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Lehrerraumprinzip

Beim 164. #EDChatDE bin ich dann erst- und letztmalig zugleich mit dabei.
Das Thema Lehrerraumprinzip passt super. ;) Frage 2 und 3 überschneiden sich inhaltlich zum Teil. Kommentiert gern!

F1 Lehrerraumprinzip: Wie sieht der aktuelle Stand an deiner Schule/Institution aus?

Mit Beginn des Schuljahres 2014/15 hat das Kabinettsystem/LRP bei uns an der Schule Einzug gehalten. Wir sind also im dritten Jahr. Pläne dazu lagen schon etwas länger vor, ließen sich aber erst mit dem Wechsel der Direktion durchsetzen. Eine für dieses Konzept offene Schulleitungsebene braucht es also allemal und grundlegend.

F2 Welche Vorteile/ Nachteile hat deiner Meinung nach das LRP?

Es gibt Kolleginnen und Kollegen (KuKs) die eindeutig von diesem System profitieren: Vollzeitkräfte mit zwei Sprachen und/oder geisteswissenschaftlichen Fächern und/oder Mathematik. Diese werden ihre Räume deutlich aufhübschen und gestalten, da sie sich ihrem Nest quasi auf lange Zeit sicher sein können. Kein Rumgezerre mehr an den Tischen, endlich eine Sitzordnung bzw. Tischkombinationen, die dem Fach- und eigenen Methodenanspruch genügen.

Manche Räume sind bei uns echt toll geworden. Einige KuKs haben ihren häuslichen Arbeitsplatz komplett in die Schule verlegt, korrigieren nicht einmal mehr daheim.

Teilzeitkräfte werden aus logistischen Gründen meist kein „eigenes“ Kabinett zur Verfügung gestellt bekommen (siehe Organisation). Sport, Musik, Kunst, Biologie, Chemie, Physik sowie Informatik werden weiterhin in den dafür vorgesehenen Fachräumen unterrichtet. Diese sind zumeist ja eh schon wie Kabinette organisiert oder zumindest – aus praktischen Erwägungen – bei den KuKs der Fachschaften so eingeteilt. KuKs mit Fachraum-Fächern werden also entweder wie Teilzeitkräfte verbucht oder haben gar kein Kabinett (in der Fächerkombination Physik/Chemie z.B.).

Einige KuKs entziehen sich dem LeZi nahezu komplett. Sie kommen dort fast gar nicht mehr vorbei. Parkplatz –> Kabinett/ Unterricht/ Pausenaufsichten/ Kopierer/ Vertretungsplan/ Unterricht –> Parkplatz

Nicht alle KuKs verändern etwas an den Räumen. Dass diese bunter/optimierter/ausgereifter werden, ist ein Prozess, der Jahre dauert oder möglicherweise überhaupt nicht angenommen wird.

Die Aufenthalts- und Rückzugsbereiche der SuS werden dezimiert, gleichzeitig sind sie deutlich mehr in Bewegung. Hier sollte von vornherein über alternative Räume bzw. (überdachte) Bereiche nachgedacht werden. Auf unseren Schulhöfen wurden über den Elternverein Picknicktische gesponsert.

Weniger Schäden am Mobiliar und in den Räumen, mehr Lärm und auch Dreck im Schulgebäude (leider!).

F3 Was ist bei der Organisation des LRP zu beachten?

Natürlich eine gewisse Vorlaufzeit, da die klassischen Institutionen der Lehrer- und Schulkonferenz zu durchlaufen sind. Von Vorteil ist es, wenn die SuS und Eltern frühzeitig mit ins Boot (alias „Arbeitskreis Kabinettsystem“) geholt werden, z.B. waren bei uns Mitglieder aller 3 Gruppen zu Besuch an Schulen, die bereits mit diesem Prinzip arbeiten, um dann wiederum als „Verstärker“ in ihre Gruppen hinein zu kanalisieren. Unsere Vorlaufzeit begann im Herbst des Schuljahres davor.

In der Regel hat man mehr KuKs, die einen eigenen Raum möchten, als die tatsächliche Raumsituation der Schule hergibt. Kooperationen sind zwangsläufig notwendig. Entsprechend profitieren nur ca. 50% der Kollegen, alle anderen (Teilzeit, Fachraumlehrer) müssen trotzdem bei der Pro-Entscheidung mitziehen. Fachraumlehrer unterstützen das System eigentlich immer, da sie eh kein anderes Unterrichtsmodell kennen.

An einer Schule gibt es unterschiedliche Licht-/Wärme-/Geruchsverhältnisse. Lasst die KuKs selbst wählen, in welchem Trakt sie ihr zukünftiges Kabinett haben wollen.

Unsere Schule ist seit den 80er Jahren organisch gewachsen. Die Räume des Orientierungs- und Mittelstufentrakts sind annähernd gleich groß, Räume im Hauptgebäude z.T. kleiner, was zu Umbuchungen/Verlegungen bei Klassenstärken über 28 SuS führt. Ungünstig für alle Seiten.

Stundenplanerisch kann über UNTIS jedem Lehrer ein Stammraum zugeordnet werden, vorher waren diese bei den Klassen. Doppelbelegungen können durch geschickte Vorplanung verhindert werden. So kann darauf geachtet werden, dass sich die freien Tage bei Kabinett-Teams nicht gleichen etc.

Kabinette müssen zum Teil jedes Schuljahr neu zugeordnet (Schwangerschaft, Wechsel von Voll- auf Teilzeit) bzw. die Teams neu gemischt werden. Hat z.B. der E-Jahrgang Dienstag in der 3. und 4. Stunde Französisch, dann kann es schon passieren, dass 2 KuKs in der selben Unterrichtsschiene mit Franz1 und Franz2 parallel laufen. Einer von beiden muss planerisch weichen.

Aufsichtsbereiche und Pausenzeiten können/müssen neu durchdacht werden. Die SuS sind immer mit all ihren Sachen unterwegs. Wir haben als Lösung dafür mehr Schließfächer angeschafft.

Der Arbeitskreis sollte den Prozess nach Durchsetzung/Einführung weiterhin begleiten und bei Schulkonferenzen ein Feedback geben.

F4 Wer sorgt für die Ausstattung der Räume? Schulträger oder jeder selbst?

Teils, teils. Bestuhlung und Tische wie gehabt. Technik und Whiteboard-Tafeln vom Schulträger; Farbe, Regale und vielleicht ein Bürostuhl oder eine Couch (sic!) vom Kabinettinhaber. Beamer mussten so nur für die Räume angeschafft werden, wo es die KuKs auch brauchten.

F5 ./.

LRP

F6 Inwieweit profitieren SuS vom LRP?

Falscher Ansatz, der versucht, den Eltern und SuS das LRP als ein Produkt schmackhaft zu machen. Es ist unsere pädagogische Entscheidung im Kollegium, wie wir unseren Unterricht/unsere Lehrumgebung besser gestalten wollen und können! Die SuS profitieren, weil wir LuLs einen an unsere Methoden zufriedenstellenden Raum eingerichtet haben. Meine Technik funktioniert so, wie ich sie benötige. Unterlagen und Bücher sind vorhanden. Die Reibungsverluste organisatorischer Art sind deutlich geringer. Ein entspannter Lehrer ist ein besserer Lehrer. Von dem her profitieren die SuS.

F7 Bei Umsetzung des LRP: Brauchen wir noch ein Lehrerzimmer? Wozu?

Auf jeden Fall! Einen Ort der Kommunikation und für kollegiale Treffen benötigt es doch weiterhin, oder nicht? Die Lehrerkonferenz muss irgendwo stattfinden und kann nicht in ein Betahaus outgesourct werden, nicht jede Schule hat einen genug großen Konferenzraum.

Ich habe im LeZi mittlerweile mehr Ruhe und eigentlich ist das mein neuer Arbeitsplatz an der Schule geworden. Kopierer, Kaffee, Drucker, Stundenplanerbüro – alles in Reichweite. In der Biologie-Sammlung habe ich mich schon immer wie auf einer Isolierstation gefühlt.

F8 Welche Anregungen, Fragen hast du sonst noch zum Thema “Lehrerraumprinzip – Heimatlosigkeit der SuS oder Steigerung der Unterrichtsqualität?”

Ich unterrichte als Vollzeitkraft 25,5h/Woche in Sch-H, was derzeit stundenplanerisch 26h/Wochenunterricht bedeutet. Davon 3h Medien und Öffentlichkeit im Wahlpflichtbereich (1 Kurs), 4h Geschichte (2 Klassen/Kurse), 19h Biologie (8 Klassen/Kurse). Mit einem Bio/Englisch-Kollegen teile ich mir ein Kabinett, inzwischen mein Drittes. Daher bin ich nicht wirklich sesshaft und kreativ geworden. Meine Anwesenheit bezieht sich auf 2 Klassen in Geschichte, die ich am selben Tag unterrichte, d.h. mein Kabinett betrete ich 1-2x die Woche, da ich dort ab und an noch mit dem Medienkurs bin. (Da ich „zufällig“ den Raum bekommen habe, wo das Smartboard hängt und ich damit gern arbeite bzw. umgehen kann.)

Das LRP hat mir persönlich nichts gebracht, schränkt mich aber dagegen nicht weiter ein. Weswegen für mich der sichtbare Vorteil und die Zufriedenheit (Lehrergesundheit!) bei einigen meiner KuKs überwiegt.

Plus: Parallel mit dem 2. Halbjahr des Kabinettsystems gab es ein technisches Problem mit der Gonganlage. Eine Reparatur zog sich Monate, so dass wir irgendwann komplett auf das Klingeln verzichtet haben und bis heute geblieben sind.

Ordnung muss sein

Analog (Bücher, Zeitschriften, am Kopierer vergessene und für gut befundene Arbeitsblätter der KollegInnen) habe ich meine Sammelleidenschaft, was Materialien vom/für/über den Unterricht angeht, doch ganz gut im Griff. Digital sieht es da vollkommen anders aus.

Zunächst eine Bestandsaufnahme der Hardware. Da wären zwei Rechner. Einen von ASUS als Allzeit-Arbeitsrechner, welchen ich auch fast jeden Schultag mit mir hin, her und herum schleppe. Allein aus Gewichts- und Platzgründen müsste eine andere Lösung her. Der zweite Rechner kam im Sommer als Rettungspaket zu mir. Meine Festplatte gab im Februar keinen Mucks mehr von sich. Blöd nur, dass dort gefühlt mein ganzes Leben (natürlich ohne jegliche Sicherungskopie!) drauf war. Das ganze Studium, die Examensarbeit No.1, alle digitalen Bilder, alle Zertifikate, alle sonstwie und privat gesammelten Dateien… Bedingt durchs Examen im Frühjahr erst einmal verdrängt und defekt liegen gelassen, bis sich eine Lösung durch einen befreundeten ITler ergab, der alle Daten einerseits sicherte *puh* (irgendwo sind die auch auf seinem Server gespiegelt – bei mir weiß man ja nie) und andererseits auf einen neuen Rechner überspielte, da „ihm originäre Festplatten zu spielig sind“. Umzugsbedingt war ich bisher zu faul, mein Office-Paket in einer der zwischengelagerten Kisten zu suchen und zu installieren, sonst wäre der HP wohl mittlerweile mein Hauptrechner. Daneben nutze ich noch zwei USB-Sticks – weil ich nicht an allen Beamern der Schule meinen eigenen Rechner anschließen darf (sic!). Mein uralt iPhone 3GS ergänzt die Hardware-Ausstattung.

Zum Workflow. Gezielt suche ich keine Zeitschrift, Zeitung oder ein anderes Newsmedien im Netz auf. Klassisches Radio und Twitter reichen als tagtägliche Informationsquellen. Fernsehen ist abgeschafft, die Mediatheken von ARD und ZDF liefern live und auch im Nachgang, wenn es denn sein muss. Alle zunächst-nicht-sofort oder später-gern-doch-noch-einmal verwertbaren Links über Twitter (oder dem Reeder) werden zu Pocket geschoben. Unregelmäßig bis häufig leere ich diese Sammelstelle, jedoch immer nur über die Desktopversion. Vom iPhone ist Pocket als App verschwunden, nicht praktikabel für meine Nutzung. Manchmal weiß ich natürlich nicht mehr, warum, woher oder über wen ein Link zu mir gefunden hat, was aber Nebensächlichkeiten besser filtert und wiederum Zeit spart, da ich hier besser zwischen wichtig und unwichtig filtern kann. Blogs sammle ich seit dem Tod des GoogleReaders bei Feedly, lese aber grundsätzlich lieber über die Reeder-App auf dem iPhone. Aktuell sind es 111 Feeds in 8 personalisierten Unterkategorien, die ich zu 90% auch immer komplett leere. Schlussendlich finden sich als Desiderat halbwegs getaggte Links und Dateien bei Evernote wieder, auf die ich denke, irgendwann entsprechend zugreifen zu wollen. Zur Hilfe kommt mir diese Erweiterung in Chrome. In einer doch recht funktionalen Ordnerstruktur der Dropbox landen alle sofort nutzbaren Dateien.

Ordnerstruktur! Jeder Lehrer hat vermutlich für all seine Materialien drei unterschiedliche Ordnungssysteme auf seinen insgesamt knapp fünf Endgeräten oder Webservices. Zum Glück bräuchte es nicht mehr unbedingt einen systematischen Zugang, ein schnelles Durchsuchen des Computers gibt so einiges frei. Nur muss man wissen, was man sucht. Eine schnelle und gezielte Suche ist schlicht unmöglich. Zumal ich aus zwei Fachseminaren, mehreren Refkollegen und drei nachweisbaren* Kollegen der alten Schule Materialien überspielt bekommen habe, die so umfangreich sind, dass sie endlich mal sortiert werden müssten. Eine konkrete Suche schluckt bei mir also reichlich Zeit, macht mich unzufrieden, so dass ich zum Teil gleich komplett neu im Web oder in meinen analogen Materialien suchen, dann aber Tage später zufällig bereits fertige übertragbare Unterrichtsvorbereitungen bei den Kollegen finde. Hier besteht also dringender Handlungsbedarf.

Lösungen! Eine denkbar praktikable Lösung habe ich heute im Netz gefunden. Den aktuellen Lehrplan meines Bundeslandes auf seine Themen und grobe Inhalte hin reduzieren. Gute Idee, weil ich schon jetzt durch mein Ordnungssystem nach reinen Klassen an meine Grenzen komme, da sich die Zuordnung der Inhaltsfelder vom Referendariatsland NRW zum Curriculum im Jetztland Sch-H zum Teil deutlich unterscheidet. Mal schauen, wie ich mein Wirrwar an Materialien aufgelöst bekomme…

Und wenn wir schon bei praktischen Ideen sind: Mit meiner Fächerkombination erwischt es mich in der SekI mit einer großen Anzahl an Kursen/Klassen. Eine vernünftige Übersicht der SuS zum schnellen Lernen der Namen und für den regelmäßigen Bewertungsnachweis – ich verzichte wohl dauerhaft auf digital und notiere jeweils direkt unter die Namen – ist unabdingbar. Hier ein paar gute Vorlagen für Sitzpläne. Den Excel-Plan kann man bequem auf die PDF-Anregungen hin umbauen. Passend zu meinem inneren Bedürfnis, außer mit dem Smartphone, nicht dauerhaft das Betriebssystem zu wechseln, hat Tom Jork in seiner sehr lesenswerten Reihe zur Digitalen Lehrertasche perfekte Hilfen geliefert. Dies im wahrsten Sinne des Wortes, bessere Anregungen hätte ich mir kaum wünschen können. Danke dafür.

*nachweisbar: diese Kollegen haben einen Teil natürlich auch nur wieder von Kollegen, man könnte ganze Ausbilderstammbäume nach dem Ersteller von Dokumenten kreieren