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2021 – Ein Rückblick

Gerade per Bahn auf dem Heimweg von Heidelberg nach G-Town. Burg an Burg, Kirche an Kirche, Haus um Haus reihen sich hier am Rhein wie eine Perlenkette auf, ist schon ein bisschen anders als bei uns im Norden an der Elbe. Das erste Mal in meinem Leben einen „echten“ Blick auf die Loreley geworfen. Das Historikerinnen-Herz pocht. :)

Und 2021? Viel Corona-Mist erlebt. Im System Schule mehr und mehr das Gefühl der Beschäftigungs- und Verwahranstalt bekommen, aber auch sehr, sehr große Veränderungen in der Kernfamilie erleben und gestalten müssen. Auf einmal bin ich die, die die Dinge für die Eltern regelt. Meine Zeit in der Schule ist ebenso anspruchsvoll geworden: Schulentwicklung, PR, SV, Distanzlernkonzepte, Begabtenförderung, schulinternes Testzentrum und Gesundheitsamt. Da wird das Kerngeschäft Unterricht mal schnell zur Erholung im Alltag. Die Anstrengungen zu beide Themen verteilten sich aber zum Glück ganz gut über das erste bzw. zweite Halbjahr. 2021 hat mich sehr erschöpft. Die Sommerferien waren bitter nötig, dann kam der Zusammenbruch bei meiner Mutter. Gut war, dass ich auch im Schuljahr 2021/22 mit leicht reduziertem Deputat unterwegs war/bin und ich daher stets Montag frei habe.  

Symbolbild 2021

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#Distanzlernen

Zugenommen oder abgenommen?
Es bleibt im unzufriedenen Bereich, in dem mich alle kennen, ich mich auf Fotos unerträglich finde. Es fehlte im ganzen anderen Wahn des Jahres, Zeit für den Körper.

Mehr bewegt oder weniger?
Ganz gut rumgelaufen, zu wenig geschwommen. Vielleicht sollte ich mal den Megamarsch in Hamburg auf die ToDo setzen? Wandern hat sich irgendwie etabliert.

Haare länger oder kürzer?
Wegen Maskenalarm erst länger, kann sie so gut hochbinden. Jetzt zum Jahresabschluss wieder gekürzt.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Es endlich nach 5 Jahren mal wieder zum Augenarzt geschafft. Mit einem Rezept für einen neue Brille spekuliert… Aber nix da, an meinen Werten hat sich nichts geändert.

Mehr Kohle oder weniger?
Durch meine strikte Inventur aller Budgets in 2020 und die ETF-Sparpläne zeigt die Performance-Linie nach oben. Rebalancing ist demnächst angesagt. Eigentlich sollte es bereits zum Sommer A14 geben, da steht jedoch noch die juristische Entscheidung für Platz 2 oder 3 an unserer Schule aus.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Zu wenig für schöne Sachen.

Die teuerste Anschaffung(-en)?
Ein Gefrierschrank, ein Kühlschrank.

Der hirnrissigste Plan?
Eine der drei Fachaufsichten in Biologie #eduSH zu übernehmen.

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Jeder Briefumschlag eine Schule mit jeweils vier Vorschlägen für das schriftliche Bio-Abitur.

Die „gefährlichste“ Unternehmung?
3x gegen Corona geimpft worden.
Mit dem alten Corsa zwischen G-Town und dem Spreewald pendeln.

Das leckerste Essen 2021?
Alles Selbstgekochte an unseren Samstagabenden. Raw like Suhi in Hamburg. Der neu entdeckte Italiener beim Golfplatz. Mister Ti. Nomnomnom.

Getränk des Jahres?
Leichte Schorle Apfel-Birne von Bad Liebenwerda.

Das beeindruckendste Buch?
.
[Nur Zeugs für die Schule gelesen.]

Der ergreifendste Film?
Im linearen Fernsehen „Ich bin dein Mensch“ gesehen. Sonst ist nicht viel nichts in Erinnerung geblieben.

Die beste Musik?
Tocotronic mit Soap&Skin Ich tauche auf
Ziemlich genial: The Kiffness Cat Jams
The War on Drugs I don’t live here anymore
Curtis Harding I won’t let you down
Für meine Dance-Seele:
Who made Who Abu Simbel
KNTRL Just Words

Das schönste Konzert? Der schönste (Comedy-)Auftritt?
.
[Pandemie und so.]

Die tollste Ausstellung?
Museumsgang zur Evolution der eukaryotischen Zelle in der Ec. ;)

Die meiste Zeit verbracht mit …?
Familienthemen und -menschen.

Die schönste Zeit verbracht mit …?
Sehr sicher J., sehr sicher unsere Sonntagmorgen.

Der beste Sex?
Ja.

2021 nach langer Zeit wieder getan?
Monatlich 1-2x im Elternhaus zu sein.

2021 zum ersten Mal getan?
Mehrere Klassen an einem Tag online unterrichten.
Pflegegrad beantragen.
Meine Schwiegerfamilie kennengelernt.
In Finnland nackt im See geschwommen.
Auf der Schulkonferenz mit einer unentspannten Äußerung die Elternschaft zum Kochen gebracht.
Papa ein Seniorenhandy eingerichtet und gezeigt, wie die Waschmaschine funktioniert.

Drei (!?) Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
1. Die Vorsorge-/Generalvollmacht ziehen zu müssen und Mutti aufgrund ihres geistigen Abbaus, ihrer räumlichen und zeitlichen Desorientierung amtsrichterlich über mehrere Monate in der Neurologie zu belassen. Im Januar ist sie noch Auto gefahren.
2. Mama von ihrem Zuhause nach 45 Jahren abzumelden, nachdem ich entschieden habe, was sie alles in einem Pflegeheim brauchen wird.
3. Erstes Weihnachten ohne Mutti, erstes Silvester ohne ein Telefonat und Neujahrsgrüße von Mama und Papa. Aber sie ist körperlich noch da, zum Glück. Manchmal, einen kleinen Mini-Augenblick lang, habe ich das Gefühl, sie versucht sich uns mit aller Kraft noch mitzuteilen. Wahrscheinlich interpretiere ich unbewusst mehr hinein, weil sie mir so krass als Ansprechperson fehlt.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
[… und geschafft habe.] Mama in das etwas weiter entferntere, teurere, aber insgesamt bessere Pflegeheim zu geben. Dort wird sie inklusive Neurologe und Hausarzt versorgt, der personelle Verteilungsschlüssel ist deutlich zugewandter und es gibt einen speziellen Therapieansatz für ihre Lewy-Body-Demenz.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Kümmern. Sicherheit. Alles im Blick behalten. Den Lebensabend organisieren.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Meine vielen Tränen stets an seiner Schulter trocknen zu können.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Du kümmerst dich gut.“
„Du hast alles richtig gemacht.“

Vorherrschendes Gefühl 2021?
1. Halbjahr: Nicht schon wieder eine Videokonferenz.
2. Halbjahr: Wie geht es (weiter mit) Mama?

Was ich 2021 über mich gelernt habe?
In der aller größten Aufregung finde ich Sicherheit in organisatorischen Abläufen. So lange es „vorangeht“ und ich Prozesse gestalten kann, ist es für mich zudem einfacher, emotional anstrengende Situationen zu verarbeiten.

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Teeweisheiten

2021 war in einem Wort / in einem Satz …?
Pure Kraftanstrengung und work, work, work.

[Hier geht es zu den alten Beiträgen: 2020 nur als Fotorückblick existent, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015.]

Impftermin Nr. 1

Letzte Woche Donnerstag ergattert! 60.000 Termine für eine Erstimpfung von Prio 3 gab es. LehrerInnen der weiterbildenden Schulen gehören hier in SH dazu. Ich war leider chancenlos, aber wir hatten uns auf eine kollegiale Dreierkette geeinigt: J. hatte mehr Glück. Unser Glück. <3 Vor Aufregung und Vorfreude noch Mittwoch mit Dienstag vertauscht in der Kommunikation mit Freunden.

Anzahl Nutzer vor Ihnen. 😱
Vorbereitung.

Gestern dann der Termin in Mölln, nicht mal in G-Town, aber völlig egal. Für sowas fährt man dann gern 40 Minuten je Strecke. 15 Uhr vor Ort, 15:12 Uhr BioNTech geimpft bekommen, 15:35 Uhr Abfahrt nach Hause. Auf dem Rückweg noch ein Eis bei REWE auf dem Parkplatz. Wir können es gar nicht glauben.

Nebenwirkungen in der SafeVac-App vom Paul-Ehrlich-Institut eingegeben: Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit und leichtes Kopfweh.

„Der Arm wird schwerer, das Herz jedoch leichter.“ (Zitat einer Kollegin von einer Ärztin aus dem Impfzentrum in HH.) Follow up am 16. Juni.

KW 13-15 (2020) // Coronafestwochen vor Ostern

Den Begriff Coronafestwochen gleich von Herrn Buddenbohm adaptiert („adoptiert“). Mal alles als ein Fest zu betrachten, auf welchem wir uns nicht umständlich in Konversationen vertiefen müssen. Diese ganzen Sozialkontakte liegen uns eh nicht. Dieser feierliche Blick ist für die uns sonst so getriebenen Introvertierten eigentlich eine sehr schöne alternative Umschreibung.

In Zeiten, wie diesen, wo alles abstrakt weit weg („Es betrifft häufiger Menschen über 70, aber vermehrt männlichen Geschlechts.“) und doch so nah scheint („Risikogruppe mit 5% Sterbewahrscheinlichkeit“) hilft manchmal auch nur der kritisch-ironische Blick von Gunter Dueck. Oder dieser Thread von Markus Barth.

Dieser ganze gequirlte Berichterstattung rund um eine falsch verstandene Systemrelevanz (Vorschlag: „systemkritische Berufe“ oder „Personal kritischer Infrastrukturen“, denn systemrelevant sind wir alle) und Impfstoffen bitte nächste Woche und Herdenimmunität sowieso als phänomenale Hauruck-Idee. Dazu der Wissenschafts(anti-)diskurs, wo Wissenschaftlern unterstellt wird, sie würden weitreichende Entscheidungen treffen (und damit wäre jetzt mal wieder Schluss!1!!11) oder gar die Arbeit/Forschung von anderen zerreißen. Nein, Entscheidungen treffen immer noch Politiker und Wissenschaft kommuniziert anders als Blöd und Tatzi es sich in ihrer journalistischen Kleinstwelt vorstellen können. (Notiz: In die Einleitung der Diss aufnehmen!)

Abiturklausuren: Große Aufregung in der digitalen Kollegiumsgruppe. Erst sagt Frau Prien, Abitur findet in SH nicht statt, dafür bekommt sie wohl in der Gruppe der Bildungsminister:innen mächtig verbale Schelte. Na gut, also kommt ein Plan heraus, wann welches Abitur geschrieben wird (weiterhin wird das mündliche Abitur nie erwähnt, höchstens die Sprechprüfungen für das Englisch-Abitur sind berücksichtigt), die Profil-Lehrer sollen genügend Ersatzklausuren einplanen… Nun tritt Frau Gebauer für NRW auf den Plan, die eventuell in Erwägung zieht, kein Abitur zu schreiben. Offene Briefe aus den öPRs der umliegende Schulen und einiger Schülervertretungen folgen. Ich bin gespannt, worauf man sich nach Ostern einigen wird. Wen hätte es den Zacken aus der Krone gebrochen, alle Abschlussprüfungen in diesem Jahr abzusagen? Alles ist außer Rand und Band, aber Prüfungen sind relevant. Systemrelevant. (Die Schultern zuckender Abgang. Ich bin ja im Sabbat!)

Lieferengpässe bei Medikamenten: Seit 2008 bzw. 2013 bin ich wegen zweier Autoimmunkrankheiten in Behandlung. In der Konsequenz brauche ich regelmäßig Medikamente. In dem einen Fall L-Thyroxin, im anderen Metex und dessen Antagonist Folsäure. Noch in KW 12 habe ich von meinen Ärzten die Rezepte angefordert, was mittlerweile per Mail und Post unproblematisch aus der Entfernung geht. Doch die Bestellung in der Apotheke war das Problem. Das Metex konnte über drei Ecken gut besorgt werden, Folsäure als eigentliches Nahrungsergänzungsmittel (wie mir die Beihilfe immer klar machen will…) gab es unproblematisch, beim Schilddrüsenmedikament muss ich nun etwas kreativ in der Einnahme/Zusammenstellung sein. Eigentlich brauche ich 137,5 Mikrogramm, verfügbar war 100 Mikrogramm.

Familiy: Mom war nun 5 Wochen in der neurologischen Abteilung der heimatnächsten Klinik. Sie hatte in den letzten Jahren schleichend mehr und mehr neurologische Aussetzter, dazu noch einen unterschiedlich starken Tremor (Zittern) in den Händen. Corona hat es in der Art schwieriger gemacht, dass meine Sis und ich nicht in den Spreewald fahren (wollten). Aber sie eh nicht im Krankenhaus hätten besuchen können. Nicht mal meinen Vater haben sie nach dem 20.3. noch zu ihr durchgelassen. Zumindest haben wir als Familie nun eine Diagnose, mit der wir etwas Klarheit haben, aber die Auseinandersetzung damit braucht noch etwas. Und wir sind noch ganz am Anfang der Krankheit. Für das Thema an sich gab es kürzlich den Goldenen Blogger, ich ahnte schon länger, dass es eventuell in diese Richtung geht. Ich lese bei Peggy seit einem Jahr mit und fand ihre Links auf der Das-bin-ich-Seite nun erst recht nützlich.

Steuererklärung und Aufräumen der Finanzen: Ich musste ja eh viel mit Papa telefonieren. Was ich mega gern getan habe, weil mit ihm – ohne Mama im Nacken – telefonieren richtig Spaß macht. Die kleine Plaudertasche. Also hat er mir alle Briefe für die BK-Abrechnung für meine Mieter nach Gee geschickt. Nach meiner Belegsortiererei Anfang März habe ich noch zweieinhalb Tage Heimarbeit gebraucht, um den ganzen Kram zu erledigen. Die avisierte Summe macht prächtigst Laune und ist bitter nötig für den aktuellen Kontostand im Dispobereich. Endlich die Zeit genommen alle Sparpläne, Anschriften, Zuteilungen und Raten zu überprüfen. Einige Anpassungen vorgenommen. Im Vorsorgerechner von SH geschaut, welche (theoretischen) Bezüge ich zum August 2045 erwarten kann, dazu noch die Ansprüche der gesetzlichen RV theoretisch durchgepimpt und in der Konsequenz meinen eigenen Rentenlücke ausgerechnet. Womit man sich so beruhigt während C. Das war einer meiner Ansätze.

Einkaufen und Kochen: Welche Hobbys einem noch bleiben? Nun ja. Backen kann ich auch super. :)

Käsekuchen

Vielleicht noch etwas rumprimen oder netflixen? Star Trek: Picard und die 3. Staffel von The Crown beendet. Nach Paella und reichlich Weißwein auf The Big Lebowski eingelassen, 22 Jahre nur theoretisch über einen Film bescheid zu wissen, war keine Lösung mehr. Ich müsste mal wieder Kahlúa kaufen. White Russian war im B-West der Standard-Drink in meiner Kellnerzeit. Mich mit J. zusammen an den Film Systemsprenger getraut, kollegiale Fortbildung sozusagen. Boah, nicht einmal ein Horrorfilm hätte mir die Nacht danach so zerhauen können. Wie viele Folgen von Rote Rosen sind noch auf Lager?

30. März vs. 10. April 2020

Blick aus dem Küchenfenster

Schöne Ostern!

KW 6 (2020) // Was ich so mache im Sabbatjahr

Wie vielleicht schon an der ein oder anderen Stelle kommuniziert, bin ich in diesem Schuljahr im Sabbatjahr. Gewählt hatte ich die Version 3. Genauer heißt dies, zwei Jahre ansparen – in Vollzeit unterrichten und 66,67% der Bezüge erhalten, im dritten Jahr gar nicht unterrichten und die angesparten Bezüge ausgezahlt bekommen. Wer mag, kann sich hier die Regelungen zu den anderen Varianten (2-7 Jahre sind möglich) für SH durchlesen, wobei ich nicht glaube, dass es einen allzu großen Unterschied in den anderen Bundesländern gibt.

Ich bin dankbar über diese Möglichkeit der Burn-out-Prävention. Anders kann ich es nach nun einem halben Jahr Auszeit für mich nicht bezeichnen. Endlich komme ich mal wieder dazu, über mich und meinen weiteren Weg nachzudenken. Schlaf, Ruhe, keine Korrekturen, keine nervenden Kollegen, die immer wieder fragen, wie man sich im Landesnetz einwählt oder wie nochmal das mit den Fehlzeiten für die Zeugnisse war. Nein, nein, mir erging es wirklich nicht schlecht in den letzten Schuljahren. Ich habe viel ausprobieren können und viel erreicht; man hat mir viel zugetraut, ich habe mich nie um eine Arbeit gedrückt, mich vielleicht manchmal unabsichtlich überfordert, aber doch am Ende alles geschafft. Aber wo blieb ich? Meine Gesundheit? Meine Selbstentwicklung? Meine Berufsperspektive?

Viele denken, man muss im Sabbat unbedingt lange Reisen ins Ausland planen, ein Haus bauen, Kinder zeugen, vielleicht für eine Hilfsorganisation in Afrika arbeiten. Nein, niemand muss irgendetwas davon machen, man kann sich bewusst nur um sich selbst kümmern. Ich habe also gedacht, ich mache nur Pläne mit mir. Auch wenn sich der ein oder andere darunter etwas anderes vorstellt. Endlich war (und ist) Zeit für die Fortbildungen, die für die nächsten Berufsjahre mein Rollenbild prägen werden:

  • mein Dissertationsprojekt
  • Begabten- und Begabungsförderung an unserer Schule implementieren (der SET dazu war letzte Woche)
  • eine Lerncoaching-Ausbildung beginnen (im April geht es los)
  • mich in meinen Schwerpunkten in der Präventionsarbeit vertiefen (z. B. die Net-Piloten-Ausbildung)
  • die noch fehlenden Module zur Übernahme von Schulleitungsaufgaben vervollständigen.

Und es geht mir so, so, so gut damit. Es fiel mir schwer, ins Sabbat hineinzufinden. Die Zeit nach den Sommerferien war ein wenig wie auf Entzug (allein, mir fehlt zum Glück eine Referenz). Keiner von der Schule meldete sich, nur privat der ein oder andere. Niemand brauchte mich. (Was nicht stimmt…) Wahrscheinlich war der Urlaub mit meiner Sis in Kroatien ganz hilfreich, um abschalten zu können. Im September hatte ich mich dann ans Ausschlafen gewöhnt. Die Israelreise Ende Oktober war keine Anstrengung, sondern eine willkommene Abwechslung vom Alltag am Rechner und in der Bibliothek. Die Einträge von Anke Gröner motivieren mich jedes Mal mega, selbst weiter an meiner Promotion zu werkeln, auch wenn immer mal wieder das Hochstaplersyndrom aufblitzt. Allein das Jahr wird nicht reichen, um fertig zu werden, obwohl die Diss den Ausschlag gab, ein Sabbat einzulegen.

Wie geht es nach dem Sabbat weiter? Mit einer Reduzierung. Ich kann gut mit weniger Geld leben, habe aber dafür mehr freie Zeit für mich. Und erst einmal in absehbarer Zeit keine Rangelei um eine weitere Assistenz oder gar Funktionsstelle.

Heute ist der 10. Februar 2020, am 10. August 2020 ist mein erster „neuer“ Schultag. Bis dahin gibt es noch so viel Zeit für Selbstliebe.

2019 – Ein Rückblick

An den Weihnachtstagen familiär festgestellt, dass ich mittlerweile so alt bin, wie meine Mutter war, als ich zum Studium nach Potsdam ging. Verrückt, wie die Zeit vergeht.

Mit der (Wieder-)Vereinigung, der Wende und der Mentalität bzw. den zugeschriebenen Stereotypen der (ehemaligen) DDR-Bürger habe ich mich in diesem Jahr ziemlich intensiv auseinandersetzen wollen und können. Dankbar, ob all der Podcasts (vor allem diese beiden hier), den Zeitungsberichten und Sendungen im linearen TV. Dem Aufstieg der AfD nach drei Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern schaue ich mit Grauen und innerer Abwehr zu. Kommunikation in der Heimat darüber scheitert an ablehnenden Allgemeinplätzen – die Menschen sehen sich zu sehr als Opfer, nicht als Teilnehmer dieser Demokratie. Zu einfach ist es, sich auf den armen Ossi zu berufen, den die Treuhand bestohlen hat. Freunde, lesen bildet.

Auch wenn ich mich mit meinem Lebensstandard als eine der „Wendegewinnerin“ bezeichnen mag, glaube ich, dass viele Entscheidungen in meinem Leben natürlich stark von der Unsicherheit und den Umbrüchen nach 1989/90 geprägt sind: das Gefühl immer aktiv und beruflich mobil bleiben zu müssen, mich nicht ausruhen zu dürfen, weil nichts sicher und stabil schien und sich eher in Auflösung, denn Neuordnung befand. Ich habe 2019 begriffen, dass ich mich selbst „erschaffen“ kann. Die Dinge sind doch immer so gekommen, wie ich sie beeinflusst habe oder angegangen bin. Es gab immer andere Optionen, die ich bewusst nicht gewählt habe.

Symbolbild 2019

Hüh!

Zugenommen oder abgenommen?
Erst minus 10 kg, nun wieder das postoperatives Gewicht von 2018. Erneute TSH-Schwankungen inklusive. Aber die nächste Antwort bringt die Lösung.

Mehr bewegt oder weniger?
Weniger gelaufen, zu wenig geschwommen.

Haare länger oder kürzer?
Gleich lang. Aber am Budget für den Friseur merke ich schon die Inflation der letzten Jahre. Alter Falter sind das hohe Preise geworden.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Da ich nicht wie geplant beim Optiker war, keine Ahnung. Die zwei Gläser machen ihren Job, 2020 muss definitiv eine neue Brille her.

Mehr Kohle oder weniger?
Etwas mehr, weil die Umschuldung für das vermietete Häuschen griff. Eher aber +/- Null. Ich musste niemanden anpumpen, keine Sparpläne kürzen und keinen Konsumentenkredit aufnehmen, also (noch) alles gut.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Deutlich zuviel. ;)

Die teuerste Anschaffung(-en)?
Lenovo ThinkPad X1 Yoga, nur 3rd Generation – meine neue Arbeitsmaschine. Warum kein Surface? Auf Dauer braucht es eine vernünftige Tastatur für die Arbeit an der Diss.
Die Reise nach Israel, auch wenn das Ministerium knapp 30% bezuschusste.

Der hirnrissigste Plan?
Die Koordination der Organisation der Projektwoche ziemlich im Alleingang zu übernehmen und alles über meinen Tisch gehen zu lassen.
Die Wahl des neuen PR als Wahlleiterin zu initiieren und mich dann doch noch mit aufstellen zu lassen, damit tatsächlich eine Auswahl stattfinden kann.

Die „gefährlichste“ Unternehmung?
HSV vs. Dynamo Dresden
Bei Fridays for Future im September teilnehmen und mich von Eltern anpiepsen lassen, ob ich als Lehrerin das denn darf? Ja darf ich, ich bin im Sabbatical.

Das leckerste Essen 2019?
Ganz sicher dieses geile libanesische Menu in Israel.

Richtig teuer (und lecker!) war es bei Franceso und in der Vecchia Stazione.
Beim Sushi mal Mochis probiert… Hmmm.

Getränk des Jahres?
Wie bereits 2018: Mineralwasser aus Glasflaschen.

Das beeindruckendste Buch?
Jason Fung: Diabetes rückgängig machen
Ines Geipel: Umkämpfte Zone
Hans-Jörg Rheinberger: Historische Epistemologie zur Einführung
Hans Rosling: Factfulness
Erwin Schrödinger: Was ist Leben? Die lebende Zelle mit den Augen des Physikers betrachtet.
Weinstein/Sumeracki/Caviglioli: Understanding How We Learn: A Visual Guide
Anette Weiß: Rente ohne Roulette (Großer, großer Lesetipp für uns Frauen.)
– Man merkt mir die Jahresthemen in der Lektüreauswahl für den Rückblick an.

Der ergreifendste Film?
Anfang des Jahres „Tidying Up with Marie Kondo“ und „Star Trek Discovery“ auf Netflix weggesuchtet. Allein die Kombination bringt mich gerade sehr zum Schmunzeln…
Im Herbst bei „The Spy“ mitgefiebert. Im Israel-Rausch halt.
Im linearen Fernsehen war „Der kleine Nick“ eine Überraschung für mich. Dieser Mini-Hauptdarsteller! Wie konnte ich den bisher übersehen?!
Im Kino war ich, aber irgendwie sind nicht einmal die Titel hängen geblieben. Tja. Sonst halt Podcasts, Podcasts, Podcasts.

Die beste Musik?
Dido mit Take You Home – Ganz wie zu Studentenzeiten. Hallo G.!
Zalagasper mit Sebi – Der slovenische Beitrag zum ESC.
Sommerzeugs: Zero 7 mit Swimmers und Villagers mit Summer´s Song
Vielleicht deutsche Texte? Trettmann & KitschKrieg mit Stolpersteine oder doch Bonaparte mit Weinbar?

Das schönste Konzert? Der schönste (Comedy-)Auftritt?
Dr. Mark Benecke in Ludwigslust im Januar („Denken = schlecht, Messen = gut.“)
Verständliche Wissenschaft der HZG in Geesthacht im Februar
Die Nervensäge in Hamburg im April
Furor in Hamburg im Mai
Herbert Grönemeyer in Hannover im September
Methodisch inkorrekt in Hamburg im September

Die tollste Ausstellung?
„Wilhelm und Alexander Humboldt“ in Berlin im Deutsch Historischen Museum.

Die meiste Zeit verbracht mit …?
Vielleicht J.?

Die schönste Zeit verbracht mit …?
J. und meiner kleinen Schwester – wer soll sich da schon entscheiden müssen?

Der beste Sex?
Mutiert zur Teenager-Frage, ist doch jeder selbst für verantwortlich.

2019 nach langer Zeit wieder getan?
Sieben Tage Badeurlaub in einem ****Hotel.
Bei Herberts „Flugzeuge in meinem Bauch“ mitgesungen.
Ganze Tage am Stück verplempern und es „Konzentration auf das Wesentliche“ nennen.

2019 zum ersten Mal getan?
Ins Sabbatjahr gehen und die Auszeit wie einen langen Urlaub so richtig zu genießen.
Eine Promotion anmelden.
Jerusalem! Yad Vashem! Givat Haviva! Tel Aviv!

Drei (!?) Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Willys Tod.
Die ganzen nervigen Fragen, wie weit ich mit der Diss gekommen bin. (Als ob ich die mal eben runter schreibe.)
Schon wieder Fehlermeldungen von einer der Lambdasonden im Corsa. Ignorieren. Ignorieren. Ignorieren. Demnächst ist TÜV.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Die Vergangenheit hinter sich zu lassen. (Nur, das geht bekanntlich nicht.)

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Eine Ikone für meine Sis aus Jerusalem mitzubringen. Ein Eckschneider/Eckenabrunder für einen laminierfreudigen Kollegen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Immer und bedingungslos hinter mir zu stehen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Mach das. Du kannst das.“
„Schön, dass du da bist.“
„Mit mein bestes Pferd im Stall.“

Vorherrschendes Gefühl 2019?
Endlich kann ich jeden Tag ausschlafen.

2019 war in einem Wort / in einem Satz …?
Alles ist jetzt.

Mit den Worten Goethes springen wir nun hinüber nach 2020 und sammeln Inspiration für den nächsten Rückblick: „Das neue Jahr sieht mich freundlich an, und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir.“

[2018, 2017, 2016, 2015.]