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KW 11 (2018) // Social Media, Teilzeiterlass, Sexualerziehung

Da bewegt sich was in meiner Filterblase. Frau Ella ist wieder da, Hokey kehrt Twitter für immer den Rücken. Dabei hatte ich spekuliert, dass ich ihn nach meiner „Fastenzeit“ wieder lesen kann. schnief Wobei ich natürlich auch den Absatz bei Herrn Buddenbohm (und den dort wiederum verlinkten Text von Frau DingDong) wahrgenommen habe… Individuelle Perspektiven auf das ganze Social Media Gedöns. Aber wir müssen alle unseren eigenen Umgang damit finden. Meine persönliche Unlust auf zuviel Social Media beruht zum Teil auf meinen erweiterten bzw. wiedergewonnen Genuss von anderen Informationskanälen. Twitter liefert m.E. nur noch nervige und zeitraubende Diskurse, Vernetzungsgedanke hin oder her. Facebook ist nicht meine Art des Zuganges zu glaubwürdigen und/oder gewinnbringenden Informationen. So bin ich in den letzten zwei/drei Jahren mehr und mehr Podcatcherin geworden.

Als ich 2009 bei Twitter einstieg, gehörte Hokey(s) mit zu den ersten Lehrern in meiner Timeline. Damals war ich selbst noch etwas unsicher auf dem Weg zum Lehrersein. Ja, nein, vielleicht? Rückblickend kaum vorstellbar. Seit 2006 scheinfrei, war ich kurz in die Immobranche abgebogen und nur die Finanzkrise von 2008 brachte mich dann doch noch zum Abschluss des Staatsexamens. Eine extra Runde in Berlin bei der Gewobag folgte, bis es zum Referendariat nach NRW und 2013 nach Sch-H an die heutige Schule ging. Hokey war immer mehr als einen Fav wert. Auch wenn wir uns bis heute nie persönlich gesehen haben: Ich werde dich digital auf jeden Fall vermissen! (Bleibt ja noch die Bloggerei. Ich weiß.)

Unter der Woche hatte ich wieder die Gelegenheit unseren StevDirex als Herr|in über Untis zu vertreten. Gerade werden wir von der Grippewelle auf Schüler- und Lehrerseite eingekürzt, dazu noch Känguru und die letzten Oberstufen-Klausuren müssen vor dem Unterrichtsende korrigiert werden. (Ihr kennt die KuK, die dann mal eben 2 Tage daheim bleiben? Ohne Worte.) Wir sind echt fair in der Stundenplanung und mehr als pedantisch in der Beachtung von maximalen Vertretungsstunden. Anstrengend, wenn dann doch über Vertretungen mit mir diskutiert wird. Wartet doch bitte auf den richtigen Ansprechpartner. Ich sitze da in erster Linie aus Spaß (Assistenz ohne Entlastungsstunden!) und weil es eventuell/vielleicht/perspektivisch ein Gewinn für mich ist, nicht um euch zu ärgern oder weil ich genau das als Auftrag hätte.

In den Quinten und Untertertien steht demnächst Sexualkunde an. Im letzten Sexpodcast der Zeit wurde genau darüber gesprochen: „Sex gehört nicht nur in den Biounterricht“

„Das Kondom über den Holzpenis ziehen, noch ein bisschen Anatomie und fertig: Wie klären Lehrerinnen und Lehrer heute an Schulen Kinder und Jugendliche auf? Offenbar besser als noch vor Jahrzehnten, dennoch müssen sie so einiges einfangen: Eltern, die gegen sexuelle Vielfalt als Unterrichtsthema wettern, Schüler, die Pornos auf dem Smartphone schauen, und Kinder, die Fragen zu Geschlechtskrankheiten und Beziehungen haben. Was gebe ich jungen Menschen beim Thema Sexualität mit?“

Einen neuen Impuls bekommen. Genau die Eckpunkte, die ich selbst als kritisch bzw. bemerkenswert empfinde. Ja, ich habe die Fachanforderungen als Rahmen und kann mich schulintern auf den Besuch von Pro Familia verlassen (weil ich ihn für diese Klassenstufen organisiere). Aber was genau unterrichte ich wie? Ich muss mir selbst über meine Sexualität und meine mitteilungswerten Anliegen im Klaren sein. Spannend. Erst einmal an die Fachschaft weitergeleitet. Da ist bei uns noch viel Luft nach oben.

KW 2 (2018) // Noten. Kurrentschrift. Termine.

Wie in jedem Schuljahr beginnt das neue Kalenderjahr mit dem Notenschluß. Da ich ja „richtig“ Ferien gemacht hatte, stand noch so einiges an Korrekturen bis Donnerstag 18 Uhr auf dem Zettelchen. Schlussendlich waren es einhunderachtundachtzig Schüler|innen, denen ich zweihundertvierundvierzig Noten vergeben habe. Mindestens zwei Fälle taten richtig weh, weil sich damit – also mit/wegen meiner Noten – der Verbleib oder Nichtverbleib in der jetzigen Klasse bzw. an unserer Schule entscheidet. Es ist immer schwer… Aber wenn es pädagogisch-fachlich eindeutig ist, muss ich halt auch solch eine Note den SuS vermitteln (können).

In den Sexten hatte ich zum Einstieg in das Fach Geschichte Stammbäume recherchieren, anlegen und bildlich ergänzen lassen. Wer wollte, konnte seine Arbeit durch ein Interview mit der ältesten noch lebenden Person seiner Familie und/oder dem ältesten Gegenstand der Familie bereichern. Da kamen ganz großartige Ergebnisse der Kleinen zusammen. Zusammen mit den Klassenlehrerinnen haben wir die Familienstrukturen studiert und einige Schlüsse ziehen können, die wiederum zu Nachfragen führten, die die Beziehung Schüler-Lehrer stärkten. Win-win-Situation auf beiden Seiten. Jedenfalls hatte ein Schüler den Hamburger Bürgerbrief und -eid seines Urururgroßvaters von 1900 dabei. Zudem Taufbrief und Geburtsurkunde des Ururgroßvaters von 1898. Dabei kam heraus, dass niemand in der Familie die Kurrentschrift entziffern kann, selbst der beigefügte handschriftliche Brief der Urgroßeltern von 1979 war in Teilen nicht lesbar, was nicht an der Handschrift liegt. Ein paar knifflige Worte waren dabei, aber nachdem ich eine Vorlage zum dänischen Kurrent – der Standesbeamte C. Tietgens hatte seltsame Zusatzbögen – gefunden habe, waren selbst diese richtig super lesbar. Tatsächlich freue ich mich jedes Mal, wenn ich solche „Übersetzungen“ vornehmen kann.

Sonst halt viel Terminorga gehabt. Das neue Team von Pro Familia war da und hat sich mit uns abgesprochen: neue Besen kehren ja bekanntlich besser gut. Bin gespannt, was die SuS sagen werden. Die Präviveranstaltungen rund um Alkohol und Drogen waren ja schon vor Weihnachten via Untis gesichert. Mich um meine eigenen Fortbildungen im 2. Halbjahr gekümmert; vier feste Termine (Bio-Update B, Landesfachtag Geschichte, Zeit- und Selbstmanagement, Uni-Zeugs), eine Abrufveranstaltung (Säule A für Ausbildungskräfte) plant Kollege U. gerade. Nebenbei noch die Klassenfahrt im April im Detail zu Ende organisieren. So viel zu tun, so wenig Zeit.

KW 9 (2016) // …

Seit Dienstag Heiserkeit, seit Samstag dafür leichter Husten. Sonst weder Fieber oder weiteres Unwohlsein.

Gelernt: Kein Lehrergequatsche im Unterricht bringt voll die Ruhe in Klassen. (Ich bin sonst scheinbar selbst Unruhestifter?! Auweia!)

Donnerstag das 1. Mal allein mit Untis und der Vertretungsplanerverantwortung. J. war beim Philologentreff „Norddeutsche Schulpolitik ist doof, rettet unser Gymnasium“, oder so ähnlich. 1/4 der Kollegen krank, dazu kamen 2 weitere Frühausfälle. Alles überlebt, auch wenn ich mich quer durch die im Normalmodus unantastbare Schulleitungsebene arbeiten musste.

Noch 2 (!!11!) Wochen bis zum schriftlichen Abitur. Mein erstes eigenes Abitur seit 1997.

Von der Besten in Augsburg empfohlen bekommen, gerade lesend: Jorge Bucay: Drei Fragen: Wer bin ich? Wohin gehe ich? Und mit wem? [Amazon-Link, an dem ich nichts verdiene.] Hmmm… Hmm… „Heilendes Erzählen“… Was auch immer das sein soll, bei mir wirkt es. 

Ich werde die Tage mal mit den Brötchen-Muttis bei uns in der Cafeteria sprechen, wie sie das mit der #Schweinefleischpflicht halten. Ohne Quark und so wäre dieses absurde Mem durchs digitale Dorf getriebene Sau, doch glatt an mir vorbeigegangen.

Als Biolehrerin im Speziellen und interessierte Menschin im Allgemeinen kommt man nicht umhin, sich auch immer mal wieder mit dem Thema Sexualität/Homosexualität/Bisexualität auseinanderzusetzen. Drüben in den SciLogs zwei wunderbare Artikel (1) (2) dazu. Wobei ich mir ab jetzt vornehme, quellenkritisch darauf hinzuweisen, dass der Begriff homosexuell erst seit dem 19. Jahrhundert verwendet wird.

Was die Leserin oder der Leser auch von dem Gedanken an gleichgeschlechtlichem Sex hält: Fest steht, dass auch dieses Denken gesellschaftlich beeinflusst ist. In einer Welt mit mehr sexueller Freiheit hätten wir alle wahrscheinlich andere Erfahrungen gemacht.

Es ist auch nicht ausgemacht, dass es zu keiner Gegenbewegung mehr kommen wird. Sexualität wird zurzeit in den Mainstreammedien sowieso sehr häufig im Kontext von Verbrechen behandelt, nicht als Möglichkeit der Erfahrung und Selbstentfaltung. Die Gesellschaft kann schnell wieder repressiv werden. Für das Jahr 2016 halte ich das für ein ernüchterndes Ergebnis.

[Stephan Schleim in Menschen-Bilder/SciLogs (2)]