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KW 19 (2020) // Acht Wochen mit Dingens

Dieser Tage im Radio gehört: Sex und Essen – diese zwei Dinge bleiben einem in der Corona-Zeit. Nun ja, ich habe sicherlich auch noch andere Dinge getan. Aber das Gefühl, dass außer regelmäßigen und langen Spaziergängen, Internet leer lesen oder Telefonaten nicht mehr stattgefunden hat oder ich mich zu Arbeiten an der Diss nicht wirklich habe aufraffen können, ist vorherrschend. Ich vermisse das Freibad, ich vermisse meinen Flat White im Café, das Handwerker-Frühstück beim Bäcker. ich vermisse meinen Arbeitsplatz in der StaBi, die ein oder andere Pho im Nachgang. Selbst, die Berichte über anstehende Filme oder vergangene Kulturveranstaltungen vermisse ich. Stattdessen: überall nur dieses Virus und Warnungen rund um die Krankheit, Verhaltensregeln und irgendwas mit Wirtschaft, Schule, kein Urlaub oder Fußball im TV, im Radio, in den Zeitungen auf meinem Küchentisch. Alles Hashtag Dingens.

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Wie man so ganz persönlich tickt, kann man aber zumindest ziemlich gut abschätzen lernen. Mich treibt sinnvolle Arbeit an. Habe ich ganz gut zu tun, kann ich noch mehr leisten. Und mich mit der einen Arbeit von der anderen ablenken. Sobald ich in einen Ferienmodus eintauche, den #Corona ja unweigerlich ausstrahlt, schaffe ich es nicht mal mehr, mich zum Staubsaugen zu motivieren. Aber im Garten stehen nun vier neue Tomatenpflanzen und ein großer Topf mit selbst gezogenen Sonnenblumensorten, die Blumen-Rabatte ist gereinigt. Ich war Ende April ein verlängertes WE in Bielefeld bei meiner Sis (Auweia! Tatsächlich hatten wir uns eine kleine Story ausgedacht, warum ich hin muss…). Mich weniger um Mom gesorgt. Meine Steuererklärung ist seit Anfang April raus. Meine Finanzen und Sparpläne sind so eingerichtet, dass ich jetzt einfach mal die Finger davon nehmen kann. Ab August (nach der schmerzhaften Sabbat-Finanzierung) gibt es eh wieder mehr Geld, dann kann ich die Sparquote auch erhöhen. Zwischendurch bin ich 42 geworden. Endlich musste ich mal keine Ausrede bemühen, warum ich nicht feiere. ;) Den Prof bei einer Vorlesung im Netz zugehört. P. von K. bei eigenen Dissplänen zugeraten und Tipps gegeben. Reichlich für Zwei gebacken und gekocht. Das geregelte Leben in der Seniorenresidenz geübt. Akustisches Löschblatt gespielt. Für nächstes Schuljahr das Mediencurriculum (Wahlpflichtfach) neu zusammengestellt und für den Oktober die Veranstaltung „Medien machen Schule“ zusammen mit dem Verbraucherschutz, dem Landesdatenschutz und der Polizei angegangen. Die Planung ist doch etwas aufwendiger. Und vielleicht sinnlos, weil was plant man zur Zeit auch überhaupt so einen Quatsch.

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Das Einsehen gehabt bequatscht bekommen, dass ich wohl selbst zur Risikogruppe (Einnahme von MTX) gehöre. Hier braucht es nun das Attest meiner Ärztin, damit ich nächstes Schuljahr meine Gesundheit nicht überschätze und als Rampensau ungebremst vor mein Publikum trete. Eigentlich mache ich mir keine allzu großen Sorgen, da ich auch bei den üblichen Grippe- und Erkältungswellen ohne Ausfälle über die Runden komme, nie geraucht habe, grundsätzlich fit bin. Aber ich kann das Virus eben nicht abschätzen, kenne bisher niemanden persönlich… Risiko gehört zum Leben. Sehr mühselig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

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Um der Hilflosigkeit (ctrl+verlust?) entgegenzuwirken, wie ich denn trotz Attest „nützlich“ für unsere Schule sein könnte, zusammen mit J. das Konzept für einen Hybridunterricht an unserer Schule ausgearbeitet, S. hat alles in eine schöne Grafik gegossen und bekommt nun zur Belobigung sein IServ als LMS genehmigt. Zusammen haben wir es Dienstag unserer Direktorin und dem StevDirex in einem 1,5h Pitch vorgestellt – IServ am Freitag war praktisch die erste Konsequenz aus diesem Gespräch. SchulCommSy ist halt kein Lernmanagementsystem, nur eine schlechte Dateiablage.

Niemals vorher war ich Twitter als Inspirationsquelle so dankbar. Lest euch gern selbst ein und denkt an eure Schulen:

Marko Demantowsky / Gerhard Lauer: Präsenz der Lehre zwischen Prä- und Postcoronazän. Ein Essay (Teil 1) (01.05.2020) URL: https://www.phft.de/praesenz-der-lehre-zwischen-prae-und-postcoronazaen-ein-essay-1/ (Stand: 05.05.2020).

Charles Fadel / Maya Bialik / Bernie Trilling: Die vier Dimensionen der Bildung. Was Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert lernen müssen (2017)

[KMK] Hubig: KMK übermittelt Rahmenkonzept an Regierungschefs / Gesundheitsschutz der Schulgemeinschaft steht an erster Stelle (28.04.2020) URL: https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/hubig-kmk-uebermittelt-rahmenkonzept-an-regierungschefs-gesundheitsschutz-der-schulgemeinschaft-st.html (Stand: 05.05.2020).

Björn Nölte: Formative Assessment: Bewerten um des Lernens Willen (17.10.2017) URL: https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/255718/formative-assessment-bewerten-um-des-lernens-willen (Stand: 05.05.2020).

Klaus Peren: Schule für Alle in Zeiten von Corona, so kann es gehen! (28.04.2020) URL: https://www.linkedin.com/pulse/schule-f%25C3%25BCr-alle-zeiten-von-corona-so-kann-es-gehen-klaus-peren (Stand: 05.05.2020).

Jan Vedder: Digitalien sucht das Supermodell (13.01.2019) URL: https://www.vedducation.de/modell/ (Stand: 05.05.2020)

Kristina Wahl: Skizze des Hybridunterrichts (26.04.2020) URL: https://diefraumitdemdromedar.de/hybriddidaktik (Stand: 05.05.2020).

Denn nach den Sommerferien geht es nicht normal mit einem Regelbetrieb an den Schulen weiter. Doch so wie jetzt, kann es weder weiterhin eine kommunizierte Lern(plan)freiheit noch eine Leistungsfreiheit für die Schülerinnen und Schüler geben. Besser JETZT solch ein Konzept, mit dem wir schnell an unsere Schulaufsicht herantreten, welches wir in nächster Zeit sogar frei ausprobieren könnten, als bis Mitte August auf eine Idee aus dem Ministerium zu warten. Jede Schule hat begrenzte Ressourcen an Kolleg:innen und deren Fächerspektrum, an Räumen, an Risikogruppen unter SuS und KuK, jede Schule weiß für sich am besten, was rollierend unter Hygienestandards geht. Alle Teilnehmer:innen und Teilgeber:innen unserer Schule sollten zusammen eine Struktur verfolgen können, die zudem die Arbeitsbelastung der Teil- und Vollzeitkräfte berücksichtigen kann. Der aktuelle Zustand ist doch keine Dauerlösung, quasi jeder arbeitet entweder deutlich zu viel (Feedback-, Korrektur-Anspruch, Lernvideos erstellen) oder unter seinen Möglichkeiten (Qualität der Inhalte, Zielsetzung für SuS). Es gibt keinen festen Stundenplan, der eigentlich eine Arbeitshilfe für alle im System Schule ist. Auch für Eltern, die drumherum planen und fest wissen, dass ihre Kinder versorgt sind. Dieser Rahmen fehlt, also muss man sich als Schule einen neuen aufbauen, der am Ende Sicherheit für alle bietet. Nichts ist von Beginn an perfekt, auch solch ein Konzept von Hybridunterricht mit einem Tag Präsenzzeit vs. vier Tagen digitalen Unterricht wird von vielen Bedenken getragen sein. Aber wenn man nichts ausprobiert, kann nichts besser werden. Und die Präsenzzeit kann ja flexibel hochgesetzt werden.

Rotbuche vor der Schule

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btw: Wir bekommen keine Zwischenreinigung, Masken bringen wir selbst mit, Desinfektionsmittel zum Abitur haben wir aus privaten Mitteln erworben, der Schulträger meint, Händewaschen und Abstand reicht doch. Die überhebliche Debatte im Netz nervt mich da, bei Schulen wird nämlich einen Scheiß auf Arbeitsschutz wie in Firmen geachtet. Pläne wie bei meiner Sis (Autobranche…) wären ein Traum. Die Stadt guckt halt auf ihren Haushaltsplan – leider zu verständlich, wenn man hier wohnt.

Was zum Schuljahr 2018/19 festgehalten werden sollte

Diesmal ein relativ ausgeglichenes Schuljahr in der Verteilung der Unterrichtswochen im 1. und 2. Halbjahr: jeweils 19 Wochen. Ersichtlich ergaben sich Schwerpunkte in der Elternarbeit (viel mehr an Telefonaten und persönlichen Treffen), in der eigenen digitalen Professionalisierung (Arbeit mit ToDo, TeacherStudio und WeekView) bzw. Organisation von Projekten an der Schule. Immer wieder – wenn ich mit der Sammlung der harten Fakten subjektiven Mitschriften für diesen Eintrag hier beginne – bin ich überrascht, was sich so an Terminvielfalt und -dichte in einem Schuljahr wiederfinden lässt.

Zahlen, Daten, Fakten:

  • 3 Oberstufenkurse: 2 in Biologie, 1 in Geschichte (brachte 102 Klausuren, zum Teil Klausurersatzleistungen)
  • 8 Klassen in der Orientierungs- und Mittelstufe: 4 in Biologie, 3 in Geschichte, 1 in Medien und Öffentlichkeit (WaPf) bzw. im 2. Halbjahr durch Unterrichtsneuverteilung: 6 in Biologie, 1 in Geschichte, 1 in MedÖ (ablesbar wird: Biologie ist ein Mangelfach an unserer Schule…)
  • außer in Klasse 8 in jedem Jahrgang mindestens eine Klasse  bzw. einen Kurs unterrichtet
  • im 1. Halbjahr Notenverantwortung für 196 Schüler*innen, denen ich 257 Zeugnisnoten gab; im 2. Halbjahr dann für 211 Schüler*innen, denen ich 245 Zeugnisnoten gab
  • Klassenleitung (-sbeschäftigungstherapie in) einer 9. Klasse (Hauptthemen: „Erreiche ich die E-Phase?“ „Möchte ich in die E-Phase unserer Schulart?“ „Welches Profil nehme ich nur?“; quasi nebenbei lief das Betriebspraktikum und waren drei Austauschschüler*innen für mehrere Tage bzw. Monate zu integrieren; allein die herzlich-emotionale Sammlung an persönlichen Briefen und Erinnerungen für mich zum Ende des Schuljahres verdeutlichte mir erneut die Bedeutung einer Mittelstufen-Klassenlehrerin in dieser entscheidenden Phase der Schullaufbahn; richtig tolle Elternsprecher gehabt, die mir ein Mega-Feedback gegeben haben)
  • eine Klassenfahrt begleitet (Sylt mit zwei Fünften)
  • fünf Wandertagen beigewohnt (zwei davon selbst organisiert)
  • 15 Präventionsveranstaltungen/-teilnahmen für unsere Schulgemeinschaft organisiert/mitgemacht
  • 2 Schulkonferenzen, 2 Dienstbesprechungen, 2 Lehrerkonferenzen, 4 Fachschaftssitzungen, 20 Notenkonferenzen, 8 pädagogische Teambesprechungen, 1 Klassenkonferenz, (nur) 4 Elternabende, 2 Elternsprechtage, 2 Schulentwicklungstage (SE-Tage), 6 Termine des AK Projektwoche, 1 Einladung zum SEB, seit November 2018 1x wöchentlich SV-Sitzung sowie mindestens zwei Hände voll an weiteren terminierten Gesprächsanlässen mit Kolleg*innen und/oder Eltern und/oder Schüler*innen
  • 12 Prüflinge in Biologie als Vorsitzende oder via Protokoll durchs mündlichen Abitur begleitet
  • zwei Tage für ganztägige Fortbildungen frei bekommen, an sieben Terminen sechs weitere FoBis besucht
  • eine Projektwoche zusammen mit einem Schüler und einem weiteren Kollegen nahezu im Alleingang organisiert (administriert? delegiert?)
  • zehn Tage im 1. Halbjahr (u.a. der OP-Termin), zwei Tage im 2. Halbjahr (totale Erschöpfung) krank gemeldet

Bild von Sasin Tipchai auf Pixabay

Als hätte ich es bereits im Sommer erahnt und die FoBi zur  Gremienarbeit besucht, so sollte dieses Schuljahr ernsthaft umfänglich in der Arbeit im System werden. Bedingt durch eine Elternzeit war ich dieses Jahr Vorsitzende der Bio-Fachschaft, absehbar war, dass ich mich als Vertrauenslehrerin aufstellen lassen – allein der Zuspruch überraschte mich. Dritter Neubau: Personalrat. Im November wurde ich eher nebenbei Wahlvorstand, da ich bereits vor 4 Jahren die letzte Wahl begleitete, mir eh Verordnungen und Auswertungen liegen, da sich jedoch nur 5 mögliche Kandidaten für einen 5er-PR fanden, wollte ich natürlich auch eine ernsthafte Wahl ermöglichen, zack, ergänzten 2 weitere Kandidat*innen – inkl. meiner Person – den Wahlschein. Was soll ich viel schreiben? Seit Mai bin ich nun auch im Personalrat.

Mit Beginn des Schuljahres hatte ich angefangen die Vertretungsstunden akribischer aufzuschreiben, aber was bringt die Aufrechnung, wenn ich nicht weiß, wie viel mir durch schulorganisatorischer und nicht nur krankheitsbedingter Überschneidungen entfallen ist? Ersichtlich ist, dass ich mir wohl selbst in meiner Funktion als Stundenplanerassistenz sinnvollerweise häufig eine meiner drei Lieblingsklassen verpasst habe, damit sie nicht bei klassenfremden Kolleg*innen unnötige Vertretungen haben.

Untis und ich haben nach Ostern Abschied voneinander genommen. Nach vier Jahren Assistenz – und mit Aussicht meiner Abwesenheit im nächsten Schuljahr – war eine Nachfolge unabdingbar. Ja, im 1. Halbjahr gab es noch die ein oder andere Möglichkeit ganztägig den StevDirex zu vertreten, aber nun macht es halt jemand anderes. Vor allem jetzt in den ersten Sommerwochen hat mir die Stundenplanung für das neue Schuljahr aber bereits mächtig gefehlt. Ach, ach…

Hallo, Moin. Moin, Hallo. – Moin, Moin.

Worüber ich hier fast nie schreibe, ist mein Unterricht. Er ist und bleibt mein Dreh- und Angelpunkt. Mit gut geplanten Unterricht und einer ordentlichen Portion Humor möchte ich meine Schülerschaft von meinen Fächern, meiner Lebenseinstellung überzeugen können. Schüler*innen erwarten keine Mrs. Perfect, wenn sie mit mir zusammen neue Themenfelder erforschen, die ich z.T. ausdrücklich aussuche, sie aber dabei merken, dass sie sich einbringen müssen, dann wird es ein bleibendes Ergebnis geben.

Nunmehr also Ferien-Bergfest in SH und damit einhergehend die ewig ähnlichen Frames und Diskurse im Internet: 6 Wochen Ferien für Lehrer – warum; unterschiedliche Ferientermine in den Bundesländern – warum; Kündigung von in Zeitverträgen festhängenden Kolleg*innen – warum etc. pp. Die einen suchen noch nach Alternativen in ihren Feedback-Formaten, die anderen überlegen derweil, wie sie ihre neuen Sextaner begrüßen können. Danke, dass ihr mit mir auf mein Schuljahr zurückgeblickt habt. Für das nächste Schuljahr habe ich mir ein Stück Freizeit und Freiheit erarbeitet, ich werde ein Sabbatjahr einlegen. Vielleicht ergibt sich wieder mehr Zeit, dieses Blog zu befüllen. Schreiben werden ich auf jeden Fall viel, wenn nicht unmittelbar hier.

[2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 | Dies war mein 6. Schuljahr in Vollzeit nach dem Referendariat, womit ich mir meine 6 Wochen Ferien wohl in doppelter Hinsicht verdient habe.]

KW 4 (2019) // Halbjahresgewusel

Wettermäßig hatte diese Woche alles im Angebot: Schnee, Regen, Kälte, Glätte, Sonne. Weniger Regen im Januar hilft schon mal, den Monat ein bisschen mehr zu mögen. Heute beim Spaziergang zudem die ersten (männlichen) Haselnussblüten gesehen, bessere Vorfrühlingsboten gibt es dann doch nicht.

Was diese Woche bestimmt hat, war der neue Stundenplan für das 2. Halbjahr. Kollegin 1 geht in den Mutterschutz, einer der Refis verlässt uns – nach bestandenem Examen; eine Vertretungskraft geht in die Doppelbesetzung, da Kollegin 2 mit den Osterferien in den Mutterschutz geht. Die neue Direktorin übernimmt mehr Stunden, als ihr Vorgänger abgibt… Ich selbst gebe zwei Klassen in Geschichte ab, übernehme dafür zwei in Biologie: 55 neue Namen, neue Gesichter, neue Erwartungen. StevDirex und ich, wir haben wie immer in Untis erst die Klassenpläne von der Q2 runter, dann die Lehrerpläne geschoben, gemeinsam geflucht, wieder A- und B-Wochen eingeführt, aber am Ende dann ein vollständiges Tetris pünktlich abgeliefert. Langsam kommt etwas Wehmut bei uns auf, weil wir nach fast 4 Jahren ein yottamäßig eingespieltes Team sind. Ich komm ja wieder. Noch 153 Tage bis zu meinem Sabbatical.

Symbolbild Stundenplan

Freitag waren die Zeugnisse angesagt. Meine Neuner sind aktuell keine Überflieger und Hochleistungsbienchen, aber sie halten sich trotz pubertärem Umbau sehr tapfer im Notenbild. Dafür passt es umso besser im zwischenmenschlichen Bereich. Und das ist, was zählt! Wenn ich sie für schulische Termine anfrage, machen sie mit. Vorbild rules. In diesem Fall werden sie an einem der Elternsprechtage in der nächsten Woche, uns aufsuchende Eltern hilfreich durch die Gänge an der Schule geleiten.

Bereits im Oktober hatte ich begonnen Grünkohl für das Kollegium zu organisieren, vor Weihnachten war die Termindichte (meine OP!) zu straff, so dass ich auf den Januar umdisponiert hatte. Nach den Zeugnissen sind tatsächlich die Hälfte der KuKs geblieben, um gemütlich das Halbjahr ausklingen zu lassen. Ich mag norddeutsche Küche. Im Anschluss blieb ich noch ein bisschen im LeZi und schaute den Doppelkopfspielern über die Schultern. Ich raffe das Spiel einfach nicht. Irgendwas mit Augen, Trümpfen, Hochzeiten und Solo-Gängen. Aber einen Sieger gibt es immer.

Privat habe ich es zur Zahnreinigung geschafft, die mich im Nachgang mit ordentlichen Kopfweh bestraft hat. Rumgewurschtel am Kiefer ist eindeutig nicht eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Aber trotzdem immer wieder nett, dort die Mutter eines Ex-Schülers zu treffen. Wie schnell sie alle groß werden. Nein, mir ist das nicht unangenehm, dass dann eventuell mein Gebiss daheim besprochen werden könnte. „Frau L. könnte häufiger Zahnseide verwenden…“ ;)

Über den Kohleausstieg denke ich an anderer Stelle im längeren Gedankengang nach. Denn meine Heimat ist da sicher uneins mit der offiziellen politischen Vorwärts-Meinung. Auch ich habe mich mit Mom am Telefon auseinandersetzen müssen… Wieder Arbeitsplätze, die verloren gehen. Wieder wird vom Strukturwandel gesprochen, der angeblich schon seit 30 Jahren da ist. Wo sind die Perspektiven für eine Region, die 2030 kaum noch eine jugendliche Zielgruppe [1] wird ansprechen können? Man kann der (kulturellen) Evolution wahrlich nicht immer zuschauen.

[1] Bevölkerungsprognose des Landes Brandenburg, besonders S. 19!

2018 – Ein Rückblick

Der letzte Jahresrückblick kam etwas traurig um die Ecke. Ein „genug und ausreichend“ war gefühlt „zu wenig“. In 2018 habe ich mich diesem inneren Konflikt etwas bewusster gestellt. Ungefüllte und ungeplante (Aus-)Zeiten zu genießen, war ein Lehrstück. Klar, war ab und an wieder Kopf über Herz über Seele dabei, da kann ich nicht aus meiner Haut, die alten Reflexe eben. In allem Empfinden war 2018 irgendwie gedrosselter und langsamer. Um mich herum haben die Leute geheiratet, Häuser gekauft, größere Wohnungen angemietet, Kinder bekommen, Krankheiten kuriert, sind in Pension gegangen oder neu an der Schule aufgetaucht, haben sich für oder gegen Jobs entschieden, nebenbei Abschlüsse eingefahren oder Prüfungen abgelegt, Glück und Unglück gehabt, wild mit ihren Fäusten und Krückstöcken gefuchtelt, rumgejammert, Ansprüche geäußert, unerfüllbare Bedingungen ausgesprochen, Scheidungen vollbracht…

Symbolbild 2018

Mein Thema 2018 war: Mich anerkennen, wie ich bin. Den 40. Geburtstag inhaltlich ignorieren, weil ich bereits so viel gemacht und erarbeitet habe. Einfach den Status Quo und das Leben genießen, für andere bei Bedarf und für mich immer da sein. Privat einige Dinge geregelt und abgeschlossen zu haben, hat einen großen Beitrag geleistet. Stetiges Kämpfen lohnt nur bei echten Perspektiven.

Zugenommen oder abgenommen?
Es ist kompliziert. Wie stark ich als Kohlenhydrat-Junkie gegensteuern muss, ist eh nur ein Indikator dafür, wie es mir innerlich geht.

Mehr bewegt oder weniger?
Mehr erlaufen, weniger geschwommen.

Haare länger oder kürzer?
Die Grundlänge hat sich mittlerweile auf etwas über schulterlang eingependelt, kürzer sollte es „der Weiblichkeit wegen“ nicht mehr werden. An der Farbe haben R. und ich etwas gespielt – weniger blond.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Da ich nicht wie geplant beim Optiker war, keine Ahnung. Die zwei Gläser machen ihren Job.

Mehr Kohle oder weniger?
+/- Null. Das vermietete Häuschen wirft mehr ab, die Stufenerhöhung in der Besoldungsgruppe war okay, 18€ im Lotto gewonnen. Fast genauso gut vom Gefühl, aber effektiver im Ergebnis: die erhöhte Rückzahlung des Finanzamtes.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger für Bahnfahrten (!), mehr für Freizeit und Kurztrips. Mehr auch auf dem samstäglichen Wochenmarkt. Durch das geplante Sabbatjahr jedoch insgesamt weniger Geldfluss auf der Haben-Seite. Aber darauf kann man sich ja einstellen. Verhungert bin ich ganz sicher nicht.

Die teuerste Anschaffung?
Gleich im Januar das iPhone 8. Nach 4,5 Jahren Nutzungszeit hatte das iPhone 5 seine Schuldigkeit getan.

Der hirnrissigste Plan?
Den Corsa aus sentimentalen Gründen zu halten. Theoretisch könnte ich dessen laufende Reparaturkosten jedes Jahr erneut eine Antwort höher eintragen. Praktisch steht er nahezu ungenutzt rum (< 8.000km/Jahr). Mein blaues Wunder.

Die gefährlichste Unternehmung?
Zählen Klassenfahrten und Wandertage mit in diese Kategorie?

Das leckerste Essen 2018?
Immer im Xeom in HH.
Das verdiente Sushi mit C. nach der Klassenfahrt.
Paderborn, Wolke 7. Mit A. an einem heißen Sommerabend und Segelflugzeuge beobachtend, dabei ihren neuen Job feiernd.
Mit N.+B., A.+M., P.+R. und A. im Gockelwirt am Vorabend der Hochzeit von N.+B. in Hopferau.
Postoperativ: Hühner-Frikasssee und Kaninchenbraten von Mom zu Weihnachten. Muttiküche ist eh die beste Küche.

Getränk des Jahres?
Mineralwasser aus Glasflaschen

Das beeindruckendste Buch?
Liv Strömquist, Der Ursprung der Welt
Wolfgang Herrndorf, Bilder deiner großen Liebe
Paul Feyerabend, Wider den Methodenzwang – Was M. Demantowsky dazu sagt.
Holger Kuntze, Lieben heißt wollen

Wer kann lieben? Jeder. Aber nicht jeder will lieben. Wir müssen auch akzeptieren, auf Menschen zu treffen, die nicht lieben wollen. Und wir tun gut daran, uns dann von diesen Menschen fernzuhalten, wenn wir selbst in und mit Liebe leben wollen. [1]

Der ergreifendste Film?
lineares Fernsehen: 2x Tatort / 1x Polizeiruf („Borowski und das Land zwischen den Meeren“ mit Axel Milberg, „Der Mann, der lügt“ mit Richy Müller / „Der Fall Sikorski“)
Netflix: „Kein Mann für leichte Stunden“ – Dieses Paralleluniversum mit vertauschten Geschlechterrollen würde mich doch sehr interessieren… :)
Kino: „Ballon“ und „Das schweigende Klassenzimmer“ – Beides Filme mit DDR-Content.

Die beste Musik?
Wieder vermehrt Musik heruntergeladen. Die Single Voyage Libre im März und das dazugehörige Album Treasures from the Temple von Thievery Corporation waren sehr, sehr überzeugend. Promises von Calvin Harris (w/ Sam Smith) den Sommer über in Dauerschleife gehört. Morcheeba! Laura Pergolizzi! Herbert hat endlich ein neues Album veröffentlicht und wird mir nächstes dieses Jahr den Besuch ein schönes Konzert ermöglichen.

Das schönste Konzert?
Das Musical des DSp-Kurses der Q1 im 2. Halbjahr 2017/18.

Die tollste Ausstellung?
„Europa und das Meer“ im Deutsch Historischen Museum.
„Wanderlust“ in der Alten Nationalgalerie.
Vom Paris-Trip im Juli ist das Panthéon in Erinnerung geblieben, dort vor allem das foucaultsche Pendel im und die Plakate um das Panthéon zu Lebensstationen von Simone Veil, die kurz zuvor dort mit ihrem Mann ein Ehrengrab erhalten hat. Tolle, beeindruckende Frau.

Die meiste Zeit verbracht mit …?
… und in der Schule.
Mit diesem wunderbar langen und intensiven Sommer. Ab 20°C schnurrt mein Motor, höhere Temperaturen sind noch besser.

Die schönste Zeit verbracht mit …?
T.

Der beste Sex?
Natürlich! ;)

Vorherrschendes Gefühl 2018?
Vertrauen. Ich bin sehr gut organisiert. Ich bin (hier) richtig.

2018 nach langer Zeit wieder getan?
Eine Gartenparty organisiert.
Paris besucht, weil ich unbedingt nach Versailles wollte. Kack Idee, der Park und alles drumrum ist ein schlechter Witz. Umso mehr schätze ich wieder einmal die Schlösserlandschaft von Potsdam. Sonst war Paris natürlich eine sehr gute Idee. :)
Die Finanzierung des Häuschens im Spreewald erneuert.
Jemanden nach sehr langer Zeit erneut begegnet, um dem Universum einen Sinn zuzusprechen.

2018 zum ersten Mal getan?
Kontenklärung bei der deutschen Rentenversicherung.
Den Blutmond beobachtet.
Mehrfach und mehrere Tage am Stück allein die Vertretungsplanung übernommen.
Die Ärztin bitten, mich krank zu schreiben, weil ich wirklich nicht mehr krauchen konnte.
Eine Operation unter Vollnarkose, einhergehend mit dem Hinterlegen einer Patientenverfügung und von Vollmachten für meine Lieben.

Drei (!?) Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Gesundheitlich die Pendelei meines TSH-Wertes im 2./3. Quartal und die Koliken rund um die Gallenblasenentzündung im 4. Quartal.
Familiäre Egomanie und Erwartungshaltung.
Die sich stets verhunzt anfühlenden Elternabendtermine. Ich will mich und meinen Unterricht vorstellen, keinen Rapport abliefern müssen.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Mich selbst. Von der überfälligen Ausformulierung des Dissertations-Themas. Work in progress.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Für G. die Organisation der Bootstour mit der Piep zum Abschied aus dem OHG-Dienst.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Alle Gäste sind zur verregnetsten Gartenparty ever gekommen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Du hast mit deiner Art als Lehrerin und als Persönlichkeit erstmals T. genau da abgeholt und ‚befeuert‘, wo und wie er es sich immer bewusst und unbewusst ersehnt hat. […] … und ganz nebenbei liebt P. dich auch ganz heiß und strahlenförmig.“ (K. als Mutter von T. und P. <3)

2018 war in einem Wort / in einem Satz …?
Wachsen und Gedeihen. Sicherheit und Geduld.

[20172016, 2015.]

Was zum Schuljahr 2017/18 festgehalten werden sollte

Wieder so ein Schuljahr mit einer gewissen Unwucht in der Halbjahres-Zuteilung: 17 KWs im 1. Halbjahr (14,5 bis Notenschluss) vs. 20 KWs im 2. Halbjahr. Auf Twitter habe ich bei einigen Kolleg*innen gelesen, dass es für sie gefühlt ein anstrengenderes Schuljahr als sonst war. Ich kann dem nur zustimmen. Vielleicht sind wir gemeinsam gealtert? Aber ich habe ein Gefühl, woran es wohl lag, denn rein zahlenmäßig hatte ich dieses Schuljahr weniger Schüler*innen in der Notenverantwortung, da ich zwei Klassen in Bio und Geschi parallel hatte. Bis auf drei Klassen/Kurse waren das für mich aber alles neue Schüler*innen und neue Klassen. Und diese Klassen sind dann selbst noch neu zusammengestellt worden, was wieder heißt, dass da ganz viel Dynamik und Zwischenmenschliches eine Rolle spielte.

Für mich erfreulich war, dass ich endlich im 5. Jahrgang für Geschichte eingesetzt wurde. In zwei der beiden Oberstufenkurse brachten die neuen Fachanforderungen wieder deutlich Mehrarbeit mit sich. In diesem Schuljahr war ich daher häufiger als sonst froh, wenn ich mich in den anderen Klassen auf halbwegs bekanntem Terrain bewegen konnte. Trotzdem noch viel, viel Zeit und Kraft mit Unterrichtsplanung verbracht. Nein, ich unterrichte nie zu 100% mit dem Material aus den letzten Jahren. ;)

Zahlen, Daten, Fakten:

  • 3 Oberstufenkurse: zwei in Geschichte, einen in Biologie (brachte 116 Klausuren)
  • 7 Klassen in der Orientierungs- und Mittelstufe: drei in Biologie, drei in Geschichte, eine in Medien und Öffentlichkeit (WaPf)
  • außer in Klasse 7 in jedem Jahrgang mindestens eine Klasse unterrichtet, so kenne ich tatsächlich bald alle Schüler*innen
  • Notenverantwortung für (im Mittelwert) 188 Schüler*innen
  • Klassenleitung einer 8. Klasse (ein schönes Sozialexperiment zu sehen, wie diese aus fünf 7. Klassen zusammen ein „neues Team“ bildeten; wie erst die SuS warm wurden, denen es faktisch egal ist, wer sie unterrichtet und mit wem sie in einer Klasse sind; dann langsam schoßen die SuS ins Kraut, die mit uns unterrichtenden Kolleg*innen warm wurden und ab Ostern dann auch die SuS, die sich ihrer Rolle in der Klasse und bei uns Kollegen sicher sein müssen; fast schon schade, dass wir uns nach der Neun schon wieder trennen müssen: längeres gemeinsames Lernen hat schon was – für beide Seiten)
  • eine Klassenfahrt selbst organisiert (Potsdam/Berlin mit meiner Achten)
  • acht Wandertagen beigewohnt (vier davon selbst organisiert)
  • 17 Präventionsveranstaltungen/-teilnahmen für unsere Schulgemeinschaft organisiert
  • 2 Schulkonferenzen, 2 Dienstbesprechungen, 3 Lehrerkonferenzen, 4 Fachschaftssitzungen, 1 Personalversammlung, 22 Notenkonferenzen, 9 pädagogische Konferenzen, 5 Elternabende, 2 Elternsprechtage, 2 Schulentwicklungstage (SE-Tage), 1 Termin des AK Mediencurriculum sowie mindestens zwei Hände voll an weiteren terminierten Gesprächsanlässen mit Kollegen und/oder Eltern und/oder Schülern
  • Verantwortung für 9 Prüflinge im mündlichen Abitur in Geschichte, davon eine umfänglichere Präsentationsprüfung
  • einen Tag im 2. Halbjahr krank gemeldet, zwei Tage für ganztägige Forbildungen frei bekommen, an sieben Terminen drei weitere halbtägige FoBis (TVaS!) besucht

Gemeinsam mit J. das Präventionskonzept durch die Schulkonferenz geboxt. Als nächstes Projekt wollen wir uns KoSiMa vornehmen, das bringt unsere Schule im Sinne einer schülerorientierten Suchtprävention sicher wieder neue Impulse.

Überhaupt Schulkonferenz: mit deutlichem Abstand nach unten auf Platz 3 der 11 Kolleg*innen gewählt worden, die für zwei Jahre die Lehrer*innen in der Schulkonferenz vertreten. Doch, doch, über das Vertrauen habe ich mich sehr gefreut. Natürlich kostet dieses Ehrenamt wieder Zeit und bringt eventuell den ein oder anderen Arbeitskreis (Orga der Projektwoche!) mit sich, aber das ist mir die systemische Erfahrung wert.

Zusammen mit meinem Medienkurs hatte ich die wunderbare Idee, einen Medienelternabend („Schüler unterrichten ihre Eltern“) auszuprobieren. Der kam dann gleich so gut an, dass ich daraus mit meinen zukünftigen Medienkursen aus dem WaPf-Bereich eine Dauerveranstaltung implementieren werde. Selbst die Elternvertreterin einer der Grundschule in der Stadt möchte gern auch ihre Elternschaft zum Zuhören und Mitmachen vorbeibringen.

Nebenbei die Rangeleien um die A14-Stellen beobachtet. Junge, Junge… Dabei war das nicht einmal die harte Konkurrenz, die in den nächsten 2-3 Jahren an unserer Schule aus dem Kreis der Junglehrer*innen aufrückt und sich scharf beäugen wird. Da wird jetzt bereits jedes Pfründlein vorsortiert.

Und dann war da noch die Großaufgabe Stundenplanerassistenz. Zu Beginn des Schuljahres fand sich niemand, der die Assistenz für die Stundenplanschieberei übernehmen wollte. Ist halt doch mehr Arbeit als „nur mal reingucken“. Mittlerweile sitze ich mit dem StevDirex am vierten Durchgang für die Planung eines neuen Schuljahres. So war es dann keine echte Herausforderung den Vertretungsplan im letzten Monat des Schuljahres mal eben so für 2 Wochen zu übernehmen. Womit niemand rechnete, weil der StevDirex und ich ja nie nicht krank werden, ist dann doch passiert. Krass, was man kann, wenn man muss. Denn mein Stundendeputat ist ja nicht weniger geworden. (Wobei ich aber denke, dass es trotzdem irgendwie gegangen wäre. Was aber sicher die Schulleitung ein wenig ins rotieren und rollieren gebracht hätte…) Meinem Selbstbild hat es ganz sicher nicht geschadet. Denn Untis und ich, wir sind jetzt echte Freunde geworden. :)

[2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 | Das war mein 5. Schuljahr in Vollzeit nach meinem Referendariat.]