auszeit wie einen langen Urlaub so richtig zu genießen.
Eine Promotion anmelden.
Jerusalem! Yad Vashem! Givat Haviva! Tel Aviv!

Drei (!?) Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Willys Tod.
Die ganzen nervigen Fragen, wie weit ich mit der Diss gekommen bin. (Als ob ich die mal eben runter schreibe.)
Schon wieder Fehlermeldungen von einer der Lambdasonden im Corsa. Ignorieren. Ignorieren. Ignorieren. Demnächst ist TÜV.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Die Vergangenheit hinter sich zu lassen. (Nur, das geht bekanntlich nicht.)

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Eine Ikone für meine Sis aus Jerusalem mitzubringen. Ein Eckschneider/Eckenabrunder für einen laminierfreudigen Kollegen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Immer und bedingungslos hinter mir zu stehen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Mach das. Du kannst das.“
„Schön, dass du da bist.“
„Mit mein bestes Pferd im Stall.“

Vorherrschendes Gefühl 2019?
Endlich kann ich jeden Tag ausschlafen.

2019 war in einem Wort / in einem Satz …?
Alles ist jetzt.

Mit den Worten Goethes springen wir nun hinüber nach 2020 und sammeln Inspiration für den nächsten Rückblick: „Das neue Jahr sieht mich freundlich an, und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir.“

[2018, 2017, 2016, 2015.]

Was zum Schuljahr 2018/19 festgehalten werden sollte

Diesmal ein relativ ausgeglichenes Schuljahr in der Verteilung der Unterrichtswochen im 1. und 2. Halbjahr: jeweils 19 Wochen. Ersichtlich ergaben sich Schwerpunkte in der Elternarbeit (viel mehr an Telefonaten und persönlichen Treffen), in der eigenen digitalen Professionalisierung (Arbeit mit ToDo, TeacherStudio und WeekView) bzw. Organisation von Projekten an der Schule. Immer wieder – wenn ich mit der Sammlung der harten Fakten subjektiven Mitschriften für diesen Eintrag hier beginne – bin ich überrascht, was sich so an Terminvielfalt und -dichte in einem Schuljahr wiederfinden lässt.

Zahlen, Daten, Fakten:

  • 3 Oberstufenkurse: 2 in Biologie, 1 in Geschichte (brachte 102 Klausuren, zum Teil Klausurersatzleistungen)
  • 8 Klassen in der Orientierungs- und Mittelstufe: 4 in Biologie, 3 in Geschichte, 1 in Medien und Öffentlichkeit (WaPf) bzw. im 2. Halbjahr durch Unterrichtsneuverteilung: 6 in Biologie, 1 in Geschichte, 1 in MedÖ (ablesbar wird: Biologie ist ein Mangelfach an unserer Schule…)
  • außer in Klasse 8 in jedem Jahrgang mindestens eine Klasse  bzw. einen Kurs unterrichtet
  • im 1. Halbjahr Notenverantwortung für 196 Schüler*innen, denen ich 257 Zeugnisnoten gab; im 2. Halbjahr dann für 211 Schüler*innen, denen ich 245 Zeugnisnoten gab
  • Klassenleitung (-sbeschäftigungstherapie in) einer 9. Klasse (Hauptthemen: „Erreiche ich die E-Phase?“ „Möchte ich in die E-Phase unserer Schulart?“ „Welches Profil nehme ich nur?“; quasi nebenbei lief das Betriebspraktikum und waren drei Austauschschüler*innen für mehrere Tage bzw. Monate zu integrieren; allein die herzlich-emotionale Sammlung an persönlichen Briefen und Erinnerungen für mich zum Ende des Schuljahres verdeutlichte mir erneut die Bedeutung einer Mittelstufen-Klassenlehrerin in dieser entscheidenden Phase der Schullaufbahn; richtig tolle Elternsprecher gehabt, die mir ein Mega-Feedback gegeben haben)
  • eine Klassenfahrt begleitet (Sylt mit zwei Fünften)
  • fünf Wandertagen beigewohnt (zwei davon selbst organisiert)
  • 15 Präventionsveranstaltungen/-teilnahmen für unsere Schulgemeinschaft organisiert/mitgemacht
  • 2 Schulkonferenzen, 2 Dienstbesprechungen, 2 Lehrerkonferenzen, 4 Fachschaftssitzungen, 20 Notenkonferenzen, 8 pädagogische Teambesprechungen, 1 Klassenkonferenz, (nur) 4 Elternabende, 2 Elternsprechtage, 2 Schulentwicklungstage (SE-Tage), 6 Termine des AK Projektwoche, 1 Einladung zum SEB, seit November 2018 1x wöchentlich SV-Sitzung sowie mindestens zwei Hände voll an weiteren terminierten Gesprächsanlässen mit Kolleg*innen und/oder Eltern und/oder Schüler*innen
  • 12 Prüflinge in Biologie als Vorsitzende oder via Protokoll durchs mündlichen Abitur begleitet
  • zwei Tage für ganztägige Fortbildungen frei bekommen, an sieben Terminen sechs weitere FoBis besucht
  • eine Projektwoche zusammen mit einem Schüler und einem weiteren Kollegen nahezu im Alleingang organisiert (administriert? delegiert?)
  • zehn Tage im 1. Halbjahr (u.a. der OP-Termin), zwei Tage im 2. Halbjahr (totale Erschöpfung) krank gemeldet

Bild von Sasin Tipchai auf Pixabay

Als hätte ich es bereits im Sommer erahnt und die FoBi zur  Gremienarbeit besucht, so sollte dieses Schuljahr ernsthaft umfänglich in der Arbeit im System werden. Bedingt durch eine Elternzeit war ich dieses Jahr Vorsitzende der Bio-Fachschaft, absehbar war, dass ich mich als Vertrauenslehrerin aufstellen lassen – allein der Zuspruch überraschte mich. Dritter Neubau: Personalrat. Im November wurde ich eher nebenbei Wahlvorstand, da ich bereits vor 4 Jahren die letzte Wahl begleitete, mir eh Verordnungen und Auswertungen liegen, da sich jedoch nur 5 mögliche Kandidaten für einen 5er-PR fanden, wollte ich natürlich auch eine ernsthafte Wahl ermöglichen, zack, ergänzten 2 weitere Kandidat*innen – inkl. meiner Person – den Wahlschein. Was soll ich viel schreiben? Seit Mai bin ich nun auch im Personalrat.

Mit Beginn des Schuljahres hatte ich angefangen die Vertretungsstunden akribischer aufzuschreiben, aber was bringt die Aufrechnung, wenn ich nicht weiß, wie viel mir durch schulorganisatorischer und nicht nur krankheitsbedingter Überschneidungen entfallen ist? Ersichtlich ist, dass ich mir wohl selbst in meiner Funktion als Stundenplanerassistenz sinnvollerweise häufig eine meiner drei Lieblingsklassen verpasst habe, damit sie nicht bei klassenfremden Kolleg*innen unnötige Vertretungen haben.

Untis und ich haben nach Ostern Abschied voneinander genommen. Nach vier Jahren Assistenz – und mit Aussicht meiner Abwesenheit im nächsten Schuljahr – war eine Nachfolge unabdingbar. Ja, im 1. Halbjahr gab es noch die ein oder andere Möglichkeit ganztägig den StevDirex zu vertreten, aber nun macht es halt jemand anderes. Vor allem jetzt in den ersten Sommerwochen hat mir die Stundenplanung für das neue Schuljahr aber bereits mächtig gefehlt. Ach, ach…

Hallo, Moin. Moin, Hallo. – Moin, Moin.

Worüber ich hier fast nie schreibe, ist mein Unterricht. Er ist und bleibt mein Dreh- und Angelpunkt. Mit gut geplanten Unterricht und einer ordentlichen Portion Humor möchte ich meine Schülerschaft von meinen Fächern, meiner Lebenseinstellung überzeugen können. Schüler*innen erwarten keine Mrs. Perfect, wenn sie mit mir zusammen neue Themenfelder erforschen, die ich z.T. ausdrücklich aussuche, sie aber dabei merken, dass sie sich einbringen müssen, dann wird es ein bleibendes Ergebnis geben.

Nunmehr also Ferien-Bergfest in SH und damit einhergehend die ewig ähnlichen Frames und Diskurse im Internet: 6 Wochen Ferien für Lehrer – warum; unterschiedliche Ferientermine in den Bundesländern – warum; Kündigung von in Zeitverträgen festhängenden Kolleg*innen – warum etc. pp. Die einen suchen noch nach Alternativen in ihren Feedback-Formaten, die anderen überlegen derweil, wie sie ihre neuen Sextaner begrüßen können. Danke, dass ihr mit mir auf mein Schuljahr zurückgeblickt habt. Für das nächste Schuljahr habe ich mir ein Stück Freizeit und Freiheit erarbeitet, ich werde ein Sabbatjahr einlegen. Vielleicht ergibt sich wieder mehr Zeit, dieses Blog zu befüllen. Schreiben werden ich auf jeden Fall viel, wenn nicht unmittelbar hier.

[2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 | Dies war mein 6. Schuljahr in Vollzeit nach dem Referendariat, womit ich mir meine 6 Wochen Ferien wohl in doppelter Hinsicht verdient habe.]

KW 5 (2019) // SET, Elternsprechtage, Wechsel in der Chefetage

Was alles hängen blieb. Da brauche ich mich über meinen schlechten Schlaf ab Mitte der Woche nicht wundern.

Montag
Beginn des 2. Halbjahres. Für das Kollegium zugleich SE-Tag (Schulentwicklungstag, einige Bundesländer sagen SchiLf dazu), unterrichtsfrei für unsere Schüler/innen. Langfristig wollen wir unser schulischen Leitbild verbessert nach außen präsentieren. G8/G9 hat so viel Ur-Vertrauen der Eltern in das Bildungssystem kaputt gemacht und verunsichert diese weiterhin derart, dass der Besuch eines Gymnasiums gerade von leistungsstarken Schüler/innen nicht mehr der Normalfall ist. Dabei vergessen die Eltern gern, dass nur am Gymnasium durchweg alle Natur- und Geisteswissenschaften bereits in der Orientierungs-/Mittelstufe als Einzelfächer unterrichtet werden. Im ersten Zeitfenster des SETs an der Darstellung unserer Berufs- und Studienvorbereitung gearbeitet. | Im zweiten Zeitfenster dann Fachschaftsarbeit – als Fachschaftsleitung habe ich unsere Biologen zur Grundreinigung unserer Sammlung motiviert bekommen. Yeah. | Zwei Kolleg/innen zu unterschiedlichen Themen angepfiffen, die sich mir gegenüber doch arg in der Wortwahl vergriffen. | Ab 14 Uhr Abschied des alten Chefs. Anderthalb doofe Reden, fünfeinhalb gute Reden gehört. | Die Rechauds zurückgebracht und das Kollegiums-Grünkohl bezahlt. | Zeit für Twinkle gefunden. | Ramen und delikate Sommerrollen genossen, einen Helium-Luftballon für H. gekauft. | Das Baby von N. ist da. OMG! Wie niedlich. Leider gleich mal Neugeborenengelbsucht erwischt. Aber alles wird gut.

Dienstag
Den neuen Perso abgeholt. Damit ist die letzte haptische Erinnerung an die Berliner Zeit ausgetauscht/verschwunden. Ich glaube, ich bin traurig. | Frau R. vom GA als Referentin für den GaBD gewonnen. | Sky heißt jetzt REWE. | Meine Neuner beim Beachhandball angefeuert. Den anderen Klassen mit schweren Tests gedroht, wenn nicht dann so und überhaupt… ;) Trotzdem nur 2x den 2. Platz belegt. Meine beste Handballerin war ja auch krank. Was solls. | Mail an den SEB-Vorsitz aufgrund seiner Rede vom Vortag. Jetzt haben wir Lehrer Redebedarf. | Geburtstags-Käffchen ohne Kuchen bei H.  | Viel Unterricht vorbereitet. | Anruf von Dr. H. zum Medienelternabend und zwecks Termin beim SEB. | Mit Wanderlust bei Netflix begonnen. Ein Wiedersehen mit Toni Collette. Wobei mir der Nebenstrang mit dem Sohn des Hauses besonders gut gefällt. | Sehr schlecht ein- und kaum durchgeschlafen.

Mittwoch
Mit dem Stundenplanwechsel habe ich nun mittwochs eine Doppelstunde Zeit für meine Vertretungsplanerassistenz, nächste Woche fehlen z.T. 5 KuKs. Clickbaiting in Untis. | Mich bei der Gelegenheit nochmal persönlich und gänzlich subjektiv vom Chef verabschiedet. Feuchte Augen hatte ich bisher nie bei ihm gesehen. Ich habe seiner undogmatischen Art, jedem seinen Freiraum zu belassen, sehr viel zu verdanken. Wer weiß, ob ich mich unter einem anderen Chef so hätte entwickeln können. Meine Ideen waren immer willkommen, ich konnte mich stets ausprobieren. | Die 7er neu in Bio übernommen. Systemebenen besprochen. | Mich mit der Praktikantin über Vorbilder im Lehrerberuf ausgetauscht. | Von 15 -18 Uhr acht Elterngespräche geführt. Eins halbstündig im Kontext der schriftlichen Missbilligung. Zwischendurch Zeit gefunden, Mails zur Projektwoche zu beantworten. | Noch anderthalb Stunden privat telefoniert.

Donnerstag
Den schlechten Schlaf der Nacht zuvor nachgeholt. Unterricht von 8 bis 16 Uhr. | Mein E-Kurs hat sich von 23 auf 15 SuS reduziert. Intensivst über die Motivation des Schulwechsels diskutiert. Was wir auch schon gemacht haben, als die Abgänger noch im Kurs saßen. Es hatte sich ja angedeutet. Meine Meinung: Das Gymnasium führt in erster Linie zum Abitur und bereitet auf ein Studium vor. Einige sind definitiv mit falschen Erwartungen in unsere Oberstufe gegangen, enttäuscht von der Zuteilung der Kolleg/innen in den Kursen, von den Leistungserwartungen an eine Oberstufenklasse. (Am Ende sind natürlich wir Lehrer/innen Schuld. Siehe SE-Tag, da ist viel zu tun…) Dankbar bin ich, dass diese Schüler/innen mir so vertrauen und offen kommunizieren.  | Eine eher entäuschende Klausurersatzleistung in Bio gehört. Was halb erwartbar war, da ich nicht wie vorgegeben, zwei Tage vorab Dokumentation, Handout und Präsentation zugeschickt bekam. | SV-Sitzung in der Mittagspause. Im neuen Raum. Ein neuer ambitionierte Plan der SuS ist, eventuell Fridays for Future in G-Town zu organisieren. Ich supporte, wo ich kann. | Ein richtig, richtig gutes Referat zur Revolution und Verfassung von 1848/49 ausgearbeitet bekommen. Spontanes Klatschen der Q1 nach dem Vortrag. So muss das sein. | Planung des Sextaner-Infotages. | Kurz mit R. und N. getextet.| Viel Unterricht vorbereitet. | Lange mit J. getextet. Gefühlsebenen auf beiden Seiten sortiert. | Später beim Bergdoktor erschöpft auf der Couch eingepennt.

Freitag
Dienstversammlung in der 1. Stunde, die neue Chefin hat sich vorgestellt. Sehr offene Vorstellung. Ich bin gespannt. | Alle Zeugnisse meiner Neuner ausgetauscht. Natürlich fanden die Zeugniskonferenzen erst 2019 statt, nicht schon 2018. | Zeit gefunden, mit dem Schulsozialarbeiter einige Brandherde zu besprechen. | Mit den Quintanern neu in die Wirbeltier-Systematik eingestiegen. Inklusive neuem Sitzplans, der für lange Gesichter sorgte. |  Von 14:30-18:30 vierzehn Elterngespräche geführt, davon zwei ca. halbstündig. Drei Elternteile für den GaBD gewonnen. | Abendessen beim Griechen in kollegialer Runde. Anti-Stress-Therapie von der besten Sorte. | Mit G. nach Hause gegangen und die Woche nachbesprochen. | Einsicht: Man hätte mir das Smartphone wegnehmen sollen. Unnötigerweise aus dem Erschöpfungsimpuls heraus getextet.

Samstag/Sonntag
Um 5 Uhr wach gewesen. Den Feedreader leer gelesen. | Gegen 10 Uhr wirklich aufgestanden. | Kein Frühstück, da Geburtstagsmittag bei H. und I. anstand. C. hatte ihre Hündin dabei, nettes Ding – Katzen finde ich trotzdem sinnvoller. ;) Die Enkelkinder mussten leider für die Prüfungen lernen. Über mein Sabbatjahr und die OP gesprochen. | Bundesligakonferenz gehört, nebenbei Hausputz und Wäsche. | Mit den Eltern, Frau P. und mit A. telefoniert. | Ich bin nicht das, aber mein eigenes Problem. | Mit R., F., J., F. und A. getextet. | Drei Folgen Discovery geschaut. | Wieder eine miese Nacht verbracht. | Lange gefrühstückt. Ein wenig Meal Prep für Montag/Dienstag vorgenommen. | Die Sonne trieb mich doch noch raus. Anderthalb Stunden spazieren gewesen, die Pferdemädchen besucht und Eis gegessen. Eine sehr gute Idee. | Mit I. die vortägliche Familienrunde bequatscht. | Wenig Unterricht vorbereiten müssen. | Viel gelesen. | Viel geplant. Dabei die To-Do-Listen bereinigt. | Gebloggt. | Nun einen Gang runterschalten und den Abend genießen aushalten.

KW 1-2 (2019) // Wochenmotto: #konmari

Das Arbeitszeitkonto habe ich mit meiner 9-Tage Woche wohl mehr als gut ausgereizt. Die offiziell erste Woche war jeden Tag von kurz nach 7 bis 17 Uhr mit Arbeit an der Schule vollgestopft. Am Mittwoch sogar bis 19 Uhr. Manchmal ist es halt Wahnsinn. Zum Teil selbstgemachter Wahnsinn. Der anstehende Notensch(l)uss und ein minimaler (trotzdem nervender) Korrektur-Rückstau durch zu viel Erholung nach der OP, die vorweihnachtlich organisierten eigenverantwortlichen Arbeiten in drei Klassen rauschten per Mail rein, der ganz normale Orgakram (Projektwoche, schulinterne Girls‘ und Boys‘ Day, Medienelternabend, unterrichtliches Alltagsgeschäft) gab den Rest dazu. Selbst für Untis blieb keine wirkliche Zeit. Am Freitag war ich so platt, dass ich förmlich ins Bett kroch – #IBES war eh keine echte Alternative – um dort nahezu den ganzen Samstag mit Fieber/Schüttelfrost zu verbleiben. Zumindest mein Körper ist ehrlich zu mir. Heute Morgen war alles wieder gut.

Für die Statistik: 256 Halbjahresnoten für 195 SuS in 11 Kursen/Klassen. Zwei Klassen habe ich in Bio und Geschichte. Acht SuS neben Bio und Geschichte zudem im Wahlpflichtbereich. Natürlich kenne ich alle SuS mit Namen, aber kenne ich alle? Unterrichtlich ja, sonst eher etwas mehr als die Hälfte. Aber Begründungen dazu würden gerade meinen zeitlichen Rahmen sprengen.

In KW 1 war nebenbei Zeit für diese Aufräumsendung acht Folgen Hauswirtschaft auf Netflix übrig. Mein Leben ist Konmari!!11! Seit Jahren! Auch wenn ich meine Wäsche nicht so falte, sorry. Offensichtlich habe ich nur „kleinere Schwächen“ im Bereich „Wie sieht dein idealer Lebensstil aus?“ (Hmmm, was will ich? Muss das sein? Ist es nicht eh so ideal, wie ich lebe?) und im Themenfeld Kleinkram/Erinnerungsstücke. Meine Sammelwut im Büro ist grenzenlos. Aber 3x umgezogen ist wie 1x abgebrannt, da bleibt keine Zeit für Zeugs. Was mir gefällt ist diese „Does it spark joy?“-Frage. Sollte man sich wohl grundsätzlich häufiger stellen – nicht nur bei beweglichen Dingen.

Die Rechnung für die Gallen-OP ist eingetrudelt. Ordentliche 3.800€ für zwei Nächte mit Vollpension im Krankenhaus. Ja, die PKV und die Beihilfe werden mich unterstützen, trotzdem rauscht mir nebenbei der Widerspruch aus dem Handgelenk. Mal schön ein Einzelzimmer abgerechnet bekommen, obwohl ich die Zeit im Doppelzimmer verbrachte. *krückstockfuchtel* Vielleicht wurde mir N. einfach als Unterhaltungsprogramm angerechnet? Der Genesung hat es auf jeden Fall nicht geschadet, dass wir unseren Spaß hatten.