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2021 – Ein Rückblick

Gerade per Bahn auf dem Heimweg von Heidelberg nach G-Town. Burg an Burg, Kirche an Kirche, Haus um Haus reihen sich hier am Rhein wie eine Perlenkette auf, ist schon ein bisschen anders als bei uns im Norden an der Elbe. Das erste Mal in meinem Leben einen „echten“ Blick auf die Loreley geworfen. Das Historikerinnen-Herz pocht. :)

Und 2021? Viel Corona-Mist erlebt. Im System Schule mehr und mehr das Gefühl der Beschäftigungs- und Verwahranstalt bekommen, aber auch sehr, sehr große Veränderungen in der Kernfamilie erleben und gestalten müssen. Auf einmal bin ich die, die die Dinge für die Eltern regelt. Meine Zeit in der Schule ist ebenso anspruchsvoll geworden: Schulentwicklung, PR, SV, Distanzlernkonzepte, Begabtenförderung, schulinternes Testzentrum und Gesundheitsamt. Da wird das Kerngeschäft Unterricht mal schnell zur Erholung im Alltag. Die Anstrengungen zu beide Themen verteilten sich aber zum Glück ganz gut über das erste bzw. zweite Halbjahr. 2021 hat mich sehr erschöpft. Die Sommerferien waren bitter nötig, dann kam der Zusammenbruch bei meiner Mutter. Gut war, dass ich auch im Schuljahr 2021/22 mit leicht reduziertem Deputat unterwegs war/bin und ich daher stets Montag frei habe.  

Symbolbild 2021

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#Distanzlernen

Zugenommen oder abgenommen?
Es bleibt im unzufriedenen Bereich, in dem mich alle kennen, ich mich auf Fotos unerträglich finde. Es fehlte im ganzen anderen Wahn des Jahres, Zeit für den Körper.

Mehr bewegt oder weniger?
Ganz gut rumgelaufen, zu wenig geschwommen. Vielleicht sollte ich mal den Megamarsch in Hamburg auf die ToDo setzen? Wandern hat sich irgendwie etabliert.

Haare länger oder kürzer?
Wegen Maskenalarm erst länger, kann sie so gut hochbinden. Jetzt zum Jahresabschluss wieder gekürzt.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Es endlich nach 5 Jahren mal wieder zum Augenarzt geschafft. Mit einem Rezept für einen neue Brille spekuliert… Aber nix da, an meinen Werten hat sich nichts geändert.

Mehr Kohle oder weniger?
Durch meine strikte Inventur aller Budgets in 2020 und die ETF-Sparpläne zeigt die Performance-Linie nach oben. Rebalancing ist demnächst angesagt. Eigentlich sollte es bereits zum Sommer A14 geben, da steht jedoch noch die juristische Entscheidung für Platz 2 oder 3 an unserer Schule aus.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Zu wenig für schöne Sachen.

Die teuerste Anschaffung(-en)?
Ein Gefrierschrank, ein Kühlschrank.

Der hirnrissigste Plan?
Eine der drei Fachaufsichten in Biologie #eduSH zu übernehmen.

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Jeder Briefumschlag eine Schule mit jeweils vier Vorschlägen für das schriftliche Bio-Abitur.

Die „gefährlichste“ Unternehmung?
3x gegen Corona geimpft worden.
Mit dem alten Corsa zwischen G-Town und dem Spreewald pendeln.

Das leckerste Essen 2021?
Alles Selbstgekochte an unseren Samstagabenden. Raw like Suhi in Hamburg. Der neu entdeckte Italiener beim Golfplatz. Mister Ti. Nomnomnom.

Getränk des Jahres?
Leichte Schorle Apfel-Birne von Bad Liebenwerda.

Das beeindruckendste Buch?
.
[Nur Zeugs für die Schule gelesen.]

Der ergreifendste Film?
Im linearen Fernsehen „Ich bin dein Mensch“ gesehen. Sonst ist nicht viel nichts in Erinnerung geblieben.

Die beste Musik?
Tocotronic mit Soap&Skin Ich tauche auf
Ziemlich genial: The Kiffness Cat Jams
The War on Drugs I don’t live here anymore
Curtis Harding I won’t let you down
Für meine Dance-Seele:
Who made Who Abu Simbel
KNTRL Just Words

Das schönste Konzert? Der schönste (Comedy-)Auftritt?
.
[Pandemie und so.]

Die tollste Ausstellung?
Museumsgang zur Evolution der eukaryotischen Zelle in der Ec. ;)

Die meiste Zeit verbracht mit …?
Familienthemen und -menschen.

Die schönste Zeit verbracht mit …?
Sehr sicher J., sehr sicher unsere Sonntagmorgen.

Der beste Sex?
Ja.

2021 nach langer Zeit wieder getan?
Monatlich 1-2x im Elternhaus zu sein.

2021 zum ersten Mal getan?
Mehrere Klassen an einem Tag online unterrichten.
Pflegegrad beantragen.
Meine Schwiegerfamilie kennengelernt.
In Finnland nackt im See geschwommen.
Auf der Schulkonferenz mit einer unentspannten Äußerung die Elternschaft zum Kochen gebracht.
Papa ein Seniorenhandy eingerichtet und gezeigt, wie die Waschmaschine funktioniert.

Drei (!?) Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
1. Die Vorsorge-/Generalvollmacht ziehen zu müssen und Mutti aufgrund ihres geistigen Abbaus, ihrer räumlichen und zeitlichen Desorientierung amtsrichterlich über mehrere Monate in der Neurologie zu belassen. Im Januar ist sie noch Auto gefahren.
2. Mama von ihrem Zuhause nach 45 Jahren abzumelden, nachdem ich entschieden habe, was sie alles in einem Pflegeheim brauchen wird.
3. Erstes Weihnachten ohne Mutti, erstes Silvester ohne ein Telefonat und Neujahrsgrüße von Mama und Papa. Aber sie ist körperlich noch da, zum Glück. Manchmal, einen kleinen Mini-Augenblick lang, habe ich das Gefühl, sie versucht sich uns mit aller Kraft noch mitzuteilen. Wahrscheinlich interpretiere ich unbewusst mehr hinein, weil sie mir so krass als Ansprechperson fehlt.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
[… und geschafft habe.] Mama in das etwas weiter entferntere, teurere, aber insgesamt bessere Pflegeheim zu geben. Dort wird sie inklusive Neurologe und Hausarzt versorgt, der personelle Verteilungsschlüssel ist deutlich zugewandter und es gibt einen speziellen Therapieansatz für ihre Lewy-Body-Demenz.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Kümmern. Sicherheit. Alles im Blick behalten. Den Lebensabend organisieren.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Meine vielen Tränen stets an seiner Schulter trocknen zu können.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Du kümmerst dich gut.“
„Du hast alles richtig gemacht.“

Vorherrschendes Gefühl 2021?
1. Halbjahr: Nicht schon wieder eine Videokonferenz.
2. Halbjahr: Wie geht es (weiter mit) Mama?

Was ich 2021 über mich gelernt habe?
In der aller größten Aufregung finde ich Sicherheit in organisatorischen Abläufen. So lange es „vorangeht“ und ich Prozesse gestalten kann, ist es für mich zudem einfacher, emotional anstrengende Situationen zu verarbeiten.

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Teeweisheiten

2021 war in einem Wort / in einem Satz …?
Pure Kraftanstrengung und work, work, work.

[Hier geht es zu den alten Beiträgen: 2020 nur als Fotorückblick existent, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015.]

Fotorückblick 2020

Im regelmäßig und gern von mir konsumierten Blog der Kaltmamsell gesehen, die auch auf die unkomplizierten Spielregeln zur Idee zum #fotorückblick2020 von Joël verlinkt.

Silvester: eine Person ist 2020 Mutter geworden, zwei weitere inzwischen verheiratet und mit einer Person bin ich verwandt.
Auch im Januar: Kolloquium in Potsdam – die alte FH im Zentrum Potsdams ist abgerissen. Von links: Nikolaikirche, Potsdam Museum, Obelisk, Stadtverwaltung, Museum Barberini, Fortunaportal, Mini-Stück vom Landtag (alles Alter Markt).
Beweglicher Ferientag im Februar: NaWi-Trakt aufgehübscht.
Happy Valentine.
März: Zunächst Jagd auf Marder und anderes Getier.
Ab Mitte März dann „Jagd“ auf einen Virus, nicht zufällig ein Freitag, der 13.03.
Sind das die ersten Querdenker? Oder einfach nur Spinner?
Frühling, April – einfach nur schön. Auch wenn kein Tropfen Regen fällt.
Betrunken unterm Kirschbaum. Auf Heimatbesuch im Mai. (Leider mit schlechten Nachrichten.)
13. Januar-27. Mai 2020 ohne Friseurbesuch… Grau bin ich noch nicht.
Gemütlich geht immer: Weinverkostung via Zoom. Wer alle vier Flaschen findet, kann sich freuen.
I’m walking.
Juli: Bei Tomaten habe ich den grünen Daumen.
Alte Bilder von Oma gefunden. Rechts ihre zweite Enkeltochter, die im Juli Geburtstag hat.
Corona-August: Wir wollen einen Puma an der Schule haben. Alles andere wäre ja Quatsch.
Heißer August. Sehr heiß.
Die Ausbildung zum Lerncoach geht erst im September weiter. So sieht eine Lernkurve aus, wenn man sie für sich selbst erstellt hat (Kontext: Lehrerberuf und Motivation).
Schule oder Unterricht ohne Maske? Nicht mehr vorstellbar. Leider geht damit eine gewisse Schlampigkeit in MakeUp und Frisur einher. Mit freundlichen Grüßen Eure Lüftungsperle.
Der Herbst ist da.
Im Oktober die erste Klausur seit 2019 korrigiert. Man sieht bereits, wer richtig im Profil ist. ;)
Schöne Idee vom NABU: Kleinelektro sammeln. Im November drei Kisten für die Schule bestellt.
Kopieren, Scannen usw. Sonntags in der Schule.
Weihnachtsdeko fürs Kabinett besorgt. Bin gefühlt eh nur noch in der Schule.
Weihnachtsbeschäftigung: Kochen für die Kernfamilie. Wie schnell man neue funktionelle Rollen übernimmt und ausfüllt, wenn es die Gesamtsituation verlangt.

KW 33 (2020) // #eduSH: Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen

Die erste Woche im Schuljahr 2020/21 ist geschafft. WorkingHours sagt 53 Stunden und 56 Minuten Arbeitszeit. Wer weiß, wie viel Zeit für Pausen im pädagogischen Job bleibt, kann sich ihren bzw. seinen Teil denken. (Meine Arbeitswoche beginnt Sonntag und endet mit einem so gut wie immer schreibtischfreien Samstag.)

Meine Stunden- und Klassenverteilung ist teilweise ätzend, außer dem Medien-Kurs habe ich keine Klasse bekommen, die ich mir vorab gewünscht habe. Trotzdem werde ich nicht beim StevDirex darüber meckern, wir geben alle unser Bestes. Unsere Schule hat genug Baustellen in anderen Fächern. Ist halt so.

  • Biologie 1x in 6 und 2x in 7; 1x in 9 verkurst über den ganzen Jahrgang, zudem 1x in einer E
  • WaPf Medien und Öffentlichkeit verkurst über die gesamte 8
  • 1x Geschichte und zugleich Klassenlehrerin im Geschichtsprofil der E

Durch die bescheuerte notwendige Verkursung sitze ich am Ende im kompletten 8. und 9. Jahrgang in allen Zeugnis-/Klassenkonferenzen. Ein echter freier Tag ist trotz Reduzierung und Ermäßigungsstunden nicht drin, ich bin durch meine Tätigkeiten im PR, als Verbindungslehrer im SV-Team, als Koordinatorin für unsere Prävention und (neu!) in der Begabtenförderung auf zu viele feste Besprechungen angewiesen. Dem Schulweg von 10 Minuten sei Dank. Mir fehlt natürlich die Selbstbestimmtheit des Sabbats, aber ich werde mich schon einzurichten wissen. Was für die Diss übrig bleibt, liegt in meinem Ermessen und meinem Willen.

Unsere Ministerin gab eine dringende Empfehlung zum Tragen von Masken aus, unsere Schule hat sich daher auf eine Maskenpflicht geeinigt, zumindest bis die Kohorten Ende nächster Woche stehen. Außer den SuS der 5. und 6. Klassen müssen alle Personen auf dem Gelände also eine entsprechende Bedeckung tragen. Hausmeister und Reinigungskräfte zeigen sich am renitentesten, da musste die Chefin schon arg ermahnen. Leider greift zudem bei den Kolleginnen immer mehr das Visier um sich, auf einer der drei Dienstversammlungen habe ich dann was dazu gesagt. Wie können informierte Menschen glauben, dass ein mittelmäßiger Spuckschutz vor einem unsichtbaren Virus schützt? Ja, die Hitze war die Hölle in dieser Woche. Nicht einmal hitzefrei wegen Fokus auf Präsenzunterricht. Verständlich. Aber in drei Wochen werden wir jammern, weil es kalt ist und durchs geöffnete Fenster reinwindet und -regnet. Ich befürchte, dass sich die Gesamtsituation so entwickeln wird, dass wir sogar nach diesen zwei Wochen alle freiwillig weiterhin eine Maske tragen werden.

Wir haben unsere Zeitstruktur leicht umgestellt. Einerseits kommen und gehen SuS so versetzt in die Schule bzw. nach Hause, andererseits bleibt nur eine größere Pause, was die Kontakte außerhalb der Wechselzeiten vermeidet weiter minimiert. Fachräume und Kabinette sind geblieben, einerseits um nicht alle pädagogischen Werte über Board zu werfen, andererseits, weil es baulich bei uns eh nicht funktioniert, Jahrgänge dauerhaft zu trennen oder nur ansatzweise separat auf das Schulgelände zu lotsen. Die Aufsichten sind massiv erhöht worden. Noch weniger Zeit für einen Moment der Erholung für uns Kolleg:innen, denn die Tische sollen ja möglichst zwischen neuen Klassengruppen desinfiziert werden. Alles mit Augenmaß natürlich. Das Desinfektionsmaterial des Schulträgers reicht noch maximal die nächste Woche… Ohne Worte.

Unsere Schule hat sich zu IServ durchgerungen, die Eltern bezahlen das zunächst, weil sich der Schulträger vom Land auf Itslearning hat vertrösten lassen. Am Dienstag habe ich mir eine Online-FoBi dazu gegönnt, um Himmels Willen, ein abgespeckte Version ohne Videofunktion und Office in SH, die nichts anderes ist, als eine bessere Dateiablage für Kollegien. So ist Itslearnig definitiv kein LMS, was in unser Hybridkonzept passt.

Was im Titel dieses Beitrages steht: Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen. Wir müssen uns alle von vielen Ansprüchen des für uns normalen Unterrichts lösen. Ich muss mehr lüften, ich muss mit meiner Kraft unter der Maske haushalten. Ich muss meinen Unterricht umstellen, verkürzen, methodisch neu ausrichten, diese Fixierung auf Fachanforderungen/Lehrpläne muss dringend aufhören. Wir werden schon genug die dauerhafte Waage einhalten müssen zwischen Belehrungen/Ermahnungen der SuS und lustigen/beziehungsförderlichen Momenten. Wir werden ihnen und ihren Eltern die Situation immer wieder neu erklären müssen! Ja, müssen. Was sind Tröpfchen, was sind Aerosole? Häufig wird es auf dem Schulgelände strenger zugehen, als im Sportverein oder beim Warten auf die nächste S-Bahn. Schulen und alle Beteiligten haben nun mal den Schwarzen Peter der Verantwortung. Am Beispiel von Berlin und der Reaktion der Bildungssenatorin dort, habe ich nämlich sehr stark die Befürchtung, dass sich Kinder natürlich nur in der Schule angesteckt haben werden können – wo auch sonst!111!!! Die Schuldzuweisung erfolgt reflexartig im Bildungskontext. Zudem werden viele schulinterne und externe Projekte, Vorträge, Klassenfahrten, Wandertage, Olympiaden oder Wettbewerbe kaum bis gar nicht stattfinden, da vieles nicht den Hygienekonzepten/-regeln entspricht. Sind dann wieder wir faulen Lehrer:innen als kollektiver Pungingball dran, weil wir es einfach nicht drauf haben und auch mal an unsere Gesundheit denken? Es wird so viel kaputt gehen, wir werden eine Frühpensionierung wie nie sehen, da sind mir tatsächlich Arbeitslaptops für jeden, gerade echt s*** egal.

Freitagabend hatte ich Halsweh, erst sehr spät am Abend. Okay. Trotzdem hatte ich einen leichten Anfall von Sorge. Es kann und es wird vielleicht passieren. Eine Ansteckung. Auch diese Befürchtung muss ich demnächst psychisch verarbeiten. Fucking Berufsrisiko. Vor allem in den Klassen, die recht unruhig sind (Zusammensetzung, Stundenlage, Interesse am Thema, fehlende Methodenvielfalt…), muss ich häufiger sehr tief Luft holen, um meine Ermahnungen durch die Maske zu pressen. Meine Mimik fehlt, Körpersprache allein reicht nicht immer. Es werden sich Wege finden lassen.

Aber: Ich freue mich auf mein Profil. Sehr, sehr, sehr. Wir sind jetzt schon ein gutes Team, sie haben verstanden, welchen Weg wir in den nächsten 2,5 Jahren gemeinsam gehen werden. Willkommen zurück an der Schule, @lehrerperle.

KW 19 (2020) // Acht Wochen mit Dingens

Dieser Tage im Radio gehört: Sex und Essen – diese zwei Dinge bleiben einem in der Corona-Zeit. Nun ja, ich habe sicherlich auch noch andere Dinge getan. Aber das Gefühl, dass außer regelmäßigen und langen Spaziergängen, Internet leer lesen oder Telefonaten nicht mehr stattgefunden hat oder ich mich zu Arbeiten an der Diss nicht wirklich habe aufraffen können, ist vorherrschend. Ich vermisse das Freibad, ich vermisse meinen Flat White im Café, das Handwerker-Frühstück beim Bäcker. ich vermisse meinen Arbeitsplatz in der StaBi, die ein oder andere Pho im Nachgang. Selbst, die Berichte über anstehende Filme oder vergangene Kulturveranstaltungen vermisse ich. Stattdessen: überall nur dieses Virus und Warnungen rund um die Krankheit, Verhaltensregeln und irgendwas mit Wirtschaft, Schule, kein Urlaub oder Fußball im TV, im Radio, in den Zeitungen auf meinem Küchentisch. Alles Hashtag Dingens.

***

Wie man so ganz persönlich tickt, kann man aber zumindest ziemlich gut abschätzen lernen. Mich treibt sinnvolle Arbeit an. Habe ich ganz gut zu tun, kann ich noch mehr leisten. Und mich mit der einen Arbeit von der anderen ablenken. Sobald ich in einen Ferienmodus eintauche, den #Corona ja unweigerlich ausstrahlt, schaffe ich es nicht mal mehr, mich zum Staubsaugen zu motivieren. Aber im Garten stehen nun vier neue Tomatenpflanzen und ein großer Topf mit selbst gezogenen Sonnenblumensorten, die Blumen-Rabatte ist gereinigt. Ich war Ende April ein verlängertes WE in Bielefeld bei meiner Sis (Auweia! Tatsächlich hatten wir uns eine kleine Story ausgedacht, warum ich hin muss…). Mich weniger um Mom gesorgt. Meine Steuererklärung ist seit Anfang April raus. Meine Finanzen und Sparpläne sind so eingerichtet, dass ich jetzt einfach mal die Finger davon nehmen kann. Ab August (nach der schmerzhaften Sabbat-Finanzierung) gibt es eh wieder mehr Geld, dann kann ich die Sparquote auch erhöhen. Zwischendurch bin ich 42 geworden. Endlich musste ich mal keine Ausrede bemühen, warum ich nicht feiere. ;) Den Prof bei einer Vorlesung im Netz zugehört. P. von K. bei eigenen Dissplänen zugeraten und Tipps gegeben. Reichlich für Zwei gebacken und gekocht. Das geregelte Leben in der Seniorenresidenz geübt. Akustisches Löschblatt gespielt. Für nächstes Schuljahr das Mediencurriculum (Wahlpflichtfach) neu zusammengestellt und für den Oktober die Veranstaltung „Medien machen Schule“ zusammen mit dem Verbraucherschutz, dem Landesdatenschutz und der Polizei angegangen. Die Planung ist doch etwas aufwendiger. Und vielleicht sinnlos, weil was plant man zur Zeit auch überhaupt so einen Quatsch.

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Das Einsehen gehabt bequatscht bekommen, dass ich wohl selbst zur Risikogruppe (Einnahme von MTX) gehöre. Hier braucht es nun das Attest meiner Ärztin, damit ich nächstes Schuljahr meine Gesundheit nicht überschätze und als Rampensau ungebremst vor mein Publikum trete. Eigentlich mache ich mir keine allzu großen Sorgen, da ich auch bei den üblichen Grippe- und Erkältungswellen ohne Ausfälle über die Runden komme, nie geraucht habe, grundsätzlich fit bin. Aber ich kann das Virus eben nicht abschätzen, kenne bisher niemanden persönlich… Risiko gehört zum Leben. Sehr mühselig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

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Um der Hilflosigkeit (ctrl+verlust?) entgegenzuwirken, wie ich denn trotz Attest „nützlich“ für unsere Schule sein könnte, zusammen mit J. das Konzept für einen Hybridunterricht an unserer Schule ausgearbeitet, S. hat alles in eine schöne Grafik gegossen und bekommt nun zur Belobigung sein IServ als LMS genehmigt. Zusammen haben wir es Dienstag unserer Direktorin und dem StevDirex in einem 1,5h Pitch vorgestellt – IServ am Freitag war praktisch die erste Konsequenz aus diesem Gespräch. SchulCommSy ist halt kein Lernmanagementsystem, nur eine schlechte Dateiablage.

Niemals vorher war ich Twitter als Inspirationsquelle so dankbar. Lest euch gern selbst ein und denkt an eure Schulen:

Marko Demantowsky / Gerhard Lauer: Präsenz der Lehre zwischen Prä- und Postcoronazän. Ein Essay (Teil 1) (01.05.2020) URL: https://www.phft.de/praesenz-der-lehre-zwischen-prae-und-postcoronazaen-ein-essay-1/ (Stand: 05.05.2020).

Charles Fadel / Maya Bialik / Bernie Trilling: Die vier Dimensionen der Bildung. Was Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert lernen müssen (2017)

[KMK] Hubig: KMK übermittelt Rahmenkonzept an Regierungschefs / Gesundheitsschutz der Schulgemeinschaft steht an erster Stelle (28.04.2020) URL: https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/hubig-kmk-uebermittelt-rahmenkonzept-an-regierungschefs-gesundheitsschutz-der-schulgemeinschaft-st.html (Stand: 05.05.2020).

Björn Nölte: Formative Assessment: Bewerten um des Lernens Willen (17.10.2017) URL: https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/255718/formative-assessment-bewerten-um-des-lernens-willen (Stand: 05.05.2020).

Klaus Peren: Schule für Alle in Zeiten von Corona, so kann es gehen! (28.04.2020) URL: https://www.linkedin.com/pulse/schule-f%25C3%25BCr-alle-zeiten-von-corona-so-kann-es-gehen-klaus-peren (Stand: 05.05.2020).

Jan Vedder: Digitalien sucht das Supermodell (13.01.2019) URL: https://www.vedducation.de/modell/ (Stand: 05.05.2020)

Kristina Wahl: Skizze des Hybridunterrichts (26.04.2020) URL: https://diefraumitdemdromedar.de/hybriddidaktik (Stand: 05.05.2020).

Denn nach den Sommerferien geht es nicht normal mit einem Regelbetrieb an den Schulen weiter. Doch so wie jetzt, kann es weder weiterhin eine kommunizierte Lern(plan)freiheit noch eine Leistungsfreiheit für die Schülerinnen und Schüler geben. Besser JETZT solch ein Konzept, mit dem wir schnell an unsere Schulaufsicht herantreten, welches wir in nächster Zeit sogar frei ausprobieren könnten, als bis Mitte August auf eine Idee aus dem Ministerium zu warten. Jede Schule hat begrenzte Ressourcen an Kolleg:innen und deren Fächerspektrum, an Räumen, an Risikogruppen unter SuS und KuK, jede Schule weiß für sich am besten, was rollierend unter Hygienestandards geht. Alle Teilnehmer:innen und Teilgeber:innen unserer Schule sollten zusammen eine Struktur verfolgen können, die zudem die Arbeitsbelastung der Teil- und Vollzeitkräfte berücksichtigen kann. Der aktuelle Zustand ist doch keine Dauerlösung, quasi jeder arbeitet entweder deutlich zu viel (Feedback-, Korrektur-Anspruch, Lernvideos erstellen) oder unter seinen Möglichkeiten (Qualität der Inhalte, Zielsetzung für SuS). Es gibt keinen festen Stundenplan, der eigentlich eine Arbeitshilfe für alle im System Schule ist. Auch für Eltern, die drumherum planen und fest wissen, dass ihre Kinder versorgt sind. Dieser Rahmen fehlt, also muss man sich als Schule einen neuen aufbauen, der am Ende Sicherheit für alle bietet. Nichts ist von Beginn an perfekt, auch solch ein Konzept von Hybridunterricht mit einem Tag Präsenzzeit vs. vier Tagen digitalen Unterricht wird von vielen Bedenken getragen sein. Aber wenn man nichts ausprobiert, kann nichts besser werden. Und die Präsenzzeit kann ja flexibel hochgesetzt werden.

Rotbuche vor der Schule

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btw: Wir bekommen keine Zwischenreinigung, Masken bringen wir selbst mit, Desinfektionsmittel zum Abitur haben wir aus privaten Mitteln erworben, der Schulträger meint, Händewaschen und Abstand reicht doch. Die überhebliche Debatte im Netz nervt mich da, bei Schulen wird nämlich einen Scheiß auf Arbeitsschutz wie in Firmen geachtet. Pläne wie bei meiner Sis (Autobranche…) wären ein Traum. Die Stadt guckt halt auf ihren Haushaltsplan – leider zu verständlich, wenn man hier wohnt.

KW 11 (2020) // COVID-19, Hamsterkäufe, Shutdown

Im Sabbatjahr und die Schule wird dicht gemacht. Alles irgendwie nicht greifbar und verrückt zur Zeit. Als Biologin versuche ich natürlich alles zu lesen und nachzuvollziehen, bin aber trotzdem baff, wie das nun auf uns einprasselt. Von Populationsdynamik und Wachstumskurven höre ich ja nicht zum 1. Mal. (Auch wenn die Nachrichten von Infizierten bzw. Fallzahlen sprechen, stellt das ja nur die Wachstumskurve, also den Erfolg des Corona-Virus dar.)

Als Historikerin bin ich vom Ausmaß der restriktiven Maßnahmen im Grenzverkehr und bei der Reiseregelungen (Israel, Dänemark, Polen, Tschechien etc.) und in der lokalen Bewegungsfreiheit (Kultureinrichtungen, Schulen etc.) von uns allen überrascht. Was in Demokratien möglich ist! An welchen Lebensstandard und an welche Freiheiten wir uns gewöhnt haben? Wie es da Menschen in Kriegs- und Krisensituationen ergeht? Wir haben weiterhin Internet, Wasser, Strom, Heizung… Die nächsten Zeilen dienen der eigenen Erinnerungskultur.

Drüben beim Finanzwesir kann man lesen, was 1983 so los war, nicht nur das meine Lieblingsschwester geboren ist, nein, es war alles viel schlimmer. Und ist es im Rückblick dann doch nicht. Corona – Der Endboss. Nun könnte mich das beruhigen, tut es finanziell auch wunderbar. Eigentlich müsste ich finanziell sogar noch mehr investieren, wenn nicht gerade die Corsa-Reparatur mit TÜV/AU von Anfang März wieder den Höchstbetrag für den Jahresrückblick 2020 einnehmen würde.

Was mir bitter aufschlägt sin die Einschränkungen in den schönen, geplanten Dingen. Absage von K. am Donnerstag, die mit ihrer Klasse in Kiel weilte, jedoch von Oslo noch am selben Tag wieder zurückbeordert wurde und direkt in 14-tägige Quarantäne geht. Die Equal-Pay-Day-Tagung in Hamburg ist auf nächstes Jahr verschoben. Das IQSH hat alle Fortbildungen bis Ende der Osterferien ausgesetzt, worunter natürlich die Fortbildung zur Unterrichtsentwicklung fällt, auf die ich seit Sommer 2019 gewartet habe; ein Nachholtermin ist nicht in Sicht. S. musste sein lang geplante Tagung zu Emotionen in P. absagen, in den Sammelband werde ich es wohl trotzdem schaffen. Was mit meiner Lerncoach-Ausbildung nach Ostern wird, steht noch nicht fest. Richtig bedrängt in meiner kleinen Welt fühlte ich mich dann am Freitag – an meinem derzeitigen Lieblingsarbeitsort – in der StaBi in HH.

Schnell nochmal als Abschluss bei Yumi in der Grindelallee eine Feel-Good-Pho geschmaust. Wer weiß, wann bei uns noch mehr geschlossen wird – mein Kontakt mit R. an der Deutschen Schule in Mailand verspricht keine gute Aussichten. Parallel purzelte dann Nachricht über Nachricht zu den Schulschließungen rein. A. schreibt, dass ihre Firma ab Montag Homeoffice einführt und zwar im „Schichtsystem“, die einen Mo/Di, die anderen Mi-Fr – in der anderen Woche andersherum. Jeder Standort muss genau über Besucher- und LKW-Fahrer-Kontakte Buch führen, was täglich in die Zentrale gemeldet wird. Was die Server hergeben, ist unsicher, da bereits die Standorte in China seit einem Monat im Homeoffice worken, für CAD-Dateien ganz schwierige Zeiten. Mit den Eltern telefoniert, Grippeimpfungen sind up to date, Papa hat eine Pneumokokken-Impfung, Muddern guckt, dass sie die nachholt. Oma ist eh renitent, was solche Tipps angeht.

A. schickte gestern witzige Bilder aus dem real in B.: Dosen, Nudeln, Klopapier – leere Regallandschaften. Kollegin S. spammte die WA mit den Fake News aus der Wiener Uni durch die Gegend, mal auf die Finger geklopft. Als Antwort kam eine Web.de-Nachricht, dass irgendwer in Frankreich das auch so sieht. Ja, ist klar, das andere bleibt trotzdem Spam! Corona-Bier ist in L. aus, meint C. Und im Fernsehen kommt nur Mist. Das #Twitterlehrerzimmer schäumt derweil nur so über an hilfreichen Informationen, Tipps und Tutorials, wie wir nun digital unterrichten könn(t)en. Wie schon bei der medial z. T. überspitzt ausformulierten LaiW-Studie hacken wieder alle aufeinander ein. über den lange vernachlässigten Arbeits- und Gesundheitsschutz an allen Schulformen spricht keiner. Hauptsache gymnasiales Bashing. Wer kann digital, wer will digital, wer sieht es nicht ein; wer glaubt, es würde ihr/ihm verboten (Leute, lest Anordnungen richtig!); wer meint, es wäre systematisch ungerecht, da digitale Wege nicht von allen Elternhäusern unterstützt werden können… Geht zum sabbaticalen Glück irgendwie an mir vorbei. Scroll, scroll… Vielleicht ist die Filterblase mittlerweile eh zu divers und nur binär schwarz/weiß eingestellt, Grauzonen werden schon lange nicht mehr akzeptiert.

Mehr fällt mir gerade nicht ein. Hasch mich, ich bin der Frühling.