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Was zum Schuljahr 2019/20 festgehalten werden sollte

„Die meisten Menschen überschätzen, was sie in einem Jahr erreichen und unterschätzen, was sie in 10 Jahren erreichen können.“

Samstag Abend, die Nachbarn auf dem Grundstück rechts vom Wohnzimmerfenster sind mal wieder in großer Runde am Grillen: dabei für mich zu leise, um Themen komplett nachzuvollziehen; zu laut, um die voneinander genervten Tonfälle nicht ignorieren zu können. Dazwischen plärren die Kleinkinder. Also doch ran an den Rechner, für normales Lesen fehlt mir die Konzentration, der TV interessiert mich nicht, meine Lieblingsmenschen sind gerade woanders gefordert. Nehme ich mir also die Zeit für meinen Schuljahresrückblick – auch weil in SH bereits Bergfest der Sommerferien ist.

Im November 2016 hatte ich das Sabbatjahr beantragt, zwei Schuljahre angespart, um nun ein Schuljahr den mentalen Reset genießen zu können. Und natürlich, um an meiner Dissertation zu arbeiten. Irgendwie endet es hier bei externen Nachfragen immer in einer Erklärung Rechtfertigung meinerseits, warum ich die nun nicht in diesem Jahr abgeschlossen habe. Ich habe echt ein paar Wochen Monate gebraucht, bis ich mich nicht mehr von der Nachfrage: „Na, was macht die Doktorarbeit?“ provoziert gefühlt habe. Keine Ahnung, was sich da mein Unterbewusstsein vorgenommen hatte, was auf keinen Fall zu schaffen oder überhaupt im Plan war. Aber das kommt davon, weil ich ewig immer begründet habe, ich würde ins Sabbat gehen, um die Doktorarbeit zu schreiben. (Nur um meine Ruhe vor weiteren Nachfragen zu haben.) Die Arbeit ist nun keine ideelle Spielerei mehr, hat einen echten Arbeitstitel (was mit C. P. Snow, Niklas Luhmann, Kultur und Natur) und ist offiziell an der Uni angemeldet; Citavi hat 293 Titel im Projekt „Diskurs Biologie Geschichte“ intus, mit denen ich mich selten weniger, meist intensiver auseinandergesetzt habe. Also alles gut.

Aber von vorn:

Es hat ein wenig gedauert, bis ich im Juli/August 2019 in die freie Zeit gefunden habe, auch weil ich mich im Schuljahr davor völlig verausgabt habe. Innerlich wohl wissend, ich habe dann länger frei. Das ist mir aber erst im Laufe des Sabbatjahres aufgefallen, auch muss ich langfristig daran etwas ändern. Dafür hat sich die Corona-Zeit sehr gut eingepasst, die mich noch einmal mehr geerdet, weil ausgebremst hat. Schaut man nämlich in meinen Kalender in die Monat zuvor, habe ich immer 2-3 Termine in der Woche:

  • Qualifizierung zur Mentorin in der Springerbegleitung/Begabtenförderung,
  • Module der TVaS,
  • Präventionsarbeit, -fortbildungen und -orga,
  • bisschen Personalratsarbeit,
  • Konzeptarbeit (Begabtenförderung- und Hybridkonzept),
  • Orga von zwei SE-Tagen,
  • schulinterne Curricula schreiben,
  • Kolloquia an der Uni,
  • Fachfortbildungen in Ge und Bio,
  • Ausbildung zum Lerncoach.

Meine Schwester hat mir mit dieser Aufzählung erst kürzlich mein Köpfchen zum Rumgejammere im Absatz zuvor gewaschen. Ich habe echt viel für mich und meine weitere berufliche Entwicklung getan. Denn private Termine, der Urlaub in Kroatien, der längere Aufenthalt in Israel, Willys Tod und das Gesundheitsthema meiner Mutter sehe ich in der großen Aufrechnung gerade gar nicht. Huch…

Mein Büro und mein Kleiderschrank sind ausgemistet und aufgeräumt, meine digitalen Speichermedien gesichtet und reduziert. Ich habe einen neuen Rechner, einen vernünftigen Bildschirm, mein Workflow ist im Idealfall neu gestaltet. Mittlerweile esse ich 2x am Tag, 14-16 Stunden wird gefastet. Ich trinke keine Milch mehr im Kaffee, die Antwort ist immer 42. In der Küche ist ein neuer Herd, ein neuer Kühl-/Gefrierschrank soll folgen. Von einigen alten Freundschaften musste ich Abstand nehmen, Distanz ist für einige Menschen nicht machbar. Aber vielleicht hat jeder nur so und so viel Platz im Leben.

Um meine Finanzen und mein vermietetes Häuschen habe ich mich so richtig, richtig gekümmert. Ins (eigentlich leichte) Thema ETFs und REITs habe ich mich neu eingelesen: buy and hold, keine Aktiensperenzien, Immobilien kann ich. Die Übersicht aller Ein- und Ausgaben, aller Vermögenswerte, dazu Abgleich meiner Freistellungsaufträge und ein (theoretischer) Rentenrechner war überfällig – das dauert, aber macht Spaß und ich habe nun Klarheit und Planungsfreiheit. Der Riestervertrag ist auf ein Minimum gesenkt, der 13 Jahre alte Corsa bleibt, die reine Sparquote jedoch ist durch Streichung unnötiger Ausgaben auf 20% angehoben. Portfolio Performance begleitet mich als krasses Tool in der Übersicht meiner ETFs, Fonds, Crowdinvests und Immobilieneinnahmen. Was ich ja schon immer wusste: Ein Mann ist kein solider Finanzplan, um die Rentenlücke zu schließen. ;)

Im nächsten Schuljahr kehre ich daher beruhigt mit nur 21 von 25,5h zurück. Es geht mir um Zufriedenheit (oder Sicherheit?) und nicht um ein ständiges mehr auf dem Konto. Das haben die letzten drei Jahre mit 66,66% gezeigt. Wenn der Stundenplaner nett zu mir ist, bekomme ich damit einen freien Tag (für die Diss!), zumal ja noch Ermäßigungsstunden für einige Tätigkeiten abgezogen werden. Bisher weiß ich nicht, was mich erwartet, die Unterrichtsverteilung gestaltet sich diesmal wohl ziemlich problematisch… Aber ich muss auch schauen, dass ich mich nicht wieder übernehme. Nicht, dass die Ergebnisse mangelhaft sind, ich merke zu spät, dass ich selbst leide. Meine Psoriasis und mein Hashimoto sind nicht umsonst meine engsten Begleiter.

[2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 2018/19 | Dies war mein 7. Schuljahr nach dem Referendariat.]

KW 49 (2019) // SPD, Twitter, Grünkohl

Die SPD versucht sich mit einer Doppelspitze. Durch die Filterblase ist mir Saskia Esken bereits bekannt. Ich wünsche ihr natürlich alles Gute, sie wird sich ganz wunderbar profilieren. Norbert Walter-Borjans: in meiner Referendariatszeit 2011-2013 war er als Finanzminister in NRW indirekt für meine Besoldung und Steuererklärung zuständig, diesen Bezug konnte ich aber erst nach einer kleinen Recherche herstellen. / Ich überlege gerade ganz anders, ob sich das „Modell SPD“ nicht überlebt haben könnte? Im Geschichts-Kolloquium haben wir u.a. von Byung-Chul Han „Psychopolitik“ (2014) gelesen. Nach der Disziplinargesellschaft macht Han nun die Kontrollgesellschaft aus, in der „das Ich zum eigenen Projekt“ wird. Wenn nun aber die Apps des Social-Media-Webs und Big Data mit seinem immerwährendem (unemotionalen) Gedächtnis, über uns Macht ausüben, der Feind sozusagen in uns selbst steckt, benötigt es dann noch Sozialpolitik für die die SPD einst stand? Vielleicht muss sich die SPD neue Themen suchen, was ja nicht schlecht sein kann. Neue Zeiten, neue Themen. Aber erst einmal bitte nicht die GroKo verlassen. Wer dann alles in der Partei verbleiben mag, soll das für sich entscheiden und nicht rumbellen.

Mich bei Twitter abgemeldet und beide Accounts deaktiviert. Es geht mir auf die Nerven, wie dort miteinander umgegangen wird. Ein Teil der Lehrerschaft versucht sich mit Innvationen und neuen digitalen Ansätzen, dem anderen Teil verlässt die Möglichkeit ordentlich zu kommunizieren und darauf zu reagieren. Ewige Diskurse darüber, wer was fordern darf, wer was wie geschrieben und gemeint hat. Wenn Digitalien so aussieht, dass man aneinander vorbeidiskutiert – und sich immer wieder neue Leser aus der Filterblase fragend und wertend einmischen, wozu sie alles Recht der Welt haben – so dass gar keine Beruhigung mehr eintritt, dann ist das nicht mehr „mein Twitter“. [Ein Nachklapp ist bei Bob zu lesen.] Wenn dann schon wieder über das #twitterlehrerzimmer feministisch fabuliert wird, reicht es. Jede/r soll Twitter nutzen, wie sie/er es mag. Nehmt doch #twlz oder #twitterlehrer:innenzimmer, macht was ihr wollt, aber hört auf, andere damit zu bedrängen. Cool down und erst einmal alles ruhen lassen. Im neuen Jahr gestalte ich mir die Timeline neu oder bleibe ganz fern.

Die Grünkohl-Saison ist eröffnet. Am Mittwoch war Pensionärstreffen bei uns. Konkret lädt die Schulleitung zur Zusammenkunft ein, ein Teil der SL-Runde und wir vom Personalrat administrieren den Abend. Kochen, Umräumen des Lehrerzimmers, Eindecken und Service. Ich hatte viel Freude.

The Idea von Blue Zone auf Vimeo

KW 38 (2017) // 32-Bit. Geschichtsbewusstsein. Once.

Mit iOS11 werden einige Apps den endgültigen digitalen Abgang finden, nämlich alle 32-Bit-Apps. Seit 2010 bin ich im iPhone-Universum. Und natürlich habe auch ich seit Beginn der App-Welle Körperwerte getrackt, die ich nun nicht ohne Weiteres „löschen“ a.k.a. aufgeben mag, denn ein woanders wieder einspielbares BackUp war in der seit Jahren genutzten Old-School-App nicht vorgesehen. Was nun tun? Ich habe also tatsächlich mehrere 100 Werte erst abgeschrieben, um sie dann in eine neue App einzutippen. Nun ja, Teil 1. Eine witzige Reise in die Vergangenheit. (Wahrscheinlich gehört das eher in die Kategorie Techniktagebuch.)

Once? Once. Zweieinhalb Monate lang habe ich mir Zeit und Geduld genommen, mich mal wieder ums Dating zu kümmern. Und ja, im Vergleich zu meiner Tinder-Erfahrung (ja, dort… ich bin trotzdem nicht nur auf das Eine aus…) war das jetzt irgendwie phänomenal. Zwei Dates sind herumgekommen, mehrere nette bis langweilige Chats obendrein. Wie immer die Fragen: Was mache ich da? (Jedenfalls keinen Liebeskummer verdrängen…) Was wollen die Kerle da? Brieffreundschaften aufbauen? Reine Selbstbestätigung? Den Marktwert testen, weil es daheim nicht so läuft. Nun ja, Teil 2.

Jetzt noch ein Aha! Unterrichtlich beginnt es in der E-Phase mit Was ist Geschichte?, Geschichtskultur, Geschichtsbewusstsein. Heute Mittag fiel der Groschen. Warum Biologie, warum Geschichte? Warum ausgerechnet diese beiden Fächer? Weil ich nicht nur verstehen will, wie mein Körper funktioniert. Also eher ein [kindlich-]naturwissenschaftliches Interesse an der Welt in mir und um mich. Geschichte als Beantwortung der philosphisch-soziologischen Frage, woher mein Ich-Verständnis, mein Rollenbild, mein Familienkonstrukt kommt. Und über allem die Suche nach der gemeinsamen Klammer.

KW 24 (2017) // Trump. Kohl. Abitur.

Begann die Woche nicht wie immer? Irgendwas mit Trump? Zumindest kann ich mich an meinen Gedankengang zu Politik und Unternehmensführung erinnern. Ja, Trump mag ein ordentlicher Unternehmer sein, zumindest kann man ihm eine gewisse Geschäftstüchtigkeit nicht in Abrede stellen. Doch ob er deswegen automatisch ein guter Politiker sein kann? Spontanes und ichbezogenes Handeln mag sinnvoll fürs Konto sein, aber nicht, um ein Land zu regieren.

Helmut Kohl ist gestorben. Ich hatte darauf gewartet, es aber längst vergessen. Zu sehr wurde nicht mehr über ihn berichtet. Was Maike nun mit dem biografischen Nachlass macht? Muss dabei irgendwie an Friede Springer denken. Ein Buch von/mit/über Frau Kohl-Richter kommt bestimmt schon im nächsten Jahr. Ob sie sich mit Helmut abgesprochen hat/ absprechen hat können? Er ist sicherlich nicht der Typ Mann, der DAS – die Interpretation seines Lebenswerkes – einfach so ungeklärt hat liegen lassen. (Btw: Wie gehen Wissenschaftler mit ihrem Nachlass um? 40 Jahre zu einem Thema geforscht und zack, kommt der Hausmeister und schmeißt die Unterlagen in den Papiercontainer?!)

Meine erste aktiv erinnerbare Wahl war 1998. Kohl ging, Schröder kam. Die CDU habe ich tatsächlich bis heute noch nie gewählt. Kohl blieb mir immer suspekt. Einerseits der Entscheider/Vorantreiber, andererseits das private Dilemma. Jemand, der sich und seine Wirkung auf andere immer in seiner Hand behalten, aber die Bedürfnisse derer  – auf die er kommunikativ angewiesen war – nie wirklich berücksichtigen wollte.

Und dann wieder mündliches Abitur. Da wir nur sechs (6!) Kolleginnen und Kollegen sind, werden sich 39 Prüfungen mal schön auf drei (3!) Tage verteilen. Mein Wunsch, auch bei Geschi dabeisein zu können, weil ich 2018 selbst dran bin, hat sich zerschlagen. Diesmal also Protokoll und erstmalig als Vorsitz (Selbstbild vs. Fremdbild vs. Funktionsprinzip). Ob ich selbst gar noch Nachprüfungen habe, entscheidet sich morgen.

KW 51 (2015) // Geschafft

Das Gefühl, den schlimmsten Teil des Dezembers überstanden zu haben. Als würde der beklemmende Herbst-Winter-Übergang mir immer die Luft abschnüren. Das ganze Gewese um die Weihnachtszeit und mit Weihnachtsmärkten erscheint mir von Jahr zu Jahr sinnloser, lässt sich aber eigentlich ganz gut ausblenden. Mit einem Glühwein geht alles. ;)

Das WE mit der Besten in HH verbracht. Unsere Herzschmerzthemen perspektivisch gewälzt und für 2015 zum Abschluss gebracht. Es tat so gut. Manch Dinge sind Never-Ending, nur die Systemebene erhöht sich.

Die Beste am Sonntag, kurz bevor der Zug zurück nach Augsburg ging, zur kollegialen Miniweihnachtsrunde mitgenommen. Einfach mal die Gesichter zu den Menschen zeigen, über die man häufiger etwas berichtet. Zunächst im Alten Mädchen an der Sternschanze getroffen. Was ein geiler Laden!!! Tolle Bierauswahl, schmackhafte Speisen. Preislich etwas überzogen, aber egal. Danach natürlich weitergezogen.

Als Klassenlehrerin der Q1 gabs mal wieder Nervereien wegen der Klassenfahrtsorga für nächstes (!) Schuljahr. Sechs unterschiedlich große Klassen, eigentlich wäre klar und logisch, wer wie mit wem fahren müsste. Allein wegen der Männlein-Weiblein-Betreuung. Ihr kennt das: Die SuS sind nicht der Pferdefuß im System, eher die KollegInnen untereinander, die sich absprechen müssen können wollen – oder auch nicht. Am Ende fühlt sich immer einer/eine übergangen.

Mit der Korrektur fürs Vorabi halbwegs durch. Am Donnerstag noch Scheite ins Korrekturfeuer geworfen (bekommen). 1x Klausur im kleinen Bio-Profil, 1x KA in Medien. Erst einmal Ruhe bis Februar.

Hocke, liege, stehe nun im Spreewald bei der Kernfamilie. Jedes Jahr wieder eine kleine, aber liebgewonnene Deutschlandreise für meine Sis (Paderborn) und mich. Habt schöne Weihnachtstage. Genießt eure Lieben. <3